Sons of Anarchy 6x04

Sons of Anarchy 6x04

Mit jeder Menge Überraschungen läuft die Serie Sons of Anarchy sich in ihrer sechsten Staffel endlich warm. Die Episode Wolfsangel ruft neue und alte Feinde auf den Plan, Jax hat alle Hände voll zu tun.

Endlich wieder in Fahrt: Happy (David Labrava), Jax (Charlie Hunnam) und Chibs (Tommy Flanagan)in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX
Endlich wieder in Fahrt: Happy (David Labrava), Jax (Charlie Hunnam) und Chibs (Tommy Flanagan)in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX

Ein bisschen mehr Chibs (Tommy Flanagan), hier und da mal Unser (Dayton Callie), ein paar interessante Offenbarungen und schon läuft es gleich besser in der sechsten Staffel der Serie Sons of Anarchy. Doch die Episode Wolfsangel beginnt mit einer aufsehenerregenden Überraschung, die man durchaus kritisch sehen kann.

Der Untote

Einerseits ist die Freude groß, dass er noch am Leben ist. Andererseits nehmen die Untoten in der Serie Sons of Anarchy langsam Überhand. Allein in dieser bisher kurzen Staffel ist bereits Clay (Ron Perlman) dem sicher geglaubten Tod entkommen und nun löst sich die Bedrohung, die seit Mitte der letzten Staffel auf Tig (Kim Coates) liegt, in Luft auf. Das fühlt sich angesichts der schwachen letzten Episode doch etwas arg zu einfach an. Doch wenn man nach dem Ende von Wolfsangel noch einmal darüber nachdenkt, dann weiß man es schon fast wieder als kleinen Gag zu schätzen, den die Sons of Anarchy-Autoren mit uns getrieben haben.

Tig ist seit Anfang an eine Figur auf der Grenze zum Cartoon. Immer wieder bringt er im Affekt oder einfach aus Versehen Menschen um, bringt den Club damit in Schwierigkeiten und entschuldigt sich wie ein Schuljunge, der beim Ballspielen ein Fenster eingeschlagen hat und um seinen Nachtisch bangt. Aber er hat auch eine wirklich düstere Seite und die Treffen mit seinen Töchtern waren immer emotional. Dawns Tod war wohl einer der schlimmsten Momente in der ganzen Serie. Doch ihn selbst sterben zu lassen, das haben die Sons of Anarchy-Macher sich dann doch nicht getraut, obwohl sein Tod aus vielerlei Gründen unausweichlich war. Aber er ist ja nicht der erste in Charming, der ein Todesurteil überlebt.

Ultimative Treue

Erst fühlt es sich etwas leer an, diese plötzlich wertlose Bedrohung, mit der Tig und wir so lange gelebt haben. Und auch Jax' Entscheidung einen seiner eigenen Männer auszuliefern, scheint plötzlich einen großen Teil ihrer Bedeutung zu verlieren. Das liegt nicht nur daran, dass Tig am Morgen frisch in seine gute Stube spaziert, sondern auch an der Art, wie er das tut: Keine Wut, kein Geschrei, Tig hat Jax (Charlie Hunnam) nach Opies Tod geschworen, immer auf seiner Seite zu stehen. Auch wenn August (Billy Brown) glaubt, die ganze Aktion sei ein Treuetest für Jax gewesen, eigentlich ist es Tig, der durch die Sache Gelegenheit bekommt, seinem Präsidenten die ultimative Hingabe zu beweisen. Er nimmt Jax' Entscheidungen hin, auch wenn es sich dabei um sein eigenes Todesurteil handelt. Für die Figur Tig war der Cliffhanger eine gute Entwicklungsmöglichkeit: Er hat viel Mist gebaut in der Vergangenheit, doch in einer Welt, in der Loyalität alles bedeutet, hat er sich nun seinen Wert zurückgeholt.

Für Jax ist die Entwicklung eher enttäuschend. Er hat sich entschieden, einen seiner eigenen Männer (von denen er ja nun nicht mehr viele hat) ans Messer zu liefern und das sollte doch eigentlich eine große Sache sein. Doch in der letzten Episode haben wir kaum Einblick in die Entscheidungsfindung bekommen, Jax' Stimme aus dem Off fehlte, die uns erklärt, was dem Clubpräsidenten durch den Kopf geht. Und nun nachdem Tig seinen Verrat offenbar recht locker nimmt, werden wir das wohl auch nicht mehr erfahren. Es ergibt schließlich wenig Sinn, sich über Probleme Gedanken zu machen, die geklärt sind und keine Folgen hatten.

Feinde oder Geschäftspartner

Der dritte im Bunde, August, nutzt die Situation um sich endlich mal in Stellung zu bringen. Er war Popes rechte Hand und bisher nicht mehr als sein Nachfolger. Doch August macht deutlich, dass er nicht Pope (Harold Perrineau) ist. Er kann sich Waffengeschäfte mit den Iren vorstellen und hält nicht weiter an der Blutrache für Tig fest. Pope ist Geschichte, hier kommt der neue Geschäftspartner der Sons, August Marks.

In der Gangwelt der Serie Sons of Anarchy ist es oft gar nicht so einfach zu entzerren, wer Partner und wer Feind ist. Der Zusammenarbeit mit Pope und nun August, ist der Mord an Opie (Ryan Hurst) vorausgegangen. Die Iren gehen denselben Weg von der anderen Richtung her. Als Galen (Timothy V. Murphy) erkennt, wie ernst es Jax mit dem Ausstieg aus den Waffengeschäften ist, legt er kurzerhand Phil (Christopher Douglas Reed) und V-Lin (Walter Wong) um.

Ein anderer Feind hat einen überraschenden Abschied genommen: Toric (Donal Logue) hat sich als großer Gegenspieler dieser Staffel in Position gebracht, doch er hat nicht mit Otto (Kurt Sutter) gerechnet. Auch dieser Plot verpufft ein bisschen im leeren Raum. Um auf Torics billiges Manöver hereinzufallen ist Eli zu clever, es steht also nicht zu befürchten, dass da Konsequenzen auf Nero (Jimmy Smits) zukommen. Was also hat Toric erreicht außer ausgeschlagenen Zähnen? Er hat Clay und Tara (Maggie Siff) unter Druck gesetzt, doch von keinem der beiden bekommen, was er wollte. Und er hat getan, was so viele andere schon vor ihm getan haben: Er hat Otto als Prügelknaben benutzt. Dass Otto nun seinen Frieden gefunden hat, ist einerseits versöhnlich. Niemand hat so viel mitmachen müssen wie er, jedes Mal, wenn wir ihn gesehen haben, war er in schlechterer Verfassung als zuvor. Nun liegt er nur noch da, halbblind und ohne Zunge. Doch er hat seine letzte Rache bekommen und konnte seinen grausamsten Peiniger mit in den Tod nehmen.

Auch ein alter Feind kehrt plötzlich als eine Art Verbündeter zurück: Darby (Mitch Pileggi, Stargate Atlantis, Grey's Anatomy) legt einen kurzen Stopp im Clubheim ein. Vielleicht um zu zeigen, dass Jax doch noch nett und fürsorglich sein kann, wenn man nach seinen Regeln spielt. Immerhin lässt er Darby nach dem missglückten Manöver nicht im Regen stehen.

Plötzliche Leere

Doch wer wird Toric als verhinderten Oberbösen ablösen? Er schien so wahnsinnig, zu allem entschlossen, genau der richtige Mann für einen furiosen Finalkampf auf Leben und Tod. Doch das hat sich jetzt erledigt und man muss sich fragen, ob jemand anders sich aufschwingt, seinen Platz einzunehmen, vielleicht Eli (Rockmond Dunbar), vielleicht Staatsanwältin Patterson (CCH Pounder, Warehouse 13, The Shield). Vielleicht kommt die echte Gefahr aber auch aus dem Milieu selbst und es sind die Verwicklungen mit Galen und Co., die sich zum Finalproblem zuspitzen.

Zwei alte Freunde

Um das zu ermöglichen, hat Clay eingegriffen. Zwei ehemalige Sons, die im Gefängnis wieder zueinander finden. Otto hat durch seine Zugehörigkeit zum Club, aber auch durch dessen Mitglieder viel erleiden müssen und die letzte Staffel hat er damit verbracht, seinen ehemaligen Freunden wehzutun wo er konnte. Nun hat er ihren vielleicht bisher gefährlichsten Feind beseitigt. In einer Welt, in der fast jeder ein Feind ist, gibt es halt auch viele unverhoffte Verbündete, nämlich die Feinde des eigenen Feindes. Und das ist ja auch irgendwie jeder.

Dass Otto nun tot ist, deutet auch auf einen Umbruch, vielleicht das Anbrechen des Endes hin. Anders als Opie oder Piney (William Lucking) hatte Otto eine Sonderstellung und diese ganz spezielle Rolle wird den Fans vielleicht nicht mehr fehlen als Opie, aber in den Plots wird man es merken können. Ohne Otto fehlt viel.

Ganz ohne Gefängnis muss die Serie Sons of Anarchy aber dann nicht auskommen, immerhin sitzt Clay ja nun erst einmal. Und kämpft wie Otto einst um sein Überleben. Doch anders als Otto muss Clay nicht die Konsequenzen der Sons draußen im Gefängnis ausbaden, er schafft es sogar aus dem Knast heraus, das Leben seiner ehemaligen Freunde zu erschweren. Darunter zu leiden hat sein langjähriger Weggefährte Unser. Doch fairerweise muss man sagen, dass Clay ums Überleben kämpft und die Konsequenzen nicht herausgefordert hat. Er hat eine schwere Zeit im Knast und dass er Otto sein Messer gibt, könnte einen fast schon ein bisschen schwach werden lassen. Vielleicht ist er doch geläutert, vielleicht können die Autoren Clays Charakter noch einmal herumreißen. Doch dann fällt einem ein, dass Otto und Clay denselben Feind haben, Toric. Und Clay durch Ottos Tat vor einem Martyrium gerettet wird. Vielleicht hat er Otto ein letztes Mal für die Drecksarbeit benutzt, vielleicht hat er ihm die Waffe wirklich aus Mitgefühl gegeben. Die kommenden Episoden werden zeigen müssen, in welche Richtung sich Clay entwickelt hat.

Zweimal Cleverness

Endlich ist Eli wieder da. Und er zeigt sich von seiner besten Seite, fällt nicht auf Torics Manöver rein, bewahrt seinen gesunden Menschenverstand und scheint an der Gerechtigkeit mehr interessiert als an Rache, Erfolg und den Buchstaben des Gesetzes. Er hat viel mit Nero gemeinsam, beide erwecken den Eindruck, am liebsten ein ruhiges Leben führen zu wollen. Eli ist zu aufrecht, um wegzusehen wenn Unrecht geschieht. Doch er arbeitet sich seit einiger Zeit in eine Sonderstellung als Polizist in Charming. Er lässt sich vom Club nicht vereinnahmen wie Unser, aber er führt auch keinen persönlichen Streit mit ihnen wie Hale. Auch wenn er dazu durchaus das Recht hätte, immerhin ist in den Verwicklungen der organisierten Kriminalität seine unbeteiligte, schwangere Frau umgekommen. Hin und wieder arbeitet er mit den Sons zusammen, wie im letzten Staffelfinale. Manchmal scheint es, als wenn er auf dem Weg zum zweiten Unser ist. Amüsant ist dabei, dass er ein überdimensionales Bild mit der Aufschrift Redwoods in St. Joaquin in der Polizeiwache hängen hat. Die Wege scheinen eng verflochten, entweder läuft er dem Club unweigerlich in die Arme, oder sein Redwood wird als Gegenentwurf zu dem im Vereinsheim aufgebaut und er zum Finalgegner. Auf jeden Fall sollten die Autoren ihn nicht mehr so sträflich vernachlässigen wie in den ersten Episoden dieser Staffel. Die dahergelaufenen Gegner waren immer nur dann richtig interessant, wenn als dritte Instanz die lokalen Behörden ihre Finger im Spiel hatten.

Nun sucht Eli also erst einmal nach der Wahrheit über den Tod der Prostituierten. Und trifft dabei auf Nero, der ebenfalls an den gesunden Menschenverstand glaubt und nicht versucht, etwaige Spuren von sich zu lenken. Es ist eine Konstellation, wie sie selten zu sehen ist: Sie sind alles andere als auf einer Seite, Eli beleidigt Neros Leben, doch sie glauben beide daran, dass die Wahrheit rauskommt, statt sich die Beweise hinzubiegen, wie es ihnen passt. Letzteres darf als eigentlich typisches Sons of Anarchy-Verhalten durchgehen.

Ausstieg dringend gesucht

Es war also nur ein Warnschuss, Nero muss nicht in den Knast, die Geschichte mit dem Mordvorwurf wird mit Torics Tod wohl ein Ende gefunden haben. Doch es hat ihn wachgerüttelt, er hat erkannt, dass die Wurzel des Übels seine Verbindung zum Club ist. Und er geht die Sache vorsichtig an, handelt nicht im Affekt, sondern kündigt Gemma (Katey Sagal) verständig an, dass er eventuell Abstand nehmen muss von Jax und den anderen. In gewisser Weise bietet er ihr damit einen Ausweg aus dem Wahnsinn an. Sie könnte mit ihm gehen und dem Leben in Gewalt und Kriminalität entkommen.

Vor zwei Staffeln wäre es noch undenkbar gewesen, dass Gemma überhaupt gehen wollen würde. Doch der Club und sie haben sich verändert. Clay ist nicht mehr da, sie nicht mehr First Lady. Sie scheint glücklich mit Nero, steckt sich kaum noch in Clubangelegenheiten, vielleicht ist es Fortgehen mittlerweile eine echte Option für sie. Das ist besonders tragisch, weil sie durch Nero bekommen könnte, was Tara schon so lange will und von Jax einfach nicht bekommt, den Ausstieg.

Doch nun hat Tara die Sache selbst in die Hand genommen und die Episode Wolfsangel enttarnt ihre Komplizin, es ist wie erwartet Wendy (Drea de Matteo). Nur was die beiden vorhaben, wissen wir immer noch nicht. Wendy gibt auf Taras Befehl hin Informationen an Gemma weiter. Diese Informationen werden eine Art Ablenkungsmanöver sein. Interessant daran ist, dass Wendy Gemma genau das erzählt, was wir bisher auch wissen: Tara macht ihr Testament und setzt Wendy als Vormund ein. Wenn das aber das Ablenkungsmanöver ist, dann muss der echte Plan ja richtig genial sein.

Stille Unterstützung hat sie nun von Unser, der ja ebenfalls schon häufig unter dem Club gelitten hat. Unsers stummes Einverständnis von einem Mann, der auch schon die toten Opfer des Clubs hat verschwinden lassen, zeigt eines: Die Zeit der Loyalität ist vorbei, auch unter Jax' Ägide ist kein einfaches Zeitalter angebrochen und im Grunde suchen alle, die noch Hoffnung haben, einen Ausweg aus der Situation.

Sitting on top of the World

Die Vergleiche von Jax und Clay haben nun einen ganz schön langen Bart und dass Chibs damit noch einen Hauch von Interesse weckt, ist wenig wahrscheinlich. Trotzdem ist es schön zu sehen, wie der Vize zu seinem Präsidenten geht und ihm die Meinung sagt. Denn das bedeutet auch, dass es bald wieder mehr um die anderen Sons gehen wird. Denn die internen Probleme sind viel zu kurz gekommen in letzter Zeit.

Das Todesurteil für einen Bruder bleibt also, so wie es aussieht, ohne Folgen für Jax. Trotzdem geht er seinen zerstörerischen Weg weiter und ordnet ein spontanes Massaker an den Neo-Nazis an, ohne sicherzugehen, dass sich keine Unbeteiligte, oder gar Kinder im Haus aufhalten. Von den Methoden trennt ihn nicht mehr viel von Clay. Für Jax ist jedoch die Motivation das entscheidende: Clay hat alles für sich und seine eigene Bereicherung getan, Jax geht diesen Weg um den Club in seichtere Gewässer zu schippern. Vielleicht hat er Recht und um dort anzukommen, muss er diesen Weg gehen. Vielleicht wird sich am Ende alles auszahlen. Das jedoch dürfte Phil, V-Lin und den anderen, die es nicht bis zum Sieg schaffen, ziemlich egal sein. Doch der Tod der Brüder ist es Jax wert. Ist das noch zum Wohl der Allgemeinheit? Jax balanciert auf einem schmalen Grat. Und viele Mitglieder hat er nicht mehr zu verlieren. Eigentlich sind nur noch Chibs, Juice (Theo Rossi), Tig und wenn man will Happy (David Labrava) und Ratboy (Niko Nicotera) da. Diese Woche immerhin unterstützt durch Besuch von Robert Patrick (Last Resort, True Blood, The Unit) und John Hensley (Nip/Tuck).

Fazit

Mit der Episode Wolfsangel schaffen die Sons of Anarchy-Autoren endlich den Durchbruch in der sechsten Staffel, die Story nimmt wieder Fahrt auf. Auch wenn sie dazu auf einem Zerstörungspfad unterwegs sind. Die Anzahl der Toten ist beachtlich: Otto, Phil, V-Lin, Toric plus die Opfer des Massakers. Dafür lenken die Autoren den Blick wieder mehr auf die anderen Clubmitglieder. Und das darf auch gerne so weitergehen.

Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 2. Oktober 2013
Episode
Staffel 6, Episode 4
(Sons of Anarchy 6x04)
Deutscher Titel der Episode
Erlösung
Titel der Episode im Original
Wolfsangel
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 1. Oktober 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 6. März 2015
Autoren
Kurt Sutter, Kem Nunn
Regisseur
Bill Gierhart

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 6x04

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