Shots Fired 1x01

© reston Terry (Stephan James) und Ashe Akino (Sanaa Lathan) gehen ihrer Arbeit nach. / (c) FOX
Kaum ein Thema hatte Amerika vor der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten so sehr im Griff wie die Spannungen zwischen der schwarzen Bevölkerungsminderheit und der weißen Mehrheit. Diese entluden sich jedes Mal, wenn ein vermeintlich unschuldiger Schwarzer, meist waren es junge, unbewaffnete Männer, von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Aus Demonstrationen wie in Ferguson oder Baltimore entstand schließlich die Protestbewegung „Black Lives Matter“, die sich bis heute mit der Problematik auseinandersetzt, durch die skandalbehaftete neue Regierung aber in den medialen Hintergrund gedrängt wurde.
Perception is reality
Zumindest fiktionale Abhilfe schafft nun die neue FOX-Miniserie Shots Fired. Ihre Prämisse stellt die in der Realität übliche Handlungsabfolge - schwarzes Opfer, weißer Polizist - auf den Kopf. In einem vorwiegend von Schwarzen bewohnten, armen Viertel in Charlotte, North Carolina erschießt der Sheriff's Deputy Joshua Beck (Tristan Wilds) einen weißen Autofahrer, der bei einer Routinekontrolle angeblich nach der Waffe des Gesetzeshüters gegriffen hatte. Aussagewillige Zeugen gibt es dafür kaum, wie Preston Terry (Stephan James) und Ashe Akino (Sanaa Lathan) bald feststellen.
Sie sind vom Generalstaatsanwalt des Bundesstaates nach Charlotte abgeordnet worden, um den Fall aufzuklären. Willkommen geheißen werden sie dort von Gouverneurin Patricia Eamons (Helen Hunt) und ihrer Assistentin Sarah Ellis (Conor Leslie). Schon diese einfache Abordnung bringt allerlei Komplikationen mit sich. Terry und Akino, die ausgewählt wurden, weil die beide schwarz sind, und ihren Vorgesetzten wird schnell vorgeworfen, dass sie sich dem Fall nur deswegen widmen würden, weil es eine weißes Opfer gebe. Sofort merken sie, dass sie bei dieser Ermittlung mit allergrößer Sorgfalt vorgehen müssen.
Ganz offensichtlich haben sich das auch die beiden Serienschöpfer vorgenommen, Gina Prince-Bythewood und ihr Ehemann, Reggie Rock Bythewood. In der amerikanischen TV-Landschaft lassen sich derzeit wohl wenige geeignetere Teams finden, um ein solch sensibles Thema im Fernsehen umzusetzen. Reggies Erfahrung als ehemaliger Autor einer Kriminalserie wie New York Undercover wird dabei komplementiert von Ginas Errungenschaften als Regisseurin von Filmperlen wie „Love & Basketball“ und „Beyond the Lights“. Das Material befindet sich also in den richtigen Händen.

Der sowieso schon explosiven Geschichte dichten die beiden jedoch allerlei Komplikationen an, die das Format in der Pilotepisode Hour One eher belasten denn beflügeln. Bisweilen hat es deswegen den Anschein, als sei das Drehbuch zu sauber durchgeplant. Die am Tatort versammelte Menge schwarzer Anwohner weigert sich beispielsweise, den Ermittlern Auskunft zu geben, weil sie den schwarzen Sheriff, den Schützen, als Überläufer verteufeln. Überdies hat Ashe eine eigene Vorgeschichte, die allzu genau zu dem von ihr untersuchten Vorfall passt. Als junge Polizeianwärterin erschoss auch sie einen Unbewaffneten.
Never deviate from the language
Überhaupt konzentriert sich die Serie in ihrer Auftaktepisode für meinen Geschmack zu sehr auf die Dynamik zwischen Ashe und Terry. Das Format würde auch bestens ohne ihr Ungleiche-Partner-Hickhack auskommen, schließlich bietet das Sujet genügend dramaturgische Ansatzpunkte. Andererseits muss man zugestehen, dass diese Szenen ein wenig comic relief bieten, der zum Beispiel bei der derzeit laufenden Serienschwester im Geiste, American Crime, beinahe gänzlich fehlt. Trotzdem hätte ich auf die sofortige Etablierung von love interests für die Hauptfiguren oder Ashes generischen Sorgerechts-Plot verzichten können.
Die komplizierten Vorgänge in Charlotte sind alleine faszinierend genug und hätten in der Pilotepisode mehr screentime verdient gehabt. Der verdächtigte Beck beteuert, aus Notwehr gehandelt zu haben, während öffentlich in Frage gestellt wird, ob er überhaupt einen ausreichenden Anfangsverdacht hatte, das Opfer anzuhalten. Seine Aussage gegenüber Ashe und Terry, dass Weiße in solchen Gegenden üblicherweise wegen Drogen unterwegs seien, würde nämlich dem illegalen profiling entsprechen. Außerdem taucht bald darauf ein Video auf, in dem Beck eine rassistische Äußerung tätigt.
Die schwarze Bevölkerung aus dem Ortsteil, in dem sich die Schießerei ereignet hat, von ihnen schlicht „the houses“, von den beinahe ausschließlich weißen Sheriffs „tours“ genannt, stellt sich indes aktiv gegen die Ermittlungen von Ashe und Terry, weil sie glaubt, dadurch nur weiter in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Dabei stellt sich heraus, dass der Tod des schwarzen Jugendlichen Joey Campbell gar nicht erst untersucht wurde. Stattdessen drohten die Sheriffs seiner Mutter Shameeka (DeWanda Wise) angeblich, ihr Leben zur Hölle zu machen, sollte sie an die Öffentlichkeit gehen.
Rassismus nimmt viele furchtbare Formen an und ist trotz der Fortschritte, die im vergangenen Jahrhundert dahingehend gemacht wurden, ein andauerndes Problem in unseren modernen Gesellschaften. Wenngleich das Drehbuch für die Pilotepisode Hour One gerne schlanker sein dürfte, so gelingt es Ehepaar Bythewood darin doch, die Feinheiten dieser unendlich komplexen Thematik zu achten. Heraus kommt der Auftakt zu einer Geschichte, die relevanter - und wichtiger - nicht sein könnte.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 23. März 2017Shots Fired 1x01 Trailer
(Shots Fired 1x01)
Schauspieler in der Episode Shots Fired 1x01
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