The Americans 5x08

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Es sind viele ganz kleine, leise Momente, die das niedrige Erzähltempo von Immersion - und der gesamten fünften Staffel von The Americans - wettmachen. Sie verhandeln meist die emotionale, psychische Verfassung der Protagonisten und sind deswegen weniger leicht zu fassen als die explosiven Action- und Spionageszenen, die in dieser Staffel tatsächlich etwas zu kurz kommen. Trotzdem bleibt es zutiefst befriedigend, Elizabeth (Keri Russell) und Philip (Matthew Rhys) beim Abtauchen in die eigene Psyche zuzusehen.
Time apart is a must
Diese Episode bietet dafür allerlei Gelegenheiten. Nachdem Ehepaar Jennings auf eigene Faust beschlossen hat, die Reise nach Topeka zu unterlassen, bis der Center neue Instruktionen ausgibt, sagt Philip bei Deirdre (Clea Lewis) ab, ohne die gewünschte Reaktion zu bekommen. Stattdessen eröffnet sie ihm, dass sie ihn gar nicht weiter sehen wolle. Das kratzt an seinem Ego, obwohl er - im Gegensatz zu seiner Ehefrau und ihrer Zielperson - gar keine Lust auf Deirdre hat. Von Elizabeth bekommt er für den Umstand, von einer 45-jährigen Alleinstehenden verlassen worden zu sein, sogar eine spitze Bemerkung, die er kühl kontert: „We're not all as attractive as you, Elizabeth.“
Unverkennbar wird der Graben zwischen den beiden tiefer, was sich auch an anderen Szenen ablesen lässt. Gegenüber ihrer neuen alten Kontaktfrau Claudia (Margo Martindale) lässt sich Elizabeth tief in die Karten blicken, wobei sie verrät, dass Philip und sie hinsichtlich ihrer Tochter Paige (Holly Taylor) wohl nie wieder einer Meinung sein werden. Elizabeth will aus ihr eine ebenso entschlossene und von der Sache überzeugte Agentin machen, wie sie es selbst ist. Wenn es jedoch nach Philip ginge, würde Paige ein sorgenfreies amerikanisches Teenagerleben führen.
So bleibt leicht nachvollziehbar, warum die Nachwuchsagentin ausschließlich von ihrer Mutter unterrichtet wird. Bei einer dieser Trainingssessions, die mittlerweile mit Baseballschläger als Angriffswaffe ausgeführt werden, kommt es zur psychologisch eindrucksvollsten Szene der Episode. Paige ist angesichts ihrer Fortschritte ungeduldig, und das aus gutem Grund: „I'm sick of being scared.“ Elizabeth lässt daraufhin einen seltenen Einblick in ihr Seelenleben zu. Seit sie mit 18 Jahren vergewaltigt worden sei, wisse sie, wie schwer die Situation für Paige sein müsse.

Die Szene könnte nun mit einer versöhnlichen Umarmung zwischen Mutter und Tochter enden, aber das lässt Elizabeth nicht zu. Sie hat sich vielleicht ein bisschen in ihre Zielperson verliebt, sie macht abends zur Entspannung vielleicht ein wenig Tai Chi, aber von ihrer Entschlossenheit hat sie ganz bestimmt nichts verloren. Trotzdem weiß auch sie, dass die Peitsche manchmal auch vom Zuckerbrot begleitet werden muss, weshalb sie die offensichtlich gelangweilte, wenn nicht sogar ein wenig apathische Paige zu einem Spaziergang einlädt, um einen echten Mutter-Tochter-Moment zu generieren.
Her mother's daughter
Inspiriert wurde sie davon vielleicht vom Treffen mit Tuan (Ivan Mok), der von seinen Fake-Eltern mehr Präsenz verlangt, was er zwar darauf schiebt, dass ihre vielfache Abwesenheit ansonsten auffallen könnte, was aber eher daran liegt, dass er alleine ist. Beim dazugehörigen Plan, Nachbarssohn Pasha (Zack Gafin) in der Schule wieder zum Einzelgänger zu machen, damit ihn seine Mutter Evgheniya (Irina Dvorovenko) mit zurück nach Russland nimmt, hat er jedoch keine Probleme - im Gegensatz zu Philip, der abermals einen verächtlichen Blick von Elizabeth kassiert, weil er Vorbehalte gegen eine solch grausame Gefühlsmanipulation äußert.
Vorbehalte hat er auch gegen Elizabeths vermeintlich ermunternden Vorschlag, er schaffe es schon, sich bei Deirdre wieder einzuschleichen. Und auch dagegen, von Claudia bevormundet zu werden: „You tell us what to do and we'll do it.“ Es soll nicht noch einmal dazu kommen, dass ein so enges Verhältnis zwischen handler und Agenten entsteht, wie es bei Gabriel der Fall war. Philip war sicher schon einmal an einem niedrigeren Punkt, jedoch sieht es derzeit danach aus, als würde man auf Seiten des Autorenteams bereits die dramaturgischen Grundlagen für das Endspiel um seine Gesinnung in der sechsten und letzten Staffel legen.
Überhaupt hat es den Anschein, als wäre die fünfte Staffel eine lange Präambel für ebenjenes Endspiel. Natürlich ist es als positiv zu deuten, dass dem Kreativteam gleich zwei abschließende Staffeln zuerkannt wurden, damit sie das Ende ihrer Geschichte lange im Voraus planen können. Allerdings stimmt auch die mancherorts verlautbarte Kritik, dass die Spionagegeschichten derzeit nicht mit dem psychologischen Drama der „Americans“ mithalten können - weder beim FBI noch in Moskau beim Directorate K, das Oleg (Costa Ronin) ins Visier genommen hat.
Es fehlen Figuren wie Martha und Nina, die momentan nicht von solchen wie Sofia (Darya Ekamasova), Alexei (Alexander Sokovikov), Ben (Brett Tucker) oder Deirdre ersetzt werden können. Bleibt die Hoffnung, dass sich das in den ausstehenden Episoden ändert.
Trailer zu Episode 5x09: 'IHOP'
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 26. April 2017The Americans 5x08 Trailer
(The Americans 5x08)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x08
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