Taboo 1x05

© ??I'm on a boat!“ / (c) BBC
Schon früh im Verlauf der Miniserie Taboo wurde deutlich, dass ihre Episoden mit einer Laufzeit von nahezu einer Stunde viel zu aufgebläht sind. In der nunmehr fünften Folge lässt sich darüber kaum mehr wohlwollend hinwegsehen. Stellenweise driftet das bisher als pulpig treffend beschriebene Format sogar vollends in die Untiefen des Trash ab. Dabei können selbst die ansehnlichste Ausstattung, die verschwurbelten Dialoge und der immerzu bedrohlich wummernde Score nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte viel zu mager ist.
To first blood
Sie konzentriert sich an vielen Stellen vor allem auf Prozessdetails, und das leider in ziemlich uninteressant ausgearbeiteter Form. Eine Serie, die daraus eine wahre Kunst machte, war Breaking Bad. Showrunner Vince Gilligan und Konsorten hatten die beneidenswerte Fähigkeit, aus solch banalen Vorgängen wie der Geldwäsche staffelübergreifende Handlungsbögen zu spinnen, die auch noch wahnsinnig spannend waren. Eventuell versuchen das Steven Knight und sein Koautor dieser Episode, Ben Hervey, auch. Es gelingt ihnen allerdings nicht.
Die Schuld dafür ist - wie so oft - in der dürftigen Charakterzeichnung zu finden. Nicht nur fehlt hier jedwede Identifikationsfigur, sondern es mangelt auch an Nuancen. Zum wievielten Mal haben wir in dieser Episode zum Beispiel dem verabscheuungswürdigen Thorne (Jefferson Hall) dabei zugesehen, wie er seine Ehefrau Zilpha (Oona Chaplin) misshandelt? Dabei haben wir schon bei seinem ersten Auftritt verstanden, dass er ein absoluter Widerling ist. So verhält es sich mit allen anderen Charakteren auch - inklusive der Hauptfigur James Delaney (Tom Hardy).
Er pflastert seinen Weg weiter munter mit Leichen und zunehmender Paranoia. Das Duell im Morgengrauen mit Thorne, das in der letzten Episode noch für den vermeintlich schockierenden Cliffhanger herhalten musste, ist ebenso schnell wie unspektakulär erledigt. Obwohl James seinen Rivalen um die Gunst seiner Halbschwester rechtmäßig erschießen könnte, lässt er ihn ohne erkennbaren Grund laufen. Tod oder Schmerzen erfahren nur die Emissäre des Königs oder der East India Company (EIC), die ihm hinterherspionieren.

Erfahren könnten sie dabei vor allem reichhaltige Details aus der Schwarzpulverproduktion. Diese läuft für Delaney - wie sollte es auch anders sein - nicht zufriedenstellend, was durch die Forderung der amerikanischen Verbindungsagenten verschärft wird. Mehrere Exkurse in den Stand der Chemieforschung des 19. Jahrhunderts später wissen wir, dass die angeforderte Lieferung von Delaney wohl erfüllt werden kann, dank der rastlosen Mithilfe von Chemiker Cholmondeley (Tom Hollander) und Delaneys verstoßenem Sohnemann.
Richer than god
Ähnlich interessant wie die Munitionsproduktion sind die Intrigen, die Krone und Kommerz gegeneinander ausfechten. Der lustlos in einem Straußenei stochernde Prince Regent (Mark Gatiss) will die EIC wegen des Salpeterraubs aus der letzten Episode verklagen, bekommt von seinem Chefberater Coop (Jason Watkins) aber einen besseren Schachzug eingeflüstert. Dieser beinhaltet die Gründung einer königlichen Untersuchungskommission, um den Untergang des Sklavenschiffs, bei dem hunderte Sklaven ertranken, aufzuklären. Dabei, so Coops Prognose, könnten führende EIC-Mitglieder schuldig gesprochen werden.
Dem Vorsitzenden Stuart Strange (Jonathan Pryce) bleibt da kaum mehr übrig, als sich gegenüber seinen Untertanen aufzuplustern. Da sich auch das seit nunmehr vier Episoden kaum verändert, kann selbst eine Schauspielgrande wie Pryce keine neuen Impulse aussenden. Außerdem stellt sich die Frage, wen dieser Konflikt interessieren soll. Hier stehen sich Widerlinge und andere Widerlinge gegenüber, die allesamt vereint, dass sie kein einziges Charaktermerkmal aufweisen, das auch nur im Entferntesten wohlwollend betrachtet werden könnte.
Die von mir einstmals in die Rollen der Sympathieträger „gehofften“ Lorna (Jessie Buckley) und Zilpha erfüllen diese leider in keinster Weise. Die eine wurde schnell zur schlecht gelaunten Kommentargeberin degradiert, während die andere aus ihrer Opferrolle gar nicht mehr herausfindet. Wenigstens verspricht der Cliffhanger dieser Episode, dass sie gegen ihren gewalttätigen Ehemann aufbegehren wird, nachdem er sie einer Teufelsaustreibung - die Stelle, an der das Format endgültig nach Trashistan auswandert - unterzogen hat.
In einer Szene stellt der von Delaney beauftragte Chemiker bei seiner Arbeit fest: „This is fun, isn't it?“ Für Taboo gilt das leider nicht, denn: „This is the Delaney household. We have no warmth here.“ Schade.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 7. Februar 2017(Taboo 1x05)
Schauspieler in der Episode Taboo 1x05
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