Taboo 1x07

Taboo 1x07

In der siebten Episode von Taboo erreichen die Umgehungsversuche zwischen Delaney, der Krone und der East India Company ihren vorläufigen Höhepunkt. Während sich die meisten seiner Vertrauten heimlich davonmachen, kommt es zu einer überraschenden Erkenntnis.

Selbst im Angesicht schlimmster Folter bleibt James Delaney (Tom Hardy) cool. / (c) BBC
Selbst im Angesicht schlimmster Folter bleibt James Delaney (Tom Hardy) cool. / (c) BBC
© elbst im Angesicht schlimmster Folter bleibt James Delaney (Tom Hardy) cool. / (c) BBC

Nun hat der Tod des bemitleidenswerten Gossenmädchens Winter (Ruby-May Martinwood) doch noch eine narrative Funktion. Zu Beginn der siebten Episode von Taboo wird sie von ihrer Mutter Helga (Franka Potente) mit einer Seebestattung und sehr schönen Worten des Abschieds bedacht. James Keziah Delaney (Tom Hardy) sieht aus der Ferne zu, kann aber selbst das nicht zugeben, als die nahende Lorna (Jessie Buckley) überrascht die offensichtliche Existenz eines schlagenden Herzens in seiner Brust konstatiert.

A heart at least

In dieser Erkenntnis ist aber noch nicht der dramaturgische Nutzen von Winter zu finden. Dieser taucht später in der Episode auf, als Lorna einen Burschen in Jack-Sparrow-Montur wiedersieht, der sich bereits in der Nähe der Trauerfeier damit vergnügt hatte, sich selbst ein Schleudertrauma zu verpassen. Dieser junge Herr mit dem nom de guerre Temple (Lewin Lloyd) macht aus seiner ermordeten Weggefährtin posthum eine Figur im Schachspiel, das von drei mächtigen Parteien ausgefochten wird. Laut seiner Aussage habe Winter nämlich nicht der betrunkene Delaney, sondern einer oder mehrere Emissäre der East India Company (EIC) umgebracht.

Ob diese Aussage überhaupt ernstzunehmende Konsequenzen haben wird, muss sich erst noch zeigen. Unwahrscheinlich ist jedenfalls, dass der Junge als Zeuge vor einem königlichen Gericht ernstgenommen werden würde. Nützlich scheint diese Wendung allenfalls für den Delaney'schen Geisteszustand zu sein, obwohl der andererseits nicht allzu sehr von der angenommenen Freveltat belastet ist. Überhaupt verharrt die Charakterzeichnung der zentralen Figur auf niedrigem Niveau. Hardy spielt seinen Delaney als gequälten, heimgesuchten, still leidenden Helden, was einerseits wenig abwechslungsreich und andererseits ziemlich langweilig ist.

Deshalb schaffen es Episoden wie diese trotz annehmbaren Plotfortschritts auch nie über den Status einer mittelmäßigen Ausgabe hinaus. Zur dürftigen Figurenzeichnung gesellen sich nämlich allzu oft Handlungsbögen, die in der dramaturgischen Sackgasse landen. Aktuelles Beispiel: Zilpha (Oona Chaplin). Vor zwei Episoden hat sie noch den eigenen Ehemann - aus gutem Grund - umgebracht, nur um jetzt ganz unglamourös von ihrem Bruder abgewiesen zu werden. Ist das nun etwa das Ende ihrer Geschichte? Und wenn ja: Was war ihre Entwicklung? Sie ist letztendlich ebenso am Boden zerstört wie am Anfang.

James Keziah Delaney (Tom Hardy) schmiedet Pläne.
James Keziah Delaney (Tom Hardy) schmiedet Pläne. - © BBC

Positive Nachrichten sind hingegen von der Vierfachfront zwischen Delaney, der Krone, der EIC und den amerikanischen Spionen zu vermelden. Zusätzliche Munition - im übertragenen Sinne - bekommt Delaney vom Leiter der königlichen Untersuchungskommission zum Untergang eines angeblichen Sklavenschiffs, George Chichester (Lucian Msamati). Von dem wird ihm eine Begnadigung in Aussicht gestellt, sollte er gegen Sir Stuart Strange (Jonathan Pryce) aussagen, der im Verdacht steht, ebenjenes Sklavenschiff zur persönlichen Bereicherung betrieben zu haben.

A line between life and death

Delaney spielt aber noch ein weiteres Spiel, dessen wahre Absichten sich wohl erst im Finale offenbaren werden. Er schickt Helga und eine weitere angebliche Zeugin zu Strange und seinen EIC-Companeros, wo sie vortragen sollen, dass sie über die Verschwörung zwischen Delaney und den Amerikanern Bescheid wissen. Der Jubelstimmung des EIC-Vorsitzes folgt Ernüchterung für Helga und ihre Begleiterin, die beide eingesperrt werden, bis Delaney verurteilt ist. Protokollant Godfrey (Edward Hogg) darf daraufhin tun, was er bislang in nahezu jeder Episode getan hat: rennen.

Der Delaney, den er bei der täglichen Bewusstseinserweiterungsübung antrifft, ist jedoch viel entspannter, als er das ob dieser Nachricht erwartet hätte. Eine unzureichende Antwort auf dieses ungewöhnliche - aber ganz ehrlich: Was ist für Delaney schon ungewöhnlich? - Vorgehen erhalten wir erst am Ende der Episode, als James nach überstandener Folter seinen Willen bekommt: eine Audienz mit Strange höchstpersönlich. Seinen Gegenspieler kann Delaney ebenfalls als Schachfigur einsetzen, steht der doch wegen eines weiteren Zeugen - Godfrey - unter Druck, der zu seiner Verwicklung mit dem Sklavenschiff aussagen will.

Mit gewohnter Selbstsicherheit eröffnet Delaney seinem Gegenüber: „I have a use for you.“ Welcher Nutzen das sein soll, darüber lässt sich momentan nur spekulieren. Will sich Delaney nun etwa den ganz großen Fisch, den verhärmten Prince Regent (Mark Gatiss) und seinen Handlanger Coop (Jason Watkins) vorknöpfen? Hätte er das nicht vor, hätte er sich ja auch einfach aus dem Staub machen können, zusammen mit Godfrey und all den anderen misfits, die er um sich versammelt hat. Oder bleibt er zurück, weil er Helga nicht in der Zelle verrotten lassen will? Das wiederum wäre für einen wie Delaney geradezu edelmütig.

Im Finale werden all diese Fragen wohl beantwortet werden. Ob es der hoffnugnsvoll gestarteten Dramaserie Taboo einen meisterhaften Abschluss bescheren wird, darf angezweifelt werden. So wunderbar die Serie auch aussieht, so amüsant die Ticks sind, die sich Hardy jede Woche von Neuem einfallen lässt - eine wirklich mitreißende Geschichte hat die Serie bisher leider nicht erzählt.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 23. Februar 2017
Episode
Staffel 1, Episode 7
(Taboo 1x07)
Titel der Episode im Original
Episode 7
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 18. Februar 2017 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. März 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 31. März 2017
Autor
Steven Knight
Regisseur
Anders Engström

Schauspieler in der Episode Taboo 1x07

Darsteller
Rolle
Franka Potente
David Hayman
Oona Chaplin

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?