Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x07

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Last Call
Last Call ist eine Episode, die bei mir (mal wieder) gemischte Gefühle hinterlässt. Quasi genau wie der Titel, denn die „letzte Runde“ beim geselligen Beisammensein mit Kollegen oder Freunden in einer Kneipe hat auch immer etwas von „schade, gleich müssen wir nach Hause“. Kurz auf die Uhr geschaut, sind wir jedenfalls fast beim Midseasonfinale angekommen und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die 15. und letzte Staffel Supernatural damit in den Turbo-Boost schaltet und es in den letzten 13 Folgen kaum noch Fälle der Woche gibt.
Wenn ich die Kommentare der letzten Wochen richtig verfolgt habe, gibt es nicht wenige Stimmen, die sich durch Episoden der Art „Case of the week“ an die alten Zeiten der Serie erinnert fühlen und diese gerade deshalb genießen. Es gibt aber auch das andere Lager, welches hauptsächlich wissen möchte, wie die große (Haupt-)Handlung weitergeht und sehnlichst darauf wartet, dass eben diese voran geht. Unterm Strich gehöre ich da in die letzte Kategorie, denn wenn man schon auf alles zurückblickt, was in 15 Jahren passiert ist, gibt es verdammt viele Möglichkeiten, alte Fäden aufzugreifen und weiterzuspinnen, ehe es zum Endspurt übergeht.
Unsereins hätte beispielsweise niemals mit einer Rückkehr von Lilith (aktuell gespielt von Anna Grace Barlow) gerechnet, sondern nach Chucks (Rob Benedict) Erwähnung der Leviathane eher an jemanden wie Dick Roman (James Patrick Stuart) gedacht - auch wenn ich den nicht vermisse. Die Möglichkeiten zum Aufgreifen alter Monster und Gastrollen sind auf jeden Fall enorm, da verwundert es schon ein wenig, dass Dean (Jensen Ackles) auf jemanden trifft, der uns nie zuvor in der Serie begegnet ist.
Lee Webb
Das „Monster der Woche“ ist in diesem Fall Lee Webb (Christian Kane) und der macht sich bereits beim ersten Treffen mit Dean verdächtig, als er das vermisste Mädchen nicht erkennt (oder vorgibt, es nicht zu kennen), während Bardame Lorna (Aliyah O'Brian) direkt weiterhilft. Besonders spannend ist das nicht, zumindest hat unsereins nur darauf gewartet, dass Lee Dean in den Rücken fällt - was er auf dem Schrottplatz schließlich auch macht.
Dennoch ist dieser Handlungsstrang der Episode noch der, der am meisten Spaß macht. Es lässt sich leicht erkennen, dass Kane und Ackles auch im wahren Leben Freunde sind (die haben übrigens tatsächlich schon zusammen gesungen, da wird man auf YouTube schnell fündig). Entsprechend gut gelingen fast alle Szenen mit den beiden, wobei der US-Staat Texas eine heimliche Gastrolle hat. Es wird getrunken, über alte Zeiten gesprochen, es gibt eine kleine Schlägerei und einen gemeinsam gesungenen Country-Song. Von Dean hätte man vielleicht eher was Rockiges erwartet, um die Bühne zu betreten, aber „Good Old Boys“ von Waylon Jennings tut es auch (na, wer hat da noch an eine andere, wesentlich ältere Serie gedacht?) - für mich das Highlight der Folge.
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Aber Dean vergisst bei all dem Spaß nicht, dass er wegen eines verschwundenen Mädchens im „Swayze's“ ist. Er findet heraus, dass Lee ein Monster im Keller hat, welches ihn mit Gesundheit und Wohlstand versorgt, so lange er es (natürlich mit menschlichem Blut) füttert. Das gefangene Ungetüm bleibt aber nur Mittel zum Zweck - Dean muss gar nicht erst herausfinden, wie man das Ding besiegt. Vielmehr dient es als Aufhänger zur Diskussion mit Lee, der sich nach Jahren auf der Jagd (seiner Meinung nach) eine Belohnung verdient hat.
Somit ist Lee letztlich das eigentliche Monster, weil er über Leichen geht. Der Kern der letzten Auseinandersetzung ist aber, ob sich ein Jäger eine Belohnung verdient (hat). Werden die Winchesters am Ende der Staffel eine Belohnung erhalten? Wie könnte die aussehen? Und ist es überhaupt wichtig oder notwendig, dass es eine Belohnung gibt? Reicht nicht auch die Dankbarkeit der Geretteten (oder der Zuschauer) und die Gewissheit, das Richtige getan zu haben?
Alles Fragen, die sich wunderbar diskutieren lassen und zwischen den Zeilen auf das Serienende anspielen. Autor Jeremy Adams kann das Ruder also noch leicht rumreißen und die Aufmerksamkeit der Zuschauer von einem relativ schwachen Fall der Woche auf den weiteren Werdegang von Sam (Jared Padalecki) und Dean lenken. Die Frage, ob Lee den Tod durch Dean verdient hat, lässt sich da glatt vergessen.

Dean Winchester
Die bisherige Reise von Dean in dieser Staffel gleicht irgendwie einer Achterbahnfahrt, was seinen Gemütszustand angeht. Nachdem Chuck unsere Brüder in einem apokalyptischen Szenario zurückließ, war er stets guter Dinge, weil er Chuck aus der Gleichung wähnte. Mit der Gewissheit, dass der Autor der Supernatural-Bücher noch immer die Feder (und somit auch das Schwert) schwingt, kam es zur 180 Grad Wende - so resigniert wie in Golden Time haben wir Dean selten gesehen.
Jetzt dreht er sich erneut um 180 Grad und besteht obendrein noch darauf, allein auf die Jagd zu gehen. Woher dieser Wandel kommt? Keine Ahnung und genau das will auch nicht so richtig schmecken. Heute hü und morgen hott eben, ohne dass es einen besonderen Anlass dazu gibt. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er tatsächlich planlos durch die Gegend gefahren und dann zufällig im „Swayze's“ gelandet wäre - erst ein bisschen mit Lorna flirten und die kleine Geschichte mit Lee hätte ihn dann wieder zur Jagd gebracht. Und zum Schluss darf Sam noch verkünden, dass Chuck geschwächt ist, wodurch Dean endgültig zurück auf den richtigen Weg gebracht wird. Doch, das hätte mir wesentlich besser gefallen.
Sam und Eileen
Eileen (Shoshannah Stern) bleibt uns und Sam (vorerst?) noch erhalten. Sollten wir uns tatsächlich Hoffnungen machen dürfen, was eine gemeinsame Zukunft der beiden angeht? Last Call lässt die Funken sprühen und wäre Castiel (Misha Collins) nicht plötzlich im Bunker aufgetaucht, dann ... nunja ... sagen wir mal, dass Deans Vermutungen dazu, wie Sam und Eileen ihre Zeit in seiner Abwesenheit verbringen, sich bestätigt hätten.
Leider gibt es zu dieser aufblühenden Beziehung im weiteren Folgenverlauf keine Fortsetzung. Und vielleicht sollten wir auch nicht allzu optimistisch sein, weil wir nur zu gut wissen, was mit weiblichen Gastrollen passiert, die einem der Brüder zu nahe kommen. Andererseits könnte vor dem Hintergrund der letzten Staffel aber tatsächlich eine Wendung in Sachen Beziehungsglück erfolgen, die von Dauer ist. Warten wir mal ab und hoffen das Beste.
Castiel
Wie sich bereits nach der letzten Folge erwarten ließ, kehrt Cas in den Bunker zurück. Ein kurzer Austausch mit Sam über die letzten Geschehnisse führt zu einem Versuch, mit Hilfe von Sams Wunde und der daraus resultierenden Verbindung zu Chuck, dessen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Eine schlechte Idee, wie sich kurz darauf herausstellt. Plötzlich liegt Sam im Sterben und die einzige Person, die Cas zur Hilfe kontaktieren kann, ist Sergei (Dimitri Vantis) - der aber mit eigenen Motiven daherkommt und Sams Lage zunächst noch verschlimmert.
Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten hat mich diese Nebenhandlung kalt gelassen. Unterm Strich verursacht Cas ein großes Problem und ist anschließend gezwungen, dieses durch Sergei lösen zu lassen, womit sich ein weiteres Mal die Machtlosigkeit des Engels zeigt. Es wird zwar versucht, Castiel eine gewisse „Badassigkeit“ im Umgang mit Sergei mit auf den Weg zu geben, aber auch hier geht der Schuss eher nach hinten los - Sergeis Nichte zu bedrohen und ihn damit zu zwingen, Sam zu helfen, geht einfach zu weit.
Nach Unhuman Nature habe ich außerdem in Erinnerung, dass die Winchesters Sergei etwas schuldig sind, nachdem er für Jack (Alexander Calvert) eine Portion „Archangel Grace“ zur Verfügung stellte - die gewünschte Wirkung blieb zwar aus und verschlimmerte Jacks Lage bloß - aber am Ende Folge klang es eher so, als wenn Sergei sich mal mit einem Hilfegesuch oder einer Forderung bei unseren Jungs blickenlassen würde.
Aber wie auch immer. Interessant sind Sergeis Bemerkungen zum Bunker und einem bestimmten Schlüssel, den er beschreibt und gerne in die Finger bekommen würde. Sicher kein Zufall, denn der Zugang zu einer gewissen Bibliothek könnte sich als vorteilhaft für unsere Brüder erweisen - vorausgesetzt natürlich, dass man den Texten der Bücher dieses Mal wirklich vertrauen kann.
Und Sergei? Als Figur nicht uninteressant und auf eine verdrehte Art und Weise sogar sympathisch. Gut möglich, dass er noch öfter vorkommt und vielleicht noch zu einem Verbündeten wird - schließlich ist es schon leicht beeindruckend, über welche Mittel und Kräfte er verfügt. Seine Hilfe im kommenden Kampf gegen Chuck wäre sicher nützlich.
Zuletzt sei noch auf das äußerst kühle Wiedersehen zwischen Cas und Dean am Ende der Episode hingewiesen. Da ist offenbar noch das eine oder andere Gespräch nötig, ehe die beiden wieder auf einem Level sind. Mal schauen, wie es da mit unserem Team weitergeht und ob die Differenzen beigelegt werden können.
Sonstiges
„I think we can beat God.“ Mit diesen Worten endet die Folge und festigt das zukünftige Vorhaben unseres Teams. Wie man dies allerdings zu tun gedenkt und was es überhaupt heißt, Chuck zu schlagen - ihn zu töten fällt ja quasi raus, nachdem wir in Staffel 11 erlebt haben, wohin das führen würde - bleibt natürlich offen. Die Erinnerungen, die Sam gesehen hat, zeigen aber auch Amara (Emily Swallow) - vielleicht sollten sie lieber erst nach ihr suchen, bevor sie Chuck ausfindig machen? Schließlich sollte Amara am besten wissen, was man überhaupt machen kann. Einen Versuch wäre es wert.
Ansonsten ist noch interessant, dass der Engelsfunk seit Monaten schweigt. Eine Folge von Chucks Einleitung des „Endes“? Mich würde ja schon interessieren, was da oben los ist und wer - abgesehen von Castiel - noch im Spiel ist. Außerdem warten wir noch immer auf ein Zeichen aus der Leere - die sind doch nicht etwa alle wieder eingeschlafen, oder?
Fazit
Stellenweise macht Last Call richtig Spaß und sogar Lust auf mehr. Aber leider nur stellenweise. Spannung will nie so wirklich aufkommen, dazu sind beide Handlungen zu durchschaubar. Positiv hervorheben lassen sich aber dennoch die Gastauftritte von Christian Kane, Shoshannah Stern und Dimitri Vantis - wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich hoffe, dass mit dem Midseasonfinale wieder ordentlich Schwung in die übergreifende Handlung kommt und vergebe für diese Woche drei von fünf Sternen. Und ihr?
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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 7. Dezember 2019Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x07 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x07)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x07
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