Star Trek 1x14

Star Trek 1x14

Die Romulaner sind los: In einem selbstbewussten, aber zeitweise auch redundanten, von starken Dialogen geprÀgten Erstkontaktszenario glÀnzen Bill Shatner und Mark Lenard als (un)gleiche Kontrahenten auf Schleichfahrt. Eure Nummer 4!

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek“-Episode „Balance of Terror“. / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek“-Episode „Balance of Terror“. / (c) Paramount

Was passiert?

Auf der Enterprise herrscht eine gelöste AtmosphĂ€re, da die Crew die Hochzeit der Crewmitglieder Angela Martine und Robert Tomlinson begehen will. Allerdings stört ein roter Alarm die Zeremonie: Mehrere Außenposten der Föderation wurden am Rand der Neutralen Zone von einem unbekannten Gegner angegriffen und vollstĂ€ndig zerstört


Dies & das

  • In dieser Episode kommen sich Kirk und Rand außergewöhnlich nahe. Diese NĂ€he wurde jedoch von den Produzenten unnötig empfunden, da man fĂŒr die weiblichen Fans einen unabhĂ€ngigen Kirk bevorzugte. Auch deshalb ließ man den Charakter Janice Rand bald nicht mehr auftauchen. Der unter Fans dennoch beliebte Charakter feierte erst in „Star Trek: The Motion Picture“ sein Comeback.
  • Die ErwĂ€hnung der Kapelle und die Hochzeitsszene sind eine der wenigen Anspielungen auf Religion und Christentum in der Föderation in ganz Star Trek
  • Die Episode ist inspiriert vom Film „Duell im Atlantik“, in dem es um einen Kampf zwischen einem amerikanischen Zerstörer und einem deutschen Unterseeboot wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs geht.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek%26ldquo;-Episode %26bdquo;Balance of Terror%26ldquo;. © Paramount
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Die Zitate lohnen sich

Leave any bigotry in your quarters. There's no room for it on the bridge.“ (Kirk)

Danger and I are old companions.“ (Romulaner)

I wish I were on a long sea voyage somewhere. Not too much deck tennis, no frantic dancing. And no responsibility“ (Kirk)

In this galaxy, there's a mathematical probability of three million earth-type planets... and in all the universe, three million million galaxies like this one. And in all of that, and perhaps more, only one of each of us. Don't destroy the one named Kirk.“ (McCoy)

You and I are of a kind. In a different reality, I could have called you friend.“ (Romulaner)

Ein kleines bisschen NormalitÀt

Eine Episode, die den gewohnten Rahmen verlĂ€sst und vollkommen anders in die Handlung einsteigt als gewohnt ist grundsĂ€tzlich schon mal eine gute Sache. Kein Standart-BrĂŒckenszenario mit auftretendem Problem, sondern eine anstehende Hochzeit in der Schiffskapelle bestimmt das Bild. Doch wie es leider so ist, wird die Crew jĂ€h unterbrochen, als ein Alarm losgeht und man feststellen muss, dass mehrere Außenposten von einer unbekannten Macht angegriffen und zerstört wurden.

Alte Feinde und Schema-F-Stories

Relativ schnell wird klar, dass es sich bei den Aggressoren um die Romulaner handeln muss, einen alten Erzfeind, mit dem man in der Vergangenheit bereits einen langen und blutigen Krieg ausgefochten hatte, bei dem unter anderem Crewmitglied Stiles viele Verwandte verlor. Hier positioniert die Episode direkt den emotional direkt involvierten Charakter, der spĂ€ter sicher noch fĂŒr Drama sorgen wird.

Doch trotz dieser Ereignisse ist erschreckend wenig ĂŒber diese Spezies bekannt - so gab es bis zum heutigen Tag keinen direkten Kontakt mit einem Romulaner. Jede Kommunikation lief im vergangenen Krieg ausschließlich per AudioĂŒbertragung. Ein BedrohungsgefĂŒhl, dass man spĂ€ter in Star Trek: The Next Generation in der Episode The Neutral Zone Ă€hnlich erzeugte. Damals im Fokus: Die Borg, was sich jedoch erst viel spĂ€ter herausstellte. In Star Trek: Enterprise wiederholte man den Ansatz mit unbekannten Angreifern in Silent Enemy, klĂ€rte ihn jedoch nie auf und brachte spĂ€ter in Minefield sogar ebenfalls die Romulaner ins Spiel (pre-Romulan-War), jedoch erneut ohne sie zu zeigen - auch um die KontinuitĂ€t zu wahren. Man sieht - gute Ideen melken sich ĂŒber die Jahrzehnte fast von alleine.

WĂ€hrend man die zerstörten Außenposten untersucht und die verhinderten Turteltauben Tomlinson und Martine beschließen, ihre Hochzeit spĂ€ter nachzuholen, wird eine weitere Basis angegriffen. Die Enterprise eilt zur Hilfe, kann jedoch erneut nur hilflos zusehen, wie sie komplett und brutal zerstört wird. Einzig ein paar Bilder von den angreifenden Schiffen und Waffen kann der Kommandant der Station der Enterprise noch liefern.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek%26ldquo;-Episode %26bdquo;Balance of Terror%26ldquo;. © Paramount
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Breaking News

Spock ist auch nicht untĂ€tig: Es gelingt ihm die Sensation. Ein Bild des romulanischen Commanders erscheint auf dem Hauptschirm. Und siehe da: Der gute Mann sieht nicht nur aus wie sein eigener Vater (kleiner Scherz), sondern eben auch einem Vulkanier an sich sehr Ă€hnlich. Crewman Stiles hat nun seinen Auftritt: Ist Spock also ein Spion der Romulaner? Gut - hier wird ein sehr naheliegender und nicht besonders ĂŒberzeugender Konfliktherd angefeuert, hat aber natĂŒrlich seine Berechtigung. Doch Kirk wiederspricht energisch: Er lĂ€sst nichts auf seinen ersten Offizier kommen.

Erfreulicherweise bietet uns das Drehbuch auch die Chance, den Feind selber kennenzulernen. Die Romulaner haben Probleme mit ihrer Energieversorgung und können erst verzögert wieder auf ihre Tarnvorrichtung zugreifen.

Ein hartes Duell bahnt sich an

Es entbrennt mehr und mehr ein Psychoduell, das einigen U-Boot-Klassikern in Nichts nachsteht. Die Enterprise fĂ€ngt das romulanische Schiff ab, dieses fliegt zu leichtsinnig durch einen Kometenschweif und wird enttarnt. Einige SchĂŒsse spĂ€ter ist der engste Vertraute des Commanders verletzt, das Schiff schwer getroffen - doch lĂ€sst eine Antwort nicht lange auf sich warten. Auch die Enterprise muss viele Treffer einstecken, kann jedoch gerade noch so in einem StĂŒck entkommen.

Einige SchÀden und Verletzte sind zu beklagen: Unter ihnen Martine, die jedoch nur leichte Blessuren davontrÀgt und nur vorsichtshalber von ihrem Verlobten auf die Krankenstation geschickt wird.

Kirk geht aufs Ganze und lĂ€sst - ein weiteres Mal in der Serie - die guten RatschlĂ€ge McCoys verpuffen. Mit Spocks Hilfe gelingt es, einen Bombenteppich zu legen. Leider ohne großen Effekt. Auch der romulanische Commander will die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen sondern weiterkĂ€mpfen. Vorerst wird dies jedoch ausgerechnet von Kirk verhindert, der sich fĂŒr eine Art Schleichfahrt entscheidet um dem Schiff aufzulauern.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek%26ldquo;-Episode %26bdquo;Balance of Terror%26ldquo;. © Paramount
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Harte Bandagen & Abschiede

Hier zieht die Episode alle Register und spielt das Element des nervenzehrenden Wartens, der Kriegstaktik und dem Duell seiner gegensĂ€tzlichen Helden optimal aus. Wie auch im spĂ€teren „Star Trek II: The Wrath of Khan“ treffen sich hier zwei AnfĂŒhrer auf Augenhöhe zu einem Duell des Willens und der NervenstĂ€rke.

Spock hat das Warten jedoch irgendwann satt: Wobei er es aussehen lĂ€sst, als hĂ€tte er das Schiff durch eine Unachtsamkeit enttarnt. Kirk nimmt den Ball dennoch auf und geht wieder auf die Jagd. In einem TrĂŒmmerfeld gerĂ€t man jedoch in eine Falle - ein nuklearer Sprengsatz fĂŒgt dem Schiff weiteren Schaden zu.

Stiles, der weiterhin mit seinen Ressentiments gegen Spock kĂ€mpft, soll im Phaser-Kontrollraum an Reparaturen arbeiten - ausgerechnet mit dem Objekt seiner negativen GefĂŒhle. Doch wird die Luft durch ein Leck langsam vergiftet. Im letzten Moment kann Spock ausgerechnet Stiles retten - den armen Tomlinson jedoch muss er zurĂŒcklassen.

Kirk bietet dem Romulaner an zu kapitulieren. Beide versichern sich ihres Respekts, der Romulaner entscheidet sich jedoch fĂŒr die Selbstzerstörung seines Schiffes - nicht ohne anzumerken, dass die beiden in einem anderen Leben und unter anderen UmstĂ€nden Freunde hĂ€tten werden können.

Der Abschluss gehört den Emotionen der Handlung und schließt gleichzeitig den erzĂ€hlerischen Rahmen - Stiles bedankt sich unbeholfen bei Spock und sieht offenbar seinen Fehler ein, Kirk muss einer am Boden zerstörten Martine Trost spenden, da Tomlinson nicht ĂŒberlebt hat.

The Reviewer's wife

Die Frau des Rezensenten vermisste ein etwas dringlicheres Element in der Auseinandersetzung und empfand besonders das Design des fremden Schiffes als wenig gelungen. Auch die Helme nötigten ihr nur ein schiefes Grinsen ab. Insgesamt eine Okay-Folge fĂŒr sie - mehr ist in Sachen Classic-Serie einfach selten bei ihr drin.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek%26ldquo;-Episode %26bdquo;Balance of Terror%26ldquo;. © Paramount
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Gib dem Kind einen Namen

Ein starker Titel, der dem Thema voll Rechnung trĂ€gt und das wechselhafte VerhĂ€ltnis zwischen Menschen beziehungsweise Föderation und Romulanern vorwegnimmt. Im Deutschen entschied man sich fĂŒr die Anschuldigungen von Stiles gegenĂŒber Spock und stellte somit lieber den beliebten Charakter in den Mittelpunkt, als die noch unbekannten Romulaner oder den politischen Aspekt der Handlung. In Japan erfreute man die Fans mit dem Titel „SOS einer Raumstation“ und machte es sich somit ganz einfach.

Fazit

Ein definitives Highlight: Dank eines starken Feindes und teils herausragender AtmosphĂ€re entstand hier ein kammerspielartiges Duell zweier KapitĂ€ne, die bereit sind alles zu riskieren. In Sachen Star Trek eines der kohĂ€rentesten DrehbĂŒcher, eine der konsequentesten Dramaturgien und verdientermaßen eine der 5 besten Episoden der Serie.

Morgen folgt eine Episode der NX-01-Crew, die beim Rezensenten fĂŒr Hitzewallungen sorgt.

Verfasser: Björn SĂŒlter am Samstag, 26. MĂ€rz 2016
Episode
Staffel 1, Episode 14
(Star Trek 1x14)
Deutscher Titel der Episode
Spock unter Verdacht
Titel der Episode im Original
Balance of Terror
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 15. Dezember 1966 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. Oktober 1987
Autoren
Cacey Riggan, Cacey Riggan
Regisseure
Kiele Sanchez, Mimi Kuzyk, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek 1x14

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?