The Americans 4x13

Zwei weitere Staffeln von The Americans erwarten uns nun noch, weshalb ein spezielles Ereignis aus der Finalepisode der vierten besonders überrascht. Angesichts jüngster Entwicklungen verblüfft Gabriel (Frank Langella) das Spionageehepaar Jennings und uns Zuschauer mit der Aussage, ihr Auftrag in den USA sei niemals auf unbestimmte Zeit angelegt gewesen. Die Möglichkeit der Rückkehr in die ausgebreiteten Arme von Mütterchen Russland ist mir ehrlicherweise nie in den Sinn gekommen.
It's time
Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth (Keri Russell) erscheinen davon nicht weniger vor den Kopf gestoßen. Dabei hätten wir alle wissen können, dass dieser Ausweg stets offensteht - und in diesem Falle sogar die logische Schlussfolgerung ist. Die anfänglichen Ereignisse in Persona Non Grata machen das schmerzlich bewusst. Zu Beginn der Episode nimmt Stan Beeman (Noah Emmerich) mit seinen FBI-Kollegen an einer Autoverfolgungsjagd teil, von der er kürzlich noch behauptet hatte, sie gehöre nicht zu seinem Job.
Das gesamte cold open ist äußerst spannend inszeniert, wenngleich die akute Bedrohungslage für Philip nie wirklich eindeutig herausgearbeitet wird. Trotzdem ist es kaum auszuhalten, bis wir erfahren, wie das gegenseitige Beschatten und Beschleichen ausgeht. Besonders perfide ist der Schnitt zum Vorspann, mitten auf dem Höhepunkt der Spannung. Hernach ist es William (Dylan Baker), der in die Hände des FBI gerät. Er macht zwar Anstalten eines Fluchtversuchs, ganz auszuschließen ist es aber nicht, dass er erwischt werden will.
Wollte er um jeden Preis überleben, wäre es nicht nötig gewesen, sich mit dem hochgefährlichen Lassa-Virus anzustecken. Als William danach unter den wachsamen Augen der FBI-Agenten Beeman und Aderholt (Brandon J. Dirden) dem sicheren Tod entgegenwimmert, bekommen wir mehrere Erklärungen für seine schnelle Aufgabe. Seine Unsichtbarkeit als russischer Spion habe er zunächst als eine Art Superkraft wahrgenommen, bevor diese sich immer mehr zu einem Fluch entwickelt habe: „The absence of closeness makes you dry inside.“
Diese fieberdurchtränkten Aussagen sind zunächst ungefährlich für Familie Jennings, münden aber in vage und doch verräterische Bekundungen. William erzählt von seiner gescheiterten Scheinehe und vergleicht sich mit Philip, ohne dessen Namen auszusprechen: „I wish I could've been with her for all these years, like them, couple kids, American dream. Never suspect them. She's pretty. He's lucky.“ Für uns Zuschauer könnte diese Beschreibung nicht eindeutiger sein, für Stan und Aderholt klingt sie jedoch reichlich banal.
Shit happens, you know?
Eine große Gefahr für Elizabeth und Philip geht von seiner Gefangennahme natürlich trotzdem aus, wissen sie doch nicht, dass er bald sterben wird und wie aussagewillig er ist. Sie müssen darauf hoffen, dass seine Loyalität zum Vaterland trotz gegenteiliger Bekenntnisse stark genug ist, um sie nicht zu verraten. Vor diesem Hintergrund ist es dann schon weniger verwunderlich, dass Gabriel ihnen eine baldige Rückkehr nach Russland vorschlägt, diese Entscheidung aber nicht als Befehl formuliert, sondern gänzlich ihnen überlässt.
Aus reinem Sicherheitsaspekt betrachtet, wäre es für Familie Jennings die beste Entscheidung, dieses Angebot anzunehmen. Neben der von William ausgehenden Gefahr droht weiterhin der Verrat durch Pastor Tim (Kelly AuCoin) und seine Ehefrau Alice (Suzy Jane Hunt), außerdem die Aufdeckung ihrer wahren Identität durch Nachbar Stan, der misstrauischer ist als je zuvor, wenngleich ihm das nicht immer anzumerken ist. Zu allem Überfluss kommen sich auch noch dessen Sohn Matthew (Danny Flaherty) und die eigene Tochter Paige (Holly Taylor) näher.
Andererseits würden sie ihrer Familie einen beträchtlichen Kulturschock zumuten, würden sie tatsächlich nach Russland zurückkehren. Das gilt nicht nur für Paige und den weiterhin völlig ahnungslosen Henry (Keidrich Sellati), sondern auch für Philip und Elizabeth selbst. Während sich Letztgenannte zu Beginn der vierten Staffel noch auf ideologisch vollständig gefestigtem Fundament wusste, weichte diese Konstante immer weiter auf, wobei der Kontakt zu Young-Hee eine maßgebliche Rolle spielte. Fortan war es für Elizabeth keine Unvorstellbarkeit mehr, um Hilfe zu bitten oder gewisse Vorzüge des amerikanischen Gesellschaftsmodells gutzuheißen.
Philip hingegen war schon seit der ersten Episode empfänglich für den American Way of Life, weshalb es wenig verwundert, dass er bei EST in codierter Form darüber spricht, wie sehr ihm sein Job zusetzt. Hieraus bildet sich ein hochinteressantes dramaturgisches Gemisch, vor allem auch, weil nicht nur Familie Jennings die Möglichkeit einer Rückkehr nach Russland in Erwägung zieht, sondern auch gleich mehrere Nebenfiguren, die alle ihre eigenen tragischen Geschichten durchgemacht haben. In Kombination mit den prominenten Todesfällen ist ein regelrechter Charakteraderlass zu verzeichnen.
You have no idea
In dieser Staffel verabschiedeten wir uns von Nina, William, FBI-Abteilungsleiter Gaad und natürlich Martha, die aber noch am Leben ist. Nun könnte ein Großteil des bekannten russischen Personals hinzukommen. Am sichersten erscheint der Abschied von Arkady Ivanovich (Lev Gorn), der von Gaad-Ersatzmann Wolfe (Peter Jacobson) einberufen wird, nachdem William festgenommen wurde. Mit dem ziemlich scheinheiligen Vorwurf, zu weit gegangen zu sein, spricht Wolfe die Verbannung aus, was für uns Zuschauer weniger schwer wiegt als für die Figur, die sich ganz offensichtlich längst an die Annehmlichkeiten Amerikas gewöhnt hat.
Nun kehrt Arkady wohl zu einem langweiligen Bürojob in die Heimat zurück, genau wie Oleg (Costa Ronin), der sich keinen schlechteren Zeitpunkt hätte aussuchen können, wird seine Geliebte Tatiana (Vera Cherny) doch zur Interimsnachfolgerin Arkadys gekürt. Seine verlorene Überzeugung, die in der letzten Episode im Verrat Williams mündete, ist gepaart mit der Sorge um die eigene Mutter aber ein zu starker Antrieb, um eine abermalige Kehrtwende einzuleiten. Belohnt wird er dafür sowohl von Arkady als auch von Tatiana mit dem einfachen, aber wirkungsvollen Lob, dass er ein guter Sohn sei.
Ein ebensolcher ist wohl auch Philips Sohn Mischa (Alex Ozerov), den wir hier zum ersten Mal sehen, nachdem wir seit der ersten Staffel immer nur mündliche Versicherungen seiner Existenz bekamen. Er wird aus dem Gefängnis entlassen und macht sich mit dem kleinen Erbe seiner Mutter, zu dem vor allem Bargeld und mehrere ausländische Reisepässe gehören, auf die Suche nach seinem Vater, dem Reiseverkehrskaufmann in Amerika. Vielleicht kann er ja bald den Super Bowl mit dem armen Henry schauen, der einen der erinnerungswürdigsten Werbespots aller Zeiten alleine bewundern musste.
Am Ende des Finales liegen Freude und Leid ganz nah beieinander. Während sich Stan wie ein kleiner Junge darüber freut, dass er Paige und Matthew beim Knutschen erwischt hat, macht Philip seiner Tochter zum ersten Mal eine klare Ansage hinsichtlich des Nachbarsjungen. Plötzlich erscheint das eigene Haus nicht mehr als warmes Heim, in das man gerne zurückkehrt, sondern als düstere, bedrohliche Falle. So sehr es Paige vielleicht sogar gefallen haben könnte, sich als Spionin auszuprobieren, so schmerzlich wird ihr nun bewusst, dass diese Arbeit kein Spiel ist - und dies auch niemals sein wird. Eine herausragende Staffel hinterlässt uns Zuschauer mit dickem Kloß im Hals.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 9. Juni 2016The Americans 4x13 Trailer
(The Americans 4x13)
Schauspieler in der Episode The Americans 4x13
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