Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x16

© ared Padalecki und Jensen Ackles in „Supernatural“ (c) The CW
Scooby-Doo, Where Are You!
Im Prinzip ließe sich hier eine ähnliche Einleitung wie zur letzten Folge A Most Holy Man schreiben, denn die Macher - speziell Robert Singer, der diese Woche Regie führt - probieren sich erneut an einer besonderen Episode, die sich auf ungewöhnliche Pfade begibt. Allerdings wird es mit einem Crossover des Klassik-Cartoons „Scooby-Doo, Where Are You!“ schon sehr speziell, so dass diese Folge doch stärker aus den experimentellen Episoden von Supernatural herausragt als üblich.
Gibt es hier eigentlich jemanden, der Scooby-Doo (hier gesprochen von Urgestein Frank Welker, der schon seit 1969 Fred Jones seine Stimme leiht - den er diese Woche übrigens auch wieder spricht) nicht kennt? Bei mir ist es schon eine ganze Weile her, seit ich mal eine Episode der Zeichentrickserie gesehen habe. Aber als Kind habe ich die Reihe regelmäßig verfolgt und nach Sichtung von ScoobyNatural und ein wenig Recherche bin ich doch etwas erstaunt, dass auch nach gut 50 Jahren noch immer neue Inkarnationen von Scooby-Doo auftauchen. Ganz zu schweigen davon, was die erste Serie alles in Gang gesetzt hat - mehrere TV-Serien, Fernseh- und Videofilme, kleinere Specials, Videospiele und (bislang) vier Live-Action Filme, von denen mindestens zwei ihren Weg ins Kino fanden. Da gehört schon was zu, ein derartiges Franchise hervorzubringen.
Kenner des Cartoons dürfen sich jedenfalls über vertraute (englische) Stimmen freuen, denn Grey DeLisle - hier gelistet als Grey Griffin - (Daphne), Matthew Lillard (Shaggy) und Kate Micucci (Velma) sind genau wie Frank Welker keine Unbekannten im Franchise. Hoffentlich wird die deutsche Synchro der Folge auch mit bekannten Sprechern der Reihe ausgestattet. Und wer sich einmal die klassische Episode „A Fright of Night Is No Delight“ (oder gar mehr) anschauen möchte, die Dean (Jensen Ackles) als Vorlage erkennt, kann sich auf dailymotion.com umsehen (hier der Link zur Folge).
So viel dann auch in aller Kürze zum Thema „Scooby-Doo“. Ein ausführlicherer Text würde sicher den Rahmen sprengen, daher wäre meine Empfehlung an diejenigen, die mit Scooby nichts anfangen können, sich einfach mal ein paar Folgen anzuschauen. Der alte Theme Song ist nach wie vor ein Ohrwurm und die musikalisch hinterlegten Verfolgungsszenen sind - wie hier übrigens auch - oft kleinere Highlights der Serie(n).

ScoobyNatural
Nun aber endlich zur aktuellen Supernatural-Episode. Wie so oft ist das Gelingen eines solchen Crossovers keineswegs garantiert. Schließlich gilt es (mehr oder weniger), die Zuschauer und Fans zweier (doch sehr unterschiedlicher) Reihen zufriedenzustellen. Folglich müssen Elemente aufgegriffen werden, die auf den ersten Blick vielleicht unvereinbar aussehen - die Verfrachtung von Sam (Jared Padalecki) und Dean in einen Cartoon ist nur ein Beispiel. Und ich muss zugeben, dass ich da im Vorfeld doch ein wenig skeptisch war. Die Vorschau sah witzig aus, keine Frage. Aber ob man Herz und Seele beider Reihen gut genug einfangen würde, um ein humorvolles, aber stimmiges Ganzes zu schaffen, stand auf einem anderen Blatt.
Derartige Sorgen kann man aber getrost beiseitelegen, denn die Folge macht nicht nur riesigen Spaß, sondern behandelt die Scooby-Gang mit dem nötigen Respekt - vor allem von Deans Seite wird das verstärkt deutlich, stellt er sich doch mehr als einmal (oft verbal) schützend vor die Zeichentrickfiguren. Obendrein gibt es einige gelungene Erklärungen dazu, woher die Winchesters „Scooby-Doo“ kennen und wie die Abenteuer der Scooby-Gang normalerweise funktionieren - ohne dabei aber den Erklärbären raushängen zu lassen.
Die Vorstellung davon, dass ein junger Dean, der mit Papa Winchester (Jeffrey Dean Morgan) durch die Gegend zog und öfter in Motels vor dem Fernseher saß, ergibt jedenfalls Sinn. Vielleicht hatte er damals sogar schon einen Blick auf Daphne geworfen, was seinen Bemühungen, bei ihr zu landen, noch eine ganz andere, kindheitsbedingte und damit unschuldigere Ursache gibt. Auf jeden Fall waren Deans Versuche, denen Daphne keinerlei Aufmerksamkeit schenkt, ein schöner Running Gag. Gleichzeitig wird damit auch Deans Aversion gegen Fred erklärt, die eifersuchtsbedingt zu einigen Konkurrenzkämpfen führt. Das Wettrennen zwischen Baby und der Mystery Machine sei hier stellvertretend genannt - und führt uns außerdem direkt zu einem anderen Punkt.
In der Cartoonwelt von Scooby-Doo gelten nämlich einige andere Regeln als in der realen Welt. So bleibt Deans Charme ohne Wirkung und der Impala bleibt in einer Wolke aus Abgasen zurück. Außerdem wird uns eingangs des Öfteren erklärt, wie eine Folge Scooby-Doo abläuft. Was hier zunächst aussieht, als wenn Sam und Dean sich der neuen Umgebung anpassen müssen und bloß Teil eines vergangenen Abenteuers sind, nimmt aber mit dem Auftauchen der ersten Leiche andere Züge an. Blut und entstellte Leichen sind jedenfalls nicht gerade das, was es in der kinderfreundlichen Zeichentrickserie zu sehen gibt. Offensichtlich haben die Winchesters mehr mitgebracht, denn je weiter die Folge fortschreitet, umso mehr erhält das Übernatürliche Einzug, was die Welt der Scooby-Gang natürlich gewaltig auf den Kopf stellt. Vor allem Dean ist da bemüht, die wirkliche Bedrohung zu verbergen, aber schließlich bleibt den Winchesters keine andere Wahl, als die Gang ins Bild zu setzen - was zu einer leicht übertriebenen, aber doch stimmigen Reaktion bei Fred, Velma & Co führt (besonders köstlich: Shaggys „I told you so!“) und kurz darauf zu einer tollen Ansprache von Dean, um der Gang neuen Mut zu geben.

Es ist wirklich beachtlich, wie gut die Folge ausbalanciert wurde. Mal zeigt die Waage in Richtung Scooby, mal in Richtung Supernatural. Aber am Ende wird alles wieder geradegerückt und lässt beide Welten intakt. Obendrein gibt es natürlich jede Menge Witz, aber eben ohne ins Lächerliche abzudriften. Okay, der Auftakt mit dem Plüschdino war hart an der Grenze, aber selbst diese anfängliche Szene fügt sich mit Abschluss der Rahmenhandlung (außerhalb der Cartoonwelt) zu einem gelungenen Ganzen zusammen, wobei abermals der Scooby-Gang Tribut gezollt wird - schließlich verkörpert Bösewicht Jay (Peter New) genau die Sorte Gegenspieler, die von den Zeichentrickfiguren regelmäßig zur Strecke gebracht wird.
Castiel
Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, Castiel (Misha Collins) in dieser Episode zu sehen und war daher verwundert, den Namen Misha Collins in den Opening Credits zu lesen. Wenn es etwas an dieser Episode zu kritisieren gibt, dann bezieht sich das auf den größeren Rahmen der Staffel und ein paar andere Kleinigkeiten. Denn ich hätte liebend gerne gesehen, wie Cas sein Abenteuer besteht und die Früchte vom Baum des Lebens einheimsen könnte. Jetzt bekommen wir dazu nur die verbale Kurzfassung, die mich noch mehr wünschen lässt, die Macher hätten sich die Zeit genommen und unserem Engel eine Stand-alone-Episode in Syrien gewidmet. Außerdem ist es natürlich wieder schade, nichts von den anderen Figuren des größeren Staffelbogens zu sehen zu bekommen. Aber das war in diesem Fall auch nicht anders zu erwarten und mit Blick auf die sonst großartige Folge nicht weiter schlimm.
Aber zurück zu Cas. Wie er in die Episode eingebaut wird, ist durchaus gelungen. Angefangen mit der mysteriösen Figur, die den davonfahrenden Winchesters nachschaut, über den ersten Auftritt vor der Scooby-Gang bis hin zum Team-up mit Shaggy und Scooby, als die Gruppe sich aufteilt. Vielleicht kommt er insgesamt ein wenig zu kurz, aber das ist schon okay. Wobei mir bei Daphnes erster Reaktion auf Castiel der Gedanke kam, dass sie ihm anschließend schöne Augen machen könnte - was das Dreieck Dean, Fred und Daphne zu einem möglicherweise noch amüsanteren Viereck erweitert hätte.
Andererseits wäre das aber möglicherweise zu viel geworden. Schließlich gibt es da noch Velma, die einen Blick auf Sam geworfen hat beziehungsweise vielmehr auf seine breiten Schultern, die sie mehr als einmal erwähnt. Während Dean also vergeblich bemüht ist, bei Daphne zu landen, spielt sich dieses Spiel bei Sam und Velma in umgekehrter Reihenfolge ab. Mit dem kleinen Unterschied am Ende, versteht sich („Always the quiet ones“...).

Sonstiges
- Dean mit knallrotem Ascot regt nicht nur die Lachmuskeln an, sondern ist eine nette Respektbekundung gegenüber Fred, den er für den Großteil der Episode nicht ausstehen konnte.
- Dieser kleine Dialog über den Trickster Gabriel (Richard Speight, Jr.) ist natürlich eine Referenz an Changing Channels (5x08). Zumindest Dean ist sich nicht sicher, ob Gabriel tot ist. Wir wissen da bereits etwas mehr und können gespannt dem Wiedersehen der Winchesters mit dem Trickster entgegenblicken.
- Freds Falle mit der Waschmaschine wurde fast eins zu eins aus der Vorlage genommen. Auch dort schlägt der Plan übrigens fehl und nimmt doch etwas cartoonhaftere Ausmaße an.
- Habt ihr Scrappy-Doo bei der Verfolgungssequenz erkannt?
- Die Enthüllung, wer hinter dem Phantom steckt, hat mich überrascht. Das passiert nicht mehr allzu oft, daher Daumen hoch.
Fazit
Ein Crossover aus Supernatural und Scooby-Doo ist eine derart verrückte Idee, dass schon allein der Gedanke daran neugierig macht. Und die Episode ist nahezu perfekt, greift die Elemente beider Reihen gekonnt auf und verwebt sie, ohne dass eine von beiden das Nachsehen hat. Zugegeben, es ist nicht zu erwarten, dass diese Episode im Kinderprogramm laufen wird. Im Rahmen von Supernatural ist sie aber sicher ein Highlight, welches die Lachmuskeln arg strapaziert. Mir drückt der Schuh nur ein wenig wegen gewisser Früchte. Aber mein inneres Kind verlangt fünf von fünf Sternen.
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 30. März 2018Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x16 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x16)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?