Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x01

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x01

Mit der Folge Stranger in a Strange Land startet die 14. Staffel der US-Serie Supernatural. Die Suche nach Dean dominiert den Staffelauftakt, wobei der Bunker mit Jägern und bekannten Gesichtern gut gefüllt bleibt. Cas bekommt Probleme mit Dämonen.

Szenenfoto aus der „Supernatural“-Folge „Stranger in a Strange Land“ (14x01) (c) The CW
Szenenfoto aus der „Supernatural“-Folge „Stranger in a Strange Land“ (14x01) (c) The CW
© zenenfoto aus der „Supernatural“-Folge „Stranger in a Strange Land“ (14x01) (c) The CW

Supernatural mal anders

Bevor es ein wenig ins Detail der verschiedenen Figuren und Handlungsstränge geht, ein paar allgemeine Worte zu Stranger in a Strange Land. Der 14. Staffelauftakt von Supernatural fühlt sich nämlich ein ganzes Stück anders an, als wir es gewohnt sind, was nicht nur durch die Abwesenheit von Dean (Jensen Ackles) begründet werden kann. Ja, der fehlt natürlich im Bunker und ist als Michael draußen in der Welt unterwegs - wovon wir auch ein wenig zu sehen bekommen.

Aber der prägnanteste Punkt ist die Vielzahl an Figuren, die sich nun den Bunker teilen. Neben Sam (Jared Padalecki) haben wir Mary (Samantha Smith), Jack (Alexander Calvert), (Parallelwelt-)Bobby (Jim Beaver) und Maggie (Katherine Evans) in größeren Rollen vertreten, während Castiel (Misha Collins) auf Außenmission unterwegs ist und Arthur Ketch (David Haydn-Jones) seiner Heimat einen Besuch abstattet (ebenfalls auf einer Mission, aber ohne echten Auftritt). Und als wäre das (neben den ganzen anderen Jägern im Bunker) noch nicht genug, erfahren wir noch von Nick (Mark Pellegrino) - Lucifers Wirt, der den Kampf im letzten Staffelfinale kurioserweise überlebt hat. Da ist schon eine Menge los.

Aus einer Serie über zwei Brüder ist somit (zumindest vorerst) eine Ensemble-Show geworden. Viele Möglichkeiten für die Macher also, sich besser mit den verschiedenen Figuren zu beschäftigen und den Fokus der Reihe zu verschieben. Ob das gut ankommt und für längere Zeit so bleibt, müssen wir zwar noch abwarten. Aber für den Anfang ergeben sich hier doch einige äußerst interessante Ansatzpunkte und der Wind fühlt sich leicht frischer an als sonst.

Sam und Mary

Drei Wochen sind nach den Ereignissen von Let the Good Times Roll vergangen. Von Dean beziehungsweise Michael keine Spur, was sowohl Sam als auch Mary zu schaffen macht. Allerdings wirkt Sams Umgang mit der Abwesenheit seines Bruders weit pessimistischer als Marys. Er schläft kaum, folgt jeder noch so kleinen Spur, die zu Dean führen könnte, aber die Hoffnung schwindet zusehends und er wirkt resigniert und entmutigt.

Mary hingegen liefert einen kleinen, aber optimistischen Gegenpol. In gewisser Weise sind hier ein paar Rollen innerhalb der Winchester-Familie leicht getauscht worden und die Situation ist nicht ganz unähnlich dem 13. Staffelauftakt, als Mary „auf der anderen Seite" (und zusammen mit Lucifer) verschwunden war und unsere beiden Brüder unterschiedliche Auffassungen zu einer möglichen Rettung ihrer Mutter hatten.

Als Zuschauer finde ich mich da auf Marys Seite wieder und zwar nicht unbedingt, weil ich mir sehr sicher bin, dass Dean früher oder später gefunden und gerettet werden wird. Es ist einfach ihr Umgang mit der Situation, den sie Sam im persönlichen Gespräch im Impala (übrigens eine sehr gute Szene) auch erklärt. Mich wundert vielmehr, dass Sam nicht derjenige mit der positiveren Einstellung ist - immerhin haben sich die Wege der Brüder bereits mehrfach getrennt und manchmal auch für länger als drei Wochen. Da müsste er eigentlich derjenige sein, der seiner Mutter ermutigende Worte gibt.

Jack und Bobby

Der „echte" Bobby nahm im Verlauf der Serie für Sam und Dean eine Art Vater- und Mentorenrolle ein. Da liegt es nahe, Parallelwelt-Bobby ähnlich zu platzieren. Bobby kümmert sich um Jack, trainiert ihn und unternimmt einige Anstrengungen, um seinen von Superkräften verlassenen Schützling aufzumuntern und auf den Jägeralltag vorzubereiten. Auch andere Figuren versuchen, Jack ein wenig aufzupäppeln, der sich vor allem gegen Ende der Episode recht nutzlos vorkommt.

Dieser Ansatz - Jack ohne Kräfte - ist nicht unbedingt verkehrt. Hier bietet sich die Chance, die Figur weiter reifen zu lassen und mit den Schwächen der Menschlichkeit zu konfrontieren. Eine sehr große Herausforderung für jemanden, der bereits vor seiner Geburt übermächtig war. Nebenbei bemerkt könnte es auch schnell langweilig werden, wenn Jack im Vollbesitz seiner Macht wäre und jedes Abenteuer problemlos löst. Oder man müsste ihn irgendwie pausieren lassen (ähnlich wie Ketch diese Woche), damit die anderen Figuren die jeweiligen Aufgaben ohne den Nephilim bewerkstelligen müssen. Somit nur verständlich, dass Jack jetzt vorerst mehrere Gänge zurückschalten muss.

Andererseits, naja, ist es schon ein wenig enttäuschend, ihn vollkommen von seinen Kräften befreit zu sehen. Drei Wochen und keine Spur vom Erwachen der Macht? Da hätte sich doch ein Mittelweg angeboten. Vielleicht ein bisschen Telekinese oder so etwas, um zu zeigen, dass er zwar stark geschwächt, aber nicht gänzlich von Kräften befreit ist. Aber gut, was jetzt noch nicht ist, kann ja noch werden.

Bobby hat mir da insgesamt eine Spur besser als Jack gefallen. Irritierend sind bloß die Actionszenen mit dem Maschinengewehr - das passte mal überhaupt nicht zur Figur, auch wenn mir beim erneuten Überlegen wieder in den Sinn kommt, dass wir hier ja Parallelwelt-Bobby vor uns haben. Die Stärken der Figur finden sich jedenfalls eher in seinen Dialogen wieder - da kommt halt tatsächlich das wohlige Gefühl auf, Bobby wieder dabei zu haben. Und täusche ich mich oder besteht die Beziehung zu Mary aus mehr als nur Freundschaft? Diese kurze Szene am Ende mit den gegenseitigen Blicken... aber vielleicht irre ich mich auch.

You are no Crowley!

Szenenfoto aus der Supernatural-Folge Stranger in a Strange Land (14x01)
Szenenfoto aus der Supernatural-Folge Stranger in a Strange Land (14x01) - © The CW

Kommen wir nun zum eigentlichen Abenteuer der Episode, welches leider weniger gelungen ausfällt. Das fängt bereits damit an, dass Cas sich mit Kip (Dean Armstrong) trifft, ohne hier eine Falle zu erahnen oder die Anwesenheit anderer Dämonen zu bemerken. Die Grundidee mag nicht schlecht sein, mal in den unteren Etagen nach Michael zu fragen und wir haben Cas bereits des Öfteren als naiv erlebt. Aber so ganz ohne Rückendeckung in ein solches Treffen zu gehen, ist einfach nur leichtsinnig.

Noch weniger mundet uns allerdings Kip, der gerne die Nachfolge von Crowley (Mark Sheppard) und Asmodeus (Jeffrey Vincent Parise) als King of Hell antreten würde. Zum Glück erweist der sich als Eintagsfliege, denn seine (Crowley imitierende) Art hat bei mir überhaupt nicht funktioniert. Bei Sam offensichtlich auch nicht, obwohl es zwischenzeitlich für unsere Jäger nicht gut aussieht. Überrascht hat mich jedenfalls kaum etwas am Verlauf der „Verhandlungen".

Außer vielleicht, dass Maggie die Auseinandersetzung überlebt - die hat man nämlich schnell als Redshirt auf dem Schirm (schließlich wissen wir nur zu gut, wie die Serie zuweilen mit weiblichen Nebenrollen umgeht). Sieht aber danach aus, als wenn ihr doch noch eine etwas größere Rolle zu Teil werden könnte. Im Vergleich zu den anderen bleibt sie zwar noch ein bisschen blass, aber immerhin scheint sie doch recht stark in die aktuelle Handlung eingebunden zu werden. Jedenfalls prominenter als die anderen Gäste aus der Parallelwelt, die da noch im Bunker hausen.

Der Kampf als solcher verläuft irgendwo zwischen ganz in Ordnung, vorhersehbar und gar nicht mal so gut. Zuviel Ballerei, zu wenige Treffer (was für eine Verschwendung an Munition) und ein Thronfolgeanwärter, der dumm genug ist, im entscheidenden Moment die Waffe zu bewundern, die ihn gleich darauf tötet. Cool sieht anders aus, aber wenigstens lässt sich da einmal herzhaft lachen. Okay, als die Dämonen anschließend ihre (eigentlich in jedem Zweikampf überlegene) Position aufgeben, lässt sich abermals kurz schmunzeln. „Moose“ schlägt sie alle durch Worte in die Flucht. Irgendwo schluchzt Crowley gerade, nicht sicher, ob er lachen oder weinen soll. Sicher ist am Ende nur, dass uns und den Dämonen ein würdiger Nachfolger für ihn fehlt. Hoffen wir mal, dass den Machern da noch eine zündende Idee kommt.

What do you want?

Szenenfoto aus der Supernatural-Folge Stranger in a Strange Land (14x01)
Szenenfoto aus der Supernatural-Folge Stranger in a Strange Land (14x01) - © The CW

Zuletzt müssen wir noch ein paar Worte über Michael verlieren. Positiv lässt sich direkt anmerken, dass Ackles seine neue Rolle gut rüberbringt. Wir sehen zwar Deans Gesicht, aber wir hören, sehen und spüren nur Michael, der offensichtlich noch auf der Suche nach bereitwilligen Verbündeten ist. Dabei nimmt er sich allerlei Gesprächspartner vor - ob guter Mensch, schlechter Mensch, Engel, Dämon oder schließlich Vampir, er scheint die volle Bandbreite an Menschen und Kreaturen der Serie abzuklappern. Die Frage, die er seinen Gegenübern jedes Mal stellt, ist stets die gleiche und passenderweise auch die, die wir ihm jetzt gerne stellen würden: „What do you want?

So wirklich klar ist „A better world“ nämlich nicht. Letzte Staffel hieß es, er würde den Krieg in unsere Welt bringen und eine neue Apokalypse lostreten. Jetzt sind drei Wochen vergangen und im Grunde genommen ist noch nichts passiert. Vermutlich ist es nicht einfach, eine (wie auch immer geartete) Armee aufzubauen. Aber das kann es auch nicht sein. Es gibt kaum noch Engel, die Dämonen sind nicht organisiert und selbst, wenn er jetzt auf Vampire zurückgreift, können wir davon ausgehen, dass es noch eine ganze Weile dauert, ehe er eine bedrohliche Truppe zusammengestellt hat. Außerdem hält die Jägerwelt Ausschau nach ihm, was bedeutet, dass jeder Vorfall, der ihn involvieren könnte, direkt die Aufmerksamkeit von Sam & Co. erregen wird - was ihm klar sein muss.

Mir schwant jedenfalls, dass Michael ein anderes Ziel verfolgt. Keine Ahnung, welches, aber diese Vorgehensweise im Untergrund deutet auf eine bestimmte Absicht hin, für die er womöglich nur wenig Gefolge braucht (und die es natürlich aufzuhalten gilt). Irgendwelche Ideen?

Ansonsten muss an dieser Stelle noch Nick angesprochen werden. Mark Pellegrino in allen Ehren, aber mir wäre es lieber gewesen, ihn jetzt nicht mehr (oder maximal in Rückblicken) zu sehen. Ganz abgesehen davon, dass jetzt die Möglichkeit besteht, Lucy könnte noch irgendwo in seinem Wirt schlummern und erneut zum Vorschein kommen, wird uns schon jetzt aufgezeigt, wie sich Dean retten lassen und Michael dabei vernichtet werden könnte: die Erzengelstecher machen es möglich. Die schonen den Wirt und zerstören den Gast. Fehlt somit nur noch ein Erzengel, der die Waffe schwingen kann. Und wer fällt uns da ein und wird von Michael eingangs namentlich erwähnt? Aber ich merke, wie ich mich jetzt ein wenig in Rage schreibe. Außerdem ist es für Spekulatius noch etwas zu früh.

Nicht zu früh ist es allerdings, die Frage nach Schwester Jo alias Anael (Danneel Ackles) zu stellen. Sie bekommt eine der größeren Szenen mit Michael, der seine Frage schließlich an ihrer Stelle beantwortet und offensichtlich voll ins Schwarze trifft. Kontaktiert sie Sam am Ende tatsächlich, um ihn zu warnen oder ist sie bereits im Team Michael? Die Antwort darauf könnte in beiden Fällen spannend ausfallen.

Fazit

Schwierig. Es ist Herbst, die Tage werden kürzer und die Schatten werden schnell länger. Aber zumindest bis jetzt entfalten die Sonnenstrahlen noch immer eine schöne, warme Wirkung. Ähnlich lässt sich gewissermaßen Stranger in a Strange Land betrachten, was Licht und Schatten angeht. Die Figurenfülle mitsamt ihren Konstellationen macht Lust auf mehr, fühlt sich neu und frisch an und ist ungewohnt, obwohl da stets bekannte Gefilde mitschwingen. Potenzial wird uns jede Menge eröffnet, auch wenn die Frage im Raum steht, wie es im weiteren Verlauf genutzt wird. Schauen wir allerdings auf die Story, machen sich doch einige Bauchschmerzen bemerkbar. Das gilt sowohl für den Fall der Woche, als auch für Michaels weiteren Werdegang, für den uns viel zu früh eine potenzielle Lösung aufgezeigt wird. Spannend wird es sicherlich trotzdem und da ich eher zuversichtlich bin, gibt es einen halben Stern mehr als ursprünglich empfunden. 3,5 von 5 Sternchen sind es dann.

Trailer zur Episode Gods and Monsters der Serie Supernatural (14x02):

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 13. Oktober 2018

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x01 Trailer

Episode
Staffel 14, Episode 1
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x01)
Deutscher Titel der Episode
Fremder in einem fremden Land
Titel der Episode im Original
Stranger in a Strange Land
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 11. Oktober 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 1. September 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Sonntag, 1. September 2019
Autor
Andrew Dabb
Regisseur
Thomas J. Wright

Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x01

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