Sons of Anarchy 6x06

Die Hälfte der sechsten Staffel ist erreicht. Mit der Episode Salvage wird der zweite Akt eingeläutet. Seit einiger Zeit geht es bergab für den Club, nichts gelingt so richtig und die Geheimnisse voreinander werden immer größer. In der letzten Episode haben sie ihren Rückzugsort verloren, ihren Tisch, die einzige Sicherheit, die über die Staffeln immer da war.
Neuorientierung
Jax (Charlie Hunnam) hat den Club in einem desolaten Zustand von Clay (Ron Perlman) übernommen. Und er hat es bisher nicht besser gemacht. Er hat selbst angefangen, Geheimnisse anzuhäufen, Absprachen unter der Hand zu treffen und eine Blutspur hinter sich herzuziehen. Über die erste Hälfte der sechsten Staffel hat dieser Weg ihn und den Club immer tiefer in Schwierigkeiten geführt.
Seit langer Zeit ist Jax auf der Suche nach dem richtigen Weg für sich und den Club. Und er hat verschiedene Stadien durchlaufen. In jüngster Vergangenheit hat er versucht, seinen Führungsstil mit einer Mischung aus Brutalität und Vernunft zu etablieren. Frei nach dem Motto, der Weg in den Ausstieg wird erst einmal blutiger werden, aber wenn man sich nicht von Rachegefühlen sondern vom Ziel leiten lässt, dann klappt das schon. Es hat zu zwei toten Sons, einem explodierten Clubhaus und einem unzufriedenen Vize geführt.
Chibs (Tommy Flanagan) hat versucht, dem Präsidenten ins Gewissen zu reden. Er diskutiert nicht mit ihm, als Jax zu Beginn der Episode feststellt, dass er selbst an der Explosion des Clubhauses Schuld hat. Er weiß aber, dass der Anführer Fehler gemacht hat, doch er glaubt auch an ihn und gibt ihm den Hammer. Vielleicht ist es dieses Vertrauen, das Jax die Zuversicht gibt, weiterzumachen.
Denn in der Episode Salvage verändert er sich. Statt geheimen Anrufen und internen Absprachen, legt er das Telefon in die Mitte, lässt alle Mitglieder an den Verhandlungen mit Galen (Timothy V. Murphy) teilhaben. Das ist eine große Geste des Vertrauens an die eigenen Leute, mit denen in der letzten Zeit nicht alles einfach war.
Das Vertrauen, das Jax dem Club nun wieder entgegenbringt wird in der Episode Salvage direkt honoriert. Bobby (Mark Boone Junior) kehrt zurück und zeigt, dass er nicht in Versuchung war, den Club zu verlassen. Ganz im Gegenteil, er hat neue Mitglieder gesucht, die im großen Finale wichtig werden könnten. SAMCRO ist in vielerlei Hinsicht endlich wieder zusammen.
Doch so richtig mitreißen kann das nicht. So lange haben wir warten müssen, dass die Dynamik endlich zurückkehrt, doch als es dann soweit ist, fühlt es sich etwas oberflächlich an. Es ist zwar schön, dass Bobby zurückkehrt und führt zu einigen amüsanten Szenen, doch wieso aus seiner mysteriösen Suche überhaupt so ein Geheimnis gemacht worden ist, wird nicht deutlich.
Am Ende ist allerdings nur wichtig, dass Jax seinen Führungsstil gefunden hat. Er geht offen mit seinen Brüdern um und holt die anderen Clubs ins Boot. Er hat versucht, die Probleme auf seinen eigenen Schultern zu tragen, doch das hat nicht funktioniert. Nun holt er sich endlich Unterstützung.
Noch mehr korrupte Cops
Ein großer Teil der Episode Salvage dreht sich um das SAMCRO-Abenteuer mit beiden korrupten Cops aus Eden. Da in den letzten Episoden schon so viel Zeit verbummelt worden ist, fühlt sich der kleine Ausflug zunächst überflüssig an. Doch immerhin wird er amüsant und konsequent zu einem Ende geführt, was man im Moment ja leider nicht von allen Sons of Anarchy-Plots behaupten kann.
Doch so seltsam die Story um die Polizisten sich auch zwischenzeitlich anfühlt, so bringt sie doch immerhin die erste lockere Gruppendynamik seit langer Zeit. Die Verfolgungsszene führt die wenigen übriggebliebenen SAMCRO-Mitglieder wieder zusammen. Die Rache an den Cops gibt Jax Gelegenheit, seinen neuen Führungsstil vor Bobby und uns amüsant in Szene zu setzen.
Und nicht zuletzt geben die beiden Cops Juice (Theo Rossi) Gelegenheit, etwas rauszulassen, das schon lange in ihm brodelt. Und am Ende bekommt er seiner Wiedergutmachung, ein neues Motorrad. Vielleicht bringt ihm das einen neuen Blickwinkel auf alles, was er erleben musste, vielleicht gibt ihm das die Hoffnung, dass sich am Ende doch alles gelohnt haben könnte. In jedem Fall zeigt die Episode Salvage, wie weit die Ereignisse den sonst so ruhigen Juice bereits getrieben haben.
Schachzüge
Venus Van Damme (Walton Goggins) kehrt in der Episode zurück zu Sons of Anarchy. Doch anders als bei ihrem ersten Auftritt in der Episode Orca Shrugged trägt sie nicht nur zur Belustigung der Zuschauer bei. Venus Van Damme ist unglücklich und wendet sich an Nero (Jimmy Smits) als der gerade in Haft sitzt. Das bringt Gemma (Katey Sagal) in die Rolle der Trösterin. Doch steckt da nicht mehr dahinter? Es wäre nicht das erste Mal in dieser Staffel, dass Gemma sich von einer Frau hat manipulieren lassen. Die ehemalige Königin scheint weich zu werden. Doch ihre Rache könnte fürchterlich sein, wenn wie dahinterkommt.
Bisher hat Tara (Maggie Siff) ihr Geheimnis gehütet, wenn auch nicht besonders gut. Dass es nicht an die Öffentlichkeit gekommen ist, verdankt sie dem Zufall, dass Unser (Dayton Callie) auf ihrer Seite aufschlägt. In der Episode Salvage erfahren wir mehr über die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit. Sie will ihre Söhne aus der giftigen Clubumgebung retten und ist bereit, ihren Ehemann dafür zu hintergehen und sich scheiden zu lassen. Doch sie ist nicht bereit, ihn und seinen Club zu verraten.
Dass Tyne Patterson (CCH Pounder) den Prozess vorverlegt, kann diesen Plot nicht mit viel mehr Spannung füllen. Erst haben wir den offenbar gefährlichen und vielversprechenden Gegner Toric (Donal Logue) durch eigene Dummheit verloren. Nun kündigt die bisher eher blasse Staatsanwältin an, in einen anderen Gang zu schalten. Es fühlt sich an als wenn die Sons of Anarchy-Autoren selbst noch nicht wissen, wohin sie wollen und verschiedene Wege austesten. Nun holen sie Toric immerhin auf gewisse Weise in die Story zurück. Vielleicht wird ihm am Ende doch noch ein Sinn verliehen. Doch die Hoffnung, dass irgendwann alles Sinn ergibt, musste man in der ersten Hälfte der zweiten Staffel einfach zu häufig äußern. Langsam sollte Kurt Sutter uns einen Blick auf das große Ganze gönnen, falls es so etwas geben sollte.
Fazit
Die Episode Salvage hat stille Momente, Wiedervereinigungen und amüsante Aspekte. Einzelne Szenen können durchaus bezaubern, doch das ganze Paket fühlt sich viel erzwungener an als man es von Sons of Anarchy gewöhnt ist.
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 17. Oktober 2013(Sons of Anarchy 6x06)
Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 6x06
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