William Shatner
William Shatner auf der German Comic Con Spring Edition in der Messe Dortmund. Dortmund, 07.05.2023
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William Shatner

Die wahrscheinlich einzige Konstante in der Karriere von Star Trek-Star William Shatner sind die Widersprüche, die sie durchziehen: Held und Witzfigur zugleich. Knallcharge und Charaktermime. Ein Egomane, der jedoch stets zur Selbstironie fähig ist.

Für „Star Trek V - Am Rande des Universums“ (1989) kann er gleich zwei Goldene Himbeeren mitnehmen: Als schlechtester Schauspieler und schlechtester Regisseur. Für seine Rolle als Denny Crane in The Practice und Boston Legal erhält er dagegen zwei Emmys, den Golden Globe und sehr viel Kritikerlob.

Biografie von William Shatner

1951 steht er für den kanadischen Spielfilm „The Butler's Night off“ zum ersten Mal vor der Kamera. Seitdem hat Shatner eine beispiellose Karriere hingelegt - als Schauspieler, Moderator, Autor, Regisseur, Sänger und fast omnipräsente popkulturelle Existenz.

Shatner, der Schauspieler

Bereits lange vor Star Trek ist William Shatner eine feste Größte im amerikanischen Fernsehen. Der vom Theater kommende Schauspieler spielt während der 50er Jahre in nahezu sämtlichen berühmten Drama-Anthologien des „Goldenen Zeitalters“ mit, darunter in Studio One, Kraft Television Theater, Playhouse 90 und Alfred Hitchcock Presents. Später folgen Gastauftritte unter anderem in Twilight Zone, The Outer Limits, 77 Sunset Strip und Solo for U.N.C.L.E..

Auch im Kino sieht es für den Schauspieler zunächst ganz gut aus: 1958 spielt er neben Yul Brynner in „Die Brüder Karamasov“. Später ist er auch in dem oscarprämierten „Das Urteil von Nürnberg“ (1961) zu sehen. Zu seinen besten schauspielerischen Leistungen in dieser Zeit wird seine Hauptrolle in Roger Cormans Rassismus-Drama „Weißer Terror“ (1962) gezählt.

Mitte der 60er Jahre begibt sich William Shatner jedoch auf die Suche nach einer festen Serienrolle. Als Vater dreier Kinder ist er auf ein dauerhaftes Engagement aus. Sein erster Versuch scheitert: Die Anwaltsserie For the People, in der er 1965 (unter anderem neben Jessica Walters, Arrested Development) einen Staatsanwalt spielt, wird nach nur 13 Folgen wieder beendet. Zu seinem Glück sucht Gene Roddenberry zu dieser Zeit jedoch einen Nachfolger für Jeffrey Hunter als Captain auf dem Star Trek.

Von 1966 bis 1969 spielt Shatner den agilen und abenteuerlustigen Captain James Tiberius Kirk - nichtsahnend, dass diese Rolle sein Leben verändern soll. Zwar endet Star Trek im Quotendebakel; die in den 70er Jahren anschwellende Fan-Bewegung soll jedoch schon bald für eine Renaissance der Serie, zunächst als Zeichentrick und später dann im Kino, sorgen - und der Grundstein für Shatners Popularität werden.

Davon hat er selbst zunächst allerdings nur wenig. Nach dem Ende von „Star Trek“, das mit dem Ende seiner ersten Ehe zusammenfällt, ist Shatner eine Weile so abgebrannt, dass er, im Auto schlafend, von Engagement zu Engagement zieht - und so ziemlich jede Rolle annimmt, die er überhaupt nur kriegen kann. Die 70er Jahre sind für ihn generell wenig ersprießlich. Neben Gastauftritten in Mission Impossible, Columbo, The Six Million Dollar Man und Der Chef kommt er zu Parts in wenig erfolgreichen Spielfilmen („Big Bad Mama“ (1972), „Mörderspinnen“ (1977). Mitte des Jahrzehnts hat er zwar in Die Küste der Ganoven neben dem „James Bond“-Beißer Richard Kiel wieder eine Serienhauptrolle, nur dass es mit der Serie schon bald wieder vorbei ist.

Wirklich zum Besseren wenden sich die Dinge in Shatners Karriere erst mit den sehr erfolgreichen Star Trek-Kinofilmen in den 80er Jahren - und natürlich mit seiner neuen Fernsehserie T.J. Hooker, die von 1982 bis 1986 (zunächst auf ABC, dann auf CBS) läuft. Nicht viele Schauspieler hätten einen Polizisten, dessen Nachname ein Synonym für Prostituierte ist, wohl mit der gleichen Hingabe spielen können.

Nach dem endgültig letzten Auftritt von Captain Kirk in „Star Trek: Treffen der Generationen“ (1994) wendet sich der Schauspieler mehr und mehr dem komödiantischen Fach zu: Sei es als wiederkehrender Gaststar in der Sitcom 3rd Rock from the Sun oder auch in Filmen wie „Miss Undercover“ (2000) und „Voll auf die Nüsse“ (2004). Nicht selten dominiert dabei ein selbstironischer Gestus wie in „Free Enterprise“ (1998) oder in „Showtime“ (2002), wo er - als ehemaliger Darsteller von T.J. Hooker - Robert DeNiro Schauspielunterricht zu geben versucht.

Damit ebnet Shatner auch seinem jüngsten Karrierehöhepunkt den Weg: 2004 engagiert David E. Kelley ihn als den halb senilen, halb genialen Kanzleichef Denny Crane für die Serie The Practice. Darin glänzt Shatner, nicht zuletzt dank des kongenialen Zusammenspiels mit seinem jüngeren Partner James Spader, so sehr als ein Mann, der seiner eigenen Legende auch im Alter noch gerecht zu werden versucht, dass Kelley die beiden zum Herzstück seiner nächsten erfolgreichen Anwaltsserie, Boston Legal, macht. Dort zeigt sich Shatner gleichermaßen als Meister des absurden Humors („That's the mad cow!“) wie der bewegenden Charaktermomente.

Nicht wenige seiner Fans hätten sich wohl gewünscht, dass Shatner an diesem Glanzpunkt seiner Karriere in den Ruhestand geht. Stattdessen nimmt er im anschließend die Hauptrolle in der - von der Kritik nicht gerade wohlwollend bedachten - Sitcom $#*! My Dad Says an, in der er kaum mehr als einen grantigen Miesepeter gibt - und sich damit weit unter Wert verkauft.

Ähnlich, wie die Star Trek-Fans dies für die Kinofilme postuliert haben, scheint auch für die Serien von William Shatner zu gelten, dass Hits und Rohrkrepierer sich jeweils einander abwechseln. Seiner Legende tut „$#*!“ allerdings mit Sicherheit keinen Schaden mehr.

Shatner, der Autor und Regisseur

Nachdem sein Kollege Leonard Nimoy bei den Kinofilmen III und IV Regie geführt hat, will auch Shatner nicht nachstehen - und übernimmt die Inszenierung von „Star Trek V - Am Rande des Universums“ (1989), zu dem er auch die Grundidee liefert.

Als Regisseur hat sich Shatner bereits während seiner Fernsehserie T.J. Hooker mehrfach betätigt. Und auch als Autor ist er schon aktiv gewesen; wenngleich seine diesbezüglichen Arbeiten (an zwei Anthologien-Folgen) bereits rund 30 Jahre zurückliegen. Geholfen hat es dem Film wenig. „Star Trek V“ wird von den meisten Kritikern und Fans verrissen.

Trotzdem lässt sich William Shatner nicht beirren - und nimmt als Nächstes sogar eine eigene Romanreihe in Angriff. Mit „TekWar“ kreiert er Anfang der 90er Jahre seine eigene Science-Fiction-/Krimiserie, welche kurze Zeit später zunächst in Form von vier Filmen, dann auch als 18-teilige Serie fürs Fernsehen adaptiert wurde. Shatner war dabei sowohl als Produzent, Regisseur und Darsteller involviert.

Offiziell ist Shatner der Autor der Romane. Inoffiziell sind sie, basierend auf Shatners Ideen, von dem professionellen Schriftsteller Ron Goulart verfasst worden. Bei späteren Werken werden Shatners Ko-Autoren dann auch sichtbar ausgewiesen.

So arbeitet Shatner beispielsweise seit 1995 mit dem Autorenpaar Judith und Garfield Reeves-Stevens zusammen, welches auf der Grundlage gemeinsamer Erörterungen mit dem Schauspieler eine Reihe von Star Trek-Romanen geschrieben hat, in denen Kirk im Mittelpunkt der Handlung steht.

Auch diverse autobiographische Bücher hat Shatner in Kooperation mit anderen Autoren verfasst.

Als Regisseur ist er dagegen (mit Ausnahme des Spielfilms „Groom Lake“, 2002) weitestgehend nicht mehr aktiv.

Shatner, der Sänger

1968 erscheint in den USA das Album „The Transformed Man“, in dem William Shatner zum ersten Mal seinen, seitdem berühmt-berüchtigten Sprechgesang zum Besten gab. Seine Coverversion von „Lucy in the Sky with Diamonds“ wird 2003 zur schlimmsten Verunstaltung eines Beatles-Songs gekürt. 1978 tritt er mit einer Kostprobe seiner „Gesangskünste“, dem Stück „Rocket Man“, sogar bei der Verleihung der Science Fiction Awards auf.

Shatners mangelndes musikalisches Talent ist in den vergangenen Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher Parodien gewesen.

2004 hat Singer/Songwriter Ben Folds, allerdings zusammen mit Shatner, das Album „Has Been“ produziert, welches von Kritikern und Fans sehr gut aufgenommen wurde. Nicht zuletzt durch die sehr souveräne Art, in der Shatner mit seinen gesanglichen Mängeln umgeht. Viele Lieder sind sehr persönlich gehalten. Darunter das geflüsterte „What Have You Done?“, in dem Shatner den Unfalltod seiner dritten Ehefrau verarbeitet.

Shatner, der Moderator

Auch als Moderator hat sich William Shatner in den USA einen Namen gemacht. Von 1989 bis 1996 präsentiert er „Rescue 911“, das US-Äquivalent von „Notruf“.

Doch Shatners Moderationskunst bleibt nicht darauf beschränkt, den amerikanischen Hans Meiser zu geben.

Seit 2008 ist er für den Biography Channel Gastgeber von „Shatner's Raw Nerve“, einer Talkshow, in der Shatner sich jeweils mit einem einzigen prominenten Gast über sehr private, intime Themen unterhält. Unter anderem sind bei Shatner schon Tim Allen, Valerie Bertinelli, Jon Voight, Jason Alexander, Leonard Nimoy, Larry Flint und Rush Limbough zu Gast gewesen.

Shatner, der Tausendsassa

Längst schon beschränkt sich die Popularität von William Shatner nicht mehr darauf, der ehemalige Darsteller von Captain Kirk, T.J. Hooker oder Denny Crane zu sein. In der amerikanischen Populärkultur ist Shatner geradezu omnipräsent - und das multimedial.

Er ist zum Beispiel regelmäßiger Gast bei Late-Night-Talkern wie Conan O'Brien und Craig Ferguson. Er macht Werbung, unter anderem für den Preisvergleichs-Service Price Line.

Wie Shatner bei all seinen Aktivitäten überhaupt noch zu seinem Hobby, der Pferdezucht, kommt, bleibt wohl sein Geheimnis.

Shatner ist im besten und im schlechtesten Sinne eine „Rampensau“. Nicht wenige Kollegen hat er während der Dreharbeiten zur Star Trek-Fernsehserie mit seinem Drang, alle überstrahlen zu wollen, verletzt und vor den Kopf gestoßen. Gleichzeitig arbeitet er mit unermüdlichem Eifer daran, sein Publikum zu unterhalten. Während andere schon längst im Ruhestand sind, ist für William Shatner noch lange nicht Schluss.

Privatleben

Bereits viermal ist der Darsteller vor den Traualtar getreten. Mit seiner ersten Ehefrau Gloria Rand hat er drei Kinder.

Die ersten zwei Ehen enden in Scheidungen, seine dritte Ehefrau, Nerine Kidd, stirbt 1999 zwei Jahre nach der Hochzeit bei einem Unfall als sie im Pool des Paares ertrinkt. 2001 heiratet er Elizabeth Shatner.

Mariano Glas
Mariano Glas
Gründer von Serienjunkies.de und Web/App-Entwickler
Dieser Artikel wurde von Mariano Glas veröffentlicht. Mariano Glas hat über 8.316 Artikel seit Freitag, 21. Februar 2003 bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mariano Glas

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