Shameless 5x04

Shameless 5x04

In A Night to Remem... Wait, What? darf Frank Gallagher seine ganz eigene Version von The Hangover durchleben. Der Rest der neuen Shameless-Episode fühlt sich indes an wie ein lauer, träger Spätsommerabend - eigentlich total angenehm, aber auch ein bisschen langweilig.

Vater und Sohn Gallagher in Aktion / (c) Showtime
Vater und Sohn Gallagher in Aktion / (c) Showtime
© (c) Showtime

Nach der bisher besten Staffel von Shameless, der vierten, stellte sich die Frage, wie das Autorenteam an diese turbulenten, emotional mitreißenden Ereignisse anknüpfen würde. Die ersten drei Episoden der neuen Staffel bildeten einen vielversprechenden Start, diese neue mit dem umständlichen Titel A Night to Remem... Wait, What? führt uns nun aber vor Augen, wie schwer ein erneuter Neustart sein kann.

Welcome to my family

Der Abschied von Mandy (Emma Greenwell) und Sheila (Joan Cusack) in der letzten Episode, The Two Lisas, bedeutete eine weitere Zäsur. Für Frank (William H. Macy) und Lip (Jeremy Allen White) mussten nun neue Handlungsbögen gefunden werden, was sich in der Vergangenheit (vor allem bei Frank) schon als schwierig erwiesen hatte. Und auch die anderen Figuren standen so früh in der neuen Staffel vor einem dramaturgisch gähnend leeren Abgrund.

Das Date zwischen Fiona (Emmy Rossum) und ihrem Rocker-Flirt platzte jäh, während sich Debbie (Emma Kenney) nach ihrem missglückten ersten Mal für immer von ihrem Langzeitcrush Matty verabschiedete. Neue Handlungsstränge mussten also her - und das so schnell wie möglich. Unter dieser Notwendigkeit leidet nun die neue Episode, weil sich sämtliche Erzählbögen nicht organisch gewachsen anfühlen, sondern ausgedacht und oktroyiert.

Wahrscheinlich werden all diese Handlungsstränge am Ende wieder für großen emotionalen pay off sorgen, wie wir es von Shameless schon gewohnt sind. Fürs Erste sorgen sie jedoch für einige Geburtsschmerzen. Vor allem Franks neue Story kommt wie ein Lückenfüller daher, der den Autoren mehr Zeit verschafft, um sich neue, spannendere Geschichten für ihren Protagonisten auszudenken. Die Suche nach dem verlorenen Geld bringt viele Szenarien zurück, die wir vom versoffenen Familienoberhaupt der Gallaghers nur allzu gut kennen. Erst, als seine Geschichte die seines loyalen Sohnes Carl (Ethan Cutkosky) kreuzt, wird sie wieder, wenn auch nicht wirklich interessant, so doch sehr witzig.

Fiona (Emmy Rossum) genießt die Vorzüge des Ehelebens. © Showtime
Fiona (Emmy Rossum) genießt die Vorzüge des Ehelebens. © Showtime

Zuvor versucht Frank mit wachsender Verzweiflung, die Ereignisse der vergangenen Nacht zu rekonstruieren, die für ihn am Fuße einer Statue endeten. Allmählich findet er heraus, wo er überall war - vor allem aber: wofür er das Versicherungsgeld ausgegeben hat, das ihm nun endlich ausgezahlt wurde. Ich hatte den Handlungsstrang aus der letzten Staffel schon beinahe vergessen, in dem Frank sich von Carl ein Bein brechen ließ, um einen fetten Scheck von seiner Versicherung zu kassieren.

I think I overdid it last night

Sein Weg führt ihn jedenfalls zu einem Sportwagen, in eine asiatische Spielhölle und in ein Luxushotel. Am Ende führt er ihn aber wieder dorthin zurück, wo alles angefangen hat: Auf die Treppenstufen vor seinem eigenen Haus, mit einer angebrochenen Flasche Wein in der Hand. Dazwischen hat er die Hälfte seines Geldes verloren, wieder zurückgewonnen, es in einen Porsche investiert und dann beschlossen, den Rest an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden, deren Chef Ted Buckland aus Scrubs ist. Übrig bleibt ihm nur der Respekt von Carl, dem er im Vorübergehen das Einmaleins des Drogenhandels beigebracht hat. Immerhin etwas.

Analog zu Franks Storyline hat auch die von Fiona wenig Neues zu bieten. Von der „Ballad of Sweaty Balls“ betört, hält sie es für eine gute Idee, ihren neuesten Sexpartner Gus Pfender (Steve Kazee) nach einer Woche intensivsten Kennenlernens zu heiraten. Warum sie das macht - ob sie ihrem Chef Sean (Dermot Mulroney) beweisen will, dass sie erwachsen sein kann, oder ob sie wirklich denkt, dass dies eine gute, verantwortungsvoll getroffene Entscheidung sein könnte - lässt sich bislang nicht eruieren. Offensichtlich ist hingegen, dass über all dem Durcheinander ein Schleier des Zweifels und Unbehagens liegt.

Die letzte Szene vor dem Abspann illustriert das noch einmal sehr treffend. Fiona, the Housewife? Das kann sie sich selbst am allerwenigsten vorstellen. Weniger schwer fällt es indes, sich das Konfliktpotential im Handlungsbogen von Lip auszumalen. Nach Mandys Abschied hält ihn nicht mehr viel an der Southside, weshalb er Amandas (Nichole Bloom) Einladung nach Miami annimmt. Dort läuft alles anders als erwartet - vor allem, wenn man Amandas Plan bedenkt, ihren Vater mit ihrem Freund zu wütenden Tiraden anzustacheln. Stattdessen freunden sich die beiden zu Streithähnen Auserkorenen miteinander an. Lange wird sich Amanda das wohl nicht untätig ansehen.

Am Ende ist alles so wie immer. © Showtime
Am Ende ist alles so wie immer. © Showtime

Debbies Handlungsbogen ist indes einer der wenigen, der nicht von Beginn an auf Krawall gebürstet zu sein scheint. Nach den Erlebnissen der letzten Episode will sie nun die Pille nehmen, was von Fiona nicht unbedingt jubelnd aufgenommen wird. Dass es fürs Erste aber auch Kondome täten, ist vielleicht nicht der allerbeste Ratschlag, den Fiona ihrer kleinen Schwester in diesem Augenblick geben kann. Aber da kommt schon Gus mit all seiner bärtigen Männlichkeit zur Treppe runter - und Fiona kann an nichts anderes mehr denken.

Your boyfriend's losing his shit

So richtig will die neue Staffel bisher nicht in die Gänge kommen, was in dieser Episode erstmals unverkennbar zutage tritt. Besonders offensichtlich lässt sich das am Handlungsbogen um Ian (Cameron Monaghan) und Mickey (Noel Fisher) ablesen. Dieser kreist seit Beginn der Staffel um Ians noch zu diagnostizierende paranoide Schizophrenie, die er von seiner Mutter geerbt haben könnte. Außer einer neuen Variation dieser Möglichkeit - Ian sammelt liegengebliebenes Gepäck vom Flughafen - ist in A Night to Remem... Wait, What? nicht viel zu finden.

Ähnliches gilt für den Handlungsbogen um die mit höchst unterschiedlicher Begeisterung auftretenden Neu-Eltern Kevin (Steve Howey) und Vee (Shanola Hampton). Während er sich voll und ganz (und hinreißend) der Mutterrolle verschrieben hat, vermisst sie mit gesteigerter Vehemenz ihr altes Leben - und beschließt kurzerhand, sich die ausbleibende sexuelle Stimulation woanders zu holen. Auch diese Geschichte verharrt in ihrer momentanen Orientierungs- und Belanglosigkeit. Weniger witzig ist sie deshalb aber nicht.

Diese neue Episode ist noch lange keine schlechte - die Shameless-typischen Gags (Frank ringt mit einem beinamputierten Mädchen, Lip und Amanda haben Sex auf dem Bett ihrer Eltern, Carl verdingt sich als Drogendealer für Weiße) funktionieren wie gewohnt. Langsam offenbart sich aber, dass die ersten drei Episoden der Staffel eher eine Art Prolog waren denn ein Setup für kommende Großereignisse. Deswegen dürfte es nun wieder etwas dauern, bis die zentralen Handlungsbögen der Staffel etabliert sind. Dass diese JimmyJackSteve beinhalten werden, scheint sicher. Wo indes Sammi (Emily Bergl) geblieben ist, bleibt ungeklärt. Das hier war eine klassische Überbrückungsepisode - nicht mehr und nicht weniger.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 3. Februar 2015
Episode
Staffel 5, Episode 4
(Shameless 5x04)
Deutscher Titel der Episode
Wie meinen?
Titel der Episode im Original
A Night to Remem... Wait, What?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 1. Februar 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 1. Juni 2015
Autor
Davey Holmes
Regisseur
Richie Keen

Schauspieler in der Episode Shameless 5x04

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