Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x13

© zenenfoto aus der Supernatural-Folge Destiny's Child (c) The CW
Destiny's Child
Mit Blick auf die Vorschau, die uns bereits die Ankunft des unerwarteten Besuchs - Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) aus einer Parallelwelt - zeigte, hatte ich fest mit einer humorlastigen Episode gerechnet, die die größere Geschichte pausieren lässt. Doch weit gefehlt, denn Destiny's Child konzentriert sich vorrangig auf ebenjene große Geschichte, während die Doppelgänger der Winchesters eine eher kleinere Rolle spielen.
Dabei ist es erstaunlich, wie gut die Mischung aus Humor, Drama und Schnitzeljagd nach dem „Occultum“ zusammenpasst. Denn unser Team teilt sich mehrfach auf, sucht die unterschiedlichsten Orte auf und obendrein gibt es mit Schwester Jo (Danneel Ackles), Ruby (Genevieve Padalecki) und Rachel Miner als neues Gesicht der Leere noch zusätzliche Gastauftritte (neben den Brüdern im Doppelpack) bekannter Darsteller und Rollen, ganz zu schweigen von Billies (Lisa Berry) Besuch zu Beginn und den anderen Nebenfiguren.
Bei falscher Handhabe würde die Episode da überladen wirken, aber die Autoren Brad Buckner und Eugene Ross-Leming schaffen es zusammen mit Regisseur Amyn Kaderali, (fast) alles rund und stimmig wirken zu lassen. Das Tempo bleibt angenehm hoch und kleinere wie größere Wendungen sorgen dafür, dass es durchgehend spannend bleibt. Spaziergänge wie letzte Woche bleiben somit aus oder werden unverhofft zum Überlebenskampf, während das Ende nach vollbrachter Aufgabe dafür sorgt, dass Jack (Alexander Calvert) seine Seele wieder hat - eine Offenbarung, die uns frohlocken lässt, aber gleichzeitig auch dafür sorgt, dass die Episode auf einer sehr emotionalen Note endet.
Die doppelten Brüder

Bereits der erste Auftritt der beiden Doppelgänger, die durch einen Spalt aus einer Parallelwelt im Bunker landen, ist ziemlich komisch. Das Auto, das Outfit und vor allem Sams Frisur stechen sofort ins Auge und regen die Lachmuskeln an - ebenso wie die Reaktion unserer Brüder auf die beiden Neuankömmlinge. Wie gesagt, ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass diese Folge sich ausschließlich mit den Doppelgängern befassen würde und schwupp, sind sie wieder verschwunden. Die erste von vielen kleinen Überraschungen.
Ob ich enttäuscht gewesen wäre, falls das jetzt alles von den Doppelgängern gewesen wäre? Schwer zu sagen, vermutlich schon ein wenig. Aber etwas später melden sie sich schon halbwegs zurück, stecken zwischen den Welten fest, was Castiel (Misha Collins) entdeckt. Abermals werden die Lachmuskeln strapaziert, wobei wir nur zusehen, wie beide im Hintergrund agieren. Und schließlich werden sie doch noch in den Bunker geholt, um für den Fall, dass Chuck (Rob Benedict) vorbeischaut beziehungsweise unsere Brüder im Auge behält, die Stellung zu halten und sich notfalls als unsere Winchesters auszugeben (ein Schwindel, der sicher sofort aufgefallen wäre).
Die Hintergrundgeschichte aus der Parallelwelt wäre vielleicht noch etwas ausbaufähig gewesen. Ein von Papa Winchester (Jeffrey Dean Morgan) gegründetes Unternehmen („Hunter Corp.“) legitimiert das Familiengeschäft nicht nur, sondern bringt auch gute Einkünfte ein, die Brüder gehen weltweit auf die Jagd (eigenes Flugzeug) und die einzigen Sorgen und Nöte scheinen vierteljährliche Berichte und Treffen mit Investoren zu sein. Allerdings kann ich mir beim besten Willen keinen der beiden auf der Jagd vorstellen - da würde „Samuels“ Frisur sicher ruiniert werden - und die ist heilig. Ganz zu schweigen von der Garderobe der beiden.
Insgesamt ist es aber nicht nur amüsant, Sam und Dean in ihren Doppelrollen zuzuschauen. Die Neuankömmlinge lernen auch die „Vorzüge“ des Lebens unserer Brüder zu schätzen und wo wir Zuschauer sicher die Ohren spitzen: John Winchester könnte noch irgendwo da draußen sein, schließlich sind die drei zusammen aufgebrochen. Ein wenig übertrieben zufällig scheint derweil der Bunker als Ankunftsort zu sein und als die beiden Dean beichten, den Impala für eine Spritztour benutzt zu haben, darf man zu Recht mit der Stirn runzeln - denn Cas, Sam, Dean und Jack sind doch mit dem Wagen zur Kirche aufgebrochen, oder?
Ruby und Jo

Billie darf eingangs den Hinweis geben, der dann das neue Abenteuer startet und Jack von der spirituellen Seite aufbauen soll, nachdem die Grigori-Herzen seinen Körper gestärkt haben. Das mysteriöse „Occultum“ ist folglich das Ziel und dummerweise gut versteckt. Castiel nutzt erneut den Telefonjoker Sergei (Dimitri Vantis), was diese Woche sogar funktioniert und entsprechend Starthilfe gibt. Außerdem merken wir sofort, dass auch außerhalb der Doppelgängerszenen nicht an Humor gespart wird (Deans Fragen!), obwohl die folgende Handlung selbstredend nicht nur auf Humor setzt.
Jedenfalls führt der erste Hinweis zu Schwester Jo und anschließend direkt in die Hölle. Ein bisschen naiv von Sam und Dean, hier keine Falle zu vermuten. Andererseits haben beide bei Rowena (Ruth Connell) einen Stein im Brett, womit der Trip jetzt auch nicht zu gefährlich erscheint. Wer allerdings gehofft hatte, die Hexe diese Woche wiederzusehen, geht leer aus - dafür sorgt schon das Empfangskomitee, welches unsere Brüder erwartet. Ich bin ehrlich gesagt auch recht froh, dass Rowena nicht dabei war, denn sie hätte sicherlich nur als weiterer Joker fungiert und unseren Jungs die Arbeit abgenommen. Schon besser, Sam und Dean allein herausfinden zu lassen, dass Jo gelogen und beide in eine Falle gelockt hat.
Cas verfolgt derweil einen anderen Ansatz und sucht in der Leere nach Ruby - wofür er sich von Jack fast umbringen lässt. Mir erscheint es da widersprüchlich, dass er einerseits Sam und Dean wegen des Höllentrips warnt, andererseits aber sein eigenes Leben derart aufs Spiel setzt - schließlich ist ihm die Leere nicht wohlgesonnen und die Suche nach Ruby könnte ähnlich lange dauern wie die Suche nach dem Occultum in der Hölle. Zugegeben, Castiels Ansatz liefert schließlich den Zielort und erweist sich somit als richtig. Aber angenehm ist auch sein Ausflug nicht.
Mit den neuen Auftritten von Jo und Ruby gibt es natürlich eine gute Portion Fanservice zu verbuchen. Außerdem wird die Hintergrundgeschichte der beiden ein bisschen weitergesponnen und um ein wesentliches Kapitel erweitert. Mir gefällt zwar die Idee, dass ein Dämon und ein Engel zeitweise zusammengearbeitet und Notfallpläne für das apokalyptische Szenario der fünften Staffel geschmiedet haben. Aber mit Blick darauf, dass Jo erst nach dem Fall der Engel Ende der achten Staffel als Heilerin tätig war und auch seitdem erst von Danneel Ackles verkörpert wird, passt diese Vorgeschichte leider nicht. Ein Fehler, der traurigerweise auffällt. Gespannt können wir derweil sein, ob Cas sein Versprechen einlösen und Ruby aus der Leere holen wird.
Womit wir auch direkt zur Leere kommen. Mich hat es gefreut, Rachel Miner wiederzusehen, die früher (in Staffel fünf bis acht) bekanntlich als Meg ein Teil der Serie war (worauf die Leere auch anspielt). Von ihrem Biss hat sie trotz ihrer Krankheit nichts verloren und setzt als Verkörperung der Leere Cas auch entsprechend zu. Außerdem werden wir daran erinnert, was unseren Engel im Fall eines Happy Ends erwartet, womit die Leere trotz der Allianz mit Billie im gegnerischen Lager bleibt.
The Occultum und Jack

Jack bleibt aktuell der Dreh- und Angelpunkt, was Dean zu Beginn dazu veranlasst, Billies Plan ein wenig zu hinterfragen. Ähnlich, wie wir es stellenweise diskutiert haben, wäre die Vernichtung von Chuck mit Blick auf Staffel elf desaströs. Was aber, wenn auch Amara (Emily Swallow) aus der Gleichung genommen wird? Dieser Gedanke ist so naheliegend, dass es mich schon leicht ärgert, nicht selbst darauf gekommen zu sein. Im Gegensatz zu Sam glaube ich allerdings schon, dass Jack im Fall der Fälle problemlos die Rolle von Chuck (und Amara) übernehmen könnte.
Ich bin übrigens nicht darauf gekommen, dass Jack am Ende dieses Abenteuers seine Seele zurückerlangen könnte. Dabei wird das im Folgenverlauf mehrfach angeteasert - zunächst Billies Erwähnung, dass diese Stärkung „spiritueller“ Natur ist und später die ganzen Diskussionen rund um und mit Jack, der nichts mehr fühlen kann und bloß aus seiner Erinnerung weiß, was er empfinden müsste. Da ist es schon fast offensichtlich, was ihm in spiritueller Hinsicht fehlt. An dieser Stelle ein großes Lob an Alexander Calvert, der seine Rolle hervorragend spielt. Meine persönlichen Highlights sind da das Gespräch mit Cas über die Frage, ob Dean ihm vergeben wird und natürlich das Ende, als seine Emotionen förmlich aus ihm herausbrechen und er unter Tränen um Vergebung bittet.
Das Occultum als Zugang zum Garten Eden - dem sichersten Ort der Welt - wirft ein paar Fragen auf, ist aber dennoch ein gutes Gimmick. Mir stellt sich da vor allem die Frage, weshalb es nicht schon vorher von irgendwem benutzt wurde. Denn offenbar wissen die jeweiligen Besitzer vom hohen Wert des Gegenstands, Ruby weiß scheinbar sogar, wohin es führt - und wenn Ruby darüber Bescheid weiß, sollten auch andere dieses Wissen haben, danach schauen und versucht sein, diesen Ort zu finden. Ein weiterer Gedanke geht da in Richtung Gadreel (Tamoh Penikett) - der Engel, der einst über den Garten wachte und das Böse außen vorhalten sollte. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, wie es damals mit Beschreibungen zum Garten aussah. Ihr? Das Weiteren werfen die Rollen des Mädchens (Amelie Eve) und der Schlange (sollte das Lucifer sein?) ein paar Fragezeichen auf, aber die müssen in meinen Augen nicht unbedingt beantwortet werden. Was zählt, ist schließlich das Resultat und das weiß zu überzeugen.
Fazit
Ich bin sehr begeistert von der Folge, die es scheinbar mühelos schafft, derart viel Handlung, (Gast-)Darsteller und unterschiedliche Orte unter einen Hut zu bringen. Es kann und darf viel gelacht werden, ohne dass das Drama (um Jack) darunter leiden muss. Das Resultat bringt derweil nicht nur das Team einen wichtigen Schritt weiter, sondern lässt die Episode auf einer sehr emotionalen Note enden. Lediglich ein paar Kleinigkeiten wollen nicht so ganz passen. Von mir gibt es daher viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Nachtrag
Es ist natürlich betrüblich, dass wir uns mit dem Ende von Destiny's Child in eine weitere Pause begeben müssen, deren Länge ungewiss ist (siehe hier).
Es gilt daher jedoch: nicht den Kopf hängen lassen, die Serie wird früher oder später noch ihr geplantes Ende erhalten und dann geht es von meiner Seite auch mit den Reviews weiter. Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute, bleibt gesund und haltet die Ohren steif! Carry on!
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Verfasser: Christian Schäfer am Mittwoch, 25. März 2020Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x13 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x13)
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