Shameless 5x12

Shameless 5x12

Shameless hat in dieser fünften Staffel nie so viel Spaß gemacht wie in den Post-Credit-Szenen des Finales. Das sagt zwar einiges über die Qualität der Staffel aus - trotzdem gelingt mit Love Songs (in the Key of Gallagher) ein rasanter, witziger, bisweilen sogar emotionaler Abschluss.

Alles umsonst: Mickey (Noel Fisher) eilt zu seinem Nochfreund. / (c) Showtime
Alles umsonst: Mickey (Noel Fisher) eilt zu seinem Nochfreund. / (c) Showtime
© (c) Showtime

Schon früh in dieser fünften Staffel hat sich die Gewissheit breitgemacht, dass sie nicht die emotionalen Höhenflüge der hervorragenden vierten Staffel erreichen werden würde. Wie soll es auch zu toppen sein, wenn die zentrale Figur einer Serie episodenlang um das eigene Leben ringt? Frank Gallagher (William H. Macy) entwickelte sich dabei vom verabscheuungswürdigen Oberekel in einen echten Menschen, um den sich wir Zuschauer echte Sorgen machen konnten.

You can't fix me

Der Handlungsbogen um Ian (Cameron Monaghan) war in dieser Staffel der einzige, der es mit Franks Todeskampf aufnehmen konnte. Auch im Finale, Love Songs (in the Key of Gallagher), sind es die Szenen mit dem psychisch kranken Gallagher-Spross, die den größten Eindruck hinterlassen. Nach dem Reißaus mit seiner Mutter Monica (Chloe Webb) am Ende der letzten Episode besinnt sich Ian eines Besseren, weil er sieht, was das Leben mit seiner Erzeugerin für ihn bereithält: Ein Wohnmobil voller Meth.

Ian kehrt also nach Chicago zurück, wo es aber nicht etwa ein glückliches Wiedersehen mit seinem treusorgenden Freund Mickey (Noel Fisher) gibt, sondern nur die traurige Gewissheit, dass aus den beiden nichts werden kann. Die Szene, in der Ian mit seinem Freund Schluss macht, ist die beste dieser Abschlussepisode - wenn auch der Abspann weitaus amüsantere Szenen für uns bereithielt. Vielleicht ist das symptomatisch für diese Staffel: Die richtig starken Szenen spielen sich nach der eigentlichen Handlung - oder in unserer Fantasie - ab.

Dieses Urteil ist jedoch zu harsch für diese letzte Episode - und eigentlich auch für die Staffel im Gesamten. Denn auch, wenn viele Handlungsstränge - Fiona (Emmy Rossum) und ihr Liebesvieleck, die Trennung von Kevin (Steve Howey) und Vee (Shanola Hampton), die Abenteuer von Lip (Jeremy Allen White) an der Uni - nicht wirklich funktioniert haben, so konnte dies vom Kreativteam doch stets mit herausragend witzigen Dialogen und einer anspruchsvollen optischen Umsetzung kompensiert werden. Shameless muss gar nicht immer emotional mitreißend sein, man kann sich davon auch einfach unterhalten lassen. Wenn wir aber so angefüttert wurden wie in der vierten Staffel, darf man uns nicht böse sein, wenn wir davon immer mehr wollen.

Genuin überrascht war ich also, wie sehr mich der Handlungsbogen um Frank und Bianca (Bojana Novakovic) am Ende berührt hat. Nach der gemeinsamen Flucht über die südliche Grenze leben die beiden das vermeintlich sorgenfreie Leben von beach bums. Doch schnell wird klar, dass Bianca angesichts ihres bevorstehenden Krebstodes nicht vorhat, sich von diesem aus dem Leben tragen zu lassen. Sie will selbst bestimmen, wann und wie sie sich verabschiedet. Nach einer Partie Russisch Roulette, bei der Frank erneut einen Streifschuss erleidet, begibt sich Bianca, vollgestopft mit Medikamenten, zum Sterben ins Meer. Es ist ein schöner Tod.

Why won't you ever let me be happy?

Frank erfährt davon erst, als es schon zu spät ist. Er kann nichts anderes mehr machen, als die aufgehende Sonne mit dem Namen seiner Geliebten anzubrüllen - ganz so, wie er Gott am Ende der letzten Staffel angebrüllt hat, als er gegen alle Vorhersagen doch überlebte. Er kehrt daraufhin in den Winter nach Chicago zurück, wo es zu einem der witzigsten Momente in der gesamten Staffel kommt. Der zurückgekehrte Ian und Lip sitzen da im ausrangierten Van und erzählen von ihren jüngsten Erlebnissen. Frank kommt dazu, zieht kurz am Joint und entlädt dann sein ganzes Leid: „She's gone, boys. She's gone.“ („Sie ist weg, Jungs. Sie ist weg.“) Die beiden können gar nicht anders, als laut prustend loszulachen.

Die Szene enthält viel, was die Faszination an der Serie ausmacht: Zusammenhalt, Familie, Liebe, Verzweiflung, Aufbruch, Hoffnung. Da lässt sich denn auch verzeihen, dass eine Figur wie Sammy (Emily Bergl), bei der ich mich beinahe die gesamte Staffel fragte, warum sie überhaupt noch dabei ist, wieder zurückkehrt. Ihr Aufenthalt dürfte indes nicht allzu lange währen, müsste sie doch bei ihrer beinahe tödlichen Jagd auf Mickey verhaftet worden sein.

Shameless hat es in dieser Staffel geschafft, sich von zwei Figuren (JimmyJackSteve und Sheila) zu trennen, die ihre dramaturgische Nützlichkeit längst aufgebracht hatten. Gleiches sei den Autoren auch für Charaktere wie Sammy ans Herz gelegt. Für Frank gilt das eigentlich ebenso, jedoch wird man sich von ihm als Hauptfigur wohl nicht trennen. Wenn es zukünftig aber gelingt, ihm solche Handlungsbögen wie diesen letzten zuzuschustern, dann ist seine Präsenz durchaus begrüßenswert. Staffel fünf fungierte nach der tollen vierten als Übergangsstaffel, die ausreichend Erzählstränge (Debbies (Emma Kenney) Schwangerschaft!) offenlässt, um in der kommenden wieder für mehr emotionalen Wirbel zu sorgen.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 10. April 2015
Episode
Staffel 5, Episode 12
(Shameless 5x12)
Deutscher Titel der Episode
Und das Herz schreit doch
Titel der Episode im Original
Love Songs (in the Key of Gallagher)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. April 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. Juni 2015
Autor
John Wells
Regisseur
Christopher Chulack

Schauspieler in der Episode Shameless 5x12

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