The Americans 5x02

© ine weitere niederschmetternde Szene in einer daran sehr reichen Serie / (c) FX
Die The Americans-Episode Pests ist zwar sehr ruhig erzählt, hinterlässt aber ein solch flaues Gefühl in der Magengrube, wie es keine andere derzeit laufende Serie vermag. Das liegt an der Meisterschaft, die die Serienschöpfer Joel Fields und Joe Weisberg hier zum wiederholten Male als Drehbuchautoren beweisen, die beiden großen Topoi der Serie - Kalter Krieg und Familie - miteinander zu vereinen. Im Mittelpunkt steht dabei einmal mehr Paige Jennings (Holly Taylor), Erstgeborene im russischen Spionageklan.
Everything's not alright in Paige Land
Sie ist in den Nachbarsjungen Matthew (Danny Flaherty) verliebt, seinerseits Sohn des FBI-Agenten Stan Beeman (Noah Emmerich), der seit über vier Staffeln nicht verstanden hat, wer quer über die Straße wohnt. Zunächst haben ihre Eltern Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth (Keri Russell) versucht, ihr mittels mahnender Worte mitzuteilen, dass es zu gefährlich sei, ausgerechnet mit Matthew zusammen sein zu wollen, weil ihre Deckung dadurch auffliegen könnte. Am Ende der Episode hält Elizabeth diese Taktik aber für gescheitert: „I am sick of treating her like a goddamn kid.“
Also gehen die beiden zur nächsten Phase der Agentenausbildung über, die ungleich nachhaltiger und dramatischer daherkommt als die vergleichbar zahmen Worte, die sie zuvor an ihre Tochter gerichtet hatten. Ihre größte Sorge ist, dass Paige im Hormonrausch nach dem (ersten) Sex etwas erzählen könnte, das bei Matthew für Argwohn sorgt. Deswegen bringen sie ihrer widerwillig zustimmenden Tochter eine Technik bei, die sie einst selbst gelernt haben, um Sex und Gefühle voneinander trennen zu können. Das Unheimliche an dieser Situation ist natürlich, dass Paige diese Trennung gar nicht vornehmen will, sondern die Erfahrung viel lieber genauso machen würde wie ihre Altersgenossinnen, wie eine normale Heranwachsende eben.
Seit der letzten Staffel, als sie herausfand, was ihre Eltern wirklich machen, dürfte uns Zuschauern jedoch klar sein, dass dies für Paige schlichtweg unmöglich ist. Die Tätigkeit ihrer Eltern verdammt eben nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Nachkommen dazu, ein Leben zu führen, das von Argwohn und Gefühlskälte bestimmt ist. Je nachdem, wie gut Paige damit umgehen kann, werden solche Lektionen ihre Zukunft bestimmen - und das nicht im positiven Sinne. Genau diese unbequemen Momente sind es, die diese Serie so einzigartig machen.

Paige wird zunehmend vom Sog der elterlichen Machenschaften erfasst, was die beiden auffallend wenig beeindruckt. Es gab jedenfalls Zeiten, in denen Philip länger darüber nachgedacht hätte, diese nächste Stufe im Rekrutierungsprozess seiner Tochter zu erklimmen. Bemerkenswert ist auch, wie nonchalant Elizabeth damit umgeht, dass Paige womöglich gerade zum ersten Mal Sex hatte. Sie interessiert sich gar nicht dafür, über diese einschneidende Erfahrung mit ihr zu sprechen, sondern macht sich ausschließlich Sorgen darum, wie das ihre Tarnung beeinflussen könnte.
Everybody run, run, run in America
Glücklicherweise ist Stan gerade mit allerlei Ablenkungen beschäftigt, um eine heiße Spur aufnehmen zu können. Einerseits ficht er einen Kampf gegen Windmühlen aus, indem er versucht, seine Vorgesetzten und die Kollegen vom Auslandsgeheimdienst CIA davon zu überzeugen, Oleg (Costa Ronin) in Moskau in Ruhe zu lassen. Andererseits versucht er einmal mehr sein Glück in Liebesdingen, wobei er sich nicht nur auf die Ratschläge seines Nachbarn („You gotta declare!“) verlässt, sondern auch auf die seines Kollegen Aderholt (Brandon J. Dirden). Uns beschert das immerhin ein Wiedersehen mit Laurie Holden aus The Walking Dead.
Während Philip also von der Freundschaftspflicht eingenommen ist, begibt sich Elizabeth auf Geschäftsreise in den mittleren Westen. Dorthin verfolgt sie den russischen Überläufer Alexei Morozov (Alexander Sokovikov) zu einer Farm in Illinois, auf der ein Gewächshaus steht, in das sie nachts einbricht. Die Szene ist dank der exzellenten Regie von Chris Long nicht nur wahnsinnig spannend, sondern bekommt dank der ominösen Insekten, die Elizabeth dort vorfindet, auch einen hauchzarten Mysteryeinschlag, der sich natürlich nur darauf reduzieren lassen wird, dass die Russen mit ihren Erkenntnissen erst mal nur wenig anfangen können.
Beim Dinner mit Familie Morozov gibt es für das als Eckert-Ehepaar getarnte Agentenpärchen anschließend statt erhellender Informationen nur die Erkenntnis, dass deren Sohn Pasha (Zack Gafin) überreif ist, um ihn für die eigene Sache einzuspannen. Seine deutlichen Worte zur neuen Heimat - „I'd rather die back home than live here.“ - sind eine klare Zurückweisung der väterlichen Begeisterung für die üppige Konsumwelt Amerikas. Ob sich Oleg auch schon danach sehnt? Die Kontaktaufnahme durch einen CIA-nahen Agenten, unter Einsatz des Namens „Beeman“, dürfte ihm jedenfalls kein gutes Gefühl geben.
Die FX-Dramaserie The Americans läuft zu Beginn ihrer fünften Staffel wie eine gut geölte Maschine. Spannung wird nicht nur in augenscheinlich spannenden Szenen wie im Gewächshaus erzeugt, sondern auch mit solch ebenso ruhigen wie niederschmetternden wie in Paiges Schlafzimmer. Wo das alles hinführt, lässt sich längst nicht erahnen. Dass das alles gut ausgeht, ist nahezu ausgeschlossen.
Trailer zu Episode 5x03 der US-Serie „The Americans“, „The Midges“:
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 15. März 2017The Americans 5x02 Trailer
(The Americans 5x02)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x02
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