The Americans 5x03

© hilip (Matthew Rhys) und Elizabeth (Keri Russell) suchen in Oklahoma nach Ungeziefer. / (c) FX
Die Optimisten unter den Zuschauern von The Americans haben vielleicht damit gerechnet, dass wir so bald nach ihrem Ausstieg aus der Serie darüber aufgeklärt werden würden, wie es der bemitleidenswerten Martha (Alison Wright) geht. Zu ihrem und unserem Entsetzen wurde sie ja gegen Ende der letzten Staffel in ein Land gebracht, das sie nicht kennt, dessen Sprache sie nicht spricht und zu dem sie keinerlei Verbindungen hatte - abgesehen natürlich von ihrem Schein-Ehemann Philip (Matthew Rhys), der sie als russischer Spion einst verführt hatte.
Pretending to be other people
In The Midges spannt uns Drehbuchautorin Tracey Scott Wilson also nicht länger auf die Folter. Nachdem der ebenfalls in die von Lebensmittelknappheit geplagte UdSSR zurückgekehrte Oleg (Costa Ronin) seiner neuen Pflicht nachgegangen ist und einen Supermarkt inspiziert hat, verharrt die Kamera in einem Gang, um dann näher an eine weibliche Figur zu fahren, die sich in den spärlich bestückten Regalen umsieht. Obwohl wir da noch nicht erkennen können, um wen es sich handelt, fing mein Herz bereits an, schneller zu schlagen, und mein Verstand formulierte einen klitzekleinen Verdacht.
Dass es dann wirklich Martha ist, die da einkauft, löst ebenso erleichterte wie niederschmetternde Gefühle aus. Erleichterung natürlich deshalb, weil der Center sein Versprechen wahrgemacht und sie nach Moskau gebracht hat, statt sich einfach ihrer zu entledigen. Besonders glücklich sieht sie allerdings nicht aus, weshalb all die Befürchtungen wahrzuwerden scheinen, die man sich nach Verkündung ihres Schicksals ausgemalt hat. Nun stellt sich nur noch die Frage, ob dies ihr endgültig letzter Auftritt war, oder ob wir sie nun wieder öfter - zum Beispiel in Verbindung mit Olegs Handlungsbogen - sehen werden.
Wie auch immer es weitergehen mag, steht jetzt schon fest, dass dem Kreativteam hier ein kleiner Coup gelungen ist. Dieser wird eingebettet in eine ansonsten ebenfalls sehr starke Episode. Philip und Elizabeth (Keri Russell) befinden sich darin auf geheimer Mission in Oklahoma, wo sie in ein Laboratorium einbrechen sollen, das eine zentrale Rolle in der amerikanischen Aufrüstung mit Biokampfmitteln spielt. Unterbrochen wird ihr Einbruch vom Leiter der Forschungseinrichtung, dessen Schicksal in dem Moment besiegelt ist, als sich das Spionagepärchen ihm zu erkennen gibt.

Ob es ihm das Leben gerettet hätte, wäre er besser über seinen Arbeitgeber - wohl eine Scheinfirma namens Agricorp - unterrichtet gewesen, wie Elizabeth ihm kurz vor seinem, vom 80er-Hit „More Than This“ von Roxy Music unterlegten, Tod mit auf den Weg gibt, darf angezweifelt werden. Die Szene hat vielmehr die Funktion, Philip in seiner Ansicht zu bestärken, dass seine Tochter Paige (Holly Taylor) längst nicht bereit ist, ins elterliche Geschäft einzusteigen - und das aus seiner Sicht vielleicht niemals sein wird.
Queen of the Rodeo
Untermauert werden diese Befürchtungen, die Philip schon immer stärker plagten als Elizabeth, von den Berichten der Zielperson Alexei Morozov (Alexander Sokovikov), die keine Gelegenheit auslässt, die UdSSR an den Pranger zu stellen. Beim Anblick der weiten Felder in Oklahoma fragt sich Philip denn auch, warum es in der Heimat nicht möglich ist, eine ähnlich üppige Lebensmittelproduktion auf die Beine zu stellen. Elizabeth hat darauf eine schlichte Antwort - „Everybody has problems.“ - und eine pragmatische, die sie oft schon angewendet hat, um ihrem Ehemann die Zweifel auszutreiben: Sex.
Wie lange das so noch gutgehen kann, ist längst nicht absehbar, jedoch könnte Paige dabei das Zünglein an der Waage spielen. Sie wendet bereits den Fingertrick an, der ihr erst in der letzten Episode gezeigt wurde, fühlt sich hernach aber wahnsinnig schlecht. Dabei denken ihre Eltern bereits einen Schritt weiter. Sie glauben, dass sie Paige weniger überfordern, wenn sie ihr aufzeigen, wofür sie das alles machen - nämlich um Amerika daran zu hindern, mittels zerstörerischer Mücken eine noch größere Nahrungsmittelkrise in der Sowjetunion auszulösen. Zu befürchten ist dabei, dass Paiges Indoktrination niemals so effektiv voranschreiten kann wie bei ihnen selbst, weil sie immer nur davon hört und nichts davon erlebt.
Wie schlimm es für Philip war, aufzuwachsen, erfahren wir anhand einer sehr kurzen Rückblende in seine Kindheit. Vor solcher Armut flüchtet nun eventuell auch sein Sohn Mischa (Alex Ozerov), der aber immer noch in Jugoslawien nach einem Schleuser sucht, um nach Österreich zu gelangen. Sollte es in diesem Tempo weitergehen, dürfen wir mit einer familiären Wiedervereinigung nicht vor der abschließenden sechsten Staffel rechnen. Ein ebenso großes Fragezeichen steht hinter den Aktivitäten der FBI-Männer Beeman (Noah Emmerich) und Aderholt (Brandon J. Dirden), die erfolglos versuchen, eine Art Agenten-Kaltakquise zu betreiben.
Die Episode The Midges verwebt auf höchst zufriedenstellende Art die emotionalen Verwerfungen innerhalb des Jennings-Clans mit den Spionagetätigkeiten, deren Auswirkungen wir auf beiden Seiten des Atlantiks zu sehen bekommen. So darf es gerne weitergehen.
Trailer zu Episode 5x04: 'What's the Matter with Kansas?'
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 22. März 2017The Americans 5x03 Trailer
(The Americans 5x03)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x03
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