Star Trek 1x04

Was passiert?
Die Crew der Enterprise untersucht einen sterbenden Planeten und soll die Besatzung der dortigen Wissenschaftsstation an Bord nehmen. Diese ist jedoch offenbar ums Leben gekommen. Während das Schiff droht, auf den Planeten zu stürzen, wird die Crew nach und nach von einem mysteriösen Virus befallen, der alle Hemmungen schwinden lässt. Als Crewmitglieder von unterdrückten Emotionen heimgesucht werden, bricht zunehmend Chaos an Bord aus und die Situation gerät außer Kontrolle…
Dies & das
Ursprünglich war diese Episode als Auftakt eines Zweiteilers gedacht - Autor John D. F. Black verließ jedoch die Serie, ohne den zweiten Teil geschrieben zu haben. D. C. Fontana ändert die Idee so ab, dass sich hier und aus der zweiten Idee jeweils eine geschlossene Handlung ergaben. Der verhinderte zweite Teil wurde zu Tomorrow is Yesterday.
In der Episode The Naked Now ging es viele Jahre später um ein ähnliches Problem. Ein Quasi-Remake-Sequel.
Von seinen Erlebnissen mit dem Kaltstart des Warpkerns berichtet Scotty (James Doohan) in der Episode Relics Geordi LaForge (LeVar Burton) an Bord der Enterprise-D.
George Takei nahm für die Fechtszenen drei Wochen lang Unterricht - später entwickelt sich für ihn daraus sogar privat ein Hobby.
Hierbei handelt es sich um die einzige Episode der Reihe in der Uhura (Nichelle Nicholls), Chapel (Majel Barrett-Roddenberry) und Rand (Grace Lee Whitney) gemeinsam auftauchen. Dies wiederholte sich erst im ersten Kinofilm.
Regisseur Marc Daniels besuchte Takei vor den Dreharbeiten in seinem Wohnwagen um herauszufinden, ob er eine brauchbare Figur für Szenen ohne Uniformshirt besäße. Takei schien gut in Form zu sein - Daniels entschied sich dafür. Dennoch trainierte Takei in den folgenden Tagen wie ein Besessener, um seine Bauchmuskeln noch weiter zu definieren.
Für Bruce Hyde ist dies der erste Auftritt als Kevin Riley. Er kehrte noch einmal in der Episode The Conscience of the King zurück. Am 13. Oktober 2015 verstarb Hyde an Krebs.
Das namenlose Crewmitglied, das hysterisch lachend durchs Schiff läuft und die Wände mit roter Farbe bemalt ist auch in Charlie X und Space Seed zu sehen. Bis heute wird vermutet, es könnte sich hier um Crewman Harrison handeln, der im Zuge der Vorwehen um „Star Trek Into Darkness“ kurzzeitig in den Fokus rückte.
Synchro-Anomalien
Im Original gesteht Kirk Spock, wie wunderschön er Yeoman Janice Rand findet. Er deutet sogar an, dass er gerne sein Leben mit ihr verbracht hätte - wären die Umstände anders. In der Synchronisation wurde leider Yeoman mit Krankenschwester übersetzt und somit der Bezug von Rand weg und zu Chapel gelenkt.
Sulu nennt Uhura an einer Stelle „fair maiden“ was man mit „blonde/hellhäutige/anständige Jungfrau/junge Schönheit“ übersetzten könnte. Diese Vermutung wird auch durch Uhuras Antwort untermauert - sie entgegnet ihm „sorry, neither“. Je nachdem wie man übersetzen möchte, für eine unverheiratete Frau im amerikanischen TV durchaus also eine gewagte Entgegnung für diese Zeit. Im Deutschen nennt Sulu sie plump „Königin“ und sie antwortet, sie sei nur Lieutenant. Da war man hierzulande also mal wieder prüder als Amerika.
Auf Droge
"Your blood pressure is practically nonexistent, assuming you call that green stuff in your veins blood." - "The readings are perfectly normal for me, doctor, thank you. And as for my anatomy being different from yours - I am delighted." (McCoy und Spock)
"Well, we're doing everything that's possible." - "Bones, I want the impossible checked out, too." (McCoy und Kirk)
"Have no fear! O'Riley's here! One Irishman is worth ten thousand of you!" (Riley)
"I'll protect you, fair maiden." - "Sorry, neither." (Sulu und Uhura)
"Who's this?" - "This is Captain Kevin Thomas Riley of the starship Enterprise." (Kirk und Riley)
"I'm in love with you, Mister Spock. You, the Human Mister Spock, the Vulcan Mister Spock." (Chapel)
"I can't change the laws of physics. I've got to have thirty minutes." (Scotty)
"I have a beautiful yeoman! Ever noticed her Mr. Spock? You're allowed to notice her! The captain's not permitted!" (Kirk)
"Since the formula worked, we can go back in time, to any planet, any era." - "We may risk it someday, Mister Spock." (Spock und Kirk)
Eine rein wissenschaftliche Mission
Zu Beginn deutet nichts auf eine Mission abseits der Routine hin. Man wolle schlicht Psi-2000, eine sterbende Welt, die inzwischen komplett von Eis bedeckt ist, beobachten und das dort stationierte Forscherteam an Bord nehmen.
Das Aufnehmen der Forscher gestaltet sich jedoch schwierig - einer ist erfroren während er in Uniform duschte, andere sitzen tot an ihren Konsolen oder liegen auf dem Boden.
Wäre Besatzungsmitglied Joe Tormolen (Stewart Moss in seinem einzigen Auftritt), der mit Spock (Leonard Nimoy) den Außeneinsatz durchführt, nicht auf äußerst mysteriöse Weise von Bluttropfen aus dem Eis getroffen worden, hätte es keinen Grund zur Besorgnis gegeben. Da man zudem bei der Rückkehr auf das Schiff auch noch eine Dekontamination direkt auf der Transporterplattform durchführte, war man doppelt auf der sicheren Seite.
Man denke in diesem Zusammenhang auch gerne einmal an das immer wiederkehrende und leider völlig unsägliche Dekontaminationsgel auf Captain Archers NX-01. Zugestanden: Spock und Tormolen beim gegenseitigen Eincremen hätte vielleicht nicht ganz den Sexappeal wie bei T'Pol und Trip gehabt. Umso erfreulicher, dass die Technik sich seit „damals“ derart weiterentwickelt hat.
Oder ist sie doch nicht so ausgereift? Tormolen zeigt nämlich leider trotz der Behandlung sonderbare Symptome. Dass er niemandem davon berichtet, ist in einer Episode dieser Machart Ehrensache. Es könnte ja helfen.
Die technischen Probleme auf der Enterprise drehen zudem ein wenig an der Spannungsschraube: Man droht auf den Planeten zu stürzen.
In der Messe geht es mit Tormolen indes weiter schnell bergab. Aus dem Nichts schwingt er sich zum Laienprediger auf und schwadroniert über das Elend der Raumfahrt. Eine Aktivistenrede, die nicht nur Sulu verdutzt zurücklässt. Dass er zudem auch noch zunehmend aggressiv wird, sein Messer gegen sich selbst richtet und nur von mehreren Männern überwältigt werden kann, führt zu viel Hautkontakt - und man ahnt es bereits: Zu weiteren Infizieren. Der arme Tormolen wird zudem durch sein eigenes Messer verletzt und zur Krankenstation gebracht.
The Walking Drunk
Schön, dass jedoch auch weiterhin niemand die Notwendigkeit sieht, über die Symptome zu sprechen. Man hat zwar just ein totes Forscherteam, das auf ungeklärte Weise ums Leben kam, gefunden - doch ist in körperlichen Gebrechen, die wie aus dem Nichts auftauchen, natürlich kein Alarmzeichen zu erkennen. Vielleicht hat auch einfach niemand Lust, von McCoy isoliert zu werden? Professionalität sieht in jedem Fall anders aus. Sulu und Riley (Bruce Hyde in seinem ersten und bereits schon wieder vorletzten Auftritt) beginnen inzwischen wie Teenager an ihren Brückenkonsolen herum zu kaspern. Doch ist Sulu definitiv schon weiter auf seinem Weg ins Delirium, als er sich wie ein kleiner alberner Jungen von der Brücke davonstiehlt, ohne dass Spock etwas bemerkt.
Der bedauernswerte Joe Tormolen ist in der Zwischenzeit verstorben und steigt somit in die ehrenvolle Reihe der auf, oder in diesem Falle durch die Teilnahme an, Außenmissionen verstorbenen Redshirts auf - McCoy konnte sein Leben nicht retten, obwohl seine Wunden dafür eigentlich gar nicht schwerwiegend genug waren. Der Doktor mutmaßt, dass sein Patient schlicht keinen ausreichend großen Lebenswillen besaß. Ein durchaus interessantes Thema, das hier jedoch bereits im Ansatz verschenkt wird, da in der Folge keine inhaltliche oder emotionale Auseinandersetzung mehr stattfindet.
Ich bring dich wieder nach Haus, Kathleen
Inzwischen sind auch bei Riley die Symptome nicht mehr zu verbergen - Spock schickt den vollkommen aus der Reihe tanzenden Offizier aber natürlich ohne eine Wache zur Krankenstation. Auch weiterhin kommt niemand auf die Idee, dass man hier eine mögliche Infektion eindämmen müsste.
Sulu hat unterdessen sogar sein Shirt ausgezogen und läuft mit verschwitztem Oberkörper und Degen schwingend durchs Schiff. Bis heute eine ikonische Szene, in der George Takei absolut aufgeht. Sein diabolisch-debiles Lächeln ist in jedem Fall preisverdächtig.
Riley, dessen Rolle viele Jahre später im TNG-Remake der Episode Wunderknabe Wesley Crusher (Will Wheaton) zufallen sollte, übernimmt inzwischen Maschinenraum und Schiff, schaltet den Warpreaktor aus und singt, als gäbe es kein Morgen - was die Leidensfähigkeit der Zuschauer mit jeder Wiederholung des Songs auf eine harte Probe stellt. Dass er zudem im Deutschen von ALF-Stimme Tommi Piper synchronisiert wurde, gibt dem Ganzen eine zusätzlich absurde Note. Fast wünscht man sich Willie Tanner herbei, um dem singenden Tyrannen die Leviten zu lesen.
In Sachen Handlung bleibt es turbulent aber unübersichtlich. Das Schiff droht durch die Abschaltung des Antriebs mehr denn je abzustürzen, immer mehr Crewmitglieder infizieren sich und ein Team um Scotty versucht fieberhaft, die Kontrolle über das Schiff zurückzugewinnen - tja: Und Riley singt und singt.
Nachdem Schwester Chapel dem verblüfften Spock ihre Liebe kundgetan hat, menschelt unser vulkanischer Freund ungewohnt stark. Im TNG-Remake wurde daraus - als ebenfalls unwahrscheinlichstes Opfer so einer Infektion - der besoffene Androide Data (Brent Spiner).
Doch während dieser seine Funktionsfähigkeit an Tasha Yar (Denise Crosby) ausprobieren durfte, kämpft Spock ganz alleine mit sich und seinen überbordenden Emotionen.
Schlage keinen Vulkanier
In der Krankenstation hat McCoy inzwischen ein Gegenmittel gefunden. Davon ahnen die anderen Charaktere in diesem Moment jedoch noch nichts. Kirk findet Spock sinnierend im Besprechungsraum und hat keine Muße, sich dessen Sorgen anzuhören. Er ist schließlich Captain und kein Counselor. Nach Ohrfeige Nummer eins folgt direkt die zweite, dritte und vierte. Doch irgendwann reicht es sogar Spock einfach mal. Mit einer schnellen Bewegung fliegt Kirk in die nächste Ecke - und holt sich mit diesen ganzen Berührungen nun auch seine Dosis Infektion ab. Lange durchgehalten hat er ja.
Besoffene sagen immer die Wahrheit
Der interessanteste Aspekt der Episode sind in jedem Fall die vermeintlichen Wahrheiten, die die Infektion zu Tage fördert. Tief vergrabene Emotionen, die sich die Charaktere oft selber nicht eingestehen würden.
Dass Schwester Chapel heimlich in Spock verliebt ist, kommt relativ überraschend, bleibt aber auch eine Randnotiz und verpufft.
Dass Spock hingegen seine Unfähigkeit bedauert, Liebe auszudrücken - besonders zu seiner eigenen menschlichen Mutter - passt aber ins Bild und birgt somit durchaus einen interessanten und gewichtigen Eindruck in das Seelenleben des beherrschten Halb-Vulkaniers.
Auch Kirks Sehnsucht nach Liebe, sein Gefühl, gefangen in der Rolle des Captains zu sein und seine einzige „Beziehung“ mit seinem Schiff zu führen, verdient einer weiteren Begutachtung. Sehr viel später in der Kinoreihe wurde auf diese Thematik auch vereinzelt wieder eingegangen. Dass er sich jedoch ein Leben mit Janice Rand vorstellen könnte, nehme ich ihm keine Sekunde ab. Da übermannt den Playboy doch eher die Mischung aus Alkohol und Testosteron - oder ihm ist in dieser Sekunde der Schwäche einfach niemand anderes eingefallen. Ein wenig erinnert die Szene an Reeds ebenfalls unter Alkoholeinfluss zum Besten gegebenes Lob für T´Pols Allerwertesten in Shuttlepod One.
Und dass Sulu bei all den Liebesreigen nichts Besseres einfällt, als mit einem Degen herum zu fuchteln - nun ja. Riley singt ja auch Volkslieder - was will man also erwarten.
Einer muss die Stellung halten
Retten muss den Tag aber natürlich trotz allem der Captain. Kirk gibt hier erneut den beherrschten, harten Hund der mit Charakterstärke und festem Willen auf die Brücke zurückkehrt um die Situation zu bereinigen. Gezeichnet von der Infektion und noch nicht ausreichend durch das Gegenmittel kuriert, bewegt er sich zwar nahe an der Kommandoenthebung, ist aber im entscheidenden Moment voll da und kann seine Crew mit tatkräftiger Hilfe von Scotty durch ein äußerst waghalsiges Manöver retten.
Die Enterprise reist dabei siebzig Stunden in die Vergangenheit und gewinnt drei Tage Lebenszeit dazu. Eine durchaus faszinierende Perspektive - sind auf diese Weise doch auch mal eben Zeitreisen möglich geworden.
The Reviewer´s wife
Die Eskapaden der Crew waren auch für die Frau des Rezensenten nüchtern eher schwer zu ertragen. Auch ihr fiel durchaus eine Art von Charme in dem trunkenen Treiben auf, doch kann man sie im Bereich Humor dann doch eher mit Episoden wie „A Piece of the Action“ begeistern. Auch der weinende Spock, der für ihren Geschmack von Nimoy zu übertrieben und bemüht dargestellt wurde, konnte da dann leider nichts mehr retten.
Gib dem Kind einen Namen
Der Originaltitel scheint auf die Offenlegung der Emotionen abzuzielen, also sozusagen eine Reduktion der Charaktere auf nackte Fakten, die man sonst nie erfahren hätte. Auch könnte er allerdings auf Sulus ikonischen Auftritt mit freiem Oberkörper und Degen anspielen.
Der deutsche Titel der Episode zielt hingegen auf das Kaltstartverfahren ab, welches Scotty benutzt um die Enterprise wieder flott zu machen. Bei einer humorigen Episode dieser Art eine eher unpassende, weil zu technische Entscheidung.
Fazit
The Naked Time ist eine Episode, die auch beim wiederholten Schauen bei mir ganz persönlich einfach nicht zündet. Gleiches gilt auch bis heute für das Quasi- Remake-Sequel The Naked Now. So ist es mit Humor leider - man kann nicht jeden erreichen. Dabei kann eine Episode über betrunkene Menschen, die allerlei dummes Zeug machen durchaus Witz entwickeln - vielleicht aber doch eher in einer Familienserie als in Star Trek.
Nächste Woche geht es im Review-Countdown weiter mit Platz 8 von der Enterprise-D und von der fernen Raumstation DS9. Dann am Start: Ein sympathischer Borg mischt Picards Crew auf und inmitten des Dominionkonfliktes erleben wir eine der härtesten Kriegsepisoden der TV-Geschichte.
Übersicht zum Review-Countdown
Hier findet ihr die bisher erschienenen Reviews nach Serien sortiert zum Nachlesen:
Star Trek
Where no man has gone before (Pilot)
The Conscience of the King (Klein aber fein)
Tomorrow is Yesterday (Platz 10)
A Piece of the Action (Platz 9)
Spock's Brain (Trash oder Fun?)
Star Trek: The Next Generation
Encounter at Farpoint (Pilot)
Lower Decks (Klein aber fein)
Data's Day (Platz 10)
First Contact (Platz 9)
Phantasms (Trash oder Fun?)
Star Trek: Deep Space Nine
Emissary (Pilot)
Nor the battle to the strong (Klein aber fein)
The Wire (Platz 10)
Hard Time (Platz 9)
Our Man Bashir (Trash oder Fun?)
Star Trek: Voyager
Caretaker (Pilot)
11:59 (klein aber fein)
Drone (Platz 10)
Blink of an Eye (Platz 9)
Bride of Chaotica! (Trash oder Fun?)
Star Trek: Enterprise
Broken Bow (Pilot)
Alle restlichen Reviews zur Serie (aktuell bis Anfang Season 3) findet ihr auf der Serienseite.
Star Trek: Die Kinofilme
„Star Trek: The Motion Picture“
„Star Trek: The Wrath of Khan“
„Star Trek: The Search for Spock“
„Star Trek: The Voyage Home“
Diverses
„Star Trek-Renegades“
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 8. November 2015(Star Trek 1x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?