The Americans 5x10

© ute Laune sieht anders aus. / (c) FX
Mit der Episode Darkroom melden sich The Americans eindrucksvoll aus ihrem Winterschlaf zurück, in den sie in dieser fünften Staffel kurzzeitig gefallen waren. Der Plotfortschritt bleibt darin zwar ziemlich gering, allerdings brennen Autor Stephen Schiff und Regisseur Sylvain White ein Feuerwerk der Emotionen ab, das Elizabeth (Keri Russell) und Philip (Matthew Rhys) von einem vorübergehenden Gefühlshoch knallhart auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Für Optimismus ist hier kein Platz.
We're all machines
Dabei fängt alles so gut an. Paige (Holly Taylor) wischt abends den Küchenboden, weil sie ein Ventil braucht, um ihre angestauten Emotionen freizulassen. Diese sind bei einem nachdenklichen Mädchen wie ihr zwar omnipräsent, wurden nun aber von Pastor Tim (Kelly AuCoin) wieder ins Zentrum ihres Denkens gespült. Sie hat in seinem Tagebuch gelesen, wo steht, dass er sich große Sorgen um ihr Seelenheil macht. Philip macht sich daraufhin berechtigte Sorgen um die geistige Verfasstheit seiner Tochter, weshalb er und Elizabeth das Problem bei Claudia (Margo Martindale) vortragen.
Die reagiert mit einer Idee, die nicht nur Ehepaar Jennings, sondern auch Paige für eine angemessene Maßnahme halten: Tim soll ein Angebot von einer wohltätigen Organisation für einen Job im Ausland erhalten. Paige findet das zunächst komisch, lässt sich dann aber darauf ein, auch deshalb, weil ihre Eltern von der geglückten Weizen-Operation berichten. Für einen kurzen Moment können alle drei stolz aufeinander sein. Für einen kurzen Moment ist vergessen, dass die Kansas-Operation wohl auf mehrere Jahre ausgeweitet werden, dass Pasha (Zack Gafin) auf ihr Geheiß in der Schule aufs Übelste drangsaliert wird.
Von diesem kurzen Hochgefühl ermutigt, beschließt Philip, weiter gegen den momentanen Trend der ubiquitären schlechten Laune anzukämpfen. Darauf folgt eine Überraschung im doppelten Sinne. Philip macht Elizabeth einen Heiratsantrag. Mikhail will nicht nur der Ehemann von Elizabeth sein, sondern auch der von Nadezhda. Der Zeitpunkt dieses Vorschlags ist insofern unerwartet, weil es bislang stets den Anschein hatte, als würden sich die beiden immer weiter voneinander entfernen. Aus diesem Abwärtsstrudel will sich Philip - inspiriert von der EST-Theorie des Menschen als programmierte Maschine - nun aber befreien - wenn auch nur für wenige Augenblicke.

Damit beschert er sich und Elizabeth - und uns Zuschauern - eine der seltenen, unzweideutig positiven Lebenserfahrungen der beiden. Natürlich folgt darauf eine der niederschmetterndsten, als Paige mit den abfotografierten Seiten von Tims Tagebuch nach Hause kommt und sie gemeinsam den Film entwickeln. Auf den Bildern lesen sie schließlich Tims schockierende Einschätzung über Paiges seelische Verfasstheit: Er geht schlichtweg davon aus, dass sie ein psychologisches Trauma erfahre, das sie nie wieder ablegen könne. Ihr sei es dadurch unmöglich, Gut und Böse zu unterscheiden, sie werde nie in der Lage sein, jemandem zu vertrauen.
Not so easy to be happy
Wenn das nicht genug ist, um Elizabeth und Philip an ihren Überzeugungen zweifeln zu lassen, dann gibt es wohl nichts, was sie ins Grübeln bringt. In der Vergangenheit hatten wir bereits ein paar Kostproben davon, wie emphatisch die beiden - vor allem natürlich Elizabeth - sämtliche Kritik am Vorgehen ihres Mutterlandes abschmettern können. Dieses Mal stehen jedoch nicht eine Ideologie oder ein politisches System zur Debatte, sondern die geistige Gesundheit der eigenen Tochter. Und so sehr Elizabeth auch davon überzeugt sein mag, dass Religionen und ihre Vertreter Gift für eine freie Gesellschaft sind, so nachhaltig dürfte sie davon bewegt sein, was dieser Mann in seinen privaten Aufzeichnungen über Paige schreibt.
Trotz alledem bleiben Philip und Elizabeth Meister der Verleugnung und Verdrängung, schließlich lässt sich das Leben als Spion sonst gar nicht aushalten. In anderem Licht werden all ihre laufenden Missionen fortan dennoch erscheinen. Besonders deutlich kommt das in der Szene mit Elizabeth und Evgheniya (Irina Dvorovenko) zum Vorschein, in der die menschlichen Instinkte der Spionin mit ihren beruflichen kollidieren. Es tut ihr sichtlich leid, was Pasha in der Schule angetan wird, allerdings hat sie den eindeutigen Auftrag, Familie Morozov zur Rückreise nach Russland zu bewegen.
Dank des Angebots von Tatiana (Vera Cherny), die zum ersten Mal in dieser Staffel auftaucht, wird das wohl gelingen. Was sie dort erwarten könnte, zeigt der Handlungsbogen um Oleg (Costa Ronin), der sich weiterhin berechtigte Sorgen um die Aufmerksamkeit macht, die ihm und seiner Familie von Seiten des Geheimdienstes zuteil wird. Entsprechend schlecht auszuhalten ist die Dinnerszene, in der keine Worte, sondern nur vielsagende, sorgenvolle Blicke gewechselt werden. Auch die nach Moskau abgeschobene Martha bekommt eine Erwähnung, als nämlich Philip die Sorge äußert, dass Stan (Noah Emmerich) ein ähnliches Schicksal wie ihr drohen könnte.
So klein die Plotfortschritte auch sind, die The Americans in Darkroom machen, so nachhaltig sind die emotionalen Verwerfungen, die ihre Arbeit hinterlassen. Immer wenn sich die Serie darauf konzentriert, gehört sie zum Allerbesten, was das Fernsehen momentan zu bieten hat.
Trailer zu Episode 5x11: 'Dyatkovo'
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 10. Mai 2017The Americans 5x10 Trailer
(The Americans 5x10)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x10
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