The Americans 4x11

The Americans 4x11

Wie nicht anders zu erwarten war, verläuft das Dinner for Seven bei The Americans äußerst zäh. Die Operationen unserer liebsten russischen Spione laufen hingegen geschmeidig - bis ein unvorhergesehenes Ereignis zu einer neuen innerfamiliären Eskalation führt.

Elizabeth (Keri Russell) kann die Botschaft ihrer Freundin Young-Hee nicht zu Ende hören. / (c) FX
Elizabeth (Keri Russell) kann die Botschaft ihrer Freundin Young-Hee nicht zu Ende hören. / (c) FX

So erfreulich die gestrige Nachricht über die Verlängerung von The Americans war, so verwunderlich ist es, dass noch zwei weitere Staffeln mit insgesamt 23 Episoden produziert werden sollen. Angesichts der misslichen Lage, in der sich Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth Jennings (Keri Russell) momentan befinden, mit Bedrohungen von mehreren Seiten, überrascht es, dass die Showrunner Joe Weisberg und Joe Fields über genügend Stoff für eine solch beträchtliche Folgenzahl verfügen.

Something greater than this

Zwar habe ich nicht damit gerechnet, dass die Serie schon nach dieser vierten Staffel abgesetzt wird, dann aber ganz sicher nach der fünften. Nun soll dies nicht wie eine Beschwerde klingen - wenn die Macher der derzeit besten Dramaserie im amerikanischen Fernsehen selbstbewusst genug sind, um ihre Geschichte kohärent zu Ende zu bringen, dann will ich ihnen mein vollstes Vertrauen entgegenbringen. Außerdem liefern sie ja jetzt schon Woche für Woche neue Episoden, die ihresgleichen suchen. Jüngstes Beispiel: das vor Spannung vibrierende Dinner for Seven.

Wie schon in der letzten Episode hat wieder Elizabeth die größte Last zu tragen. Sie erfährt von Gabriel (Frank Langella), dass der Center ihre Anfrage abgelehnt habe, zu der sie ja sowieso nur zögernd ihre Zustimmung gegeben hatte. Als sie diese Neuigkeit erfährt, sieht man ihr jedoch an, wie sehr sie sich erhofft hat, ihre Vorgesetzten würden ihrer Bitte stattgeben. Sie muss nun den nächsten Schritt ihres Plans einläuten, was mit Sicherheit bedeutet, dass sie ihre zur guten Freundin avancierte Zielperson Young-Hee nicht nur nie wiedersehen, sondern auch am Boden zerstört zurücklassen wird.

Seit sie diese Operation bei einer Verkaufsparty für Schminkprodukte ins Leben gerufen hatte, habe ich mich gefragt, wie der Kontakt zu Young-Hee, der Ehefrau der eigentlichen Zielperson Don (Rob Yang), dazu führen soll, an Zugangscodes für dessen Forschungslabor zu kommen. Auch als Elizabeth aka Patty die nächste Stufe des Plans einläutete, die für sie schon beinahe unerträglich war, wurde das Bild für mich nicht klarer. Nun bekommen wir darüber Aufklärung. Zunächst behauptet Patty gegenüber Don, dass sie von ihm geschwängert wurde.

Paige (Holly Taylor; l.) muss mitansehen; wie ihre Mutter einen Angreifer tötet. © FX
Paige (Holly Taylor; l.) muss mitansehen; wie ihre Mutter einen Angreifer tötet. © FX

Nachdem sie sich für immer - was er nicht weiß - von Don verabschiedet hat, treten Philip, Gabriel und eine neue Spielerin (Marceline Hugot aus The Leftovers) in Aktion. Sie geben sich bei dem als Foster Medical Research Center getarnten Forschungsinstitut als Pattys Familie aus und schwindeln Don vor, dass sie sich umgebracht habe. Nun fordern sie Geld für die angebliche Bestattung und den vermeintlichen Leichentransport nach Kalifornien - und das sofort. Ein vorgetäuschter Schwächeanfall reicht dann auch aus, um den überforderten Don dazu zu bewegen, Gabriel und seine Scheinehefrau alleine im Büro zu lassen.

They do things you cannot imagine

Es ist sicher kein eleganter und ganz sicher kein unkomplizierter Plan, den sich unsere „Americans“ da ausgedacht haben, aber ganz ohne Unwägbarkeiten kommt das Spionagegeschäft nicht aus. Der Fallout dieser Aktion ist dieses Mal vor allem für Elizabeth groß. Sie hat Menschen - schuldige und unschuldige - schon vielfach und mit allen möglichen Mitteln ermordet, aber der Betrug gegenüber ihrer Freundin ist das erste Mal, dass sie nachhaltigen emotionalen Schaden davonträgt, der sogar ihre ideologische Integrität anzugreifen droht. Umso faszinierender ist es, ihr bei diesem für sie neuartigen Prozess zuzuschauen.

Dabei belässt sie es sogar nicht nur bei ersten Zweifeln, sondern öffnet sich auch gegenüber bisher nicht für möglich gehaltenen Inspirationsquellen. Die Einladung dafür spricht unwissentlich Pastor Tim (Kelly AuCoin) aus, der zu Beginn der Episode unangemeldet vorbeischaut und sich noch einmal für die Anschuldigungen seiner Ehefrau Alice (Suzy Jane Hunt) entschuldigt. Er bietet sich als offenes Ohr für „all the things being a parent can mean“ an, obwohl er selbst ja noch gar kein Elternteil ist. Überraschenderweise ist es Elizabeth, die dieses Angebot annimmt.

Zunächst hat es jedoch den Anschein - oder vielleicht ist es auch wirklich so -, dass sie nur in Tims Büro vorbeischaut, um Informationen über das Tonband einzuholen, das Alice und er angeblich aufgenommen haben. Sie vertraut sich ihm ein bisschen - und sehr vage - an, wenngleich immer noch im Unklaren bleibt, ob sie diese Rolle nur spielt oder es ernst meint: „I really felt like I was coming apart.“ Tim findet jedenfalls die richtigen Antworten, sodass es beim nächsten Mal kein „Zufall“ mehr ist, dass Elizabeth gerade „in der Nähe“ war und sich gedacht hat, sie könne Paige abholen.

Für uns Zuschauer stets ein Quell guter Laune - Stan (Noah Emmerich; r.) © FX
Für uns Zuschauer stets ein Quell guter Laune - Stan (Noah Emmerich; r.) © FX

Dieser überraschend zügige Öffnungsprozess ist ebenso faszinierend wie nachvollziehbar. Sobald - wie übrigens bei Philip auch - eine einzige Kerbe in das bislang perfekt erhaltene Spionageantlitz geschlagen ist, dauert es nicht lange, bis neue Ideen einströmen, denen sich die ideologisch gefestigte Elizabeth bislang spielend leicht erwehren konnte. Das Schicksal von Young-Hee ist nun ebendiese erste Kerbe, weshalb Elizabeth den Ausführungen Tims nun auch zuhört und sogar nickt, statt sie nur zu belächeln: „None of us are in control, not really. Not ever.

I tend to show up around mealtime

Zu diesem Zeitpunkt muss eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden, welch fantastische Arbeit Keri Russell einmal mehr abliefert, und dabei haben wir die explosive Schlussszene noch gar nicht besprochen. Paige (Holly Taylor) erzählt darin ihrer Mutter, was Nachbarssohn Matthew ihr über Martha zugesteckt hat. Elizabeth ist darüber verständlicherweise verstört, was man ihr jedoch nur am Gesicht ablesen kann. Allzu viel Zeit bleibt ihr auch nicht, um diese Nachricht zu verarbeiten, denn sie muss sich und Paige vor zwei Vergewaltigern schützen.

Weil einer von ihnen ein Messer zückt, bleibt Elizabeth nichts anderes übrig, als diesen Angreifer mit der eigenen Waffe umzubringen - und das alles unter den schreckverzerrten Blicken der eigenen Tochter. So furchteinflößend dieses Erlebnis auch ist - vielleicht ist es sogar besser für Paige, die tödliche Energie ihrer Eltern in einer Notwehrsituation kennenzulernen, statt während einer Spionageaktion. Eines steht nämlich fest: Paige ist schon viel zu tief in deren Angelegenheiten eingetaucht, um von dieser Wahrheit verschont zu bleiben.

Um all diese zentnerschweren emotionalen Belastungen auszugleichen, fahren Drehbuchautor Joshua Brand und Regisseurin Nicole Kassell eine ordentliche Portion comic relief auf. Wenig verwunderlich ist dies Stan Beeman (Noah Emmerich), der dabei mehrmals im Zentrum steht, nachdem er Oleg Burov (Costa Ronin) wider Erwarten nicht zum Ziel einer Vendetta gemacht, sondern von der Leine gelassen hat. Zum einen taucht Stan einmal mehr unangemeldet beim Jenning'schen Abendessen auf, zu dem er sogleich von Henry (Keidrich Sellati) eingeladen wird, obwohl das dessen Eltern angesichts des Besuchs von Pastor Tim und Alice nicht so wirklich recht sein dürfte.

Zum anderen ist er im Bild, als der legendäre mail robot schnurrend durch den Gang im FBI-Gebäude gleitet, und dann auch noch zum eigenen Handlungsbogen avanciert. Kollege Aderholt (Brandon J. Dirden) hat nämlich herausgefunden, dass die Ehefrau des Werkstattbesitzers gestorben ist, als der Roboter dort zur Reparatur war (wir wissen, dass sie von Elizabeth ermordet wurde). Obendrauf gibt es noch einen Metakommentar zur Schwangerschaft von Alice und dem Braten, den Elizabeth zubereitet hat (zum Zeitpunkt des Drehs war Russell schwanger), woraufhin das spektakulär ungehagliche Dinner zelebriert wird.

Drama und Humor in nahezu perfekter Balance und zwei weitere Staffeln in Aussicht - The Americans-Herz, was willst Du mehr?

Trailer zu Episode 4x12: 'A Roy Rogers in Franconia'

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 26. Mai 2016

The Americans 4x11 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 11
(The Americans 4x11)
Deutscher Titel der Episode
Dinner für Sieben
Titel der Episode im Original
Dinner for Seven
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 25. Mai 2016 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. September 2017
Autor
Joshua Brand
Regisseur
Nicole Kassell

Schauspieler in der Episode The Americans 4x11

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