Sons of Anarchy 7x11

Sons of Anarchy 7x11

Kurt Sutter präsentiert uns mit Suits of Woe eine der längsten Sons of Anarchy-Episoden bisher. Doch überflüssig ist nur wenig, dafür ist der Taschentuchbedarf viel zu groß. Drei Episoden vor dem Ende holen die Serienmacher nochmal alles raus!

Jax (Charlie Hunnam) im Kreise seiner - äh - selbstgewählten Familie in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX
Jax (Charlie Hunnam) im Kreise seiner - äh - selbstgewählten Familie in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX

Die drittletzte Episode Sons of Anarchy heißt Suits of Woe. Ja, nach Ende dieser Episode werden wir Jax (Charlie Hunnam) und Co. nur noch zweimal wiedersehen. Der Abschied schien einfacher zu fallen als sich die finale Staffel anfühlte wie ein schlechter Scherz der Autoren. Doch die Geschichte hat sich gefangen und schon diese Episode geht wohl nicht trockenen Auges über die Mattscheibe.

Rundherum

Steigen wir mit einem der leichteren Themen in das Review ein und wenden uns der Musikauswahl in der Episode Suits of Woe zu. Denn die ist bemerkenswert ungewöhnlich für Sons of Anarchy. Besonders zwei Stellen sind exemplarisch dafür. Eine davon ist die Eingangsszene, in der keine musikalische Untermalung zu hören ist. Das hat Kurt Sutter bereits vor kurzer Zeit versucht als er die musiklose Episode zu Ehren von Bobbys Tod über die Bildschirme flackern ließ. Die gute Nachricht ist, dass es dieses Mal funktioniert.

Wir begegnen Jax nach einer offenbar schlaflosen Nacht im Zimmer seines Sohnes. Er hat die Informationen, die Abel ihm gegeben hat, also durchaus ernst genommen. Auch wenn er den Tag damit verbringt, die Sache zu beweisen, ist zu diesem Zeitpunkt nur eines wichtig: Das große Geheimnis ist raus. Sein Leben, seine Zukunft liegt in Scherben vor ihm. Er hat seinen Club auf eine Selbstmordmission geschickt, weil seine Mutter seine Familie zerstört hat. Zu allem Überfluss muss es sein fünfjähriger Sohn sein, der ihm davon erzählt. Kein Bereich seines Lebens ist in diesem Moment noch zu retten. Es ist nicht die richtige Zeit für Hintergrundmusik. Er sitzt einfach da, an die Kommode gelehnt und erkennt, dass es vorbei ist. Keine metaphorischen Bilder, keine kleinen und dabei so großen Gesten, keine Zuversicht oder Verdammnis, alles, was zu einer guten Sons of Anarchy-Musikmontage gehört, ist nicht da. Es ist nur noch reine Verzweiflung. Für Bobbys Tod war die Idee nicht Musik, sondern Schauspieler und Autoren sprechen zu lassen, zu früh. Dieses Mal kann es einem die Tränen in die Augen treiben.

Der zweite Moment, in dem die Hintergrundgeräusche eine tragende Rolle spielen, ist die Verfolgungsjagd zwischen Jax und den Polizisten. Wir hören das Lied „Blue Note“ aus dem Jahr 1965 von Jackie McLean. Alles an dieser Szene, die Musik, die Kameraeinstellungen sowie die Autos und die Fahrt an sich, sind eine Hommage an Krimiserien aus längst vergangenen Zeiten. Es wirkt amüsant, nicht nur in diesem Kontext. Und hebt damit die schweren Emotionen etwas auf, die Neros Verzweiflung kurz vorher bei wohl allen Zuschauern hinterlassen hat. Es ist ein Gegengewicht zu der Härte der Episode und zeigt ganz nebenbei, dass die Sons of Anarchy-Macher ihre Geschichte selbst nicht so ernst nehmen, wie es oft den Anschein hat und auch mal darüber lächeln können.

Der Weg zur Wahrheit

Jax verbringt den Tag also zunächst einmal damit, die Wahrheit, die sein Sohn ihm gesteckt hat, zu beweisen oder zu widerlegen. Dabei kommt ihm Wendys Beichte sehr gelegen. Sie verrät Gemma (Katey Sagal) und Unser (Dayton Callie) genau an der richtigen Stelle. Es könnte schon ein fast zu perfektes Timing sein, wenn man es nicht auch mit Wendys Charakter untermauern könnte.

Sie hat offenbar immer noch Hoffnung, dass sich die Lage mehr Richtung idyllische Familie entwickelt. Es könnte also sein, dass da auch Berechnung mitspielt. Sie hat Jax und die Söhne im Moment für sich alleine und sie sieht, dass die Stimmung sich gegen Gemma dreht. Es ist ein guter Zeitpunkt, um in dieser Hinsicht reinen Tisch zu machen. Und das schlechte Gewissen, dass sie bekommt, muss nicht übertrieben groß sein, schließlich verrät sie die Frau, die ihr einst eine Heroinspritze ins Krankenbett gelegt hat.

Vielleicht ist es Berechnung, vielleicht einfach nur gutes Timing, in jedem Fall sichert sich Wendy (Drea De Matteo) nach allen Seiten ab. Sie entschuldigt sich bei Gemma und die bringt Verständnis dafür auf. Allein das sollte Wendy schon verraten, dass noch mehr im Busch ist als der Verrat an Juice (Theo Rossi). Doch Wendy scheint sich etwas bewahrt zu haben, was in Charming selten geworden ist, sie glaubt an das Gute und vor allem an das Gütige im Menschen. Dabei haben wir jüngst gerade wieder am Beispiel Juice gelernt, dass einem nicht vergeben wird, es sei denn, etwas Größeres kommt dazwischen und fordert die Wiedervereinigung der Streitparteien. Doch Wendy scheint daran zu glauben, dass es einst eine glückliche Familie geben kann mit Gemma und Nero (Jimmy Smits) als Großeltern. Aus diesem Grund muss sie sich entschuldigen oder glaubt zumindest, das tun zu müssen.

Der Ex-Cop mit dem gewissen Etwas

Der Zweite, der Jax Hinweise auf die Wahrheit liefert, ist Unser. Er erklärt dem Präsidenten, dass der Mann, den dieser gefoltert und ermordet hat, zum Tatzeitpunkt nicht einmal in der Nähe des Mordhauses war.

Unser wendet sich direkt an Gemma und das ergibt Sinn. Er weiß noch nicht, dass er Taras Mörderin vor sich hat. Über die Staffeln haben wir gesehen, wie sehr Unser Gemma liebt. Doch sein Glaube an die Frau bröckelt, was man deutlich an dem Verhör sieht, dem er Gemma unterzieht. Das Gespräch ist seltsam. Unser redet, als wenn er die Wahrheit kennt und Gemma zwischen den Zeilen mitteilt, dass sie sterben wird. Er wirkt übertrieben entspannt und locker. Doch so richtig das Puzzle zusammensetzen, kann er wohl doch nicht. Vielleicht sind es die letzten Züge einer großen Liebe, die ihm den Blick auf die Wahrheit verstellen. Doch seine Gefühle für Gemma haben sich verändert.

Auf ihrer Seite stehen zunächst jedoch ganz eindeutig Nero und Chuckie (Michael Ornstein). Unser ist mittlerweile kein Stammmitglied im Team Gemma mehr. Doch er will sie auch nicht ans Messer liefern, er lässt sie von Chuckie überwachen, jemanden, von dem er weiß, dass dieser in der Sekunde der Not eher auf Gemmas als auf Jax' Seite stehen wird. Im Grunde ist es Unser, der die Bedingungen für Gemmas Flucht schafft. Auch dadurch, dass er Jax zu physischer Gewalt provoziert, was ihm die Möglichkeit gibt, den Präsidenten polizeilich suchen zu lassen.

Unser ist die letzte moralische Instanz, die im Umfeld des Clubs noch geblieben ist und es ist schön zu sehen, dass er sich in dieser finalen Staffel endlich aufrafft, etwas zu unternehmen, Eigeninitiative zu ergreifen und sein Können unter Beweis zu stellen.

Und er sagt Jax endlich, was der hören muss. Das Beste, was er für Tara (Maggie Siff) hätte tun können, wäre gewesen, sich als Vater zu zeigen. Doch er hat seine Zeit damit verbracht, Rachepläne zu schmieden und dabei Leichenberge aufgetürmt. Unser sagt es, um ihn zu provozieren, aber es ist auch darüber hinaus gutes Timing. Er sagt es ihm an der Stelle, an der Jax endlich bereit ist, zuzuhören. Zumindest hinhört. Und was er hört, trifft ins Schwarze, das weiß er jetzt auch, also findet er keinen anderen Ausweg als Unser mit Gewalt zum Schweigen zu bringen. Der gleiche Spruch vor einigen Wochen und Jax wäre erhaben über Unser hinweggestiefelt, in dem Glauben, die Sache im Griff zu haben und genau das Richtige zu tun.

Hinter Gittern

Juice spricht sich selbst Mut zu. Er weiß, dass er jemanden ermordet, der zwar bei Weitem kein Unschuldslamm ist (er hat das Massaker an den Diosa-Frauen angezettelt), aber nicht den Mord angeordnet hat, für den er jetzt ermordet wird. Seine Wanderung durch das Gefängnis, die zahlreichen Sicherheitstüren, die auf- und wieder zugehen, fühlt sich zu lang an, nervenzerrend, aber das ist es auch für ihn. Wir begleiten ihn in dieser Schicksalsstunde quasi jede Sekunde und das hat etwas Bestechendes.

Am Ende lacht er aus Verzweiflung und sagt Lin (Kenneth Choi), dass er ein Verräter sei, wieso nicht auch ein Lügner. Es ist die Logik, nach der Juice seit Monaten überlebt. Er hat so viele schlimme Dinge getan, wie alle anderen Sons übrigens auch. Er hat eine drogenabhängige Frau getötet, das war der Wendepunkt, da hat Jax ihm zu viel zugemutet. Seitdem kann Juice die eigenen Handlungen nur noch vor sich rechtfertigen, wenn er sich daran erinnert, was er sowieso schon getan hat. Er bringt Lin um, von dem er weiß, dass der das ihm Vorgeworfene nicht getan hat. Aber Lin ist ein Gangsterboss, Juice hat schon unschuldige, drogenabhängige Frauen umgebracht, dieser Mord macht also auch keinen großen moralischen Unterschied mehr auf seiner persönlichen Schuldskala.

Die Verzweiflung, die Jax ins Gesicht geschrieben steht, als er Juice gegenüber sitzt, scheint für kurze Zeit eine Machtverschiebung hervorzurufen. Doch Juice nutzt die Verzweiflung des Mannes nicht aus, den er immer noch als seinen Präsidenten anerkennt. Er gibt ihm, was er so dringend haben will, die Wahrheit.

Juice nimmt seine Strafe an, er ist wohl der, für den die Wahrheit am meisten befreiend wirkt. Er nimmt das Todesurteil, das Jax ihm verkündet an, mit derselben Reue, die wir in den letzten Monaten an ihm gesehen haben. Er hat die Hoffnung auf eine Rückkehr in den Club nie aufgegeben, SAMCRO ist sein Leben und er hat alles getan, was er musste, um seine Taten wiedergutzumachen. Nun sieht er ein, dass es eine Rückkehr unter diesen Bedingungen nicht geben kann. Er kann nicht zurück zu seinen Brüdern und der einzige Weg führt dann in seiner Wahrnehmung ohnehin ins Nichts. Ob Jax ihm sein Todesurteil verkündet oder nicht, spielt keine große Rolle. Juice hat sich aufgegeben.

Das einzige, was nicht ins Bild passen will, ist die Tatsache, dass er Gemma warnt. Es ist die Frau, die ihn statt in die rettende Freiheit in einen möglicherweise tödlichen Hinterhalt locken wollte. Doch als Zuschauer möchte man diese aus erzähltechnischer Sicht traurigen Kapitel der finalen Staffel gerne vergessen, man kann also nachvollziehen, dass es den Figuren und Autoren nicht anders geht. Vielleicht hat Juice es aber auch einfach so sehr verinnerlicht, dass Gemma Teil der Gang ist, dass er auch sie nicht betrügen kann. Immerhin konnte er sie nach dem Kampf im Wald ja auch nicht töten. Er hat das Pech, als sensible Seele in einer harten Gangsterwelt gelandet zu sein.

Doch das weiß er ja sowieso, immerhin ist seine leider immer noch vorhandene Moral der Grund, wieso er im Knast vergewaltigt wird, während die anderen Sons draußen am Tisch quatschen. Ohne sein schlechtes Gewissen hätte er sich nicht den Drogen hingegeben und Nero im Rausch ein Geständnis gemacht.

Juice erkennt die Zeichen der Zeit und verbreitet angemessene Endzeitstimmung. Es ist zu spät für alle. Doch das kann in der Übersetzung aus der Sutter-Sprache nur bedeuten, dass es für Juice noch lange nicht zu spät ist. Er hat so viel überlebt über die Staffeln, er wird auch das schaffen. Wer glaubt nicht an die Möglichkeit, dass der Totgesagte einer der wenigen sein wird, die am Ende noch stehen?

Ein Treffen mit der Flüchtigen

Gemma wendet sich an Nero, obwohl die Gefahr, dass Jax sie darüber findet, groß ist. Da sind Gefühle, es ist schön zu sehen, dass Gemma doch nicht aus Eis gemacht ist. Sie ist sowohl in den Mord an ihrem ersten als auch an ihrem zweiten Mann verwickelt, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie ihre Schwiegertochter umgebracht hat. Was ist Gemma eigentlich heilig? Im Grunde sehen wir sie immer wieder beteuern, dass Familie für sie heilig ist, doch sie zieht da enge Grenzen. Offenbar handelt es sich dabei nur um die Blutsbande im eigentlichen Sinne und das auch nur, solange alles nach ihrer Pfeife tanzt. Gemma selbst ist die einzige Person, die sie nicht betrügen würde, alles andere scheint flexibel zu sein. Daher ist es schön, dass sie nicht schnellstmöglich die eigene Haut rettet, sondern sich an Nero wendet.

Doch schon in der nächsten Szene werden wir dank Juice daran erinnert, dass sie, die jetzt so verlassen an der Kirche kauert, die Drahtzieherin zu jedem Geheimnis und der Schlüssel zu jedem Mord ist, der in der letzten Zeit geschehen ist.

Gemma zeigt Nero und uns die Orte ihrer Kindheit und erinnert uns daran, dass auch ein Monster wie sie eine Vergangenheit hat, ein kleines, unschuldiges Kind war. In Gemmas Fall ist dieser Rückblick auch deswegen erschütternd, weil er uns daran erinnert, dass Gemma nicht in dieses Milieu, in dem sie sich selbst zur Königin gemacht hat, hineingeboren ist. Auch die Beteuerung, dass ihr Sohn ihr ein und alles ist, macht sich als Abschlussrede gut. Im Grunde ist der Umstand, dass sie ihn übermuttert und nicht in sein eigenes Leben entlässt, die Wurzel allen Übels. Das fängt schon damit an, dass Jax dank ihr kein anderes Leben wählen konnte als das eines Bikerclubpräsidenten. Sie hat direkt oder indirekt jeden Schritt bestimmt, den ihr Sohn gemacht hat, hat sich in alles eingemischt, nicht nur als es darum ging, die drogensüchtige Mutter ihres ersten Enkels mit einer Heroinspritze aus dem Blickfeld zu bugsieren. Zwischenzeitlich sah ihre Einmischung wie wohlmeinendes Engagement aus, zum Beispiel als sie sich mit Taras Rückkehr endlich angefreundet hatte und ihrer damaligen Schwiegertochter in spe gezeigt hat, wie man mit den Crow Eatern, die Jax umkreisen, richtig umgeht. Doch am Ende hat ihre konstante und ungefragte Einmischung zu Taras Tod geführt. Die kleine Rede, die Gemma für Nero hält, fasst alles, was passiert ist, wunderbar zusammen. Sie hat alles getan, was von ihr erwartet wurde. Was sie verschweigt ist, was sie darüber hinaus noch zusätzlich getan hat.

Doch Nero muss nicht lange warten bis er die Wahrheit erfährt. Die Szene als er Jax am Telefon hat, ist einfach nur großartig. Er erfährt eine Wahrheit, die wir längst kennen und wir können in seinem Gesicht ablesen, dass alles in ihm in diesem Moment zusammenbricht. Der schöne Zukunftsplan, der erst gerade so richtig Gestalt angenommen hatte, ist unwiderruflich zerstört. Er macht etwas Seltsames im Moment der Verzweiflung, er wippt auf den Füßen und spricht wie ein Schulkind. Das letzte Mal haben wir Ähnliches bei Tig (Kim Coates) gesehen, als seine Tochter von Pope verbrannt worden ist. Er hat geschrien, seltsam hoch und schrill. Kurt Sutter hat hervorragende Schauspieler zur Hand und Momente wie dieser zeigen, dass er weiß, wie er sie einsetzen kann.

Kim Coates und Jimmy Smits konnten die Verzweiflung und emotionale Bürde stemmen, das seltsame Verhalten, dass sie ihren Figuren mitgeben, lässt die Emotionen für uns nur umso intensiver wirken. Das geht nicht mit allen Schauspielern, auch nicht in der Serie Sons of Anarchy, aber kaum jemand, der es gesehen hat wird wohl die Verzweiflung von Tig oder Nero vergessen können.

Das Team Gemma bröckelt also weg. Wo Unser genau steht, ist noch nicht klar, denn er kennt die Wahrheit noch nicht. Vermutlich wird er sie nicht tot sehen wollen, weil er dafür einfach zu moralisch ist. Doch er hat auch mit Tara gegen Gemma zusammen gearbeitet, er weiß, dass die Frau, die er lange geliebt hat, nicht der beste Umgang ist. Er dürfte also nicht so weit gehen wie Chuckie, um sie zu schützen. Nach Neros Abtritt ist Chuckie der letzte Verbündete, den Gemma noch hat und ihre Erwiderung auf sein herzzerreißendes Geständnis, dass sie seine beste Freundin sei, sollte mal besser nicht noch einmal so sehr von oben herab klingen. Wenn Gemma sich an dieser Stelle umguckt, dann ist auch Chuckie zu ihrem besten Freund aufgestiegen, wenn auch nur mangels Konkurrent.

Was ist eigentlich Familie?

Gemma gibt Abel einen SoA-Ring, der einst ihrem ersten Ehemann gehörte und den sie einst auch Jax gegeben hat. Wenn man beachtet, was aus den Vorbesitzern wurde, dann kann man nur sagen, dass sie Abel richtiggehend verflucht hat.

Doch diese Szene macht auch die Frage danach, was eigentlich Familie für Jax ist, noch schwieriger. Zu Beginn der Episode Suits of Woe lässt er seine Clubkollegen wissen, dass er sich um ein Familienproblem kümmern muss. Später, gegen Ende, als er sie wissen lässt, was mit Tara passiert ist, sagt er den Satz: „I'm sorry that the family I was given has created so much chaos in the family I have chosen.“ („Es tut mir leid, dass die Familie, die mir gegeben wurde, so viel Leid für die Familie verursacht hat, die ich gewählt habe.“)

Er meint damit offenbar nicht nur Tara, sondern auch den Club. Chibs (Tommy Flanagan), Tig und die anderen sind diejenigen, die er am Ende der Episode Suits of Woe als seine Familie begreift. Das ist mehr als die bekannte Überloyalität in der Bandenwelt. Doch richtig zu Herzen geht es nicht, denn für jeden, der die einzelnen Bausteine der Episode neu zusammensetzt, hört sich das emotionale Geständnis schnell schal an. War es Jax, der die SoA-Familie gewählt hat? Oder war es vielmehr die Übermutter, die ihren einzigen Lebenssinn darin sieht, einen Sohn zu haben? Sie hat ihn auf diese Laufbahn gebracht, das wissen wir schon lange. Und nun sind wir dabei, wie sie versucht, Abel folgen zu lassen, indem sie ihm den Ring schenkt. Es ist nicht Jax' freie Entscheidung gewesen. Der Zusammenhalt an sich ist dadurch nicht gefährdet, wir haben gesehen, wie eng die verbliebenen SAMCRO-Mitglieder sind. Doch die Bezeichnung Familie ist in dieser Episode keine unvoreingenommene Auszeichnung. Wenn Kurt Sutter uns eine Gänsehaut geben will angesichts des Zusammenhaltes im Club, hat er das bisher immer geschafft. Jax' Familienspruch ist keiner dieser Momente, es ist eher eine Erinnerung daran, wie unglaublich schwierig die Zustände um Jax mittlerweile sind.

Er übernimmt die Verantwortung für die letzten Ereignisse, für Bobbys und Jurys Tod, für die drohende Zerstörung des Clubs. Das ist nur begrenzt ergreifend, denn an großen Worten und Beschwörungen von Vertrauen und Verantwortung hat es Jax noch nie gemangelt. Intensiver ist die Szene zwischen ihm und Nero als er fragt, wie er nun weitermachen soll. Hier sitzen zwei Männer zusammen, deren Leben Gemma zerstört oder zumindest zu weiten Teilen aus der Bahn geworfen hat. Nero hat sich zumindest soweit aus der Krise gezogen, dass er Jax vom Muttermord abraten kann.

Jax hat sich über die Staffeln verändert, ist härter geworden, auch äußerlich. In der Szene mit Nero am Ende der Episode Suits of Woe wirkt er plötzlich wieder Jahre jünger. Nero hat wohl Recht, von dem Mord an der eigenen Mutter kann man sich kaum erholen. Selbst wenn besagte Mutter die eigene Frau umgebracht hat. Jax scheint das ebenfalls zu wissen. Sein einziger Weg, mit Verlust umzugehen, war lange Zeit Rache. Nun findet er sich in einer Situation wieder, in der er keine Rache nehmen kann. Er hat kein Ventil für seine Wut, seine Verzweiflung. Das ist vielleicht die größte Strafe.

Doch wir können davon ausgehen, dass das noch nicht alles ist. Jax hat es selbst angekündigt, er übernimmt die Verantwortung für alles, was clubtechnisch aus Gemmas Lügen entstanden ist. Das bedeutet unter anderem, dass er sich für den ungerechtfertigten Mord an einem Sons of Anarchy-Mitglied rechtfertigen muss. Doch Jax muss nicht nur Reue zeigen, er muss sich opfern, für die beiden Dinge, die noch wichtig in seinem Leben sind: sein Club und seine Söhne.

Er ist ein Mann, der viel Unrecht getan hat und dem viel Unrecht angetan wurde. Zwischenzeitlich, nach den Morden an Opie (Ryan Hurst) und Tara, schien er sein moralisches Zentrum verloren zu haben und hat Dinge getan, die selbst unter Racheaspekten unnötig erschienen. Doch er ist halt menschlich, mit allen Fehlern und Ungereimtheiten, die dazu gehören. Nach wie vor kann man als geneigter Fan weiterhin den eigentlich moralisch gut aufgestellten Mann in ihm sehen, der durch seine Erfahrungen, seine Umwelt und die Lügen, die ihm erzählt worden sind, zu dem Monster geworden ist, das wir die letzten Episoden über gesehen haben. Doch dazu muss er beweisen, dass es ihm ernst ist, wenn er sagt, dass er die Verantwortung übernehmen will. Ob das der Fall ist, werden wir in den letzten zwei Episoden hoffentlich erfahren.

Ein kleiner Einwurf noch: Jax weiß, dass er einen Muttermord nicht durchstehen würde, Gemma scheint zumindest insoweit gerettet. Doch was, wenn Jax kurz vor der angestrebten Vergebung erfährt, was seine Mutter auch seinem Vater angetan hat? Wenn ein Elternteil den anderen umbringt, dann wäre das wohl die einzige Situation, in der ein Kind auf Dauer gesehen moralisch mit dem Mord am anderen Elternteil klarkommen könnte.

Fazit

Das Ende ist nah, es ist Zeit für große Gefühle und in der Episode Suits of Woe ist das vor allem Verzweiflung. Die Krone für den emotionalsten Moment geht an Nero, unter anderem auch weil der Original Gangster sich von allen Gangmitgliedern am meisten Moral bewahrt hat. Er hat nicht verdient, was ihm nun passiert. Er ist seinem Ausstieg so nah wie noch nie, die Tragik in seiner Geschichte ist groß. Doch auch die anderen Figuren können zahlreiche intensive Momente einfahren, bei denen wohl nur wenige Augen trocken bleiben.

Suits of Woe entschädigt zumindest teilweise für eine Staffel, die bisher mit kleinen Ausnahmen recht zäh war. Doch so kurz vor dem endgültigen Abschied lohnt es sich, auch mal ein Auge zuzudrücken und sich der Story einfach hinzugeben.

Trailer zur Episode „Red Rose“ (7x11) der US-Serie „Sons of Anarchy“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 19. November 2014

Sons of Anarchy 7x11 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 11
(Sons of Anarchy 7x11)
Deutscher Titel der Episode
Familienangelegenheiten
Titel der Episode im Original
Suits of Woe
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 18. November 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 25. Dezember 2015
Autoren
Peter Elkoff, Mike Daniels, Kurt Sutter
Regisseur
Peter Weller

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 7x11

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