Scandal 4x17

Die Scandal-Macher geben sich nicht mit Halbherzigkeiten zufrieden, es müssen die ganz großen Gefühle sein, die tiefen Abgründe. In der Episode Put a Ring on It stellen die Autoren eine Story in den Mittelpunkt, die schon seit längerem vor sich hin köchelt.
Beim dritten Versuch
In jedem Fall ist es eine gute Sache, mal wieder zu zeigen, dass Cyrus (Jeff Perry) einst ein echter Charakter war, der fest in die Story gehört hat anstatt lediglich wie Staffage herumzustehen. Schon seit längerem hat der Fokus der Scandal-Macher sich verlagert und Cyrus ist zum Blitzableiter für Fitz (Tony Goldwyn) und zum tyrannischen Boss für Abby (Darby Stanchfield) verkümmert. Mehr war nicht mehr los bei dem politischen Tier, das in der ersten Staffel als graue Eminenz des Bösen aufgebaut worden ist.
Er hat diese abgrundtief böse Seite, die vor allem auf Machterhalt aus ist. Doch er hat auch eine weiche Seite, die in der Vergangenheit vor allem Olivia und James (Dan Bucatinsky) gegenüber hervorgetreten ist. Sein Charakter war zu Beginn der Serie einer der interessantesten. Man erinnere sich daran, wie wir zum ersten Mal dabei sind, als das politische Ränkespiel in Form von Olivia (Kerry Washington) in sein Privatleben einbricht und James und ihn bei der sonntäglichen Gartenarbeit unterbricht. Da war mehr dahinter als bei den anderen Scandal-Figuren, die sich entweder mit der Pflege ihrer Traumata beschäftigen oder den nächsten Sexpartner im direkten Umfeld suchen. Cyrus hatte ein Privatleben, in dem er anders war als auf der politischen Bühne.
Cyrus hat sich aus Trauer in Affären gestürzt und dadurch in eine Lage gebracht, in der er seinen Liebhaber Michael (Matthew Del Negro) nicht mehr loswird. Jetzt sieht er sich einer Hochzeit gegenüber, die er nicht will. Michael hat an einer Verschwörung gegen ihn teilgenommen und es ist für den Moment verständlich, dass Cyrus sich nicht auf ihn einlassen kann.
Doch dann tut er, was man angesichts großer Festivitäten oder Jubiläen halt so tut: er erinnert sich zurück. In der Episode Put a Ring on It dürfen wir einen Blick in seine zwei ersten Hochzeiten werfen, einmal mit dem uns bekannten James und einmal mit seiner ersten Frau Janet (Emily Bergl, Desperate Housewives, Men in Trees).
Die erste Ehe ist er eingegangen weil er als ehrgeiziger Politiker eine Vorzeigefrau brauchte und Janet erscheint dafür perfekt. Er macht keinen großen Hehl daraus, dass er sie braucht, doch auf welche Art er sie braucht, das erkennt die arme Frau erst im Laufe der Jahre. Konsequenterweise droht dann auch kein gebrochenes Herz sondern ein Wutanfall, weil die Scheidung ihm einen Strich durch seinen Kongressplan macht.
Beim zweiten Versuch hat er es besser angefangen, er hat für sich und nicht für die Fassade geheiratet. Doch wie wir wissen, war er nicht ehrlich zu James und das hat den Journalisten letztendlich in eine tödliche Falle geführt.
Um uns zu zeigen, wieso Cyrus sich umentscheidet, drücken die Scandal-Macher ganz schön auf die Tränendrüse. Michaels Eltern sind homophobe Sadisten, einfach durchgehend furchtbare Menschen, die ihre Grausamkeiten nicht einmal verstecken. Dann fällt dem armen Mann auch noch der Kulturbeutel aus den Händen und alles rollt durch den Raum. Als wir schon wissen, dass Cyrus sich für ihn entschieden hat, darf er noch rührige Geschichten aus seiner Kindheit erzählen, in der er von allen anderen Kindern mit Steinen beworfen wurde während er doch eigentlich nur von seiner Hochzeit geträumt hat. Der ganze Aufwand wäre nicht notwendig gewesen, denn man kann Cyrus' Sinneswandlung auch gut so nachvollziehen.
Er hat beide Ehen anders angefangen und stand am Ende trotzdem in beiden Fällen mit leeren Händen da. Doch eines war gleich: er ist mit großen Hoffnungen gestartet. Das ist dieses Mal anders. Die Fallhöhe mit Michael ist viel tiefer als mit James. Das macht die Sachen entspannter.
Cyrus selbst führt an, dass er ehrlich bleiben will, ein Aspekt, den er in der Vergangenheit alles andere als ernst genommen hat. Doch ganz nebenbei ist auch eine andere Veränderung an ihm zu beobachten. Politisch wäre es zum Ende der Episode Put a Ring on It der bessere Weg, Michael zu stürzen und sich selbst an die Macht zu klammern. Doch Cyrus erkennt in Michael einen guten Menschen und in sich selbst das politische Monster. Er denkt an seine Tochter, der ein positiver Einfluss zu wünschen ist.
Im Grunde heiratet er sich in eine bequeme Situation ein, die man als Happy End werten kann. Vor allem weil sie auf Dauer angelegt ist. Keine Spielchen, keine Erpressung, sie lieben sich nicht und wissen es beide. Doch das Leben hat sie gezeichnet und sie können sich gegenseitig den Halt geben, den sie mehr als alles andere brauchen.
Olivia gut und Olivia langweilig
Schön an der Episode Put A Ring on It mal wieder zu sehen, was Olivia in ihrem Metier eigentlich so großartig macht. Sie, die ja in letzter Zeit eigentlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt war, erkennt genau, wie sie Mellie (Bellamy Young) als zukünftige Präsidentschaftskandidatin kriegen kann.
Das ist es, was eine große Problemlöserin wie sie ausmacht: sie liest die Menschen und drückt die richtigen Knöpfe, um die Menschen dahin zu lenken, wo sie sie hinhaben will. Sie bringt die Menschen dazu, ihr zu helfen und dabei zu glauben, dass es das Beste für sie selbst sei. Später liest sie Cyrus sogar quer durch den Raum an den Augen ab, dass er seine Meinung geändert hat.
Weniger schön ist die aufdringliche Rückkehr der Olivia-Fitz-Affäre. In einer Episode, die von Hochzeiten handelt bekommen wir einen Rückblick, in dem er ihr einen Ring schenkt. Muss das denn wirklich sein? Wir haben so großartige Episoden gesehen, in denen man fast vergessen konnte, dass die Story einst mit einer komplizierten Affäre angefangen hat.
Olivia und Fitz brauchen eine Offenbarung von der Art, wie Cyrus sie hat: große Gefühle sind die eine Sache, aber zu einer Beziehung gehört noch mehr. Und das haben Fitz und Olivia nicht miteinander.
Da beschäftigt man sich doch besser mit dem Aufeinandertreffen von Sally (Kate Burton) und Olivia. Es ist richtig amüsant der ungeliebten Sally zuzugucken, wie sie Olivia vor den Kopf stößt. Denn alle Tricks, die die Problemlöserin drauf hat, basieren darauf, dass sie erkennt, was ihr Gegenüber am meisten will. In Sally hat sie sich getäuscht und das liegt daran, dass sie zu nah an den Geschehnissen dran ist. Für Olivia ist das Weiße Haus der Nabel der Welt. Sally zeigt ihr, dass man seine Ziele politischer Natur auch anders erreichen kann.
Fazit
Die Episode Put a Ring on It bringt einige unterhaltsame Szenen, aber das Beste, was man von ihr sagen kann, ist, dass sie Cyrus als Figur wieder in Stellung bringt. Hoffentlich bleibt das nun ein bisschen länger so.
Promo zur Episode „Honor Thy Father“ (4x18) der US-Serie „Scandal“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 27. März 2015Scandal 4x17 Trailer
(Scandal 4x17)
Schauspieler in der Episode Scandal 4x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?