Scandal 4x16

Wenn man sich vor Menschen mit Hucks Fähigkeiten schützen will, dann muss man seine pikanten Enthüllungsbücher am besten auf der Schreibmaschine tippen. Das lehrt uns die Episode It's Good to be Kink. Doch wenn gleichzeitig geheime Ermittlungen gegen eine mörderische Regierungstruppe laufen, dann hilft einem auch die Fähigkeit, ohne Autokorrektor zu tippen nicht mehr weiter. Die Scandal-Macher nutzen den Besuch von Lena Dunham für eine großartige und unterhaltsame Episode, lehrreiche Momente inbegriffen.
When did you become so afraid of life?
Immer noch leidet Olivia (Kerry Washington) an den Folgen ihrer Entführung. Weil es keine Option ist, sie wochenlang Wein trinkend auf dem Sofa zu zeigen, müssen Ablenkungen her, große Geschichten, die sie nicht ablehnen kann und die sie in die Arbeit stürzen. Nach einer drohenden Unruhe und dem Fall ihrer toten Nachbarin gerät in der Episode It's Good to be Kink ihre beste Freundin Abby (Darby Stanchfield) in Gefahr.
Der Besuch von Lena Dunham ist - besonders nach dem vorher veröffentlichten Foto von ihr in einer furchtbaren Perücke - heiß erwartet worden. Die erste Erkenntnis der Episode ist, dass die Perücke auch in Bewegung nicht besser wird. Der Girls-Star spielt eine Frau, die ein Enthüllungsbuch über die Sexpraktiken ihrer politisch ranghohen Affären veröffentlichen will. Erwarten könnte man also eine langbeinige Schönheit mit Hang zum Luxus, die sich von Senatoren die Miete zahlen lässt und nun noch ein bisschen mehr rausschlagen will. Doch Sue ist anders und wenn man ihr eine Chance gibt, ist ihre Story viel bestechender als diejenige, die zu erwarten war.
Sie ist eine Frau, die ihre Sexualität auslebt wie sie mag und damit bei den Männern auf glaubhafte Gegenliebe trifft, obwohl sie abseits der typischen Sexschubladen operiert. Sie braucht keine kurzen Röckchen, sie weigert sich, die zu rettende Frau zu mimen, um einem Mann zu gefallen. Sie nimmt die Sache selbst in die Hand und hat Erfolg damit. Ein kleiner interessanter Wink der Serienmacher, aber nur am Rande relevant für die Story.
Zunächst macht Sue trotzdem einen harmlosen Eindruck, doch was Olivia und wir noch nicht wissen, ist, dass sie bereits einiges durchgemacht hat und mit dem Rücken zur Wand steht. Sie fühlt sich als wenn sie ohnehin keine Wahl mehr hat und das macht sie mutig, vielleicht mutiger als sie für gewöhnlich gewesen wäre. Sie ist unverschuldet in eine Situation geraten, in der sie sich hilflos fühlt. Die kleine Rede, die sie Olivia hält, hat daher im Nachhinein noch mehr Eindringlichkeit. Doch auch ohne die Hintergrundstory schwingt Lena Dunham sich auf, Olivia eine interessante Standpauke zu halten, die im Endeffekt darauf hinausläuft, dass die Problemlöserin zu weich geworden ist. Nach fast jeweils vier Staffeln Girls und Scandal können wir erahnen, wie die Serienschöpferinnen dahinter ticken. Lena Dunham und Shonda Rhimes verbindet das Bedürfnis Frauen zuzurufen, dass sie für sich kämpfen sollen. Was einem nicht gegeben wird, aber zusteht, das muss man sich halt nehmen, ist die Botschaft beider Frauen.
In welcher Hinsicht Frauen immer noch anders wahrgenommen werden, liefert die Episode It's Good to be Kink nach. Zwei Szenen sind besonders eindrucksvoll, beide drehen sich um Abby, die das beste Beispiel ist, weil sie die Frau ist, mit der man sich am ehesten identifizieren kann. Nur wenige werden im wahren Leben Opfer einer sadistischen Entführung, haben eine Affäre mit einem Staatspräsidenten oder werden zum Mitglied einer geheimen Agentenorganisation ausgebildet. Olivia und Quinn (Katie Lowes) fallen also schon mal weitgehend raus.
Abby hingegen haben wir durch zwei normale Beziehungen begleitet und sehen, wie sie versucht, sich in ihrem Job durchzusetzen. Und sie hat Erfolg damit, auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt. Die Rede, die sie Leo (Paul Adelstein) hält während sie ihr Rücktrittsgesuch schreibt, könnte kaum deutlicher sein. Abby sagt ihm deutlich, dass es einen Unterschied zwischen ihr und ihm gibt. Und der besteht vor allem darin, was die Öffentlichkeit wahrnimmt. Sie wird in der Wahrnehmung der Allgemeinheit nicht nur an ihren beruflichen Fähigkeiten, sondern auch angesichts ihres Stils, ihres Körpers und ihrer Beziehung bewertet. Dieser Unterschied ist vielen glasklar, besonders wohl vielen Scandal-Fans, darum fühlt die Rede sich etwas zu überdeutlich an. Aber manches muss einfach klar gesagt werden, leider.
Pretty soon you can call me successful.
Die zweite Szene ist subtiler und hat nicht offensichtlich eine Verbindung zum Feminismus. Cyrus (Jeff Perry) will Abby freikaufen und bringt dafür drei Millionen Dollar auf, eine Menge Kohle. Diese Aktion steht ganz im Widerspruch zu seiner Reaktion auf Abbys Kündigung, die ihn kaum weniger interessieren könnte. Vieles in der Welt der hohen Politik ist nicht so, wie es scheint, doch für Abby als eine der wenigen Frauen gibt es noch eine weitere Ebene. Sie hat nicht den Rückhalt der Boys Clubs, kann nicht auf die Loyalität derer bauen, die ähnliches erleben wie sie, denn die meisten ihrer Kollegen erleben eben nicht das gleiche wie sie. Man sieht es an Leos Unverständnis über ihren Rücktritt.
Dass Cyrus kaum auf ihre Kündigung reagiert erscheint normal, er hat sie nie besonders gut behandelt und ist ohnehin nicht derjenige, der schnell Beziehungen zu neuen Kollegen aufbaut. (Was man ihm auch nicht verdenken kann, wenn man bedenkt, welche Probleme ihm die alten Freundschaften bereits gebracht haben.) Doch dann geht er hin und will sie freikaufen und selbst Olivia scheint für einen Moment berührt zu sein. Die Freude dauert nur wenige Sekunden, denn schon bald stellt sich heraus, dass er es nicht für Abby tut sondern lediglich um das Buch und damit den Dreck am Stecken seiner Kollegen zu kaufen. Es ist im Grunde nichts, was mit Abbys Geschlecht zu tun hat, aber es ist eine weitere Enttäuschung in einer langen Reihe von Enttäuschungen. Abby fehlt die Lobby, der Rückhalt Gleichgesinnter, sie ist in ihrem Metier umgeben von Männern, die sich zwar oft gegenseitig die Treue halten, das aber nur für ihre verschworene Gemeinschaft tun. Die Enttäuschung als sich herausstellt, dass auch Cyrus seine Loyalität nur gespielt hat, steht Olivia nicht nur ins Gesicht geschrieben, sie äußert es auch recht deutlich: „Diese Stadt, es ist hart.“
Damit spiegeln die Autoren Sues Angriff, dass Olivia zu schwach geworden wäre, wider. In einer Stadt wie Washington kann man sich das nicht erlauben und diese Einsicht bringt Olivia dazu, die Kontrolle über ihr Leben zurück zu erlangen und das Gewicht, das sie immer wieder runtergezogen hat, abzuwerfen: die Männer.
Die furchtbaren Sachen, die ihr geschehen sind, und auch die, die sie selbst getan hat, sind für oder wegen Fitz (Tony Goldwyn) - und manchmal Jake (Scott Foley) - geschehen. In der Episode It's Good to be Kink geht Olivia, oh Schreck, in eine Bar und schleppt einen Mann ab. Sie lehrt uns dabei auch eine andere wichtige der Weisheiten der Serienschöpferin: es ist okay, wenn man es nicht im ersten Anlauf schafft, man darf nur nicht aufgeben.
Olivia ist zurück auf der Gewinnerspur, sie gewinnt die Kontrolle zurück, auch wenn das bedeutet, dass sie nicht sofort glücklich ist. Sie träumt von einem Leben mit Fitz, doch die letzten Jahre haben ihr gezeigt, dass das ein Traum bleiben wird. Auch wenn sie Gefühle für Fitz (und nicht zu vergessen für Jake) hat, muss sie jetzt auf sich selbst achten.
Ihre erste Tat ist die Hilfestellung für Sue, die von ihrem Chef erst sexuell missbraucht und dann terrorisiert wird. Statt sich auf dem Sofa in ihrem eigenen Leid zu suhlen, hilft sie einer anderen Frau, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und sich gegen ihre Unterdrücker durchzusetzen. Auch wenn sie eigentlich nichts Besonderes dazu beiträgt. Die Anzeige hätte Sue auch ohne sie machen können. Aber es geht um die Lehre, die man daraus ziehen kann und die ist es wert, in Sachen Logik ein Auge zu zu drücken.
Im Hintergrund arbeiten zwei andere Frauen daran, eine Allianz aufzubauen und das dürfte ebenfalls vielversprechend werden. Mellie (Bellamy Young) ist härter als Fitz, das wissen wir schon längst. Elizabeth (Portia de Rossi) ist ziemlich undurchschaubar in dieser Hinsicht. Erst nimmt sie an einer Sex-Mord-Verschwörung teil und dann stellt sie sich als liebende Mutter dar, die aus Versehen in etwas reingeraten ist. Doch wenn es darauf ankommt, werden wir sie hoffentlich zurück zu ihrer Kämpfernatur finden.
I liked her. I had to.
Die Episode It's Good to be Kink bietet neben diesen starken Reden und großen Gesten auch einen echten Schockmoment. Während Olivia sich in einer urkomischen Szene mit hysterisch kreischenden Männern auseinandersetzen muss und an dem Problem des Buchs arbeitet, braut sich im Hintergrund das wahre Problem zusammen. Huck (Guillermo Diaz) hat zum ersten Mal seit seinem B-613-Beitritt die Möglichkeit auf eine Familie, auf ein Zuhause. Er hat die Gelegenheit, dass alles wieder so wird wie es vor B-613 war. So nah war er der Erfüllung seiner Träume noch nie. Die Fallhöhe ist also besonders hoch. Er kann niemanden dazwischen kommen lassen und das ist das Todesurteil für eine Frau, die von der Agentenorganisation noch nie gehört hat. Sie ist zufällig in die Quere gekommen von jemandem, der sich nicht scheut, ein Messer in die Hand zu nehmen und vor allem damit zu handeln. Auch das ist eine Lehre, die man in einer Stadt wie dem Scandal-Washington lernen kann. Man kann Cyrus und seinen Wunsch nach möglichem Erpressungsmaterial verstehen. Vielleicht kann das in ferner Zukunft das Leben eines Freundes retten, vielleicht kann er sich damit aber auch einfach einen Vorteil erspielen. Diese beiden Dinge liegen nah beieinander wenn man sein Leben auf diese Art lebt.
Huck hat lange alles für Olivia getan, nun steht er endlich für sich selbst auf. Es sind in Shonda Rhimes' Welt nicht nur Frauen, die für sich aufstehen müssen. Die Frage ist nur, zu was man bereit ist.
David ist über den Verlauf der Staffeln immer sympathisch geblieben, in das Sexbuch wird er wohl in erster Linie gezogen weil es für die Geschichte um Abby wichtig wird und er die Verbindung zu der B-613-Story ist. Doch am Ende hat er Gewissensbisse, die er treffend damit umschreibt, dass er zwar nichts falsch gemacht habe, aber auch nichts besonders richtig im Umgang mit Sue. Seine Einsicht kommt spät und fühlt sich dementsprechend hohl an. Er hätte es vorher besser wissen können. Doch das, was er sagt ist wichtig, denn es ist im Grunde die Reaktion auf Abbys und Sues Reden zuvor. Die alltägliche Ungleichheit, die Abby erfährt, ist nicht zwangsläufig aus Boshaftigkeit geboren. Die Mehrheit aller Beteiligten macht nichts falsch, aber eben auch nichts besonders richtig. Sie lassen es laufen, wie es ist.
Fazit
Die Episode It's Good to be Kink ist genau so, wie man einen Besuch von Lena Dunham bei Shonda Rhimes einschätzen würde: amüsant, dramatisch, eindringlich, stellenweise verstörend und vor allem aufklärerisch.
Promo zur Episode „Put a Ring on It“ (4x17) der US-Serie „Scandal“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 20. März 2015Scandal 4x16 Trailer
(Scandal 4x16)
Schauspieler in der Episode Scandal 4x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?