Sons of Anarchy 6x05

Sons of Anarchy 6x05

Die Episode The Mad King besinnt sich auf die Stärken der Serie: Die inneren Spannungen im Club. Chibs und Jax geraten aneinander, andere planen weiter im Geheimen. Und doch bleibt die sechste Staffel Sons of Anarchy immer noch ungewohnt blass.

Die besten Episoden der Serie Sons of Anarchy sind für gewöhnlich diejenigen, in denen es um den Club geht, wenn alle zusammenhalten - oder auch gerade nicht. Ein Lockdown ist gewöhnlich ein Hinweis auf eine starke Episode. The Mad King bringt einige interessante Ideen, aber auch eine Hand voll fader Plots.

Die Gegner

Nun ist Lee Toric (Donal Logue) also weg vom Fenster. Und das fühlt sich nach wie vor seltsam an, denn bisher hat er nichts hinterlassen außer Fragezeichen. Die einzige, auf die Torics Anwesenheit Auswirkungen haben könnte ist Tara (Maggie Siff). Denn der Tod des rachsüchtigen Cops wirft ein schlechtes Licht auf ihren Fall, könnte nahelegen, dass der Tod der Krankenschwester eine organisierte Sache gewesen ist, in die Tara als Frau des Clubpräsidenten verstrickt war. Viel mehr hat uns der seltsame Ex-Cop mit zahlreichen Kontakten bisher nicht hinterlassen.

Die Episode The Mad King leuchtet aus, wer sich anstelle von Toric als Finalgegner positionieren könnte. Und dabei kommen einige interessante Ideen zu Tage. Der in dieser Sons of Anarchy-Episode bedrohlichste Gegner ist Galen (Timothy V. Murphy) mit seinen irischen Hintermännern, die keine Lust auf Geschäfte mit August Marks (Billy Brown) haben. Er lässt SAMCRO nicht aus den Waffengeschäften aussteigen, egal, wie sehr Jax (Charlie Hunnam) sich auch windet.

Auf der anderen Seite baut sich Staatsanwältin Tyne Patterson (CCH Pounder) auf. Sie holt das Schulmassaker ins Geschehen zurück, welches als Motivation für ihren Kampf gegen die Sons dient. Sie ist hinter dem Club her wegen der Waffengeschäfte. Und in der Mitte steht Jax mit seinen paar verbliebenen Männern, kommt nicht vorwärts und nicht rückwärts.

Tyne ist noch mit der Vorarbeit beschäftigt und schwebt bisher wie eine für Jax unsichtbare Bedrohung über dem Club. Der interessantere Gegner in der Episode The Mad King ist Galen. Er hat bereits Phil und V-Lin auf dem Gewissen und räuchert die Sons nun aus ihrem eigenen Clubheim heraus.

Der Kampf gegen einen Gegner, der so alte Kontakte in den Club hat, wird schwierig. Die Explosion des Clubhauses ist eine große Sache, auch wenn er offenbar keine Opfer gefordert hat. Doch Galen trifft die Sons da, wo es weh tut. Als letztes Mittel haben sie immer wieder zum Lockdown gegriffen und meist hat das funktioniert. Es geht um Zusammenhalt, darum, sich auf das Wichtige zu besinnen. Doch Galen holt sie aus ihrem Rückzugsort. Und das könnte ihn zu einem würdigen Gegner qualifizieren. Besonders weil nicht nur Jax ihn zunächst unterschätzt hat. Und zugegeben, die drei angegrauten Herren an einem Tisch in Irland wirken auf den ersten Blick auch nicht gerade furchteinflößend. Und Galen ist schon so lange da, meist war er immer sehr kontrolliert, wirkte wie jemand, der sich die Hände nicht schmutzig macht. Immer wieder war es ein Hin und Her mit den Waffengeschäften, erst mit der Explosion begreift Jax, wie ernst Galen sein Anliegen ist.

Aus dem Inneren

Der Angriff von Galen kommt unerwartet, der Mord an Phil und V-Lin war ein ernstzunehmender Hinweis, aber die Explosion des Clubhauses kommt trotzdem überraschend. Es ist ein Angriff von Jemandem, mit dem SAMCRO seit langer Zeit Geschäftskontakte unterhält. Doch auch andere Partner entwickeln sich zu Gegnern. Der Club fällt immer mehr auseinander.

Das größte Problem für Jax könnte Tara werden. Sie ist immer überzeugter davon, dass sie ins Gefängnis gehen muss und das lässt sie nur noch mehr an ihrem geheimen Plan arbeiten. Wir wissen, dass sie Wendy (Drea de Matteo) auf ihrer Seite hat, zumindest noch. Doch nun hat Gemma (Katey Sagal) die Finger im Spiel. Hat sie eine Vermutung oder einfach einen Riecher, die richtigen Worte zur richtigen Zeit zu finden? In jedem Fall schafft Gemma es, dass Wendys Entschluss wackelt.

Taras Plan sieht vor, dass falls sie ins Gefängnis geht, die Kinder zu Wendy kommen und aus dem Umfeld des Clubs entfernt werden. Doch so wie es aussieht, darf Wendy sich auch Hoffnungen darauf machen, zurück zu ihren Sohn zu kommen, wenn Tara einfach verschwindet, zum Beispiel ins Gefängnis kommt oder als Verräterin in den Augen des Clubs entlarvt wird. Und nachdem Wendy vieles aus den letzten Jahren nicht mitbekommen hat, was Tara erleben musste, sieht das vielleicht gar nicht so unattraktiv aus: Wenn Tara weg ist, hat Wendy nicht nur die Chance, die Söhne zu bekommen, sie könnte auch ihre alte Familie, bestehend aus Jax und Gemma zurückbekommen, wieder in den Dunstkreis des Clubs aufsteigen. Auf der anderen Seite, wenn sie bei Taras Plan bleibt, hat sie zwar Aussicht auf die beiden Kinder, aber auch SAMCRO gegen sich.

Der zweite ehemalige Insider, der dem Club den Rücken kehren könnte, ist immer noch Clay (Ron Perlman). Er hat sich seit Beginn dieser Staffel alle Mühe gegeben, Jax und dem Club seine Loyalität zu beweisen. Und nun holt er Gemma ins Gefängnis, um den Club vor Galens geheimen Plänen zu warnen. Vor den Augen der Mutter unterwirft er sich dem neuen Präsidenten, ihrem Sohn. Er bittet Gemma, Jax zu fragen, was er tun soll. Doch wer weiß schon, ob das aufrichtig ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass Clay beweist, wie clever er in lang angelegten Intrigen ist. Es scheint als wenn er Gemma die Wahrheit beichtet, um zu warnen. Doch auch Wendy hat Gemma die Wahrheit gesagt, zumindest einen Teil der Wahrheit, um sie eigentlich in Taras Auftrag aufs Glatteis zu führen. Eine Intrige in der Serie Sons of Anarchy muss nicht zwangsläufig eine für uns erkennbare Lüge beinhalten. Immer wieder gibt es so viele Kehrtwenden, dass auch zusammenpassende Puzzlestücke sich als Schall und Rauch entpuppen können. Auch der Titel der Episode, The Mad King, der ausgerechnet auch auf dem Buch steht, in dem Clay den Zettel von Galen erhält, könnte ein Zeichen sein. Es wäre nicht abwegig, Clay als verrückten König in Szene zu setzen. Dieser Titel würde uns sagen: Hier spielt jemand, der sich noch als rechtmäßiger Anführer sieht, ein gefährliches Spiel. Aber auch Jax hätte mittlerweile den Titel Mad King durchaus verdient.

Wackelkandidaten

Früher war die Loyalität das Wichtigste im Club. In dieser Staffel zerfällt dieses Gebilde immer mehr. Unser (Dayton Callie), der Gemma sonst treu ergeben war, bietet Tara seine Hilfe bei ihrem Ausstieg an. Nero (Jimmy Smits) gerät nicht nur bei der Polizei unter Druck, er war schon immer offen gegen die Waffengeschäfte, die Jax und die Sons am Laufen hat. Und nun hat Eli (Rockmond Dunbar) neue Erkenntnisse zu Neros Truck. Ob er sein Leben noch lange aufs Spiel setzen wird für Jax bleibt fraglich.

Lange haben wir nichts Konkretes mehr von dem Innenleben der anderen SoA-Mitgliedern erfahren, wissen immer noch nicht, wie es Juice (Theo Rossi) geht seitdem Jax ihn zu seinem Handlanger in den besonders schmutzigen Dingen gemacht hat. Was Tig (Kim Coates) nun denkt, nachdem er davon ausgehen muss, dass Jax ihn an Marks ausgeliefert hat, wissen wir ebenfalls nicht wirklich. Ganz zu schweigen davon, wie lange wir Bobby nicht einmal mehr gesehen haben. Immerhin Chibs (Tommy Flanagan) steht in der Episode The Mad King gegen seinen Präsidenten auf.

Und er hat einfach so Recht, er kennt Galen und die Iren besser als Jax, hätte ihm helfen können. Hätte Chibs an dem Deal mitgearbeitet, würde das Clubhaus vielleicht noch stehen. Am Ende siegt dennoch die Loyalität: Chibs wartet in einem verminten Haus auf seinen Präsidenten und verlässt es erst nach ihm. Es ist also noch nicht aller Tage Abend in Sachen SAMCRO-Zusammenhalt.

Unnötig

Einiges an dieser Staffel Sons of Anarchy fühlt sich immer noch seltsam an. Zum Beispiel die Szene mit den Wärtern und dem erzwungenen Sex zwischen Gemma und Clay. Was das sollte, haben die SoA-Autoren uns bisher vorenthalten. Für einen simplen Schocker war es doch arg lieblos in die Story gebaut. Unnötig fühlt sich nach wie vor auch die ganze Figur Toric an. Die „Sons of Anarchy“-Macher haben immer wieder ein Händchen dafür bewiesen, gewissen Ereignissen oder Figuren im Nachhinein einer größere Bedeutung zu verleihen als sie ursprünglich hatten. Sie spielen lang angelegte Intrigen mit uns wie sie auch die Figuren miteinander treiben. Hoffentlich bleibt das auch in dieser Staffel so. Bisher ist der Prozentsatz an Ereignissen, der sich nicht ins Bild einfügt, ganz schön hoch.

Fazit

Die Episode The Mad King zeigt alte Stärken der Serie Sons of Anarchy, schafft es aber nicht ganz, den schalen Beigeschmack loszuwerden, mit dem diese Staffel anläuft.

Verfasser: am Donnerstag, 10. Oktober 2013
Episode
Staffel 6, Episode 5
(Sons of Anarchy 6x05)
Deutscher Titel der Episode
Denkzettel
Titel der Episode im Original
The Mad King
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 8. Oktober 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 13. März 2015
Autoren
Chris Collins, Roberto Patino, Kurt Sutter
Regisseur
Gwyneth Horder-Payton

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 6x05

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