The Americans 5x12

© hilip (Matthew Rhys) und Elizabeth (Keri Russell) sind bereit zum Abschied. / (c) FX
Zum Ende ihrer fünften Staffel verliert die FX-Spionageserie The Americans keine Zeit, eine bedeutende Frage aus ihrer letzten Episode aufzulösen: Was hat Elizabeth (Keri Russell) damit gemeint, als sie ihrem Ehemann Philip (Matthew Rhys) in ungewohnter Freimütigkeit eröffnete, zurück nach Hause zu wollen? Lange müssen wir in The World Council of Churches nicht darüber spekulieren. Elizabeth will den Job tatsächlich aufgeben und nach Russland zurückkehren.
It's time
Neben ihrem Auftraggeber, dem Center, gibt es ein großes, schier unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zur Erfüllung dieses Wunsches - ihre beiden Kinder Paige (Holly Taylor) und Henry (Keidrich Sellati). So richtig bewusst ist sich das Ehepaar jedoch nicht darüber, mit wie viel Widerstand es rechnen muss, sollten es seinem Nachwuchs jemals wirklich unterbreiten, dass es nun plötzlich für immer in ein Land geht, das sie beide seit 20 Jahren nicht mehr, ihre Kinder aber noch nie gesehen haben. Und darin ist noch nicht mal die Lüftung des Geheimnisses eingerechnet, das sie immer noch vor Henry hüten.
Es erscheint wie ein unmögliches Unterfangen, weshalb auch überrascht, wie blauäugig sie agieren. Unterstützt werden sie in ihrer Naivität sicherlich von Claudia (Margo Martindale), die eigentlich deutliche Worte finden müsste, stattdessen aber signalisiert, dass weder der Center noch der Umzug der Kinder in ein völlig fremdes Land allzu großen Barrieren darstellen. Philip war ja stets der, dem der ganze Spionagekram längst zuviel ist, jedoch hatte es immer den Anschein, als beinhalte seine Exit-Strategie den Verbleib in Amerika.
Nun, da auch die ehemals so ideologiefeste und zweifelbefreite Elizabeth einen konkreten Pensionswunsch formuliert, ist Philip aber offensichtlich jedes Mittel recht, um diesen vermaledeiten Job hinter sich zu lassen. Ganz überzeugt davon, dass sich ihre Kinder ihrem Schicksal beugen werden, sind sie dann aber doch nicht, weshalb sie bei der einzigen Person Rat suchen, die ihnen diesen paradoxerweise geben kann: Pastor Tim (Kelly AuCoin). Außer ein paar Allgemeinplätzen hat er aber auch keine Antwort zu bieten, die ihnen weiterhelfen würde.

Erschwert wird diese monumentale Entscheidung durch das Verhalten von Paige und Henry. Die für ihr Alter bereits viel zu erfahrene, mit einer großen Bürde belastete Paige atmet gegenüber ihren Eltern erleichtert auf, als endlich feststeht, dass Tim zukünftig keine Rolle mehr in ihrem Leben spielen wird. Das an sich ist ja schon eine echte Schande, hat Paige in der Kirchenarbeit doch einst spirituelle Erlösung gefunden, bevor sie in das dunkle Geheimnis ihrer Eltern eingeweiht wurde. Jetzt kann es ihr gar nicht schnell genug gehen, sich das Kreuz vom Hals zu reißen und zu entsorgen.
Philip and Elizabeth Jennings are dead people?
Aber Halt, da hat sie die Rechnung nicht mit ihren unbarmherzigen Eltern gemacht, die es natürlich nicht zulassen können, dass irgendjemand auch nur den Hauch eines Verdachts schöpft. Die Kette bleibt also an, bis sich Paige endgültig aus der Kirche verabschiedet hat. Henry hört derweil gar nicht mehr auf mit den Überraschungen, was jedes andere Elternpaar maßlos glücklich machen würde, dem Ehepaar Jennings aber nur weitere Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Wie soll es nur jemals möglich sein, diesen ambitionierten, lebensfreudigen Jungen mit einem Umzug nach Russland nicht in eine tiefe Depression zu stürzen?
Wie das ausgehen kann, erleben Philip und Elizabeth am Ende der Episode live mit. Ihr Schein-Sohn Tuan (Ivan Mok) hat nämlich die ultimative Eskalationsstufe im Mozorov'schen Familienstreit eingeläutet, indem er Pasha (Zack Gafin) dazu gebracht hat, sich selbst eine Vene aufzuschneiden, ohne dabei eine Arterie zu treffen. Seiner Mutter Evgheniya (Irina Dvorovenko) soll damit ein solch großer Schreck eingejagt werden, dass sie alle Zweifel über eine Rückkehr nach Russland über Bord wirft, ihren Sohn einpackt und sofort aufbricht.
Für unser Spionagepaar, das am Ende der letzten Episode noch kaltblütig einen Unschuldigen und eine halbwegs Schuldige erschoss, geht das zu weit. Einmal mehr ist es Philip, der das schlechtere Gewissen offenbart und zur Rettung Pashas aufbricht - auch wenn das bedeuten könnte, dass sie enttarnt werden. An diesem Punkt muss man sich jedoch wirklich fragen, ob das nicht vielleicht das Beste für Familie Jennings wäre. Philip und Elizabeth könnten sich auf die Flucht begeben und müssten gleichzeitig keine Repressionen fürchten, da sie einen legitimen Grund vorzuweisen hätten.

Mit ein bisschen Glück könnten Paige und Henry dann in ein Leben aufbrechen, in dem sie zwar ohne die Präsenz ihrer Eltern auskommen müssten, das sie aber nicht in einem Land versauern ließe, das wirtschaftlich und politisch vor dem Ruin steht. Wie schlimm der Verfall ihrer Heimat wirklich ist, wissen Elizabeth und Philip nicht. Sie kennen die Realität in der Sowjetunion seit mehreren Dekaden nicht mehr, und selbst damals dürften sie ein stark verzerrtes Bild eingetrichtert bekommen haben. Wie es in der Gegenwart dort aussieht, wissen nur wir Zuschauer.
Everyone feeds at the trough
Unsere Augen und Ohren spielt Oleg (Costa Ronin), der mit wachsender Verzweiflung versucht, gegen das undurchdringbare heimische Korruptionssystem anzugehen - oder wenigstens nicht daran zugrunde zu gehen. Als der Geheimdienst ihm gegenüber zum ersten Mal den Namen von William äußert, weiß er genau, welche Stunde geschlagen hat. Wie es für ihn ausgehen kann, sieht er am Schicksal all der von ihm Verdächtigten, mit denen der Ankläger meist kurzen Prozess macht. Nur dank Olegs entschiedener Fürsprache kann zum Beispiel Marktleiterin Rykova (Alla Kliouka) einer langen Haftstrafe entgehen.
Vor allem zu Hause sorgt Olegs Tätigkeit für magenverdrehende Unstimmigkeiten. Von ihm auf die Zeit im Straflager angesprochen, antwortet seine Mutter Yelena (Snezhana Chernova) überraschend ehrlich: Um sich ein halbwegs menschenwürdiges Überleben zu gewährleisten, habe sie sich für den Lagerarzt prostituiert. Weniger verstörend, aber doch emotional genuin gerät die Unterhaltung mit seinem Vater Igor (Boris Lee Krutonog), der Oleg den Schutz seines hohen Amtes anbietet, obwohl er gerade selbst gegen die allgegenwärtige Korruption gewettert hat. Oleg sei jedoch ein guter und deshalb schützenswerter Mensch, was der nur mit tränenerstickter Absage beantworten kann.
Emotionale Niedergeschlagenheit, wohin man schaut. Ein bisschen sticht da vielleicht die Geschichte um die neue FBI-Doppelagentin Sofia (Darya Ekamasova) heraus. Zu ihrem Treffen mit Beeman (Noah Emmerich) und Aderholt (Brandon J. Dirden) bringt sie ohne Ankündigung ihren Verlobten mit, den ehemaligen Eishockeyspieler. Nach kurzem, freundlichem Plausch stellt der sogleich neue Bedingungen für die Kooperation. Was daraus wird, muss sich noch zeigen. Stan jedenfalls befürchtet bereits das Schlimmste.
Momentan sieht es nicht danach aus, als könne irgendeine Figur mit weniger als dem Schlimmsten aus dieser pechschwarzen Serie treten. The Americans war nie leichte Kost, hat sich aber in den letzten beiden Staffeln zum trostlosesten entwickelt, was das Fernsehn zu bieten hat. Gute Nerven sind gefragt.
Trailer zu Episode 5x13: 'The Soviet Division'
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 24. Mai 2017The Americans 5x12 Trailer
(The Americans 5x12)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x12
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