The Americans 5x09

© lizabeth (Keri Russell) und Philip (Matthew Rhys) steuern auf schwere Zeiten zu. / (c) FX
Wir Zuschauer wissen längst, wie schwer es Philip (Matthew Rhys) mittlerweile fällt, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Überraschend ist deswegen, welch unterschiedliche Wege das Autorenteam von The Americans findet, dieses Unwohlsein zum Ausdruck zu bringen. Mitunter tauchen sie dafür tief ins eigene Archiv ab, um sicherzustellen, dass wir verstehen, wie viele Bälle Spionageehepaar Jennings derzeit jongliert. Zu Beginn der Episode IHOP gibt es deshalb auch ein Wiedersehen mit Kimmy (Julia Garner), die wir zum letzten Mal am Ende der vierten Staffel sahen.
Great solace
Schon in der ersten Szene lässt Philip - er ist natürlich wieder als „James“ unterwegs - tief blicken. Zum 17. Geburtstag singt er Kimmy nicht nur ein Ständchen, er verrät ihr auch, was er anders machen würde, bekäme er noch einmal die Chance zur Familiengründung. Sie weiß bereits, dass er einen Sohn hat, den er nicht sieht - Philip muss nicht wirklich lügen, sondern sich nur auf Mischa beziehen. Keine Kenntnis hat sie hingegen darüber, dass er das Familienleben, das er führt, für verpfuscht hält. Und das alles für eine Sache, an die er kaum noch glaubt.
Sein Glaube daran, dass Mutter Russland schon das Richtige tut, erfährt nachfolgend weitere schwere Erschütterung. Die Aufnahmen, die er der Aktentasche von Kimmys Vater entnimmt, verraten, dass das von ihm und Elizabeth (Keri Russell) entwendete Virus von den Russen wohl gegen afghanische Freiheitskämpfer eingesetzt wird. Elizabeth verwirft diese Bedenken, was angesichts ihrer Ideologiefestigkeit nicht weiter verwunderlich ist. Was dann aber doch erstaunt, ist der Umgang des Ehepaars mit der jüngsten Idee seines Sohnes Henry (Keidrich Sellati).
Die beiden wissen so wenig über sein Leben, dass sie von ihm vor beinahe vollendete Tatsachen gestellt werden. Er will mit seiner (platonischen) Freundin auf eine Privatschule, die ihm bessere Karriereoptionen als eine öffentliche high school bietet. Hier dreht sich die Ideologietreue von Philip und Elizabeth plötzlich um. Nun ist es Philip, der stärker protestiert. Elizabeth hingegen ist der Idee nicht abgeneigt. Anti-kapitalistische Einstellungen sind wahrlich nicht immer einfach aufrechtzuerhalten. Autor Peter Ackerman hat sich jedenfalls einen guten Kniff ausgedacht, um Henry zumindest zeitweise aus der Serie zu schreiben - sollte es so weit kommen.

Es wäre immerhin ein Handlungsbogen weniger, um den sich die Serie kümmern müsste, was ihr hinsichtlich ihres übervollen Terminplans gut zu Gesicht stehen würde. Derzeit hat es den Anschein, als sei das Format ähnlich überfordert wie seine beiden Protagonisten. So ist es denn auch durchaus nachvollziehbar, dass Philip einen anderen Spion ziemlich deutlich abweist, obwohl der nur jemanden zum Reden sucht. Andererseits haben er und Elizabeth genug Empathie übrig, um herauszufinden, was mit Tuan (Ivan Mok) los ist. Aus einem empathischen Anfangsgefühl wird jedoch bald ein Verdacht.
The girl I knew
Durch Zufall kommen sie ihrem jungen Kollegen aus Vietnam auf die Schliche, wie er die Grenzen des Bundesstaates überquert, um verbotenerweise Kontakt mit seiner Gastfamilie in Seattle aufzunehmen. Als er damit konfrontiert wird, dachte ich kurz, Elizabeth würde ihn an Ort und Stelle erschießen, schließlich wäre es nicht das erste Mal gewesen, dass sie mit einer Schwachstelle im Team kurzen Prozess macht (wir erinnern uns an Hans). Die beiden geben sich aber weitere Bedenkzeit, bevor sie eine endgültige Entscheidung hinsichtlich seines Schicksals treffen.
Für Philip bietet das eine weitere Gelegenheit, dem eigenen Ärger nur spärlich verhüllt Luft zu machen: „Maybe that's what he wants, to be pulled out of this shit. Start over.“ Nein, Philip, das ist genau das, was du willst. Wir dürfen gespannt sein, wie lange es Elizabeth noch mit ihrem zaghaften Ehemann aushält, bevor sie ihn als Belastung oder gar Gefahr einschätzt. Eventuell wird er ja auch als dienstuntauglich eingestuft und darf zurück ins Mutterland, wie Gabriel (Frank Langella), den wir hier überraschend schnell wiedersehen. Noch überraschender ist jedoch, vor wessen Tür er steht.
Martha (Alison Wright) macht sich da gerade ein kärgliches Abendessen. Ihr Gesichtsausdruck verrät sofort, wie es ihr in Moskau geht. Entsprechend wenig überraschen ihre deutlichen Worte gegenüber Gabriel, der sich nach ihrem Wohlbefinden erkundigt und verspricht, sie werde einen Job bekommen, sobald sie ausreichend Russisch gelernt habe. Das alles ist wenig Trost für eine Frau, die von einem Moment auf den nächsten ganz unten gelandet ist. Martha lebt in beinahe völliger Isolation, hat keine Freunde, keine Beschäftigung, keinen Kontakt zu ihren Eltern.
Es dürfte ihr dabei gehen wie der Mutter von Oleg Burov (Costa Ronin), als die im Gefangenenlager einsaß. Diese Verhaftung hat eine ähnlich schwere Kerbe in Familie Burov geschlagen wie der Tod des Sohnes im Afghanistan-Krieg. Oleg kann aus der Tragödie seines Vaters immerhin berufliches Kapital schlagen: Er bewegt den eingesperrten Dimitri (Leonid A. Mandel) zur Aussage. Wie sich das auf den Verdacht auswirken wird, den der Auslandsgeheimdienst gerechtfertigterweise gegenüber Oleg hat, bleibt abzuwarten. Da jedoch auch das FBI wieder hinter ihm her ist, droht ein weiterer Schicksalsschlag für die Familie.
Besonders viel Optimismus versprüht die The Americans-Episode IHOP wahrlich nicht.
Trailer zu Episode 5x10: 'Darkroom'
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 3. Mai 2017The Americans 5x09 Trailer
(The Americans 5x09)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x09
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