Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x08

© zenenfoto aus der „Supernatural“-Episode „Byzantium“ (14x08) (c) The CW
Byzantium
Die Supernatural-Folge Byzantium widmet sich fast ausschließlich Jack (Alexander Calvert), der im Episodenauftakt verstirbt. Selbst, wenn der Nephilim nicht im Bild ist, dreht sich alles um ihn und seine mögliche Rückkehr, für die Sam (Jared Padalecki) die zündende Idee hat. Die Folge bringt im Verlauf ein paar bekannte Gesichter zurück, auch wenn Lily Sunder (Veronica Cartwright) sich seit Lily Sunder Has Some Regrets stark - aber storykonform - verändert hat (sie wurde damals von Alicia Witt verkörpert). Neben Lily gibt es wenig später im Himmel noch Naomi (Amanda Tapping) und Duma (Erica Cerra) zu sehen, wobei letztere eine kleine Überraschung im Gepäck (beziehungsweise im Körper) hat. Außerdem trifft Jack in den oberen Büroräumen auf seine Mutter Kelly (Courtney Ford), was zu einigen sehr rührenden Szenen führt.
Das Aufgebot an Gastfiguren ist somit nicht gerade klein und Jacks Tod bringt die Situation im Himmel wieder auf den Tisch, der diese Woche von einer neuerlichen Krise durch die Leere heimgesucht wird. Aber wie gesagt, es dreht sich letztlich alles um Jack, der Dreh- und Angelpunkt für sämtliche Handlungen ist. Ihm hier eine komplette Folge - ohne ein zusätzliches Abenteuer oder einer Nebenhandlung, die nichts mit ihm zu tun hat - zu widmen, ist eindeutig ein Pluspunkt. Meredith Glynn (Drehbuch) und Eduardo Sanchez (Regie) fangen die Emotionalität auch gekonnt ein, die unsere Darsteller hier abliefern.

Auf der anderen Seite - und da lässt sich durchaus seufzen - wird das (Serien-)Rad nicht neu erfunden. Klar, niemand möchte, dass Jack stirbt (und tot bleibt) - dazu mögen wir ihn einfach zu sehr. Aber der Schock, der uns in den ersten Minuten vermittelt werden soll, sitzt einfach nicht. Zu schnell taucht eine Lösung am Horizont auf und bringt eben jenen Kritikpunkt von letzter Woche zurück, der dem Tod die Endgültigkeit raubt. Da ist es nicht mehr eine Frage, ob Jack zurückkommt, sondern wie (beziehungsweise, ob Sams Plan aufgeht). Und natürlich, welche Deals Sam, Dean (Jensen Ackles) und Cas (Misha Collins) dafür eingehen müssen.
Letzteres zeigt, wie sehr sich die Serie dabei im Kreis dreht. An einer Stelle dürfen Sam und Dean sogar kundtun, dass sie selbst sehr oft gestorben sind (was mich kurz schmunzeln ließ) - vermutlich Absicht seitens der Macher, hier kurz ein zwinkerndes Auge zu zeigen. Als wenn sie uns sagen wollten, was als Nächstes kommt. Dabei brauchen sie das gar nicht. Mit Lily wird bereits gedealt, denn die verlangt im Gegenzug für ihre Hilfe natürlich einen Preis. Wer aber am Ende zahlen wird, ist Cas, was zumindest eine kleine Abwechslung ist (normalerweise ist es einer der Winchesters, der einen Preis zahlen muss) und - zugegeben - relativ gut in den Rahmen um die Leere passt.
Aber ich sprach davon, dass sich etwas im Kreis dreht und dieses Etwas sind gerade diverse Deals, die von einer Story zur nächsten führen. Natürlich wird es kein Geheimnis bleiben, dass Cas der Leere ein Versprechen abgegeben hat. Natürlich werden dann Sam, Dean und Jack versuchen, den Engel wieder zurückzuholen oder vom Deal auf andere Art und Weise zu befreien. Natürlich unter dem Abschluss neuer Deals und mit Zugeständnissen, die dann zur nächsten Handlung führen. Eine quasi unendliche Geschichte seit Beginn der Serie, die gerne mal anders gestaltet werden könnte. Wir wissen doch mittlerweile, wie der Hase läuft. Da muss endlich mal frischer Wind (in der Handlung) kommen, wie er uns anhand der Kernfigur dieser Woche bereits (charaktertechnisch) mehrfach veranschaulicht wurde. Hier und dort gibt es auch schöne Einzelabenteuer, die durch Andersartigkeit überzeugen. Warum nicht bei den Staffelhandlungen? Kann doch nicht so schwer sein, diese Kette zu durchbrechen. Und ja, in der mittlerweile 14. Staffel würde ich einen Ausbruch aus dem üblichen Schema durchaus begrüßen, als immer wieder das gleiche in der einen oder anderen Form zu bekommen.
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Lily Sunder
Lily erhält eine Fortsetzung und gleichzeitig einen Abschluss ihrer Geschichte. Der Preis, den sie von Sam und Dean für ihre Hilfe verlangt, ist jedenfalls nachvollziehbar und bringt Anubis (Sean Amsing) ins Spiel, der angeblich darüber entscheidet, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt. Angeblich deshalb, weil letztlich jeder selbst (wie Anubis offenbart) für sein Schicksal nach dem Tod verantwortlich ist und die eigene Einstellung da die Waage (oder den Abakus) in die entsprechende Richtung verschieben kann. Kein neuer Gedanke, sondern vielmehr einer, der in mehreren Religionen gepredigt wird.
Insofern auch kaum verwunderlich, dass unsere Brüder Lily überzeugen können, trotzdem zu helfen. Denn diese eine gute Tat beschert ihr am Ende das Wiedersehen mit der Tochter im Himmel (nachdem sie ein weiteres Mal den Abakus befragen darf). Nicht unbedingt schlecht erzählt, aber doch weniger spannend und berechenbar, was den Ausgang angeht.
Im Himmel
Jack im Himmel führt - wie oben bereits angesprochen - zu nicht wenigen tollen Szenen, die berühren. Das Wiedersehen mit Kelly ist jedenfalls vollends gelungen und auch später, als Castiel auftaucht, passt vieles zusammen und ergibt einen konsistenten sowie emotional packenden Verlauf unserer kleinen Familie. Momente wie Kellys Erkenntnis, dass Jack tot ist oder Castiels Opfer für Jack erzielen jedenfalls die gewünschte Wirkung.
Was die Invasion der Leere angeht, ergibt die natürlich Sinn. Als Nephilim ist Jack eben halb Mensch und halb Engel, weshalb der Anspruch von „The Empty" gerechtfertigt ist. Spannung darüber, wer in den oberen Büroräumen einfällt, gibt es allerdings nicht. Schließlich ist das Markenzeichen der Leere noch aus den Szenen von letzter Woche im Gedächtnis, so dass uns bei dem schwarzen Zeugs gleich in den Sinn kommt, wer da in den Himmel eindringt und womöglich auch, mit welcher Absicht (kleiner Tipp: Es sind keine Leviathane). Selbst Castiels Deal ließ sich erahnen. Ähnlich unspannend ist es, wenn Duma sich als von der Leere okkupiert erweist - man sieht eine ganze Menge kommen, bevor es gezeigt wird, was deutlich im Gegensatz zu den gelungenen, emotionalen Szenen steht.
Dennoch wird es sicher den einen oder anderen Zuschauer freuen, dass die (personifizierte) Leere einen Auftritt erhält und dieser in Zukunft noch Bedeutung haben wird. Mich freut es auch ein wenig, dass da noch etwas mehr herausgeholt wird und dieser Gegner Formen annimmt. Deutlich besser, als Lucifer abermals ins Spiel zu bringen (was durchaus einen bestimmten Zweck erfüllen kann - Stichwort: Grace - aber eben von Seiten der Macher faul wirkt), der sein bestes Pulver bereits verschossen hat. Überhaupt gibt es nun schon drei große Bösewichte, die ihr Unwesen in dieser Staffel treiben, was die Frage aufwirft, wohin das alles noch führen soll. Wäre es nicht genug, sich erst einmal auf Michael zu konzentrieren? Der benötigt noch mehr Farbe und sollte auch als alleiniger Gegenspieler funktionieren - schließlich wurde er als solcher mit Blick auf das letzte Staffelfinale aufgezogen. Ich bekomme da leichte Bauchschmerzen, ob die Macher es verstehen werden, jedem dieser Bösewichte genug Spielraum zu verschaffen und vor allem, diesen gut einzusetzen. Kann funktionieren, aber ich bin da doch eher skeptisch.
Apropos Michael. Da gibt Naomi Cas am Ende eine wichtige Information, auf der sich aufbauen lässt. Wurde auch Zeit für einen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort (der offensichtlich nicht „in Dean" lautet). Da nächste Woche außerdem das Midseasonfinale ansteht, wird es in dieser Hinsicht auch weitergehen. Mal schauen, wie weit tatsächlich, denn zuerst benötigen unserer Jäger noch die Waffe, die Michael verletzten kann.
Im Bunker

Zuletzt noch ein paar Worte zu den Szenen im Bunker, die unsere kleine Familie betreffen. Jacks Tod hinterlässt da zu Beginn selbstredend eine trübselige Stimmung, die auch bei uns ankommt. Egal ob Sam, Dean oder Cas - man merkt jeder Figur an, wie sehr sie mitgenommen ist, auch wenn jeder ein wenig anders mit dem Verlust umgeht. So Szenen wie Deans Telefonat (leider erreicht er nur die Mailbox) mit Mary (Samantha Smith) oder Sams Holzfäller-Aktion im Wald lassen tief blicken. Da ist es schon sehr schade, dass kaum zehn Minuten vergehen, ehe das Blatt sich wieder wendet und der emotionale Eindruck leicht schwindet.
Andererseits bleibt uns aber auch nach der Ankunft von Lily eine gewisse Anspannung bei den Brüdern erhalten. Dieses Mal ist es Sam, der zuversichtlich ist, während Dean (teils berechtigterweise) den Skeptiker geben darf und das Vorhaben mitsamt Lilys Intention hinterfragt. Nicht, dass derartige Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden uns fremd wären, das sicher nicht. Aber es ist ungewohnt, den sonst eher handlungsaktiven Dean - gerade nach den Szenen mit Jack von letzter Woche - als Zweifler des Vorhabens präsentiert zu bekommen. Unterm Strich würde ich aber meinen, dass alles, was die Brüder und Cas angeht, gut zusammenpasst.
Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit haben mich auch die Szenen mit Jack gefreut, nachdem er erfolgreich wiederbelebt und von seinem Leiden befreit wurde. Sicher, dass er dafür einen (kleinen) Teil seiner Seele opfern musste, könnte noch ein Nachspiel haben. Aber das größere Nachspiel wird ohnehin bei Cas stattfinden. Und es war schön, diese gemeinsame Runde zum Schluss zu sehen - ein guter Kontrast zur Trauerrunde am Anfang. Hoffentlich ergeben sich da auch in Zukunft derartige Momente fröhlichen Zusammenseins dieser vier Charaktere.
Fazit
Schwierig. Byzantium ist eine vergleichsweise ruhige Supernatural-Episode, die sich mit der Gefühlswelt aller Beteiligten auseinandersetzt und damit durchaus punkten kann. Im Mittelpunkt steht Jack, der auf seine ganz eigene Weise zu berühren weiß. Allerdings wird die Emotionalität durch die schnell herbeigeführte Option auf Rückkehr leicht untergraben, und rein handlungstechnisch bleibt die Episode in allzu vertrauten Gefilden, wirkt kaum originell, obwohl gerade das wünschenswert gewesen wäre. Echte Spannung will dabei nicht aufkommen, dazu lässt sich ohnehin zu viel erahnen. Wobei die Grundhandlung an sich aber auch keine großen Logiklöcher aufweist, die sich beanstanden ließen - da passt schon vieles zusammen. Mein Bauchgefühl meint was von 3,5 von 5 Sternen. Wie sieht das bei euch aus?
Trailer zur Episode The Spear der Serie Supernatural (14x09):
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 8. Dezember 2018Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x08 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x08)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x08
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