Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x09

© zenenfoto aus der „Supernatural“-Episode „The Spear“ (14x09) (c) The CW
The Spear
Die Supernatural-Episode The Spear hat jede Menge Zutaten an Bord, die für ein gelungenes Midseason-Finale benötigt werden. Sam (Jared Padalecki), Dean (Jensen Ackles), Cas (Misha Collins) und Jack (Alexander Calvert) stehen als Team im Fokus, während Michael (nun im Körper von Felisha Terrell) seine Monster-Armee komplettiert, die zum ersten großen Angriff gegen die menschliche Bevölkerung ausholt. Das Zeitfenster ist eng, unsere Truppe muss sich in Zweierteams aufgeteilt zunächst noch Waffen besorgen und selbst, wenn ihnen das gelingt, ist ein Sieg gegen Michael keineswegs sicher - Spannung ist folglich reichlich vorhanden.
Meine schlimmste Befürchtung, kurz nachdem die Prämisse gesetzt ist: das Tempo. Die Szenen vor der eigentlichen Folge zeigen uns recht ausführlich, was bereits (in der Staffel) geschehen ist, womit nur knappe 40 Minuten reine Laufzeit bleiben, um unsere Protagonisten durch die Story zu jagen. Es riecht geradezu danach, als wenn Autor Robert Berens und Regisseur Amyn Kaderali nun durch die Geschichte hetzen würden, um möglichst schnell das Thema „Michael" zu beenden - nicht unüblich für Supernatural, wo gerne mal im Endspurt gewaltig auf die Tube gedrückt wird. Am Ende hat mir das Tempo aber gefallen, auch wenn es an einigen Stellen in dieser Richtung etwas zu monieren gibt. Schuld für den verstärkt positiven Eindruck ist sicher auch der Cliffhanger, der die Lage unseres Teams sehr düster gestaltet und mit aller Deutlichkeit zeigt, dass Michael noch lange nicht besiegt ist. Aber es sind auch die kleinen, ruhigen Momente, die zu überzeugen wissen und trotz der relativ hohen Erzählgeschwindigkeit nicht fehlen.
Garniert wird die Folge außerdem mit diversen Gastauftritten. Arthur Ketch (David Haydn-Jones) ist endlich (?) mal wieder im Bild, Kaia (Yadira Guevara-Prip) darf kurz auftreten und der sympathische Garth (DJ Qualls) erhält sogar eine größere Nebenhandlung als Informant im feindlichen Lager. Als weitere Gastfigur ist eine leichte Weihnachtsstimmung zu benennen, die vor allem durch die musikalische Unterlegung und Michaels aktuelles Nest (Nakatomi, äh, nein, Hitomi Plaza) an einen bestimmten Film erinnert.

Anfangs im Bunker
Hier gibt es kaum etwas zu bemängeln. Die Szenen mit Cas und Jack sind sowohl amüsant als auch ernst. Wir wissen natürlich, dass sich Castiels Deal mit der Leere früher oder später (vermutlich später, so gegen Ende der Staffel) bemerkbar machen wird und den entsprechenden Tribut fordert, aber seine Umgangsweise mit Jack ist sehr herzlich und von Calvert kann man ohnehin nie genug bekommen und sehr froh darüber sein, dass er nicht plötzlich rausgeschrieben wurde.
Kurze Zeit später geht es um die Planung des weiteren Vorgehens, was auch Sam und Dean involviert. Schließlich kennen unsere Jungs von Naomi (Amanda Tapping) den Aufenthaltsort von Michael, haben aber bislang noch keine adäquaten Waffen, um ihm gegenüberzutreten. Abermals gelungen, möchte ich meinen. Mit Garth als Spitzel in Michaels Lager war zu rechnen, aber die Bestätigung geht runter wie Butter. Qualls hat seine Rolle nicht verlernt. Er mag zwar kein Pellegrino sein, ist aber ein gern gesehener Gastdarsteller, der seiner Rolle immer gerecht wird. So auch in diesem Fall, wo er sich in ein gefährliches Territorium begibt, um unser Team mit Informationen zu versorgen. Mehr zu Garth in Kürze.
Jetzt bleibt noch der liebe Arthur übrig, der seine Mission aus der Auftaktfolge vollendet hat - leider nicht mit der Geschwindigkeit, die unsere Brüder sich wünschen würden, aber immerhin hat er „das Ei" (beziehungsweise den „Hyperbolic Pulse Generator“) gefunden und den Winchesters zugesandt („Certified Priority Express“). Ein bisschen mehr Lob für seine Anstrengungen wäre sicher nicht verkehrt gewesen. Immerhin sprechen wir von einer Waffe, die einst den US-Präsidenten von Lucifer befreit hat und jetzt dank Ketch in Reichweite ist. Klar, bei Arthur schwingt irgendwie immer mit, was er damals in der zwölften Staffel alles veranstaltet hat. Aber mittlerweile sollte er sich als ein wertvoller Verbündeter erwiesen haben und verdient etwas mehr Lob, als ihm hier vergönnt wird - schließlich ist es nicht seine Schuld, dass Michael kurz davorsteht, anzugreifen.
Ein Anruf von Garth beschert unserem Team anschließend noch wichtige Informationen zum Aufenthaltsort von Kaia, womit auch der titelgebende Speer in Reichweite kommt. Für unser Team bedeutet das, Zweiergruppen zu bilden, um sich gleich zwei wirkungsvolle Waffen zu verschaffen.
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Garth, Secret Agent

Ich mag Garth. Aber als Spitzel in Michaels Reihen ist ihm von Beginn an kaum ein erfolgreiches Unternehmen vergönnt. Dazu ist er einfach zu ehrlich oder vielmehr zu „lesbar" für Michael. Selbst sein Werwolf-Kollege (Robin Campbell) erkennt, wie nervös Garth vor der Einnahme von Michaels Grace ist. Der „Trick", den Garth da vollführen will, um die Einnahme vorzutäuschen? Unbezahlbar in der Ausführung und zum Schießen komisch, wie er da sitzt und ganz offensichtlich noch nicht geschluckt hat.
Was nun etwas bedrückt, ist, dass Michael damit gerechnet hat. Erkennbar hat der Erzengel aus der Parallelwelt Garths Geschichte nicht geglaubt und weiß ganz genau, für welche Seite das Herz des Werwolfs schlägt. Durch die Verabreichung des Grace weiß Michael womöglich sehr gut, welche Funktion Garth für Sam und Dean hat, bespitzelt gar den Spitzel und hat einen Draht zu allen Vorgängen, die der Werwolf an die Brüder weitergibt. Für die Winchesters hätte sich das vorhersehen lassen, falls Garth denn zugegeben hätte, Michaels Upgrade geschluckt zu haben. Aber das macht er nicht. Wo ist da die Ehrlichkeit, die er sonst an den Tag gelegt hat? Kein großer Kritikpunkt, aber eben einer, der erwähnt werden sollte.
Der weitere Verlauf folgt entsprechend, wobei Garth Sam und den frisch befreiten Jack angreift - unfähig, seine Transformation zum Werwolf zu unterbinden. Michaels Macht wird indirekt multipliziert, denn wir können davon ausgehen, dass er über jegliche Kreaturen Befehlsgewalt hat, die sein Grace geschluckt haben. Düstere Aussichten für die Zukunft, sofern man Michael nicht stoppen kann. Was Garth betrifft, ist er am Ende noch am sichersten mit der Verwahrung im Kofferraum. Aber er ist nur ein Einzelbeispiel, welches dazu dient, uns vor Augen zu führen, wie weit Michaels Macht reicht.
Sam und Jack

Als eines der Zweierteams wieder sehr gelungen. Jack fügt sich jedenfalls sehr gut in die Winchester-Familie ein und darf auch beim Zweier-Abenteuer mit Sam überzeugen, welches relativ kurz gestaltet ist. Der Einbruch in die Postfiliale kommt außerdem mit einem leicht zu erwartenden Twist daher.
Besagter Twist zeigt uns Michael, der plötzlich vor Ort ist. Jack wird entführt und nimmt - wenn auch nur kurz - die Rolle der Geisel ein. Ein erster, großer Schlag gegen unser Team, der die Spannung auf den Endspurt erhöht und kurz vermuten lässt, dass Sams Geschichte plötzlich beendet werden könnte - denn weshalb sollte Michael ihn verschonen, nachdem er das Ei zerstört hat?
Als weitere Frage drängt sich auf, wie es Sam im Alleingang gelingen kann, Jack zu befreien. Nur zwei von Michaels Handlanger stellen sich ihm in den Weg beziehungsweise müssen einen Kopf kürzer gemacht werden. Unterschätzt Michael unser Team oder ist es ein Spiel, welches als Machtdemonstration dienen soll, um unsere Protagonisten zu brechen? Ich vermute letzteres, was durch Garths unfreiwilligen Angriff auf Sam und Jack unterstrichen wird.
Dean und Cas (und Kaia)

Deans Motivation ist ansteckend. Und tatsächlich sieht es für unsere Truppe nicht schlecht aus, wenn man sich die anfängliche Lage vor Augen führt. Sie scheinen in der Tat sehr gut für eine Auseinandersetzung gerüstet, informationstechnisch im Vorteil und haben zwei Waffen in Reichweite. Dean ist außerdem durch die Wiederauferstehung von Jack („No strings attached“ - wenn er nur wüsste...), die er als großen Sieg verbucht, sehr zuversichtlich. In Collins Gesicht können wir zwar ablesen, dass da sehr wohl ein paar „Strings" anhaften, aber Dean jetzt damit zu belasten (und dessen Motivation zu dämpfen), wäre schlicht der falsche Zeitpunkt.
Die Entschlossenheit Deans wird kurz darauf gegenüber Kaia voll ausgespielt. In meinen Augen trotzdem ein bisschen zu einfach, wie sie den Speer abgibt - das ist genau einer dieser Momente, wo der Zeitdruck des Drehbuchs in negativer Form deutlich wird. Viel zu schnell unterbreitet sie Dean einen neuen Deal und spult dabei in aller Kürze die wichtigsten Informationsbrocken ab. Eine vorbereitende Episode, in der sich mehr Zeit mit dieser Figur gelassen und ihre Hintergrundgeschichte näher beleuchtet wird, hätte da sicher Abhilfe geschaffen.
Ein weiterführender Gedanke besteht außerdem darin, Kaia als Verbündete im Kampf gegen Michael einfach mitzunehmen. Schließlich ist sie sehr geübt im Umgang mit dem Speer, was sie bei ihrem letzten Auftritt bereits demonstrieren konnte. Wäre es da nicht naheliegend, nicht nur ihre Waffe, sondern auch ihre Fähigkeiten einzupacken? So persönlich Dean die Auseinandersetzung mit Michael auch sehen mag (schließlich will er derjenige sein, der Michael tötet), wäre Kaia als Joker im Endkampf für eine schöne Überraschung gut gewesen.
Michael
Auf meinem Punktekonto hat Michael diese Woche gewaltig aufgeholt. Endlich wird die Geheimniskrämerei beendet und zum großen Schlag ausgeholt, der nicht nur Cas ein blutiges Gesicht beschert. Die Auswirkung der Grace-Verabreichung wurde oben weiter bereits erwähnt - anhand von Garth können wir uns jedenfalls sehr gut vorstellen, wie weit Michaels Kontrolle über die Monster reicht und diese mit jedem Opfer, welches seine Armee verursacht, weiter anwächst. Der bevorstehende Angriff auf Kansas City wird seine Macht exponentiell steigen lassen, aber eben nur der erste Schritt sein, um die Welt ins Chaos zu stürzen.
Jack darf aus erster Hand erfahren, wie Michaels Pläne aussehen, nimmt aber eine besondere Stellung als Nephilim ein. So steht er nicht unmittelbar auf Michaels Abschussliste, sondern soll in Zukunft zusehen, wie vergänglich die Menschen sind und über Jahre beziehungsweise Jahrhunderte (während sein Grace zurückkehrt) seinen Weg zu Michaels Sicht der Dinge finden. Ob die Ansprache nur dazu dient, Jack zu brechen oder ob Michael tatsächlich daran gelegen ist, unseren Nephilim als eine Art letztes „Familienmitglied der Mächtigen" zu bewahren, sei mal dahingestellt. In jedem Fall wird uns aber gezeigt, wie weit Michaels Pläne reichen und er als Gegner nicht zu unterschätzen ist.
Es heißt ja immer, Hochmut käme vor dem Fall. Insofern ließ sich beim Endkampf annehmen, dass Michaels Überheblichkeit in Kombination mit den unterlassenen Chancen, Sam, Jack oder Garth zu töten (die sich allesamt im Folgenverlauf mal in seiner Gewalt befinden), seinen (schnellen) Untergang herbeiführen könnte. Und dann kommt dieser Moment, wo sich Michael am falschen Ende des Speers wiederfindet und Dean nur noch einen Stoß vollführen muss, um dem Spuk ein Ende zu bereiten...
... und was passiert? Twist! Michael hat sich ein Hintertürchen offengelassen und tauscht mal eben den Wirt, was sicher nicht nur Jack, Sam und Cas die Kinnlade herunterfallen lässt. Ließ sich vielleicht anhand von Deans verschwommener Sicht vor zwei Wochen kommen sehen und ja, man darf nun im Nachhinein auch kritisieren, dass dieses Hintertürchen von niemandem (Cas) bemerkt wurde. Außerdem ist Michael erpicht darauf, dass Dean ihm gegenübertritt, was einen weiteren Hinweis auf den Twist gibt. Aber sicher konnten wir uns trotzdem nicht sein und so verfehlt diese Überraschung ihre Wirkung nicht. Dichael ist zurück und schickt uns mit einem Fingerschnippsen in die Pause.
Fazit
Das Midseason-Finale lässt uns mit einem gewaltigen Cliffhanger zurück, der über den weiteren Verlauf rätseln lässt. Ich wüsste gerade nicht, wann es mal schlechter um unsere Protagonisten gestanden hat, als am Ende dieser Folge. Des Weiteren würde ich den Episodenaufbau trotz des Teils zu hohen Tempos - vor allem bei Kaia bemerkbar - als gelungen betrachten. Fast jede Figur erhält ihre kleineren oder größeren Momente, der Spannungsfaktor ist stets vorhanden und der große Bösewicht erhält endlich die Chance, als solcher zu funktionieren. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen. Bleibt nur noch, euch allen ein Frohes Fest und einen guten Rutsch zu wünschen - wir lesen uns spätestens 2019 wieder.
Trailer zur Episode Nihilism der Serie Supernatural (14x10):
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 15. Dezember 2018Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x09 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x09)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x09
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