The Americans 5x04

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The Americans Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth Jennings (Keri Russell) bekommen in der Episode What's the Matter with Kansas? einen neuen Auftrag, von dem sie beide nicht begeistert sind - und das aus unterschiedlichen Gründen. Ihr sonst so sanftmütig erscheinender Vorgesetzter Gabriel (Frank Langella) gibt ihnen die Marschorder, in Topeka, Kansas zwei vielversprechende Zielpersonen zu verführen, die dem Vaterland in der Abwehrschlacht gegen amerikanische Biokampfstoffe behilflich sein sollen.
It's a lot
Diese honeypot-Szenarien waren für das Ehepaar noch einfacher durchzuführen, als sie die glückliche Ehe nur vorspielten und nicht wirklich ineinander verliebt waren. Weil sich das seit einiger Zeit geändert hat, bekommen solche Missionen eine zusätzliche Brisanz, was man sehr einfach an der Begeisterung ablesen kann, die Philip und Elizabeth nach Auftragserteilung an den Tag legen. Jedoch dauert es bis zum Ende der Episode, bis sich einmal mehr herauskristallisiert, wie unterschiedlich die beiden immer noch ticken, obwohl sie sich in den vergangenen Jahren mit Siebenmeilenstiefeln einander angenähert haben.
Philip will diesen Auftrag nicht durchführen, weil er sich weder sich selbst noch Elizabeth in fremden Betten vorstellen will. Für ihn hat das (amerikanische) Familienleben - und die romantisierte Vorstellung davon - längst den Kampf für das Vaterland in der Prioritätenliste abgelöst. Deshalb ist es ihm so zuwider, seine Zielperson Deirdre (Clea Lewis) in den Honigtopf zu locken. Elizabeth hingegen reagiert mit ähnlicher Ablehnung auf die eigene Aufgabe, hat dafür aber andere Gründe. Sie ist angewidert von der Vorstellung, mit Ben (Brett Tucker) zu schlafen, weil er dem Klassenfeind dabei hilft, die magere russische Ernte zu vernichten.
Dieser Konflikt, der stets unter der Oberfläche schwelt und bisher nur selten hervorgebrochen ist, könnte das Endspiel dieser außergewöhnlichen Serie darstellen. Philip und Elizabeth sind wie die beiden Klingen einer Schere zu Beginn ihres Öffnungsprozesses. Je weiter sich vor allem Philip aber ideologisch in Richtung westlicher Wertegemeinschaft öffnet, desto stärker werden die beiden auch auseinandergerissen. Dies dürfte überdies zu einem Streit hinsichtlich ihrer Tochter Paige (Holly Taylor) führen, die in dieser Episode erste Agententätigkeiten auf eigene Faust lanciert.

Paige soll lediglich auf das Baby ihres Mentors und Freundes Pastor Tim (Kelly AuCoin) aufpassen, nutzt diese Gelegenheit aber dazu, dessen Haus nach Material zu durchsuchen, das gegen ihn beziehungsweise seine Ehefrau Alice (Suzy Jane Hunt) verwendet werden könnte. Konkret sucht sie nach einem Druckmittel, um das belastende Tonband aus den Händen des damit betrauten Anwalts zu befreien. Elizabeth ist über diesen Alleingang zunächst verärgert, da Paige noch nicht ausreichend ausgebildet sei, um sich danach nichts anmerken zu lassen. Nach längerer Überlegungszeit sinniert sie vor Philip allerdings darüber, ob dies nicht doch ein Vorteil sein könnte.
Do what you need to do
Philip hingegen hält das für keine gute Idee. Er sieht Paige weiterhin primär als seine Tochter und erst viel später als eine Agentin, die behutsam an den Job herangeführt werden sollte. Am liebsten wäre ihm natürlich, dass sie damit gar nicht in Verbindung kommt, aber der Zug ist schon längst abgefahren. Interessant ist es auch, Philip beim Treffen mit dem russischen Überläufer Morozov (Alexander Sokovikov) zu beobachten, an dem er zum ersten Mal ohne Elizabeth teilnimmt. Dabei wird das gespiegelt, worüber Philip in der letzten Episode laut nachgedacht hatte, als er sich und Elizabeth fragte, wieso es der UdSSR trotz ähnlicher Voraussetzungen nicht gelinge, eine florierende Lebensmittelproduktion auf die Beine zu stellen.
Überhaupt scheint Drehbuchautor Peter Ackerman ein großer Fan von narrativen Spiegelungen zu sein, wie sich unschwer an den Handlungsbögen der ehemaligen geheimen Kooperationspartner Oleg (Costa Ronin) und Stan (Noah Emmerich) erkennen lässt. Beide versuchen in ihren neuen und alten Heimatbehörden, sich für jemand anderes einzusetzen - und beide setzen dabei ihre Karrieren auf's Spiel. Stan versucht, eine eigene Missetat als Druckmittel zu nutzen, um Oleg vor weiterer CIA-Belästigung zu schützen und Oleg will eine weniger kompromisslose Gangart gegen die betrügerischen Geschäftsleiter* durchsetzen - mit mäßigem Erfolg.
*Völlig zurecht wurde unter der Review zur letzten Episode darauf hingewiesen, dass die Ladenmanagerin von Alla Kliouka gespielt wird, der einbeinigen Haushälterin aus 'The Sopranos'.
Andernorts braucht Philips Sohn Mischa (Alex Ozerov) viel kürzer als von mir angenommen, um sich über die jugoslawisch-österreichische Grenze in den Westen schmuggeln zu lassen, von wo es für ihn unerwartet schnell nach New York weitergeht. Deshalb wage ich an dieser Stelle auch keine Prognose darüber, wann er seinem Vater zum ersten Mal unter die Augen treten wird. Bisher ist ihm ähnlich wenig screentime vergönnt wie Henry (Keidrich Sellati), der dank des unaufhaltsamen Wachstums seines Darstellers kaum noch als Henry zu erkennen ist, sich aber trotzdem über fehlende Apple Jacks beschweren und den Freuden und Leiden der Pubertät widmen darf.
What's the Matter with Kansas? ist eine von Regisseurin Gwyneth Horder-Payton sehr ruhig inszenierte Episode, in der es vor emotionaler Anspannung trotzdem ständig knistert. Die Spionageserie The Americans gibt uns darin einen kleinen Einblick in potenzielle zukünftige Konflikte, schafft es aber gleichzeitig spielend leicht, uns auch in der Gegenwart bestens zu unterhalten.
Trailer zu Episode 5x05: 'Lotus 1-2-3'
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 29. März 2017The Americans 5x04 Trailer
(The Americans 5x04)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x04
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