Star Trek: Picard 2x01

© atrick Stewart in der Serie Star Trek: Picard, (c) Paramount+
The Star Gazer
In den einleitenden Szenen sehen wir, wie Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) offenbar auf einem Schiff der Sternenflotte agiert - zusammen mit anderen bekannten Gesichtern der ersten Staffel - angegriffen wird und schließlich die Selbstzerstörungssequenz einleitet. Anschließend geht es 48 Stunden zurück, um uns aufzuzeigen, was unsere Figuren seit dem letzten Staffelfinale getrieben haben und wie es zur aktuellen Lage gekommen ist. Eine mehr oder weniger übliche Vorgehensweise, um ein neues Abenteuer einzuleiten, welches sich - so mein erster Eindruck - deutlich vom Abenteuer der ersten Staffel unterscheiden wird.
Thematisch wirkt vieles vertrauter als zuvor, was nicht nur an Auftritten von Guinan (Whoopi Goldberg) oder Q (John de Lancie) liegt, die sich bereits in der ersten Folge (kurz) blickenlassen. Denn neben dem Fokus auf Jean-Luc als „Mensch“, der einen bestimmten Weg eingeschlagen hat und jetzt damit hadert, ob er mit Laris (Orla Brady) einen neuen, sehr viel intimeren Weg beschreiten sollte, wirken auch die Werdegänge von Figuren wie Seven of Nine (Jeri Ryan), Rios (Santiago Cabrera), Raffi Musiker (Michelle Hurd) oder gar Elnor (Evan Evagoria) wesentlich „föderationsfreundlicher“ oder auch passender. Sogar der Bann gegen synthetische Lebensformen wie Soji (Isa Briones) (oder Jean-Luc selbst) wurde aufgehoben und vorerst ist nichts von irgendwelchen Spionage-Aktivitäten zu spüren, die die erste Staffel noch zu einem Großteil dominiert haben.
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Stattdessen nehmen sich die Autoren Terry Matalas und Akiva Goldsman eine Anomalie vor, die das Abenteuer in Schwung bringen soll. Der grüne Schimmer riecht direkt nach Borg, was sich später auch bestätigen soll und die Tatsache, dass die Selbstzerstörung nicht mehr aufzuhalten ist, schreit geradezu nach Q, der sich schließlich auch gegenüber Jean-Luc zeigt. Wohin die weitere Reise geht, bleibt erstmal abzuwarten, aber der Auftakt wirkt durchdacht, führt unsere Figuren wieder zusammen und sieht (für mich) auf den ersten Blick sehr vielversprechend, wenn auch nicht fantastisch aus.
Jean-Luc Picard
„Look up!“ ist die Phrase, die uns mehrfach begegnet und das hat ein junger Jean-Luc (Dylan Von Halle) sehr oft getan. Der „Star Gazer“ (gut gewählter Titel übrigens, der mehrfach gedeutet werden kann) wollte also schon in jungen Jahren nach den Sternen greifen und hat sich sein Ziel auch erfüllt. Es gibt mehrere Rückblicke mit Jean-Lucs Mutter Yvette (Madeline Wise), die uns eine schwierige Kindheit aufzeigen, aber gleichzeitig auch seine Motivation erklären. In Bezug auf das Beziehungsthema und den Wunsch, eine Familie zu gründen, bin ich mir zwar nicht sicher, ob das adäquat umgesetzt wird. Denn ich kann mich an mindestens eine Folge aus Star Trek: The Next Generation erinnern, in der Jean-Luc ein alternatives Leben gelebt hat. Und dann war da noch Dr. Beverly Crusher (Gates McFadden), die manchmal so eine Art love interest für den Captain verkörpert hat. Aber wie auch immer, unser „alter Mann“ kommt offenbar ins Grübeln, nachdem Laris bereit für mehr wäre.

Überraschend ist derweil, dass Jean-Luc zur Sternenflotte zurückgefunden hat und in der Akademie Reden schwingen darf. Raffi hat ebenfalls zurückgefunden und Elnor ist quasi das i-Tüpfelchen, um uns zu zeigen, dass Starfleet nach der ersten Staffel wieder auf vertrauteren Bahnen unterwegs ist. Gut so, denn wenn es einen Kritikpunkt an der ersten Staffel gegeben hat, war es sicher der, dass man die sonst offene Sternenflotte beziehungsweise Föderation dort kaum wiedererkannt hat.
Aber zurück zu Jean-Luc. Sein Treffen mit Guinan (10 Forward Ave - gesehen?) war gleichzeitig Fanservice wie der Versuch, eine Antwort auf die mögliche Beziehungsfrage zu erhalten. Genau für solche Gespräche ist Guinan da, aber vorerst ist Jean-Luc noch etwas verhalten und beschreitet zunächst den üblichen (dienstlichen) Weg, nachdem seine Person von der Anomalie verlangt wird. Ich bin aber sehr gespannt, in welche Richtung sich die weitere Reise unserer titelgebenden Figur entwickeln wird. Erst recht, wenn Q jetzt im Spiel ist und weitere „Prüfungen“ bevorstehen. Wie auch immer die aussehen mögen.
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Werdegänge
Wie bereits erwähnt, ist der Auftakt sehr „föderationsfreundlich“ gewählt. Wir sehen Raffi und Elnor in der Akademie, Jean-Luc darf dort eine Rede halten und Rios ist der Captain einer neuen USS Stargazer (übrigens das erste Schiff unter Jean-Lucs Kommando, wie in der Episode auch erwähnt wird). Soji geht es nicht schlecht, sie arbeitet mit der Föderation zusammen und Dr. Jurati (Alison Pill) ist auch dabei, wenn die Anomalie ins Spiel kommt. Ferner hat Seven die „La Sirena“ samt Hologramm eingeheimst und liefert uns eine nette Actionsequenz, ehe es gen Anomalie geht.
Bei manchen Figuren wäre es sicher wünschenswert, die Lücke zwischen dem ersten Staffelfinale und jetzt stärker zu füllen, aber irgendwie fühlt sich vieles richtig an und was jetzt noch nicht ist, kann ja noch kommen. Unterschiedliche Figuren, Schiffe und möglicherweise auch Parteien stoßen auf das gleiche Problem, was sie zusammenführt. Passt für mich. Ob ich die Zigarre von Rios mag oder den vergleichsweise übermäßigen Alkoholkonsum während der Folge, steht aber auf einem anderen Blatt und ist tatsächlich ein kleiner Kritikpunkt meinerseits am Auftakt der zweiten Staffel.
Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche easter eggs zu entdecken. Manche prominent und offensichtlich, andere wiederum ein wenig versteckt. Daher bietet es sich durchaus an, den Auftakt mehrfach zu schauen und ein wenig zu suchen.
Erwartungen
The Star Gazer lässt sich als eine Art Neustart der Serie verstehen, wenn man mal von den bekannten Gesichtern absieht. Das ganze Umfeld, in denen unsere Figuren agieren, wirkt vertrauter und stärker angelehnt an die älteren Serien. Die große Geschichte, die in der ersten Episode nur kurz angerissen wird, macht Lust auf mehr. Könntet Ihr Euch vorstellen, dass die Borg der Föderation beitreten oder Hilfe benötigen? Welchen Eindruck hat die „Queen“ (Annie Wersching) bei euch hinterlassen? Und was hat Q vor? Oder ist es gar zu früh, um sich jetzt schon damit auseinanderzusetzen?

Ich erwarte jedenfalls eine besser geplante und durchdachte Staffel als zuvor, auch wenn ich die erste Staffel nicht unbedingt schlecht fand. Die neuen Showrunner Akiva Goldsman und Terry Matalas scheinen ihr Handwerk zu verstehen. Ob wir eine weitere Anomalie brauchen, sei mal dahingestellt, aber an sich wirkt auch das vertraut, um ein neues Abenteuer loszutreten. Die weiteren Folgen werden zeigen, ob dem guten Auftakt eine gute Staffel folgt. Oder, um es mit den Worten von Q zu sagen: „The trial never ends.“
Fazit
Der Auftakt zur neuen Staffel fühlt sich frisch und neu an, während gleichzeitig bekanntere Pfade als zuvor betreten werden. Insbesondere der Fokus auf Jean-Luc Picard weiß zu gefallen, ebenso wie die Art und Weise, wie die anderen Figuren der ersten Staffel in die Geschichte hineingewoben werden, (neue) Gastauftritte aus Star Trek: The Next Generation eingeschlossen. Wohin die weitere Reise beziehungsweise das neue große Abenteuer geht, bleibt derweil noch abzuwarten. Ich würde spontan vier von fünf Sternen vergeben. Und Ihr?
Star Trek - Picard: Guinan-Trailer zur 2. Staffel
Hier noch der Trailer zur ersten Episode der neuen Season der Serie „Star Trek: Picard“:
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 4. März 2022Star Trek: Picard 2x01 Trailer
(Star Trek: Picard 2x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 2x01
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