Taboo 1x06

© elaney (Tom Hardy, l.) liefert Schießpulver aus. / (c) BBC
Die historische Dramaserie Taboo verlässt sich auch kurz vor Ende der ersten Staffel in ihrer sechsten Episode noch zu stark auf plötzliche Wendungen, die zuvor nicht ausreichend vorbereitet wurden, um sie nicht als konstruiert zu betrachten. Allzu oft passieren hier Dinge, weil es das Drehbuch - zum ersten Mal ist daran Chips Hardy beteiligt - so vorsieht, und nicht etwa, weil die Geschichte sie organisch hervorbringen würde. Aber immerhin passiert nun etwas, das wir nicht schon zigmal zuvor gesehen haben - mit Ausnahme der stets wiederkehrenden Visionen.
That golden age
Natürlich ist es James Delaney (Tom Hardy), der von ihnen heimgesucht wird. Dank seines treuen Dieners Brace (David Hayman) werden wir darüber aufgeklärt, wer die mysteriöse Gestalt ist, die Delaney in seinen Träumen erscheint, meistens in Form eines Wassergeistes. Er sieht da seine Mutter vor sich, die von seinem Vater in Bedlam eingewiesen worden war, nachdem sie angeblich versucht hatte, den kleinen James zu ertränken. Diese Visionen sind so lebhaft, dass all jene, die ihm nahestehen, um ihr Leben fürchten müssen - inklusive der arglosen Winter (Ruby-May Martinwood), die wohl für ihre Nähe zu Delaney mit dem Leben bezahlt.
Noch ist nicht ganz klar, wer sie umgebracht hat. Die Serie legt uns nahe, dass der Mord auf James zurückzuführen ist, allerdings könnte er ihm auch angehängt werden. Wer dahinter stecken würde, ist nicht schwer zu erraten. Die East India Company (EIC) ist dazu übergegangen, Delaney ganz offen den Krieg zu erklären: „The gloves are off.“ Wenig später geht sein Schiff nach einer gewaltigen Explosion in Flammen auf. Es ist der vorläufige Höhepunkt in einer Konfrontation, die angesichts der Sturheit der Konfliktparteien keine andere Lösung denkbar erscheinen lässt.
Zentrale Figur dieser abermaligen Eskalation ist ein Charakter, der bereits in der ersten Episode auftauchte, dessen Name aber meines Wissens hier zum ersten Mal ausgesprochen wird: Ibbotson (Christopher Fairbank) - ebenjener Farmer, bei dem Delaney einst seinen Sohn abgeladen hatte und auf dessen Grundstück er seine Schießpulvermanufaktur errichtet hat. Diese Figur ist es auch, die sich dem Willen der Drehbuchautoren beugen und Delaney verraten muss, ohne dass wir zuvor eine hinreichende Erklärung dafür bekommen hätten, woher ihre plötzlichen Zweifel stammen.

Der EIC spielt dieser Verrat natürlich einen ersehnten Trumpf in die Hände, befindet sich das Unternehmen doch in einer Krise, die durch den Konflikt mit der Krone ausgelöst wurde. Dort war in der letzten Episode eine Untersuchungskommission gegründet worden, die, von George Chichester (Lucian Msamati) angeleitet, die wahren Umstände des Untergangs eines Schiffes ermitteln soll, auf dem illegalerweise Sklaven transportiert worden waren. Hierdurch könnte tiefgreifende Korruption innerhalb der EIC aufgedeckt werden, was unweigerlich den Sturz ihres Vorsitzenden Strange (Jonathan Pryce) zur Folge hätte.
The African devil
Dank seines Einflüsterers Godfrey (Edward Hogg) bekommt Delaney von Ibbotsons Verrat alsbald Wind, woraufhin er keine Zeit verschwendet, diesen Zeugen aus dem Weg zu räumen. Für den Abtransport des fertiggestellten Schießpulvers und die Auslieferung an die Amerikaner hat er da längst gesorgt. Als Transport von Cholera-Opfern getarnt umgeht er eine Militärkontrolle, was der amerikanische Kontaktmann Dumbarton (Michael Kelly) mit zustimmendem Lob und dem Versprechen honoriert, Delaneys Anliegen einer sicheren Überfahrt an den amerikanischen Präsidenten James Madison weiterzuleiten.
Wenngleich er von peinigenden Visionen gebeutelt ist, läuft es auch in privaten Dingen nicht schlecht für Delaney. Seine Schwester Zilpha (Oona Chaplin) ergreift nach den erniedrigenden Erfahrungen der letzten Episode endlich zu einer längst überfälligen Maßnahme und ersticht ihren Ehemann Thorne (Jefferson Hall) im Schlaf. Laut eigener Aussage wurde sie ihrerseits von einer Stimme angeleitet, die der ihres Bruders wohl sehr ähnlich ist: „I killed him, just like you said.“ Gefeiert wird das von beiden mit der langersehnten Bettrunde, die jedoch dank James' Horrorvorstellungen jäh beendet wird.
Mir persönlich gefällt eine solch pulpige Serie wie Taboo besser, wenn sie nicht versucht, den Ansprüchen eines Prestigedramas gerecht zu werden. In den vergangenen Episoden war das der Fall, verließ man sich doch allzu sehr auf die Kombination aus langen, repetitiven Einstellungen und Handlungsbögen. Schreitet die Geschichte, wie in dieser Episode, zügiger voran, wird nicht allzu deutlich, dass der Serie an vielen Ecken der Feinschliff fehlt - seien dies nun der Dialog, die Charakterarbeit oder die Plotkonstruktion. Hoffentlich geht es so bis zum Ende der ersten Staffel weiter.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 14. Februar 2017(Taboo 1x06)
Schauspieler in der Episode Taboo 1x06
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