Sex Education Staffel 3
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Welche Netflix-Serien einschlagen und welche nicht, ist nicht immer leicht vorherzusagen. Dass ausgerechnet Sex Education, eine an sich unspektakuläre Coming-of-Age-Serie aus Wales weltweit auf so viel Liebe stoßen würde, war sicherlich kaum zu erwarten. Zumal mit Gillian Anderson (The X-Files, The Crown) nur eine namhafte Schauspielerin im Cast war, als die Dramedy im Januar 2019 auf Sendung ging. Doch die Serienschöpferin Laurie Nunn, die davor nur zwei unbekannte Kurzfilme geschrieben hatte, traf irgendwie einen Nerv.
Und so war nun auch die inzwischen dritte Season von Sex Education eine der am meisten herbeigesehnten Netflix-Neuheiten des Jahres. Dass die Episoden nicht enttäuschen würden, war eigentlich klar. Denn die Serie hat eine sehr simple Erfolgsformel, die noch lange ausgereizt werden kann. Obwohl man fast vergessen kann, wie drastisch sich das Format und vor allem die Figuren seit dem Anfang weiterentwickelt haben...
Was passiert?
Was gibt es Neues in der dritten Staffel? Oh ja, Otis (Asa Butterfield) trägt jetzt einen Bart - und ganz nebenbei datet er auch noch heimlich die Homecoming Queen Ruby (Mimi Keene). Sein bester Freund Eric (Ncuti Gatwa) tut sich weiterhin schwer damit, eine funktionierende Beziehung mit Adam (Connor Swindells) aufzubauen, der kommunikativ eher zurückhaltend ist und sich auch nicht vor seinen Eltern outen will. Maeve (Emma Mackey) versucht vor allem, den Kontakt zu ihrer Mutter Erin (Anne-Marie Duff) wiederherzustellen, nachdem sie sie beim Jugendamt angezeigt hat. Außerdem kommt sie ihrem Trailer-Park-Nachbarn Isaac (George Robinson) näher, obwohl Otis in ihrem Kopf weiter sehr präsent ist.
An der Schule gibt es auch ein paar wichtige Neuigkeiten, angefangen auf dem Direktorenposten. Nachdem Mr. Groff (Alistair Petrie) seinen Job an der Moordale verloren hat, rückt die gruselige, junge Erzieherin Hope Haddon (Jemima Kirke) nach. Ihr erster Auftritt, ein kleines Tänzchen, lässt nicht ahnen, mit welch harter Hand sie wieder für Ordnung sorgen will. Methoden, die man sonst nur aus Diktaturen kennt, halten Einzug an der aufklärerischen Highschool. Hauptsache in der Presse gibt es keine Meldungen mehr über sexuelle Ausschweifungen unter den Schüler:innen.
Hopes erste Amtshandlung besteht darin, Jackson (Kedar Williams-Stirling) als Schulsprecher zu feuern. Das stört ihn aber eh nicht, weil er lieber mit Cal (Dua Saleh), eine von gleich zwei nicht-binären neuen Figuren im Cast, abhängen und Drogen nehmen will. Derweil machen Lily (Tanya Reynolds) und Ola (Patricia Allison) ihre erste kleine Krise durch, denn Ola scheint Lilys Weirdness doch nicht ganz so zu akzeptieren, wie anfangs gedacht. Für Aimee (Aimee Lou Wood) geht es diese Staffel darum, eine Ziege zu sitten und vor allem den Vorfall sexueller Belästigung im Bus zu verarbeiten, den sie erleben musste. Hilfe kriegt sie unter anderem von der Sextherapeutin Jean (Anderson)...

Otis' Mutter wird unerwartet schwanger von Jakob (Mikael Persbrandt). Eigentlich will sie die Schwangerschaft abbrechen, doch dann wollen die beiden eine Familie aufbauen, was für ihre jeweiligen Kinder, die mal selbst ein Paar waren, natürlich ziemlich seltsam wäre. Allerdings überstürzen die werdenden Eltern ihre Planungen und merken bald, dass sie sich eigentlich sehr fremd sind. Sie und auch die anderen Charaktere müssen in der neuen Season von Sex Education unangenehme, aber wichtige Entscheidungen treffen. Bei fast allen ist es, dass sie insgeheim schon ahnen, was richtig ist, sich aber erst noch dazu durchringen müssen, ehrlich zu sein und nicht den leichten Weg zu gehen. Am Ende wird der Mut stets mit Liebe belohnt. Dieses Thema wiederholt sich immer wieder in allen Konstellationen.
Wie ist es?
Kurz gesagt: Sex Education ist wie immer, was die Fans sicherlich erfreut. Die Serie zeichnet sich auch in ihrer dritten Staffel dadurch aus, kleine menschliche Konflikte durch lebendige und vielfältige Figuren spannend zu machen. Das meine ich eben mit der Bodenständigkeit, die auch dafür sorgt, dass man sich als Zuschauer:in mit jeder Perspektive identifizieren kann (außer mit Hope - sie ist schlimmer als Umbridge). Gleichzeitig gönnt sich das Erfolgsformat von Netflix auch immer wieder kleine Ausflüge ins absolut Verrückte, was sie umso liebenswürdiger macht. Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung des wie immer großartigen Soundtracks von Ezra Furman.
Zu den Highlights der neuen Staffel zählen meiner Meinung nach das Doppeldate von Otis und Ruby mit Eric und Adam, dann Erics Ausflug nach Nigeria, die erste echte „Sex Education“-Session, in der Otis und Maeve für ihre progressive Kritik am Enthaltsamkeitsansatz aus dem Klassenzimmer verbannt werden und natürlich die Rebellion der Schüler:innen gegen Hope eine Folge vor dem Finale („Fuck the pain away“). Und auch die Eröffnungsszene der neuen Season ist bereits fantastisch, denn eine fast zehnminütige Sexmontage kann man durchaus als Kampfansage sehen.
Unschlüssig war ich mir zunächst mit Blick auf Otis' Beziehung mit Ruby. Dass ausgerechnet der schüchterne Loser von gestern im Heute das beliebteste Mädchen der Schule datet, scheint schon sehr gewollt untypisch. Andererseits wurde diese soziale Anarchie, in der es keinerlei Ständeordnung nach Coolness mehr gibt, sehr sorgfältig über zwei vorherigen Staffeln dekonstruiert. Tatsächlich startet Sex Education als ganz konventionelle Highschool-Geschichte, in der der Protagonist als unsicherer Außenseiter eingeführt wird, der sich schämt, weil er noch Jungfrau ist. Während sein bester Freund gemobbt wird, weil er schwul ist. Adam, Jackson und Co stehen ganz oben in der Nahrungskette.
Erst durch Otis' und Maeves Untergrund-Sexaufklärung wird die Scham, die Moordale systematisch dominiert, entmachtet. In Staffel drei sehen wir diese neue Gesellschaftsform, in der alle Schüler:innen gleich sind, vereint in der Verachtung für die Doppelzüngigkeit der Erwachsenen, nun in ganzer Blüte. Sex Education zeigt ein ähnliches Verständnis der Generation Z wie das HBO-Drama Euphoria, wo sich die Jugendlichen aber nicht gegenseitig aufbauen, sondern Hand in Hand mit Drogen in den Untergang spazieren. Da ist die Philosophie der Netflix-Serie etwas ermutigender...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Staffel der Serie Sex Education beim Streamingdienst Netflix:
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«Sex Education» Trailer
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