Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x22

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x22

In der Folge Exodus der US-Serie Supernatural versucht Lucifer, eine Bindung zu seinem Sohn aufzubauen. Die Winchesters planen derweil eine groß angelegte Rettungsaktion für den Widerstand, doch zuvor müssen noch zwei Gastfiguren befreit werden.

Misha Collins und Alexander Calvert in „Supernatural“ (c) The CW
Misha Collins und Alexander Calvert in „Supernatural“ (c) The CW
© isha Collins und Alexander Calvert in „Supernatural“ (c) The CW

Exodus

Bevor es ein wenig ins Detail geht, sollen an dieser Stelle ein paar generelle Worte über Exodus verloren werden. Wir haben hier einen riesigen Cast aus Haupt- und Gastfiguren, was einem direkt bei den Opening Credits vor Augen geführt wird. Sam (Jared Padalecki), Dean (Jensen Ackles), Castiel (Misha Collins) und Gabriel (Richard Speight, Jr.) sind im Lager des Widerstands eingetroffen, Lucifer (Mark Pellegrino) ebenfalls. Im Lager sind derweil Mary (Samantha Smith), Jack (Alexander Calvert) und später noch Bobby (Jim Beaver) vertreten, wobei auch Charlie (Felicia Day) und Ketch (David Haydn-Jones) hinzukommen. Rowena (Ruth Connell) hält derweil in der echten Welt die Stellung (und den Spalt geöffnet) und Michael (Christian Keyes) lässt sich am Ende auch noch blicken. Obendrein gibt es zahlreiche andere (einmalige) Gastfiguren zu verbuchen, inklusive eines Parallelwelt-Castiels - womit Misha Collins eine Doppelrolle hat. Und wem das nicht genug ist, der darf sich noch über ein paar kurze Rückblicke freuen, die noch mehr bekannte Gesichter enthalten.

Für Supernatural-Verhältnisse ist das geradezu gigantisch. Aber so sehr man sich da zunächst auch freuen mag (mir fuhr da ein kleines „Wow“ über die Lippen, als ich die ganzen Namen gelesen habe), macht sich doch ein wenig Skepsis breit. Erhalten alle Figuren genug Screentime? Passen die jeweiligen Interaktionen zu den Charakteren? Schaffen die Macher es, nebenbei noch die Handlung voranzubringen, ohne sich gänzlich in Dialogen zu verlieren? Es gibt da sicher noch mehr Fragen, die man sich im Vorfeld stellen konnte und die Anlass zum Zweifeln geben. Und in der Tat kommt es nicht selten vor, dass derart große Aufeinandertreffen (ganz allgemein) zunächst einen Wow-Effekt auslösen, diesen dann aber schnell wieder verebben lassen, weil alles gar nicht so großartig wirkt, wie es müsste oder sollte.

Jensen Ackles und Jared Padalecki in „Supernatural“
Jensen Ackles und Jared Padalecki in „Supernatural“ - © The CW

Nun, das ist hier zum Glück nicht der Fall. Von Perfektion ist die Folge in meinen Augen zwar ein gutes Stück entfernt, aber den Leuten vor und hinter der Kamera gelingt mit Exodus ein kleines Wunder. Das meiste fühlt sich organisch an, es wird kaum eine Figur vernachlässigt, ein paar kleinere Überraschungen peppen das Geschehen auf und trotz hauptsächlich ruhiger Szenen fehlt von Langeweile jede Spur. Brad Buckner und Eugenie Ross-Leming steuern ein gutes Drehbuch bei und unsere Darsteller sind mit Feuer und Flamme in ihren Rollen. Das Fanherz freut sich und das ist mindestens schon die halbe Miete.

Lucifer und Jack

Fraglos stehen Lucifer und Jack beziehungsweise Lucifers Versuche, sich für die Vaterrolle unseres Nephilims anzubiedern, im Mittelpunkt. Anlass für eine ganze Menge Meinungen, wobei die meisten unserer Charaktere - diejenigen, die Lucifer bereits besser kennen - natürlich ein vorgefasstes Bild vom Teufel haben und Jack durchgehend vor ihm warnen. Dean ist hier das Paradebeispiel, denn trotz Sams Wiederauferstehung durch Lucy und trotz einer herzlichen Umarmung des Bruders, den er für tot gehalten hatte, steht seine Meinung zu Lucy unumstößlich fest.

Ein bisschen weniger extrem schaut es bei anderen Charakteren aus. Castiel genehmigt zumindest eine Unterhaltung zwischen Vater und Sohn und auch Sam zeigt sich etwas toleranter. Beide kennen Lucifer sehr gut, aber sind bereit, sich argumentativ mit ihm (und vor Jacks Augen) auseinanderzusetzen. Hier kommt dann leider auch ein großer Kritikpunkt ins Spiel, denn weder Cas noch Sam vermögen es, den süßen Worten von Lucy den Zucker zu nehmen. Sie versuchen es zwar, aber scheitern letztlich durch ein Schweigen, welches sie brechen müssten. Warum erläutert Cas nicht, weshalb er Dean damals aus der Hölle geholt hat (psst, drohende Apokalypse)? Die Front gegen Lucifer hat sich nicht ohne Grund formiert, das Spielchen Engel gegen Dämonen kam nicht von irgendwo. Und nicht alles lässt sich da auf Gott/Chuck zurückführen. Und Sam? Der könnte seine persönlichen Erfahrungen mit Lucifer einbringen. Einfach mal erzählen, wohin sein Weg in den ersten fünf Staffeln führte und was er im Käfig erlebt hat. Und danach. Also bitte, die beiden hätten da große Geschütze auffahren können, schweigen dann aber doch. Passt nicht.

Sehr viel treffender ist die verbale Auseinandersetzung zwischen Gabriel und Lucifer geraten. Da stimmte alles und der liebe Gabe dominiert das Gespräch mit Leichtigkeit, treibt dem Teufel sogar Pipi in die Augen. Schade nur, dass Jack bei dem (2.) Gespräch nicht dabei ist. Denn ohne dessen Anwesenheit fehlt der Argumentation von Gabriel ein bisschen die größere Bedeutung. Was nicht hätte sein müssen. Denn Lucifers Tränen zeigen eine gewisse Reue, was darauf schließen lassen könnte, dass bei ihm doch noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. Jack hätte hier die eine, aber auch die andere Seite annehmen oder befürworten können.

Zuletzt sei noch Mary erwähnt, die im Gespräch mit Dean einen wesentlichen Punkt anführt, der allen am Anfang entgangen ist und für Jacks kurzzeitiges Verschwinden sorgt: Jack muss sich seine eigene Meinung über Lucifer bilden. Dieses Statement ist überraschend, zumal wir eingangs sehen, was Mary von Lucifer hält („Nice shot!“). Aber ganz ehrlich, sie liegt da vollkommen richtig. Alle Welt befürchtet doch, dass Lucifer Jack korrumpieren wird. Niemand zieht in Erwägung, dass die Sache andersherum verlaufen könnte. Was ist, wenn Jack seinen Vater derart beeinflusst, dass dieser sich doch noch ändert? Denn dafür gibt es durchaus Anhaltspunkte.

Unterm Strich verläuft vieles erwartungsgemäß. Lucifer, der sich als missverstanden darstellt (die alte Leier) und keine Gelegenheit auslässt, um Jack zu beeindrucken - während fast alle anderen Figuren mit Warnungen daherkommen. Aber letzten Endes wird es an Jack liegen, ob er seinem leiblichen Vater eine Chance gibt. Er ist bereit, zuzuhören und bezeichnet ihn später sogar als Daddy. Und bislang liefern ihm Lucys Taten auch noch keinen Beweis für dessen Bösartigkeit. Unsereins ist sich aber trotzdem ziemlich sicher, dass Jack im Winchester-Lager bleiben wird. Gut möglich sogar, dass Jack aus dem Teufel einen Verbündeten macht, der sich dank seiner Vatergefühle doch noch ändert. Was meint ihr?

Creepy Cas und Rettungsmission

Charlie und Arthur laufen in eine Falle und müssen anschließend gerettet werden. In den Händen von Michaels Engeln erweist sich Ketch als folterresistent, macht sich gar über seinen Peiniger (Alexander Cendese) lustig. Aber der hat mit Parallelwelt-Castiel noch ein kleines (Folter-)Ass im Ärmel.

Misha Collins darf ein weiteres Mal beglückwünscht werden. Die Darstellung von Castiels Alter Ego in der Parallelwelt fällt dermaßen gruselig aus, dass ich durchgehend Gänsehaut hatte. Diese ruhigen Ausführungen, der Akzent und vor allem die Zuckungen um den Mundwinkel! Gut, Overacting macht sich auch bemerkbar und vom Showdown Cas vs. Cas hätte sich vielleicht ein bisschen mehr erwarten lassen, aber der Überraschungsauftritt hat es in jedem Fall in sich.

Alexander Calvert uns Mark Pellegrino in „Supernatural“
Alexander Calvert uns Mark Pellegrino in „Supernatural“ - © The CW

Aus Charlie und Arthur scheint derweil ein kleines Team geworden zu sein. Offensichtlich hat Ketch einen guten Eindruck bei ihr hinterlassen, wenn sie ihn auf derartige Missionen mitnimmt. Andersherum scheint ihm Charlie einiges zu bedeuten, wie man sehr gut erkennen kann, als Creepy Cas handanlegt. Hier scheint mehr im Spiel zu sein als bloße Kameradschaft. Nach Gabriel und Rowena also jetzt Charlie und Arthur als neues Pärchen?

Wobei das gleich die Frage nach sich zieht, wie Mary auf Ketch bei dessen Ankunft reagiert hat. Dazu gibt es leider keine Anhaltspunkte, was doch ziemlich ernüchternd ist. Schließlich haben die beiden sich damals nicht im Guten getrennt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Bleibt zu hoffen, dass die Macher uns hier noch etwas nachliefern werden, denn Mary wird wohl kaum über Ketchs Rückkehr erfreut gewesen sein.

Die Rettungsmission selbst verläuft wie am Schnürchen. Ein bisschen Action nach der doch sehr ruhigen ersten Episodenhälfte tut ganz gut. Bester Moment nach dem Kampf liegt bei Sam, der Charlie befreit und in die Arme schließt. Wobei auch Ketch und Dean eine amüsante „Umarmung“ vollführen - „You actually saving me. It's about bloody time.

Auf nach Hause

Der sich schließende Spalt gerät derweil nicht in Vergessenheit und lässt im Hintergrund einen Countdown laufen. Doch Mary und später auch Jack zeigen kein großes Interesse an einer Rückkehr in unsere Welt und auch der Rest vom Widerstand zeigt sich vorerst skeptisch. Da ist Überzeugungsarbeit von Nöten.

Marys anfänglicher Standpunkt mag nachvollziehbar sein - immerhin hat sie bereits einige Zeit in der Parallelwelt und im Kreis des Widerstands verbracht. Die Leute einfach zurückzulassen, kommt daher nicht in Frage. Andererseits überrascht es aber, dass sie ihren Söhnen zunächst einen Korb anbietet, denn neue Freundschaften und aktueller Überlebenskampf hin oder her - Familie ist Familie und ein ziemlich großer Eckpfeiler der Reihe. Von daher dürfen wir schon verwundert sein, dass Mary zunächst bleiben will.

Wie gut, dass Sam hier mit einem Kompromiss um die Ecke kommen kann. Einfach alle Leute einpacken, zurück nach Hause und dort einen Plan aufstellen, um die Apokalypse-Welt zu retten und Michael zu besiegen. Klingt vernünftig und macht aus einer Flucht einen strategischen Rückzug. Wobei es natürlich abzuwarten gilt, ob es überhaupt zu einer Planung kommt. Nach Episodenende scheint offensichtlich zu sein, dass Michael in Kürze (und in Begleitung von Lucifer) ebenfalls den Spalt durchschreiten wird und der Kampf damit in unsere Welt Einzug erhält.

Der Rest des Widerstands - inklusive Bobby (!) - lässt sich mit dem gleichen Argument überzeugen, wobei Mary noch ein wenig nachhelfen muss, weil unsere Brüder natürlich viel erzählen können, hier aber Unbekannte für die meisten Beteiligten sind. Das Wahlergebnis überrascht aber nicht und somit kann der Bunker gut gefüllt werden.

Jensen Ackles und in „Supernatural“
Jensen Ackles und in „Supernatural“ - © The CW

Bei Jack darf derweil Daddy Lucifer die nötige Überzeugungsarbeit leisten, während Sam abermals recht sprachlos dasteht. Hier macht sich bei mir etwas Unbehagen breit, denn Jack wird bestimmt fragen, weshalb Lucifer nicht auch durch den Spalt zurückkehrte. Die große Frage ist, wie Sam das erklären wird. Da lässt sich leicht ein Konflikt mit Jack wittern, dessen Loyalität gegenüber den Winchesters schrumpfen könnte. Erst recht, sollte Lucy auftauchen und erklären, dass Sam ihn verletzt zurückgelassen hat.

Wobei dieser drohende Konflikt irgendwie unnötig ist. Probleme, die in Form von Michael am Ende ja auch auftauchen und die Flucht erschweren, ließen sich kommen sehen. Deshalb sollen Gabriel und Lucifer auch warten, bis alle erfolgreich durch den Spalt getreten sind. Aber warum hält man nicht auch Jack zurück, dessen Fähigkeiten ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind? Rekapitulieren wir mal kurz: Gabriel ist noch immer geschwächt und Lucy wurde zuvor bereits von Michael besiegt. Währenddessen hat Jack schon Dinge vollbracht, die die Macht seines Vaters übersteigen. Rätselhaft, weshalb er da als einer der ersten durch den Spalt geht.

Über das Ende müssen wir aber noch ein paar weitere Worte verlieren. Stichwort: Gabriel. Irgendwie ließ sich befürchten, dass es nicht alle zurück nach Hause schaffen würden. Dass Lucy zurückgelassen wird, okay. Immerhin hat Sam Dean versprochen, sich um ihn zu kümmern - da ließ sich dieser Ausgang erwarten (wobei der Teufel noch nicht vom Tisch ist). Aber Gabriels (erneutes) Ableben tut schon ein bisschen weh - erst recht nach Beat the Devil. Ob der Trickster wirklich hinüber ist? Hoffen wir mal, dass er ein weiteres Mal seinen Tod bloß vorgetäuscht hat. Anhaltspunkte dafür wären, dass es ihm bei Lucifer bereits gelungen ist und er seine Tricks auch im geschwächten Zustand durchführen kann.

Fazit

Ein abschließendes Urteil zur Folge fällt mal wieder nicht einfach aus. Insgesamt darf man sich freuen, wie viele Figuren Exodus mitbringt und wie gut sie insgesamt funktioniert - bei einem derart großen Cast nie einfach. Das eher ruhige Tempo und die höhere Dialoglastigkeit sind nicht schlimm, weil oft stimmig. Zudem gibt es durchaus ein paar gute Portionen Action, kleinere Überraschungen, etwas Humor und das Finale wird ebenfalls adäquat vorbereitet. Schaut man ins Detail, gibt es aber durchaus Kritikpunkte zu vermerken. Da bleibt letztlich noch ein gutes Stück Luft nach oben. Mir hat Beat the Devil insgesamt besser gefallen, weshalb ich diese Woche 4 von 5 Sternen vergebe.

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 12. Mai 2018

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x22 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 22
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x22)
Titel der Episode im Original
Exodus
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 10. Mai 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 2. Dezember 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Sonntag, 2. Dezember 2018
Autoren
Eugenie Ross-Leming, Brad Buckner
Regisseur
Thomas J. Wright

Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x22

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