Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x15

© ensen Ackles, Jared Padalecki und Massi Furlan in „Supernatural“ (c) The CW
Supernatural ohne Supernatural
Supernatural hat sich in der Vergangenheit schon öfter abseits der üblichen Pfade bewegt. Die schwarz-weiß Episode Monster Movie (4x05), die Found-Footage-Folge Bitten (8x04) oder gar etwas wie The French Mistake (6x15), in der Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) in unserer realen Welt landen und die Schauspieler Jared Padalecki und Jensen Ackles mimen müssen, kommen einem da vermutlich am ehesten in den Sinn. Diese Woche scheint man sich thematisch am Film noir zu orientieren und geht dabei noch einen Schritt weiter als üblich. Denn von übernatürlichen Elementen fehlt hier jede Spur.
In der Tat dürfte A Most Holy Man die erste Episode der Serie sein, die komplett auf das übernatürliche Markenzeichen verzichtet. Das ist durchaus mutig, denn dieser Verzicht birgt natürlich das Risiko, mit dieser Vorgehensweise auf nur wenig Gegenliebe beim Publikum zu stoßen - schließlich erwarten die Zuschauer es, früher oder später ein Monster, einen magischen Gegenstand zu sehen oder eben auf etwas anderes Übernatürliches zu treffen. Das Ausbleiben kann sich da als fatal erweisen. Vor allem dann, wenn die Episode größtenteils langweilig und mit dem implementierten Twist sehr vorhersehbar gestaltet wird - was hier leider der Fall ist.
Nur kurz zur Klarstellung: Es ist durchaus reizvoll, für einen Fall der Woche mal ein Kernelement der Serie außen vor zu lassen. Schließlich kamen einige Folgen in der Vergangenheit auch schon ohne (oder mit nur geringer Beteiligung von) Sam und Dean aus, die ebenfalls ein Kernelement der Reihe darstellen. Aber dann muss die Geschichte trotzdem gut funktionieren und da sehe ich bei „A Most Holy Man“ nur wenig, was mir gefällt. Daher fangen wir am besten mit diesen wenigen Sachen an.
Lucca Camilleri
Lucca Camilleri (Massi Furlan) ist die einzige Gastfigur, mit der sich wirklich was anfangen lässt. Anfangs noch recht mysteriös in wenigen Szenen vorgestellt, macht er den Eindruck, entweder in die kriminellen Mafiakreise zu gehören oder aber für einen der Kunsthändler zu arbeiten. Er beobachtet Sam und Dean, verfolgt sie und schreitet schließlich zur Tat, als Sam einen wichtigen Hinweis entdeckt. Die Offenbarung, dass er in Wirklichkeit ein Priester ist, der bloß die gestohlene Reliquie an ihren rechtmäßigen Platz zurückbringen will, ist da wirklich erfrischend.

Diese Offenbarung lässt allerdings auch gleich vermuten, dass es sich bei ihm um den titelgebenden „Most Holy Man“ handelt, dessen Blut die Winchesters benötigen. Und spätestens an der Stelle, als er einem der Mafiatypen die Wahrheit sagt („creating a distraction“), dürfte die Sache klar wie Kloßbrühe sein. Der große Twist geht somit nach hinten los und als Greenstreet (Dominic Burgess) offenbart, dass er das heißbegehrte Blut gar nicht besitzt, ist das zu erwarten.
Es lassen sich außerdem noch ein paar andere Kritikpunkte an Lucca finden. So hätte er sich ebenfalls bei Sam entschuldigen können, als er erstmals in Szene tritt und es diese kleine Rempelei gibt. Auch die Erklärung dafür, weshalb er Sam bewusstlos schlägt, will nicht so recht überzeugen. Und wie kommt er überhaupt dazu, die beiden zu verdächtigen, dass sie ihn weiterbringen könnten? Wohin die Brüder im Aufzug unterwegs sind, hätte er nur raten können...
Aber diese Kritikpunkte an der Figur sind eher Nebensache. Denn so richtig punkten kann Lucca in seinen Dialogen mit den Winchesters (vor allem mit Dean). Seine Worte sind wirklich überzeugend und gut gewählt. Außerdem hinterlassen sie einen Eindruck bei den Brüdern, denn Luccas Sichtweise ist wirklich durch und durch positiv. Und sein Handeln (mit Ausnahme der obigen Bemerkungen) auch. Diese Einstellung färbt hoffentlich ein wenig ab und macht die Winchesters zuversichtlicher. Das brauchen die beiden und genau deshalb ist Lucca auch (abgesehen von der Blutspende) eine so wichtige Gastfigur, die die Episode ein wenig rettet.
Die Story an sich
Sam und Dean begeben sich diese Woche auf Spurensuche und nachdem Cas (Misha Collins) in Syrien unterwegs ist (ob es dazu noch eine Folge geben wird?), um eine der Zutaten zu finden, gibt das Internet (da findet man wirklich alles) einen Hinweis zum begehrten Blut eines äußerst heiligen Mannes. So weit, so okay.

Die Schnitzeljagd ist jetzt auch nicht durch und durch schlecht. Ein Deal folgt auf den nächsten und die Winchesters stecken sehr schnell in der Patsche. Greenstreet will den Schädel, Santino Scarpatti (Al Sapienza) ebenfalls und dann ist da noch der zwielichtige Cromarty (Fulvio Cecere), der ebenfalls hinter der Trophäe her ist. Die Einladung zum Verwirrspiel, aus dem sich die Winchesters herauswinden müssen, ist auch durchaus reizvoll. Aber da hört es dann leider auch auf.
Was hier fehlt, sind die Motive und eine gute Charakterisierung der Gegenspieler. Vielleicht hätte man den Schädel mit übernatürlichen Fähigkeiten ausstatten müssen. Aber die Gastfiguren, die hier nicht vor dem kriminellen Milieu zurückschrecken oder gar ein Teil davon sind, wissen nicht zu überzeugen. Alle wollen den Schädel, aber keiner weiß so wirklich, warum. Schön und gut, dass Scarpatti seine Artefakte auf seine Weise ehrt, Greenstreet eine Vorliebe für Kunst hat und Margaret Astor (Leanne Lapp) auf den größtmöglichen Profit aus ist. Aber ein übernatürliches Element hätte die Story hier retten können und gleichzeitig die Motive erklärt. Ein Schädel, der unsterblich macht, oder so. Das wäre doch ein Anreiz, ihn in den eigenen Besitz zu kriegen und gleichzeitig genau das übernatürliche Element, was die Geschichte ein wenig emporgehoben hätte. Zugegeben, das wäre dann eher „Indiana Jones“ als Film noir, aber warum auch nicht?
Winchesters
Was Sam und Dean betrifft, sind die beiden hier die alleinigen Teilnehmer im größeren Storybogen der Staffel. Alle anderen Handlungen pausieren diese Woche, was sehr schade ist. Denn mindestens eine Nebenhandlung wäre sehr erfreulich gewesen. Aber gut, immerhin können die beiden eine der Zutaten gegen Ende der Folge einheimsen, womit sich ein Fortschritt verzeichnen lässt.
Charakterlich weiß besonders das erste Treffen zwischen den Winchesters und Margaret zu gefallen. Normalerweise machen die Damen Dean schöne Augen. Da ist es sehr amüsant, einmal Sam als das Objekt der Begierde zu sehen. Und er spielt mit! Seinen Flirt mit Margaret würde ich jedenfalls als kleines Highlight beschreiben, zumal Dean mit seinen Reaktionen darauf sehr lustig mit anzusehen ist. So was gerne öfter.

Ansonsten muss hier natürlich der Einfluss von Lucca auf die Brüder genannt werden. Es verwundert zwar etwas, dass Sam (und auch Dean) ein wenig außer Acht lässt, dass die Winchesters einst Lucifer (Mark Pellegrino) in seine Schranken (beziehungsweise den Käfig) verweisen konnten und somit die Apokalypse aufgehalten haben. Ganz zu schweigen von den ganzen anderen Dingen, die sie verhindern konnten (Leviathane und so). Sie haben die Welt schon mehr als einmal gerettet und sollten sich dessen auch bewusst sein. Aber das nur am Rande.
Aber Lucca hinterlässt einen prägenden Einfluss auf die beiden und der ist durch und durch positiv. So etwas braucht es dann auch mal von Zeit zu Zeit, um den beiden vor Augen zu führen, wofür sie eigentlich kämpfen. Und sie nehmen das hier auch gut auf, was ebenso positiv stimmt. Insofern lässt sich das Abenteuer doch zumindest teilweise als ein Erfolg verwerten, auch wenn die Handlung jetzt nicht ganz so berauschend ist.
Fazit
Die Folge an sich ist eher langweilig und der Twist um Lucca keine Überraschung. Mehr schlecht als recht gibt es einen Fall der Woche, der die große Rahmenhandlung etwas voranbringt, aber nicht so wirklich punkten kann. Wenn ich die positiven gegen die negativen Eindrücke abwäge, lande ich bei 2,5 von 5 Sternen. So in etwa jedenfalls. Da wäre durchaus noch Spielraum - nach unten wie oben.
In eigener Sache
Mal so generell und weil ich die Ich-Form eigentlich vermeiden möchte, weil eher unprofessionell: Ich benutze die auch eher bei den Folgen, die mir weniger zusagen, um eine klare Grenze zwischen meiner Subjektivität und allgemeinen Eindrücken zu ziehen. Stört Euch das oder ist es vielleicht sogar besser, weil bei 13 Staffeln durchaus persönliche Eindrücke überwiegen können?
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 9. März 2018Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x15 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x15)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 13x15
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