Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x08

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Our Father, Who Aren't in Heaven
Der Titel des Midseasonfinales verrät direkt, um wen es geht. Ungleich der vorherigen Episoden sind Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) nun endlich darauf fokussiert, sich einem Weg zu widmen, um Chuck (Rob Benedict) zu Leibe zu rücken. Die entscheidende Idee stammt von Dean, der in der Dämonentafel die Lösung vermutet - ein Schriftstück, welches uns seit der achten Staffel bekannt ist und nur vom Propheten Gottes gelesen werden kann.
Somit kommt Donatello (Keith Szarabajka) ins Geschehen, was nur den Auftakt zu jeder Menge Fanservice darstellt. Denn Donatellos Übersetzungen deuten darauf hin, dass Michael beziehungsweise Adam (Jake Abel) weiterhelfen kann und die Suche nach dem Erzengel führt die Brüder und Cas (Misha Collins) zunächst in die Hölle, wo es ein Wiedersehen mit Rowena (Ruth Connell) gibt. Letztere Überraschung lässt sich nicht aus der Vorschau oder den Opening Credits der Episode entnehmen, womit die Überraschung auch sitzt.
Aber ich sprach gerade von „Fanservice“. Dieses Wörtchen hat oft einen negativen Beigeschmack und ist ein zweischneidiges Schwert, wenn es darum geht, Figuren hervorzuholen, die lange nicht mehr gesichtet wurden. Für die Autoren Brad Buckner und Eugene Ross-Leming dürfte es nicht leicht gewesen sein, Michael und Adam zurück ins Geschehen zu bringen, diese Charaktere sinnvoll aufzugreifen und in die aktuelle Handlung um Chuck einzubauen. Denn wir Fans schreien zwar immer danach, dass wir bestimmte Figuren wiedersehen wollen, aber wir schauen auch umso skeptischer auf diese Figuren, sobald sie wirklich auftreten. Nicht selten kommt es dabei zu einer Polarisierung des Fandoms und zwar gerade dann, wenn bestimmte Charaktere (zu) stark verändert erscheinen. Andererseits möchte man aber auch nicht das gleiche in grün sehen, womit der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart eben schnell zum Spießrutenlauf für die Macher werden kann.
Soviel vorweg. Die große Frage ist natürlich nun, wie es um Our Father, Who Aren't in Heaven bestellt ist - mit Michael und Adam im Fokus. Aber auch die anderen bekannten Gesichter dürften zur Diskussion einladen.
Chuck
Bereits die ersten Szenen der Folge zeigen uns Chucks neue Freizeitbeschäftigung. Ob er sein Buch schon fertig hat? Nimmt er bloß eine „Entspannungspause“, um neue Inspiration für sein letztes Kapitel zu finden? In jedem Fall ist die Kellnerin (Lesha Vescio), die Chuck seine Drinks servieren darf und dazu an jeder Menge Leichen vorbeigeht, nicht gerade zu beneiden. Hoffentlich hat sie nicht zu viel Rum verwendet.
Unmissverständlich wird uns erneut aufgezeigt, dass Chuck nicht (mehr) der liebe Gott ist, als den wir ihn mal zu kennen glaubten. Als Gegner wurde er bereits im letzten Staffelfinale etabliert. Seitdem wissen wir zwar, dass er geschwächt ist, aber auch ein geschwächter Gott ist ein ernstzunehmender Gegenspieler, wie uns diese Woche ebenfalls vor Augen geführt wird. So geht weder Donatellos Übersetzungsarbeit noch Michaels Rückkehr an ihm vorbei. Und das Abenteuer von Sue Barrish (Luvia Peterson) am Rande, welches Eileens (Shoshanna Stern) Aufmerksamkeit gewinnt und sie zusammen mit Sam von den anderen weglockt, entpuppt sich als eine Falle von Chuck.
Da wird es für die Winchesters sehr schwierig, überhaupt einen Plan aufzustellen und diesem zu folgen. Ein allwissender Gegner wie Chuck sieht offenbar jeden Schritt (voraus), den unsere Brüder unternehmen. Seine Drohungen in Richtung Jodie (Kim Rhodes), Donna (Briana Buckmaster) und Eileen sind keine leeren Worte, auch wenn er sicher nicht mehr „all powerful“ ist.
Somit landen wir erneut beim Dilemma um den freien Willen. Können unsere Protagonisten Chuck besiegen und wie soll das gehen, wenn keines ihrer Unterfangen an ihm vorbeigeht? Im Grunde genommen können wir uns bei keiner Handlung darauf verlassen, ob sie aus Chucks Feder stammt oder nicht. Das macht die Angelegenheit zwar spannend, aber auch zunehmend verwirrend. In meinen Augen brauchen die Winchesters da jemanden auf ihrer Seite, der sicherstellen kann, dass Chuck die weiteren Schritte nicht mitbekommt. Jemanden, der ähnlich mächtig ist wie Chuck. Amara (Emily Swallow) zum Beispiel - die diese Woche auch erwähnt wird - oder vielleicht jemanden aus der Leere.

Hell
Bevor es in die Hölle geht, seien noch ein paar Worte über Donatello verloren, der eigentlich lieber zu Hause geblieben wäre. Schließlich hat die Dämonentafel ihm bereits übel mitgespielt und er geht mit der neuen Übersetzung ein Risiko ein. Seine Hilfe ist aber notwendig und liefert tatsächlich einen Ansatzpunkt für unsere Jungs. Donatellos Auftritte wissen aber nicht nur zu gefallen, weil er damit den nächsten Handlungsschritt enthüllt. Keith Szarabajka ist voll in seiner Rolle (und den Eimern mit Chicken Wings) drin und beschert uns neben seinem gelungenen Auftritt eine gute Portion Humor.
Eine gute Portion Humor erwartet uns anschließend auch in der Hölle - „Amazon doesn't deliver here ... yet.“ Rowena meldet sich zurück und sitzt inzwischen auf dem Höllenthron. Ruth Connell darf ihre Rolle abermals ein wenig anders spielen und wer sich gefragt hat, ob Rowenas dramatisches Ende in The Rupture endgültig war, erhält eine klare Antwort. Ob man als Zuschauer mit diesem Überraschungsauftritt glücklich wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Schließlich wird ihr Abgang in der dritten Folge dieser Staffel durchaus ein wenig geschmälert, wenn sich nun herausstellt, dass sie „da unten“ jetzt das Sagen hat und als „Queen of Hell“ in den Fußstapfen von Crowley (Mark Sheppard) unterwegs ist.
Zu viel Fanservice? Vielleicht. Aber irgendwie ist es auch beruhigend, dass sie nicht in irgendeiner Höllenzelle sitzt, sondern eine Art Happy End gefunden hat. Als Zuschauer weiß man ihre Hilfe bei der Suche nach Michael zu schätzen, aber was mich am meisten beeindruckt hat, ist ihre Analyse der angespannten Situation zwischen Dean und Cas, die sich auch diese Woche mehr als einmal bemerkbar macht. Da kann man ihren Worten nur Nachdruck verleihen: „Fix it!“
Zuletzt stellt sich hier noch die Frage, ob die Geschichte von Rowena damit auserzählt ist. Unsereins wäre durchaus zufrieden, falls die Hölle samt neuer Königin in der weiteren Handlung nicht mehr vorkommt. Aber was meint ihr? Sollte es noch weitere Auftritte geben oder war vielleicht dieser bereits einer zu viel?
Michael und Adam
Lange haben wir darauf gewartet, jetzt ist es passiert: Michael und Adam kehren zurück, nachdem die Tür zum Käfig geöffnet wurde. Jake Abel verkörpert hier beide Rollen, wenngleich sich vielleicht angeboten hätte, Matthew Cohen für die Rolle des Erzengels einzusetzen. Aber das soll kein Kritikpunkt sein, denn Abel macht seine Sache verdammt gut. Ob er dabei Selbstgespräche führt oder mühelos zwischen beiden Rollen wechselt, spielt keine Rolle. Stets erkennen wir, wer gerade Adams Körper steuert und bräuchten dafür nicht einmal das bläuliche Aufblitzen in den Augen zu sehen.
Doch wie sieht es nach zehn Jahren im Käfig überhaupt mit den beiden Figuren aus? Es hieß doch immer, dass Michael im Käfig verrückt geworden ist und was Adam angeht, ließe sich noch Schlimmeres erahnen. Nun, was wir da vernommen haben, waren offensichtlich Übertreibungen oder gar Lügen - mit Blick auf die Quellen (Lucifer, Chuck) kaum verwunderlich. Denn weder ist Michael verrückt geworden, noch wurde Adam in Mitleidenschaft gezogen. Stattdessen sehen wir in den ersten Szenen, dass beide Charaktere sich Adams Körper teilen und geradezu symbiotisch agieren. Eine nette Überraschung.
Für die Winchesters wird es dadurch aber nicht leichter, Michael von ihrem Plan und - damit einhergehend - Chucks Wandel zu überzeugen. Zumal Adam und Michael ihren Aufenthalt im Käfig Sam und Dean zu verdanken haben. Vielleicht nicht so direkt, wie es uns diese Episode weismachen will, denn da waren noch eine ganze Reihe anderer Figuren beteiligt, ehe es zum Ende der fünften Staffel kam - aber der Punkt ist dennoch verständlich, gerade was Adam betrifft.

Bleiben wir einmal kurz bei Adam Milligan. Eine Entschuldigung ist alles, was er von Sam und Dean verlangt und am Ende auch erhält. Ferner ist Adam bereit, den Worten der Winchesters Glauben zu schenken oder zumindest, die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass an den Worten was dran ist. Vielleicht machen es sich die Autoren da ein bisschen einfach und holen ihn ein wenig zu schnell ins Boot. Aber andererseits ist es begrüßenswert, dass der Groll bei Adam nicht so tief verankert ist. Denn einen weiteren Konflikt, der sich lange hinzieht, brauchen wir sicherlich nicht.
Bei Michael bin ich mir nicht so ganz sicher, ob sein Verhalten wirklich stimmig ist. Das Treffen mit Lilith, welches mit einem „Smiting“ ihre Existenz beendet - nebenbei bemerkt eine coole Szene, die Michaels Macht aufzeigt - macht mich da stutzig. Michael muss doch wissen, dass Lilith nur dann zurück sein kann, wenn Chuck sie zurückgeholt hat. Sie war das letzte Siegel, welches gebrochen werden musste, um Lucifer zu befreien und die Apokalypse zu starten, welche Chucks Aufmerksamkeit und Rückkehr bewirken sollte - mit dem anvisierten Ende vom Kampf Michael gegen Lucifer, aus dem Michael als Sieger hervorgehen sollte. Weshalb also folgt Michael ihr nicht, wenn es damals doch sein Ziel war, Chuck zurückzuholen? Liliths Existenz in Kombination mit ihren Worten ist doch quasi der Beweis, dass Gott wieder da ist. Da besteht er darauf, dass Chuck persönlich vorbeikommt? Hmm.
Abgesehen davon ist Michaels Einstellung aber konsistent. Er kann und will nicht glauben, was Castiel und die Winchesters ihm berichten. Da wird erst eine Auffrischung der letzten Geschehnisse durch Cas benötigt, um zu erkennen, dass an der Sache was dran ist. Besonders der Punkt, dass er nicht der einzige Michael ist, dürfte hier den Ausschlag gegeben haben, den Zauber zu übergeben, mit dem Chuck zu Leibe gerückt werden kann. Von einer persönlichen Beteiligung am Unterfangen sieht Michael aber ab und öffnet lediglich das Tor zum Fegefeuer - was mich auch wieder stutzig macht und mit Blick auf Chucks Vorliebe für Monster (die Leviathane hatte er in Atomic Monsters explizit erwähnt) schnell zu der Vermutung führt, dass dieser Schritt ein Teil des letzten Kapitels seiner Supernatural-Bücher ist.
Insgesamt bin ich mit der Rückkehr von Michael und Adam zufrieden, trotz der gerade angeführten (eher kleineren) Kritikpunkte. Ich würde meinen, dass sich das Warten gelohnt hat und die Autoren es recht gut getroffen haben (Stichwort: Fanservice).
Verschiedenes
- Werden Cas und Dean nach der Winterpause zusammen ins Fegefeuer gehen, um die letzte Zutat zu holen? Vermutlich, schließlich haben sie nur zwölf Stunden Zeit, da werden Sam und Eileen sicher warten müssen. Außerdem ergibt sich da vielleicht eine Gelegenheit für eine Aussprache, wie Rowena es bereits beiden nahegelegt hat. Und oh, ob es ein Wiedersehen mit Benny (Ty Olsson) geben wird?
- Was wird aus Sam und Eileen? Ich ahne Böses, aber hoffe das Beste. Erst recht nach dem kleinen Gespräch zwischen den Brüdern, was eine potenzielle Beziehung zwischen Sam und Eileen betrifft. Deans Segen in dieser Sache kommt uns zwar entgegen, aber gleichzeitig werden wieder Befürchtungen geschürt, die ich jetzt nicht ausspreche.
- Michaels Kräfte sind wirklich beeindruckend, nicht nur bei Lilith. Trotz Fesseln bebt da der Bunker und es ist kein Problem, ein Portal zu öffnen. Als Verbündeter wäre er sicher hilfreich. Ob wir ihn wiedersehen werden? Wohin geht er als nächstes? Vielleicht eine Etage höher, um dort mal nach dem rechten zu schauen?
- Habt ihr Gabriel (Richard Speight, Jr.) gesehen? Der saß diese Woche wieder auf dem Regiestuhl. Ob er sich in den kommenden zwölf Folgen noch vor die Kamera wagt? Von mir aus gerne.
- Zuletzt, weil es einfach langsam mal an der Zeit ist und nicht oft genug gesagt werden kann: Jack (Alexander Calvert) wird weiterhin vermisst. Von mir aus können Billie (Lisa Berry), Lucifer (Mark Pellegrino) und die Leere selbst noch etwas warten. Aber zu Weihnachten wünsche ich mir, in der nächsten Episode von Supernatural endlich zu erfahren, wie es mit Jack weitergeht.
Fazit
Fanservice wird im Midseasonfinale großgeschrieben. In manchen Teilen vielleicht ein bisschen zu groß, aber Grund zur Beschwerde gibt es kaum. Wie zu erwarten war, nimmt die Haupthandlung endlich wieder Fahrt auf und integriert mal nebenbei zwei Figuren, die seit zehn Jahren nicht mehr in der Serie zu sehen waren - ganz zu schweigen von anderen Gastauftritten. Die Spannung darauf, wie es nächstes Jahr weitergeht, ist jedenfalls groß und wurde ordentlich geschürt. Von mir gibt es diese Woche 4,5 von 5 Sternen. Und von euch?
Oh, fast hätte ich es vergessen: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2020!
Der Trailer zur nächsten Episode Supernatural (15x09):
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 15. Dezember 2019Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x08 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x08)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x08
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