Taboo 1x08

Taboo 1x08

Am Ende ist es doch nicht das taktische Verhandlungsgeschick, das über den Erfolg der Operation Delaney entscheidet, sondern die rohe Gewalt. Das ist zwar nett anzuschauen, bestätigt aber auch, dass Taboo nie so schlau war, wie es gerne gewesen wäre.

Delaney (Tom Hardy, r.) und Mitstreiter in der Schlacht / (c) BBC
Delaney (Tom Hardy, r.) und Mitstreiter in der Schlacht / (c) BBC
© elaney (Tom Hardy, r.) und Mitstreiter in der Schlacht / (c) BBC

Die historische Dramaserie Taboo hat viele Schwächen, aber eine der größten wird gleich am Anfang des ersten Staffelfinales schmerzlich offengelegt. Da springt Zilpha (Oona Chaplin) von einer Brücke in den Selbstmord und beendet damit eine bedauernswerte Charakterzeichnung, die nie mehr für die Figur anzubieten hatte als die der hoffnungslos in den eigenen Bruder Verliebten und vom Ehemann Misshandelten. Außer ein paar Tränen bei James Delaney (Tom Hardy) kann ihr Tod deswegen auch nichts bewirken.

The dead don't sing

Das ist auch deswegen sehr schade, weil es zu Beginn der Serie noch den Anschein hatte, als könnte aus der Figur etwas Interessantes gemacht werden. Diese Hoffnung wurde überdies durch das exzellente Casting von Oona Chaplin genährt, die selbst angesichts des äußerst limitierten Materials eine hervorragende Leistung ablieferte. Vielleicht war ja der Einfluss des Vater-Sohn-Gespanns Hardy auf die Produktion zu stark, als dass es weitere starke Charaktere neben Delaney zugelassen hätte. So ist es denn auch kein Wunder, dass sämtliche Pläne, die sich die Hauptfigur ausgedacht hat, am Ende aufgehen.

Der wichtigste Tagesordnungspunkt ist natürlich die Verhandlung mit dem Vorsitzenden der East India Company (EIC), Sir Stuart Strange (Jonathan Pryce). Als der erfährt, dass es in Godfrey (Edward Hogg) einen weiteren Zeugen neben Delaney selbst gibt, der in der Sache des gesunkenen Sklavenschiffs gegen ihn aussagen wird, lässt er sich auf die Kooperation mit seinem Todfeind ein, was nicht nur ihn selbst, sondern auch die Krone brüskiert, wie sich Solomon Coop (Jason Watkins) erschrocken unter die Nase reiben lassen muss.

Auf beiden Seiten rattert gleichzeitig hinter den Kulissen der Maschinenraum. Strange glaubt, im amerikanischen Spion Dumbarton (Michael Kelly) ein Ass im Ärmel zu haben, weil der längst zur EIC übergelaufen ist und die sichere Überfahrt nach Nootka Sound - durch amerikanisches Seegebiet - nur dann aushändigen will, wenn sich Delaney ergibt. Da weiß er aber noch nicht, dass Delaney für diesen Fall längst vorgesorgt hat, und zwar in Form von Lorna (Jessie Buckley), die ebenjene Überfahrtspapiere von einer anderen amerikanischen Spionin, Musgrove (Marina Hands), besorgt.

Jimmy Delaney (Tom Hardy) - Entschlossenheit in Menschenform
Jimmy Delaney (Tom Hardy) - Entschlossenheit in Menschenform - © BBC

Dumbarton bezahlt dafür mit dem Tod und einem Arrangement, das an die morbiden Kunstwerke eines Hannibal erinnert. Überhaupt stellt sich bald heraus, dass es nicht etwa Delaneys geschicktes Taktieren und Manövrieren ist, das ihn zum Erfolg führt, sondern die Anwendung kompromissloser Gewalt - im eigentlichen und übertragenen Sinne. Seinen treuen Diener Brace (David Hayman) will er zum Beispiel nicht mit auf sein Schiff lassen, weil der angeblich nichts mit der neugefundenen Freiheit anzufangen wisse. Ob es ihm jedoch besser geht, wenn er alleine in einem großen Haus sitzt und eine brennende Kerze beweint, darf zumindest angezweifelt werden.

We are Americans

Neben diesem moralischen gibt es einige reale Opfer zu beklagen. Der Plan könnte ohne ebenjene über die Bühne gehen, wäre Prince Regent (Mark Gatiss) ein weniger eitler Zeitgenosse. Als er von Coop erfährt, dass man von Delaney und Strange ausgespielt worden ist, wirft er sämtliche politökonomischen Überlegungen über Bord und gibt den Tötungsbefehl. In der Frage der Wichtigkeit zwischen einem Eiland vor der Westküste Amerikas und dem Ansehen der Krone ist es augenscheinlich immer noch wichtiger, das Gesicht Englands zu wahren - selbst wenn dieses Gesicht so aussieht wie das des Prinzen.

Also kommt es zur Schlacht im Hafen, auf die Delaney selbstredend die richtigen Antworten hat. Eine zentrale Rolle in diesem Abwehrplan spielt Chemiker Cholmondeley (Tom Hollander), der, eifrig Bomben werfend, beinahe ungeschoren davonkommt, bis er doch von einem eigenen Erzeugnis erfasst wird. Derzeit sieht es nicht so aus, als könnte er das überleben. Aufklärung darüber erhalten wir wohl aber erst in einer zweiten Staffel, sollte es diese jemals geben. Selbiges gilt für Lorna, die angeschossen ist, aber - im Gegensatz zu Helga (Franka Potente) - noch lebt.

Selbst in seinem triumphalsten Moment ist Delaney noch für eine Überraschung gut. Während im Büro des EIC-Vorsitzenden eine Briefbombe explodiert und der königliche Kommissionsvorsitzende Chichester (Lucian Msamati) genau das bekommt, wonach er die ganze Zeit gesucht hat, enthüllt Delaney gegenüber seinen Mitreisenden das wahre Ziel ihrer Reise. Unter amerikanischer Flagge soll es nach Ponta Delgada auf die Azoren gehen, um eine uns bisher unbekannte Figur namens Colonade aufzusuchen. Was er dort will, bleibt sein Geheimnis.

Ob wir jemals daran teilhaben werden, bleibt indes abzuwarten. Die erste Staffel von Taboo hat jedenfalls auf niedrigem Niveau zu unterhalten gewusst. Für weitere Ausgaben sollte sich das Kreativteam aber dem Feinschliff von Erzählelementen wie Charakterzeichnung und Plotkonstruktion widmen. Immerhin optisch ist das Format bereits jetzt nahezu makellos.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 28. Februar 2017
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Taboo 1x08)
Titel der Episode im Original
Episode 8
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Samstag, 25. Februar 2017 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. März 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 31. März 2017
Autor
Steven Knight
Regisseur
Anders Engström

Schauspieler in der Episode Taboo 1x08

Darsteller
Rolle
Oona Chaplin
David Hayman
Franka Potente

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