Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x07

© zenenfoto aus der „Supernatural“-Episode „Unhuman Nature“ (14x07) (c) The CW
Lucifer Rising (again)
Lassen wir gleich zu Beginn die Katze aus dem Sack. Nicks (Mark Pellegrino) „Gebet" oder Geständnis, welches er direkt an Lucifer richtet, sorgt dafür, dass sich in der Leere (die uns aus der letzten Staffel noch vertraut ist) jemand in Bewegung versetzt. Jedwede Zweifel, es könne sich dabei um einen anderen als Lucifer handeln, werden direkt durch die roten Augen wieder zerstreut. Fraglos steht uns eine (weitere) Rückkehr des Teufels bevor.
Was mich daran stört? Ganz klar, dass die letzte Staffel einen (mehr oder weniger) guten Schlussstrich gezogen hatte, der das Thema Lucifer ein für alle Male beenden sollte. Ihn jetzt wieder auferstehen zu lassen, unterminiert nicht nur das Finale in Let the Good Times Roll, sondern führt jeglichen (Engels-)Tod komplett ad absurdum. Die Endgültigkeit diverser (tödlicher) Aktionen wird aufgehoben, womit es uns in Zukunft schwer gemacht wird, überhaupt noch einen Sieg der Winchesters oder (andersherum betrachtet) einen Sieg der Bösen ernst zu nehmen. Spielt doch eh keine Rolle, wenn „The Empty“ alles wieder ausspucken kann.
Bitte nicht falsch verstehen. Grundsätzlich hege ich keinerlei Abneigungen gegen die Rückkehr von Gastdarstellern. Sie muss aber schon gut begründet werden. Die Parallelweltsache hat uns Bobby (Jim Beaver) und Charlie (Felicia Day) zurückgebracht - aber beide Figuren sind anders als die originalen (und weiterhin toten) Figuren aus unserer Welt. Rowena (Ruth Connell) und Ketch (David Haydn-Jones) konnten den Tod durch Schutzzauber überwinden (teilweise mehrfach) - durchaus legitim. Und die Rückkehr von Castiel (Misha Collins) in der letzten Staffel lässt sich gut mit den mächtigen Kräften von Jack (Alexander Calvert) begründen. Von Mary (Samantha Smith) fange ich gar nicht erst an. Punkt ist aber, dass alles nachvollziehbar genug gestaltet wurde, um sich damit anzufreunden.
Aber was bringt Nick an den Tisch, um eine Rückkehr von Lucy zu initiieren? Nicht viel. Klar, da mag eine Verbindung bestehen, die uns diese Woche auch durchgehend aufgezeigt wird und Platz im Geständnis am Ende findet. Aber mir fällt es sehr, sehr schwer, die Reaktion in der Leere abzukaufen. Denn Nick ist „nur" ein Mensch. Fraglos verzweifelt, mitunter wütend und zu grausamen Taten fähig. Aber, wenn das ausreicht, um gefallene (Erz-)Engel zurückzubringen, tja, dann könnte jeder, der mal als Wirt für einen Engel gedient hat, Ähnliches erreichen. Und dabei kämpft der Himmel noch immer mit der Unterbevölkerung, die die Lichter flackern lässt. Das passt irgendwie nicht so recht zusammen...
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Nick

Mark Pellegrino rules. Was er diese Woche als Nick alles auffährt, ist verdammt (vielleicht sogar teuflisch) gut. Die Zerrissenheit seiner Figur wird uns nicht nur am Ende aufgezeigt, sondern zieht sich durch die gesamte Folge. Für ihn gilt es, die Hintergründe (und den Missetäter) um den Tod seiner Familie aufzudecken und gleichzeitig zu versuchen, seine gewaltsamen Neigungen - die bis zuletzt von Lucifer auf ihn abgefärbt haben könnten - abzulegen. Nick erhofft sich dadurch Erlösung, muss aber am Ende einsehen, dass die nicht kommen wird. Ein persönliches Drama, von dem ich in Zukunft gerne noch mehr gesehen hätte.
Kurz resümiert, bleibt Lucifers ehemaliger Wirt jedenfalls trotz grausamer Morde nachvollziehbar. Natürlich ist es nicht in Ordnung, wie er dabei vorgeht und dass die meisten Figuren, die ihm diese Woche begegnen, diese Begegnung nicht überleben. Aber wir verstehen sein Motiv, seine Wut und sein Verlangen. Außerdem gibt es Szenen wie die mit Madelyn (Raylene Harewood), in denen er seine dunklen Neigungen in Zaum halten kann. Nicks Geschichte dieser Woche ist insofern faszinierend, wenngleich sie nicht selten blutig daherkommt.
Aber was ist jetzt mit der Theorie, dass Nick die eigene Familie ermordet hat? Die können wir getrost zu den Akten legen, denn er war es nicht. Seine Spurensuche führt uns zu Frank (Craig March), der zur Tatzeit von einem Dämon (würde ich jedenfalls vermuten) besessen war. Nick erhält am Ende sogar den Namen (Abraxus) des wahren Mörders seiner Familie und bringt damit ans Licht, auf wen er seine weitere Suche konzentrieren sollte.
Und genau dort würde ich eine Grenze ziehen und die weitere Story anders gestalten. Weg von Lucifers Rückkehr und zurück in den Bunker, wo Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) vielleicht was mit dem Namen anfangen oder zumindest recherchieren könnten. Wäre doch eine gute Möglichkeit gewesen, um Nicks dramatischen Werdegang fortzusetzen, ohne den Teufel aus seinem Grab zu holen. Oder was meint ihr?
Jack

Nachdem Jack letztes Mal vor Deans Augen und Blut hustend zusammengebrochen war, musste es hier einfach weitergehen. Was würden unsere Brüder und Cas ausprobieren, um Jack von seinem Leiden zu befreien? So ziemlich alles. Sehr naheliegend ist der Versuch von Cas, mit Engelskräften eine Heilung zu bewirken - funktioniert nicht. Nächste Station Krankenhaus, in dem man sich zunächst mit einer Krankenschwester (Morgan Brayton) herumschlagen muss, die den Patienten erst nach einem weiteren Zusammenbruch vorzieht und wo unsere Hauptfiguren lange auf erste Ergebnisse warten müssen, die zudem keine Erklärung liefern.
Aber es war auch nicht zu erwarten, dass Jack von jetzt auf gleich geheilt wird. Erst Rowena gelingt es, das Problem genauer auszumachen - unser Nephilim ist ohne Grace zum Tode verdammt - aber eine Lösung kommt vorerst nicht in Sicht. Ein guter Anlass, um Trübsal zu blasen - aber davon will Jack nichts wissen, was uns zu den besten Szenen dieser Episode führt.
Jacks Ausflug mit Dean ist jedenfalls mein persönliches Highlight dieser Woche. Immer, wenn man meint, Jack könne nicht noch sympathischer werden, legt Calvert noch eine Schippe drauf. Wobei ihm die Autoren da auch sehr bedeutungsträchtige Dialoge geben. Sehr schön ist obendrein Deans Fürsorge und vor allem, dass er Jacks Wunsch danach, das Leben jetzt noch wenigstens ein bisschen zu leben und Spaß daran zu haben, zustimmt. Mit Blick darauf, wie Dean einst zum Nephilim stand, eine fast unglaubliche Entwicklung. Ein kleiner Wermutstropfen ist höchstens, dass Sam und Cas dabei zu kurz kommen, aber irgendwer musste daheim auf Lösungssuche bleiben und wir wissen bereits, wie viel Jack den beiden bedeutet. Fraglos ist jedenfalls, dass Jack ein wichtiger Teil der „Supernatural“-Familie geworden ist und das diese Woche abermals sehr gut zum Ausdruck gebracht wird.
In Sachen Lösungsfindung taucht mit Sergei (Dimitri Vantis) schließlich ein Joker auf, der zufällig noch etwas Erzengel-Grace besitzt und dies bereitwillig hergibt. Weil der Tipp von Ketch kommt, ist er sogleich mit Vorsicht zu genießen und - wie irgendwie zu erwarten war - auch leider keine Lösung. Oder Jack benötigt einfach nur mehr Zeit, um sich an Gabriels Grace zu gewöhnen. Das Ende samt Rowenas Worten deutet aber eher darauf hin, dass Jack nicht geholfen wurde. Bitteres Ende.
Aber noch einmal kurz zurück zum Schamanen. Sergei erwartet als Gegenleistung einen Gefallen, den er erst noch formulieren muss und wird folglich als wiederkehrende Figur eingeführt. Seine Bekanntschaft mit Ketch mag zwar fraglich wirken, aber dass er Gabriel geholfen haben soll und als Dank eine Portion Grace erhielt, deutet doch irgendwo auf eine grundsätzlich gutartig ausgerichtete Natur. Jedenfalls vorerst. Im Nachhinein scheint er ganz eigene Pläne zu haben und ein Teil davon betrifft Jack. Keine Ahnung, wo die Geschichte da hinführen soll, aber den ersten Eindruck von Sergei würde ich als gemischt betrachten.
Sonstiges

- Jack am Steuer des Impala. Unbezahlbar.
- Deans verschwommene Sicht, die mehr als einmal auftritt, bereitet Sorgen. Deutet sich eine Rückkehr von Michael an?
- Rowena weiß nicht, dass Jack Lucifers Sohn ist? Äh, war sie es nicht, die Lucifer in Beat the Devil erzählt hat, dass sich sein Sohn in der Parallelwelt aufhält? Irgendwas passt da nicht zusammen oder ich erinnere mich falsch.
- Jetzt wird's ein wenig verrückt. Jack hat Gabriels Grace zu sich genommen. Könnte er jetzt den Erzengel aus der Leere zurückholen, ähnlich wie Nick es scheinbar mit Lucifer vermag? Ist die Leere universell oder gibt es für jede Parallelwelt eine eigene? Und da Gabriels Grace nicht verpufft ist, stellt sich doch die Frage, ob er überhaupt tot ist, oder?
Fazit
Insgesamt eine weitere gute bis sehr gute Supernatural-Folge. Unhuman Nature zollt dem Titel in beiden großen Handlungssträngen vollen Tribut und setzt größtenteils gelungen auf Drama. Die Szenen um Jack wissen zu berühren, weisen vor allem am Anfang (in der Notaufnahme) noch Humor auf, welcher im Folgenverlauf aber der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod weicht, welcher trotz kurzen Hoffnungsschimmers noch nicht vom Tisch ist. Nicks Werdegang ist derweil faszinierend und hervorragend gespielt und zeigt uns eine zerrissene Figur, die nach Erlösung sucht. Für das Ende hätte ich mir zwar was anderes erhofft, weil es in eine ganz bestimmte Richtung deutet, die mir weniger zusagt. Aber alles in allem kann einem das die Unterhaltung dieser Woche nicht rauben. Von mir gibt es erneut vier von fünf Sternen.
Der Trailer zur Episode Byzantium (14x08) der US-Serie Supernatural:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 1. Dezember 2018Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x07 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x07)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x07
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