The Americans 5x11

The Americans 5x11

Ein Auftrag außer der Reihe zwingt Elizabeth und Philip in der The Americans-Episode Dyatkovo zu einer nahezu unmöglichen Entscheidung. Die daraus resultierenden Verwerfungen sind enorm. Bei Henry herrscht indes viel bessere Laune.

Elizabeth (Keri Russell) erlebt einen vermeintlichen Durchbruch. / (c) FX
Elizabeth (Keri Russell) erlebt einen vermeintlichen Durchbruch. / (c) FX
© lizabeth (Keri Russell) erlebt einen vermeintlichen Durchbruch. / (c) FX

Am Ende der The Americans-Episode Dyatkovo steht nicht nur eine der bewegendsten Szenen der gesamten fünften Staffel, sondern auch eine handfeste Überraschung. Plötzlich ist es nicht mehr nur Philip (Matthew Rhys), dem sein Beruf als sowjetischer Deep-Cover-Spion gehörig auf den Senkel geht, sondern auch seine Ehefrau Elizabeth (Keri Russell), die bisher einen ideologisch stets viel gefestigteren Eindruck machte als er. Nun gerät diese Glaubenstreue aber zum ersten Mal ernsthaft ins Wanken.

High and mighty

Zumindest scheint es so. Ihre abschließenden Worte sind nämlich vielfach interpretierbar: „I want to get out of here. We should just go. I mean it. Let's go home.“ Elizabeth könnte damit entweder meinen, nach Hause zu den Kindern zu fahren, um sich mit ihnen einen schönen Abend zu machen und das soeben Erlebte zu vergessen. Sie könnte aber auch meinen, beim Center einen Antrag auf Dienstentlassung zu stellen und ins Heimatland zurückzukehren, wie es Gabriel am Ende der vierten Staffel vorgeschlagen hatte.

Eine dritte Interpretation lautet, dass das Ehepaar inklusive Anhang zu den Amerikanern überläuft und unter geheimer Identität ein neues Leben anfängt. Wenngleich Philip das nie so deutlich ausgesprochen hat, so ist es doch ziemlich eindeutig, dass er für diese Option am empfänglichsten wäre, würde Elizabeth das jemals ernsthaft vorschlagen. Es ist sicher kein Zufall, dass Autor Joshua Brand seiner Hauptfigur zum Ende der vorletzten Staffel solch vieldeutige Worte in den Mund legt. Wir sollen darüber spekulieren, um dann in der nächsten Episode festzustellen, dass alles bleibt, wie es immer war.

Davon gehe ich stark aus - alles andere wäre ein viel zu tiefer Einschnitt in eine Geschichte, die weitere 15 Episoden mit Inhalt zu füllen hat. Die Entscheidung, den Dienst aufzugeben, wird wohl frühestens zum Ende der Serie anstehen. Trotzdem ist jetzt ein guter Zeitpunkt, auch bei Elizabeth erste Zweifel zu säen. Immerhin ist der aktuelle Auftrag, die vom Center als russische Verräterin gebrandmarkte Natalie Granholm (Irina Dubova) als solche zu bestätigen und dann zu eliminieren, nur die Spitze des Eisbergs an Gräueltaten, die Philip und Elizabeth in jüngster Zeit verrichten mussten.

Bei Oleg (Costa Ronin, r.) wächst die Desillusion.
Bei Oleg (Costa Ronin, r.) wächst die Desillusion. - © FX

Von Claudia (Margo Martindale) erhalten sie die Bestätigung darüber, dass das von ihnen außer Landes geschmuggelte Lassa-Virus von den Sowjets in Afghanistan tatsächlich zum Zwecke der biologischen Kriegsführung eingesetzt wurde. Seit letzter Episode wissen sie, dass ihre Weizen-Operation gelungen ist, dass sie dafür aber keinerlei Anerkennung bekommen werden. Und Paige (Holly Taylor) wird von Tag zu Tag unglücklicher, seit sie in die elterlichen Geschäfte eingeweiht wurde und daran nun in zunehmendem Maße beteiligt werden soll.

A nice life

Kein Wunder also, dass sich Elizabeth und Philip plötzlich einig sind, Henry (Keidrich Sellati) auf das Internat zu lassen. Er würde es wohl nicht annähernd so gut verkraften, würde er erfahren, dass seine Eltern nur vorgeben, Reiseveranstalter zu sein. Überhaupt müssten die Kids eigentlich eine zentrale Rolle in den Jennings'schen Zukunftsplänen spielen. Wägt man ihre Bedürfnisse ab, wäre die einzig realistische Option, zu den Amerikanern überzulaufen. Was sollen Paige und Henry auch in Russland machen, nun, da sie an den American Way of Life gewohnt sind?

Wüssten Elizabeth und Philip auch nur annähernd, wie schlimm die Zustände in der kollabierenden Sowjetunion wirklich sind, bräuchten sie wohl keine lange Kontemplationsphase. Wir Zuschauer sind dahingehend klar im Vorteil, ist es doch gefühlt Äonen her, seit sich jemand in einem der Russland-Handlungsbögen ein Lächeln erlaubt hat. In Dyatkovo wird das einmal mehr illustriert von Oleg (Costa Ronin), der zwar seinen Job macht, an der Ergreifung vermeintlicher Verräter aber offensichtlich kein echtes Interesse hat.

Das könnte natürlich auch daran liegen, dass die Grenze zwischen Gesetzestreue und -bruch im korruptionsverseuchten sowjetischen Wirtschaftssystem fließend sind. Was die einen als Verbrechen erachten, die mit langjährigen Gefängnisstrafen geahndet werden müssen, sehen die anderen darin einfache Überlebenstaktiken. Ersichtlich wird das an der Chuzpe, mit der die Verdächtige Lydia Fomina (Julia Emelin) den Drohungen ihrer Befrager begegnet: „This is how the whole country works.“ Die ansonsten so ehrfürchtig behandelten Agenten können das nur mit ratlosen Blicken beantworten.

Natalie (Irina Dubova) wird diese Episode nicht überleben.
Natalie (Irina Dubova) wird diese Episode nicht überleben. - © FX

Wo hört Verrat auf, wo fängt der reine Überlebenswille an? Diese Frage steckt auch im Kern der Auseinandersetzung am Ende der Episode. Es dauert nicht lange, bis Natalie zugibt, die Gesuchte zu sein, auch wenn es zunächst nur den Anschein hat, als wolle sie ihren Ehemann John (John Procaccino) damit schützen. Dann aber erzählt sie grauenhafte Details darüber, wie die Nazis ihre Stadt überfielen, sie dazu zwangen, Gräber für die eigenen Eltern zu graben, und sie vergewaltigten. Ist sie nun eine Verräterin, weil sie die einzige Überlebensoption ergriffen hat?

Nothing made any sense

Zu diesem Zeitpunkt - Dubova hat mit ihrer glänzenden schauspielerischen Leistung an die bemitleidenswerte Betty aus Do Mail Robots Dream of Electric Sheep? (3x09) erinnert - steht für Elizabeth nicht mehr die einwandfreie Klärung dieses moralischen Dilemmas im Vordergrund, sondern die schnellstmögliche Erledigung des infamen Auftrags. Warum haben sie ihn überhaupt bekommen? Sind sie und Philip nicht sowieso schon längst überfordert mit den Trips nach Kansas, mit der Morozov- und Pastor-Tim-Überwachung, mit Paige? Welche Bedrohung stellt diese alte Dame verdammt noch mal für die Sowjetunion dar?

Das undurchsichtige Ergebnis aus diesen Überlegungen kennen wir. Es ist der düstere Abschluss einer der besten und düstersten Episoden dieser bisweilen etwas zähen fünften Staffel. Auflockerung liefert mit bemerkenswerter Konstanz nur our man Stan (Noah Emmerich), der dieses Mal Henry, dem Sohn, den er gerne hätte, seinen Arbeitsplatz zeigen darf, weil der einen Artikel für die Schule schreiben muss. Den FBI-Enthusiasmus des „greatest kid in the world“ weiß er jedoch mit einer geschickten Analogie zu dämpfen.

Ansonsten machen er und Aderholt (Brandon J. Dirden) minimale Fortschritte beim behutsamen Aufbau von Sofia (Darya Ekamasova) als Zuträgerin. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die beiden FBI-Agenten vom Autorenteam im Wartezimmer geparkt wurden, bis sie im endgame der sechsten Staffel wieder prominentere Rollen einnehmen dürfen. Einen ähnlichen Eindruck versprühen manche Handlungsbögen rund um Elizabeth und Philip. Weil wir die beiden und ihre Gefühlswelt aber so gut kennen, und weil sie von solch fantastischen Schauspielern verkörpert werden, bleibt es ein Genuss, ihnen zuzuschauen.

Trailer zu Episode 5x12: 'The World Council of Churches'

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 17. Mai 2017

The Americans 5x11 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 11
(The Americans 5x11)
Deutscher Titel der Episode
Djatkowo
Titel der Episode im Original
Dyatkovo
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 16. Mai 2017 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. August 2018
Autor
Joshua Brand
Regisseur
Steph Green

Schauspieler in der Episode The Americans 5x11

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