Star Trek: Picard 1x10

© zenenfoto aus der Episode Et in Arcadia Ego: Part 2 der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
Das Staffelfinale der US-Serie Star Trek: Picard mit dem Titel Et in Arcadia Ego: Part 2 sieht alle Parteien im Orbit von Sojis (Isa Briones) Heimatplaneten, inklusive der romulanischen Flotte, die damit droht, alle Synths von der Oberfläche des Planeten zu tilgen. Ein Hilferuf mit weitreichenden Konsequenzen schickt sich jedoch an, das Blatt auf zerstörerische Art und Weise zu wenden.
Salvation or Annihilation
Während das Dorf sich mit den Vorbereitungen befasst, das Signal an ihre potentiellen Retter und gleichzeitigen Weltenzerstörer zu senden, begibt sich Narek (Harry Treadaway), nachdem er zunächst seine Schwester (Peyton List) besucht, die sich im Borg-Kubus versteckt hält, zur La Sirena um nach Verbündeten zu suchen, welche in der Lage sind, die Synths aufzuhalten. Nach anfänglichem Misstrauen begleiten Rios (Santiago Cabrera), Raffi (Michelle Hurd) und Elnor (Evan Evagora) ihn schließlich mit dem Ziel, den Signalturm im Dorf in die Luft zu jagen, bevor der Kontakt hergestellt wird.
Agnes (Alison Pill) befreit in der Zwischenzeit den in den Quartieren eingeschlossenen Jean-Luc (Patrick Stewart) aus dessen misslicher Lage, woraufhin sie sich zurück auf ihr Schiff begeben. Mit der Ankunft der riesigen romulanischen Flotte erkennen sie, dass sie dringend Zeit gewinnen müssen, zumal ihrer Vermutung nach auch die Ankunft der Sternenflotten-Armada nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. Daraufhin stellen sie sich den Romulanern mit der La Sirena entgegen, nachdem diese die Verteidigungssysteme des Planeten in Form der verbliebenen Orchideen mühelos aus dem Weg räumen. Zur selben Zeit bekommen sie Rückendeckung von Seven of Nine (Jeri Ryan), die Narissa davon abhält, das Schiff, welches sie mittels der Waffen des Kubus anvisiert hat, abzuschießen, was die Romulanerin darüber hinaus mit ihrem Leben bezahlt. Mit einem Illusionsmanöver gelingt es Picard und Jurati tatsächlich, die Romulaner noch eine Weile zu beschäftigen, bis schließlich die Verstärkung der Föderation, angeführt von Will Riker (Jonathan Frakes), eintrifft, um den Angreifern die Stirn zu bieten.
Gleichzeitig schlägt allerdings der Versuch fehl, das Signal zu sabotieren und Soji beginnt damit, es auszusenden. Picard wendet sich jedoch mit einer bewegenden Rede an sie, weswegen sie schließlich einlenkt und den Kontaktversuch abbricht. Den Romulanern scheint dies zumindest zusammen mit der Aussicht auf eine Schlacht mit der Sternenflotte zu genügen, was dazu führt, dass sie den Rückzug antreten, während sie von Rikers Armada aus dem Sektor eskortiert werden. Picard muss jedoch anschließend nach all den Anstrengungen der tödlichen Anomalie in seinem Gehirn Tribut zollen, denn er bricht zusammen und verstirbt kurz darauf auf dem Planeten.
Doch das ist nicht das Ende, denn er findet sich anschließend gegenüber Commander Data (Brent Spiner) wieder, der ihm erklärt, dass seine Reise noch nicht vorbei ist und er sich in einer komplexen Simulation befindet. Gleichzeitig möchte er sich aber auch von seinem Captain verabschieden, denn er bittet ihn darum, ihn die Sterblichkeit der Menschen erfahren zu lassen. Nach einem emotionalen Lebewohl erwacht Picard in der Obhut von Dr. Jurati und Dr. Altan Inigo Soong, die ihm erklären, dass sie nach seinem Tod sein Bewusstsein in einen Synth-Körper transferiert haben und er nun wieder gesund ist. Nachdem er Datas letzten Wunsch erfüllt und den letzten Part von ihm in Dr. Soongs Labor deaktiviert, macht er sich mit seiner neuen Crew an Bord auf eine neue Reise in ferne Welten auf.
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I, for One, Welcome Our New Synthetic Overlords
Es bestand die Hoffnung, dass Et in Arcadia Ego: Part 2 diverse Problemzonen, die im Laufe der Staffel auftraten, hier durch einen eindrucksvollen Abschluss zumindest etwas kaschieren kann. Stellenweise ist dies auch gelungen, da gen Ende wesentlich mehr „Star Trek“-Feeling aufkommt, als im Großteil der sonstigen Season. Der emotionale Kern wird hierbei gut getroffen, auch wenn das gesamte Drumherum dabei von kleinen und großen Ungereimtheiten begleitet wurde, in die sich die Autoren hineingeschrieben haben.
Der gravierendste Fauxpas entspringt dabei aus an sich spannenden Schwierigkeiten für unsere Charaktere, in denen man sie in schier ausweglose Situationen bringt, in denen man sich kaum vorstellen kann, wie sie diese nun bewältigen sollen. Das ist ja an sich eine vielversprechende Ausgangsposition, nur wenn einem dann kein logischer Ausweg einfällt und man zur schlimmsten Sorte von Deus ex Machina greifen muss, ist dies alles andere als clever. So geschehen beim „Multiplikations-Stunt“ der La Sirena und auch der „Sonic Screwdriver“, den Raffi von den Synths bekommen hat, fallen in diese Kategorie. Im Falle von Jean-Lucs Rettung könnte man auch im sprichwörtlichen Sinne von spiritus ex machina sprechen, aber dazu kommen wir gleich.
Um sich der „trekkigeren“ Stimmung gegen Ende der Episode anzupassen, musste auch so manche Figur etwas verbogen werden, wie zum Beispiel Seven of Nine (Jeri Ryan), die erst Narissa (Peyton List) einen Freiflug einige Stockwerke tiefer spendiert, nur um im Beisein von Rios zu bedauern, aus Gefühlen wie Rache getötet zu haben. Sie sieht nun auf einmal also ein, dass Leben vernichten falsch ist, nachdem sie ein paar Episoden zuvor noch eine komplette Bar ohne Rücksicht auf Verluste wie der Terminator ausgelöscht hatte... Und, was der Phaser-Suizid-Spruch am Anfang der Episode sollte, kann ich auch nicht nachvollziehen, zumal man später ja einen komplett anderen Ton anschlägt.
Auch die ganze Angelegenheit um die Prophezeiung und die Mecha-Cthulhu-Rasse wirkt nicht vollständig rund. Dass die Romulaner sich nach Sojis-Geste in Anbetracht einer Schlacht mit der Sternenflotte zunächst zurückziehen, ist erst einmal nachvollziehbar. Aber der Tal-Shiar hat nun im Orbit auch miterlebt, wie knapp das Ganze war. Und da Synths wie Sutra (Isa Briones) bewiesen haben, dass die künstlichen Lebewesen mit eigenem Bewusstsein durchaus auf den Schluss kommen können, dass organische Lebewesen aus der Galaxie getilgt gehören, bedarf es nur einen von ihnen, um mit genug Zielstrebigkeit einen Signalturm aufzubauen, damit die Apokalypse doch noch eingeleitet werden kann. Das Thema dürfte also definitiv noch nicht vom Tisch sein. Darüber hinaus war der Gastauftritt von Jonathan Frakes zwar eine angenehme (wenn auch als Anführer der Armee nicht komplett plausible) Überraschung, allerdings wurde diese, genau wie es bei diversen Episoden zuvor der Fall war, leider in den Opening-Credits mit der Vorstellung der „Special Gust Stars“ gespoilert. Vielleicht sollte man sich dies das nächste Mal lieber für die Credits am Schluss aufheben.

Wie kann mir die Episode nach diesen etlichen Kritikpunkten, die für so manchen zu viele sein könnten, denn trotzdem so gut gefallen haben? Das liegt daran, dass man sich zum Höhepunkt der Folge endlich auf einige Tugenden besinnt, die für mich „Star Trek“ ausmachen: Picard nutzt seine Fähigkeiten als Diplomat, der er nun mal schon immer war, um den Konflikt letztendlich zu beenden. Diplomatie und Völkerverständigung, der Glaube an gemeinsame Koexistenz und Zukunft und die Suche nach friedlichen Lösungen für Differenzen gehören neben den technischen Aspekten sowie den Forschungsaspekten zum emotionalen Kern des Franchise. Und diesen Kern trifft der Abschluss für mich vollends.
Die Zuschauer, genau wie Data (Brent Spiner) und Picard, bekommen ihren bewegenden Abschied voneinander, der ihnen in „Star Trek: Nemesis“ noch verwehrt wurde. Data findet genau die richtigen Worte, die jeder, der eine Form von Überlebensschuld in sich trägt, unter normalen Umständen nicht zu hören bekommt, auch wenn er die Wahrheit kennt: Natürlich bedauert er es keine Sekunde, sich für seine Freunde geopfert zu haben und weiß ebenso, dass Picard das Gleiche für ihn getan hätte. Er war menschlicher, als viele es jemals hätten sein können und sein letzter Wunsch nach Sterblichkeit bestätigt, dass seine Neugier und sein Streben danach unerschöpflich waren. Seine Figur hat sich diesen Abgang verdient und nach all den Stolperern der Serie, war es fast schon etwas überraschend, dass dies so würdevoll geschehen ist.
Man hätte die beiden diese Szene sicherlich auch auf andere Art und Weise erleben lassen können, zumal man keine Sekunde wirklich daran glaubt, dass die Serie an dieser Stelle ihren Hauptdarsteller verliert. Man hätte Picard auch nicht wirklich noch mehr zum Cyborg machen müssen (was er rein technisch dank Borg-Implantaten ja bereits war), um ihm gleichzeitig alle Vorzüge davon wieder abzusprechen. Auch das war wiederum etwas viel unnötiger Drehbuch-Hokuspokus. Letztlich entlässt einen die Episode aber mit einem wohligen Gefühl und so sehr der Kritiker in mir auf Unzulänglichkeiten pochen will, so will ich speziell in Anbetracht des aktuellen Zeitgeschehens mich nicht beschweren, wenn wir hier einen Abschluss mit Feel-Good-Note bekommen.
Fazit
Die äußere mit Details bespickte Schicht der Episode weist genau wie überwiegend auch die Staffel an sich einige Macken auf, die für manche nicht so schwer wiegen, für andere aber wiederum schon zu massiv sein könnten. Doch der emotionale Kern des Staffelfinales ist intakt und es kommt an den wichtigen Stellen mehr „Star Trek“-Feeling auf, als es bisher die Season über der Fall war. Deswegen ist es zwar definitiv kein perfekter Abschluss, aber er trägt eigentlich sein Herz am rechten Fleck. Wer generell Unterhaltungswert im Spektakel sucht, der mag zwar durch die ausbleibende Weltraumschlacht etwas enttäuscht sein, bekommt dafür aber nun mal etwas geliefert, was letztendlich wesentlich mehr (emotionalen) Eindruck hinterlassen kann, als Action und Explosionen es hätten schaffen können. Das bildet außerdem einen angenehmen Kontrast zum bisherigen Ansatz der Macher und macht gleichzeitig durchaus Hoffnung für die Zukunft.
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 27. März 2020Star Trek: Picard 1x10 Trailer
(Star Trek: Picard 1x10)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x10
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