Grace Lee Whitney, zur Welt gekommen als Mary Ann Chase, hatte in Star Trek einen praktisch unmöglichen Part zu spielen gehabt: Als Janice Rand sollte sie in der Originalserie die Yeoman, gewissermaßen die Sekretärin, von Captain Kirk (William Shatner) an Bord der Enterprise spielen. Eine Rolle, die von Anfang an so angelegt war, dass Rand bei aller Professionalität still und heimlich in ihren Chef verknallt sein sollte. Gleichzeitig wollten die Produzenten aber, dass Kirk in jeder Folge, auf jedem Planeten eine neue Dame erobert. Und da störte natürlich die Tatsache, dass es da diese blonde, hübsche Dame an Bord gab, welche die ganze Zeit schmachtend an Kirks Seite war. Deshalb wurde Janice Rand zur Mitte der ersten Staffel aus der Serie rausgeschrieben.
Sowohl vor als auch unmittelbar nach ihrem Star Trek-Engagement konnte Whitney zwar nicht über einen Mangel an Beschäftigung klagen. Sie spielte in „Manche mögen's heiß“ und „Das Mädchen Irma LaDouce“ mit. Und sie hatte Gastauftritte in den Serien „77 Sunset Strip“ (in fünf verschiedenen Episoden mit jeweils unterschiedlichen Rollen), „Rauchende Colts“, „Batman“, „Die Leute von der Shiloh Ranch“, „Im Wilden Westen“ und vielen mehr.
Trotzdem kam es Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre zu einem gravierenden Bruch in ihrer Karriere, und zwar in Folge einer schweren Alkohol- und Drogensucht. Fast ein Jahrzehnt hinweg stand Whitney kaum noch vor der Kamera. Die Schauspielerin fand zum Glück jedoch Hilfe - und kehrte in ihren Beruf zurück.
Dabei war es besonders Leonard Nimoy zu verdanken, dass sie wieder und wieder - und sei es auch nur für kleinste Auftritte - in den Star Trek-Kinofilmen („Star Trek: Der Film“, „Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock“, „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ und „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“) verpflichtet worden ist. 1996 spielte sie auch in der Star Trek: Voyager-Folge Flashback mit, die sich unmittelbar auf „Star Trek VI“ bezieht.
1998 gehörte Whitney zu den Star Trek-Schauspielern, die als Gaststars für eine 'spacige' Folge von „Diagnose Mord“ („Alienated“) verpflichtet worden sind. Neben Whitney waren in der Folge auch Wil Wheaton, Walter Koenig, George Takei und Majel Barrett (sowie Bill Mumy aus Babylon 5) zu sehen.
Zuletzt stand Whitney für die Star Trek-Fanfilme „New Voyages“ und „Of Gods and Men“ vor der Kamera.
In Erinnerung behalten werden möchte sie, so erklärte ihre Familie gegenüber NBC, jedoch vor allem für ihre Arbeit mit Süchtigen. Seit Überwindung ihrer eigenen Alkohol- und Drogenabhängigkeit vor 35 Jahren hat Whitney unter anderem in Frauengefängnissen und mit der Heilsarmee gearbeitet, um anderen Menschen auf ihrem Weg aus der Sucht zu helfen.
Am 1. Mai 2015 ist Whitney gestorben.