Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x23

© ensen Ackles und Misha Collins in „Supernatural“ (c) The CW
Das erste Drittel
Die ersten 10 bis 15 Minuten von Let the Good Times Roll könnten uns vermuten lassen, es mit einer gewöhnlichen Folge zu tun zu haben - wäre da nicht die anfängliche Montage mit diversen Staffelmomenten, unterlegt natürlich mit Carry On Wayward Son. So erklärt Sam (Jared Padalecki) den Flüchtlingen aus der Parallelwelt ein wenig über Filme, Präsidenten und schmelzende Polkappen - irgendwie muss man Bobby (Jim Beaver) und die anderen schließlich auf den aktuellen Stand dieser Welt bringen - um kurz darauf mit Dean (Jensen Ackles), Castiel (Misha Collins) und Jack (Alexander Calvert) ein paar Werwölfe zu jagen. Mary (Samantha Smith) und Bobby unternehmen derweil einen Spaziergang und diskutieren die Zukunft - schließlich gibt es ohne Erzengel keine Möglichkeit zur Rückkehr in die Parallelwelt.
In der Tat entsteht zunächst der Eindruck, dass nach den Ereignissen von letzter Woche eine Art Alltag bei unseren Protagonisten eingekehrt ist. Einige Figuren wie Ketch (David Haydn-Jones), Charlie (Felicia Day) und Rowena (Ruth Connell) sind sogar schon wieder unterwegs und lassen sich entsprechend nicht blicken. Typisch für einen Fall der Woche, Gastfiguren zu Episodenbeginn weg zu erklären. Wobei die Vorstellung eines Road Trips mit Charlie und Rowena hoffentlich nächste Staffel noch aufgegriffen wird - klingt amüsant. Und auch Ketch könnte sich in der nächsten Season wieder blickenlassen (ich habe da schließlich noch eine Wette am Laufen). Zum Thema Gabriel (Richard Speight, Jr.) gibt es derweil keine Neuigkeiten - da bleibt weiterhin nur zu hoffen, dass er sich letzte Woche irgendwie weggetrickstert hat.
Jedenfalls kommt das Staffelfinale mit Maggies (Katherine Evans) Tod zunächst nur wenig ins Rollen. Irgendwo ahnt man zwar, dass jemand wie Lucifer (Mark Pellegrino) oder Michael (Christian Keyes) damit zu tun haben könnte, aber vorerst gibt es nur eine Leiche und somit Anlass zum Ermitteln. Wieder typisch für einen Fall der Woche. Erst als die Erzengel sich tatsächlich blickenlassen, steigert die Episode ihr Tempo - dann aber richtig.

Jack und Lucifer
Jack ist eine der zentralen Figuren des Staffelfinales. Er ist nun wieder mit seiner „echten“ Familie vereint, die sich um ihn kümmert. Neben der gemeinsamen Jagd (Teamwork) sticht da besonders der Moment mit Dean heraus, nachdem Jack einen Alptraum hatte. Sehr bemerkenswert, dass gerade Dean (erinnern wir uns mal kurz an den Staffelanfang) unserem Nephilim gut zureden darf und ein paar Parallelen zwischen sich und Jack herstellt. Überhaupt wird das Familienthema wieder sehr großgeschrieben, gleichzeitig aber kein Hehl daraus gemacht, dass es auch Schattenseiten (hier eher „berufsbedingt“) gibt.
Das eigentliche Kernthema in Bezug auf Jack ist aber Menschlichkeit. Menschen machen Fehler, sind fehlbar und lügen manchmal auch. Und Jack ist zur Hälfte Mensch, zudem noch sehr jung (hat er überhaupt schon Geburtstag gefeiert?) und kann entsprechend auch vorschnell zu falschen Schlüssen gelangen. So macht er sich wegen Maggies Tod (der er Schutz versprochen hatte) bittere Vorwürfe und agiert zu zügig und zu emotional auf den ersten Verdächtigen, der ihren Tod verursacht haben könnte. Nate (Agape Mngomezulu) kommt zwar mit dem Schrecken davon, aber nur knapp.
Uns werden hier mehrere Dinge vor Augen geführt. Einmal natürlich, dass Jack ein Teil der Winchester-Familie geworden ist. Zum anderen aber auch, dass er noch immer hitzköpfig reagieren kann. Er wartet nicht immer die Meinungen der anderen ab, sondern lässt sich vorschnell zu Reaktionen hinreißen. Das ist menschlich, weckt bei uns aber gleichzeitig auch wieder den Eindruck, dass er sich leicht manipulieren lassen könnte, sobald Lucifer auftritt (und dem er letzte Woche schon seine Ohren geschenkt hatte). Wäre er zu einer ähnlichen Reaktion wie gegenüber Nate fähig, wenn er erfährt, dass Sam seinen Vater verletzt in der Parallelwelt zurückgelassen hat?
Glücklicherweise verfällt die Frage, denn Lucifer erklärt Sams Lüge und macht daraus kein großes Aufsehen. Überraschend für den Teufel, der sich hier vorerst wieder als Vaterfigur gibt und eine weiche Seite heraushängen lässt, um Jack in sein Lager zu ziehen. An sich natürlich ein guter Plan, denn Jack ist durchaus bereit, mit seinem Vater davonzuziehen - Star Wars ist schuld (nein, nicht wirklich, aber diese Anekdote musste einfach sein).
Was Lucy außer Acht lässt, ist letzten Endes Jacks Menschlichkeit und dessen Vorwürfe in Bezug auf Maggie. Ein bisschen fragen wir uns vielleicht, weshalb Jack nicht versucht, Maggie aus eigenen Kräften zurückzuholen (bei Cas ist ihm das schließlich auch gelungen), aber mit Blick auf letzte (und vorletzte) Woche ist es verdammt stimmig, dass unser Nephilim von Lucy fordert, seine Wiederauferstehungskünste erneut einzusetzen, bevor die beiden aufbrechen. Dumm gelaufen für Lucifer, offenbart Maggie doch, wer für ihren Tod verantwortlich ist.
Zum großen Finale kommen wir gleich noch, aber dieser ganze Aufbau um Jack und Lucy ist ausgezeichnet herausgearbeitet. Die spannende Frage, ob Lucifer seinen Sohn für sich gewinnen kann, dominiert zwischenzeitlich das Geschehen und sorgt für jede Menge Spannung. Hier ließ sich nicht voraussehen, wie die Sache ausgehen würde und obendrein ließ sich bis zum Ende um Jack bangen.

Michael
Während Lucifer und Jack zwei ausgeprägte Charaktere mit Hintergründen und Motivationen sind, bleibt bei Michael weiterhin Pustekuchen angesagt. Wir wissen genau, dass er böse Absichten verfolgt und es jetzt auf unsere Welt abgesehen hat. Aber warum und weshalb er sich gegen die Schöpfung wendete, deren Verteidigung ihm einst auferlegt wurde, bleibt fraglich. Sicher ist nur, dass es kaum jemand mit ihm aufnehmen kann.
Michaels Auftritte sind schön inszeniert. Vor allem, als er im Bunker auftaucht, lässt spüren, dass da etwas Großes im Anmarsch ist. Die Winchesters und Cas sind da schlecht vorbereitet, haben keine Waffen, die sie ihm wirkungsvoll entgegensetzen können - dabei hätten sie durchaus Vorkehrungen treffen können, schließlich ließ sich erwarten, dass es Michael früher oder später gelingen würde, in unserer Welt einzutreffen (Lucifer macht sogar eine treffende Bemerkung dazu).
Aber so groß die Auftritte von Michael auch wirken mögen, gegen Jack hat er keine Chance. Da verpufft die Gefahr, die von dem Erzengel ausgeht, gleich wieder ein gutes Stück. Unser Nephilim hingegen demonstriert anschließend, dass er auch seinem Vater locker überlegen ist. Die Wahrheit über den Tod von Maggie und Lucys Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben entlarven den Teufel als Monster.
Und dieses Monster gilt es im finalen Showdown zu besiegen. Frisch ausgestattet mit einer großen Portion Nephilim-Grace, teleportiert Lucifer sich samt Jack und Sam davon. Dean bleibt nun als einzige Möglichkeit der angeschlagene Michael übrig, der einen neuen Wirtskörper benötigt. Und wie wir wissen, ist der ältere Winchester-Bruder dafür bestens geeignet (die Rückblende wäre eigentlich nicht nötig gewesen). Nächste Station: Showdown.
Showdown
Zunächst einmal können wir Dean vollkommen verstehen. Sowohl Sam als auch Jack sind in Lucifers Gewalt und müssen gerettet werden (ganz zu schweigen vom Rest der Menschheit). Da bleibt ihm tatsächlich nur, sich Michael anzubieten und diesen somit für den finalen Kampf zu stärken. Gleichzeitig ahnen wir schon, dass der Erzengel sein Wort brechen und Dean nicht lange „am Steuer“ lassen wird. Der Cliffhanger am Ende klopft bereits an die Tür.
Währenddessen legt es der siegessichere Lucifer darauf an, dass Jack und Sam sich gegenseitig an die Kehle gehen. Nur einer von beiden soll die Kirche lebend verlassen - wer, bleibt ihnen überlassen. Aber statt Brot und Spiele gibt es eine weitere Lektion in Sachen Menschlichkeit und die lautet Selbstaufopferung. Jacks Weg hätte hier enden können, was uns einen weiteren spannenden Moment beschert - gefolgt von Erleichterung, als Dean/Michael schließlich seinen grandiosen Auftritt hat.

Und der Auftritt kann sich in der Tat sehenlassen. Was ein bisschen Licht, etwas Musik und ein Paar Flügel doch ausmachen können. Der Kampf selbst ist ordentlich choreographiert, wobei man aber durchaus auf die Hampeleien in der Luft hätte verzichten können - die sehen weniger gut aus. Das Ende beschert uns hingegen den endgültigen Abtritt von Lucifer, der auch gebührend dargestellt wird.
Unterm Strich können wir mit dem Staffelfinale zufrieden sein. Thematisch läuft es auf Michael vs. Lucifer hinaus, was nicht ganz überraschend ist und womit man sich wieder ein wenig in bekannte Gefilde begibt. Die tollen Bilder machen aber durchaus Laune und das Kapitel Lucifer wird sehr schön beendet - wobei ein Großteil des Lobes auch an Jack geht.
Fazit
Ein guter Abschluss für eine gute Staffel. Wie üblich finden sich hier und dort ein paar Kritikpunkte, die je nach Betrachter stärker oder schwächer ins Gewicht fallen können. Unterm Strich würde ich aber meinen, dass wir hier ein würdiges Staffelende bekommen haben. Vor allem Jack und Lucifer (der seinen Hut nimmt) können überzeugen, während Michael in der kommenden Staffel hoffentlich etwas näher beleuchtet wird. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 19. Mai 2018Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x23 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x23)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x23
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