Scandal 4x13

Scandal 4x13

Die Episode No More Blood zeigt, wie wichtig es ist, Fremdsprachen zu beherrschen. Olivia kann sich in einer heiklen Situation damit behelfen, doch die Rettung ist das immer noch nicht. Die Serie Scandal kann mit einem echten Überraschungsknüller aufwarten.

Kollidieren miteinander: Abby (Darby Stanchfield) und Cyrus (Jeff Perry) in der Serie „Scandal“ / (c) ABC
Kollidieren miteinander: Abby (Darby Stanchfield) und Cyrus (Jeff Perry) in der Serie „Scandal“ / (c) ABC

Manchmal sieht man einen beabsichtigten Überraschungsmoment in Fernsehserien meilenweit kommen. Gerade Scandal hat eine lange Geschichte von Möchtegernwendungen, die meistens eher Augenrollen als Fassungslosigkeit zur Folge hatten. Die Episode No More Blood hat allerdings eine Szene zu bieten, bei der man sich vor Verblüffung kneifen könnte. Zumindest wenn man bereit ist, einfach mal ein paar Augen zuzukneifen.

Normal is overrated, die zweite

Stephen (Henry Ian Cusick) kehrt zurück, zumindest für einen kurzen, aber wichtigen Moment. Olivias Entführung ist die größte Bedrohung, der sich die OPA-Clique bisher gegenüber gesehen hat. Alle unterschiedlichen Lager arbeiten daran, die Problemlöserin wieder zurückzubringen. Nach der geplatzten Auktion in der vergangenen Episode liegt die Hürde für Spannung nun noch höher. Die Scandal-Macher setzen weniger auf eine clevere Lösung als auf einen gelungenen Schockmoment. Die emotionale Reaktion ist es wert, das Gehirn für einen Moment abzustellen.

Die wichtigste Erkenntnis der Episode No More Blood ist, dass Gastdarsteller der Serie Scandal sehr gut tun. (Direkt gefolgt von der Feststellung, wie wichtig Fremdsprachen sind: Olivia befreit sich aus der iranischen Hand, indem sie die Parteien durch glänzende Persischkenntnisse gegeneinander ausspielt.) Die Verflechtungen der Haupt- und Nebenfiguren sind sehr eng, undurchsichtig und vor allem in den meisten Fällen unbeständig. Frischen Wind bringen da vor allem Figuren, die nur für einen Moment reinschneien. Das war schon immer so, doch durch den Wegfall des Falls der Woche in den jüngsten Episoden hat sich die Anzahl kleiner Rollen enorm verkleinert.

Die Scandal-Autoren liefern meist einen guten Job ab, wenn es darum geht, dass zwei Figuren einen Blick auf ihre Beziehung werfen. Die Episode No More Blood hat mit dem Gesprächen zwischen Huck (Guillermo Diaz), Quinn (Katie Lowes) und Jake (Scott Foley) gleich mehrere emotionale Beispiele zu bieten. Doch das nutzt sich schnell ab, wenn die Story nicht zwischendurch aufgelockert wird. Die Tiefe dieses Gefühlspools wird schnell langweilig, wenn man nicht zwischendurch auftaucht.

Die Episode No More Blood hat zur Auflockerung einen echten Überraschungsmoment zu bieten, den man durchaus von zwei Seiten sehen kann: Stephen kehrt für einen Wimpernaufschlag zurück und wird zum großen Retter. Sie bauen den großen Moment nicht gerade diffizil auf: Cyrus (Jeff Perry) ruft, dass er den Mann kennt, der Olivia (Kerry Washington) auf russischer Seite in Empfang nimmt. Uns bleibt nur noch übrig, zu warten, bis wir ihn vor die Linse bekommen, wohl wissend, dass er uns etwas sagen wird, wenn Cyrus ihn kennt. Es ist der Mann, der seinen Abschied wortlos genommen hat.

In der ersten Staffel der Serie Scandal war er Olivias rechte Hand - der Mann, dem sie am meisten vertraut hat. Stephen seinerseits hatte jedoch das eine oder andere Problem mit Frauen, zumindest in beziehungstechnischer Hinsicht. Olivia riet ihm, seine Langzeitfreundin zu heiraten. Als Erklärung, wieso er nicht mehr bei OPA ist, diente denn auch der Wegzug nach Boston mit seiner Verlobten Georgia.

Nun finden wir und Olivia heraus, dass er stattdessen in Russland gelandet ist, für die Oligarchen arbeitet und Gefallen an der russischen Schattenwelt gefunden hat. Als Olivia ihn nach Georgia fragt, sagt er „Normal is overrated.“ („Normalität ist überbewertet.“), was eine Referenz an ein altes Gespräch zwischen ihm und Olivia ist: In seiner Abschiedsepisode Grant: For the People (1x07) sagte Stephen ihr, dass sie Fitz nicht haben könne. Sie reagierte mit eben jenen Worten: „Normal is overrated“.

Stephen ist eine wichtige Figur für Olivia. Sie bittet ihn, zurückzukehren und sagt, dass sie ihn brauchen. Dabei klingt sie so traurig wie sonst selten. Kaum eine Szene der letzten Zeit zeigt so eindringlich, wie es in ihr aussieht: verzweifelt, verlassen, einsam. Das ist wichtig, denn das befähigt ihn, eine lang ersehnte Wendung herbeizuführen.

Noch in der Gefangenschaft hat Olivia sich in ihr idyllisches Landleben in Vermont geträumt, wie sie an der Seite von Fitz (Tony Goldwyn) Marmelade herstellt und ihren Hund spazieren führt. Sie hat gedacht, dass Stephen es in diese Normalität, diese Idylle geschafft hat. Doch in der Episode No More Blood findet sie heraus, dass es ein Leben nach dem Happy End gibt. Statt sich an der Seite seiner Georgia einzurichten, lebt Stephen in Russland und scheint etwas Ähnliches wie Olivia zu tun. Genaues erfahren wir nicht, aber man kann davon ausgehen, dass man keine Gefallen bei russischen Topterroristen offen hat mit einem Schreibtischjob, der Zeit für ein Privatleben lässt.

Das Treffen mit Stephen und diese Feststellung sind der Todesstoß für Vermont. Wir sehen, wie Olivia sich am Ende hinstellt und Fitz eine Rede hält wie nie zuvor. Wenn die Normalität überbewertet ist, dann muss immerhin das Leben etwas wert sein, was Olivia im Moment lebt. Doch Fitz hat ihr Vermächtnis in Gefahr gebracht. Er hat zwar ein gutes Argument damit, dass er ihr Leben retten wollte. Aber das ändert nichts daran, dass er alles riskiert hat, wofür sie seit Jahren lebt und alles opfert. Es ist vermutlich nicht das endgültige Aus für diese Affäre des schweren Atmens, aber es ist ein ernstzunehmender Knick, der in dieser Form bisher nur selten vorgekommen ist. Es sind keine äußeren Umstände, die sie voneinander fern halten: Fitz musste eine schwierige Entscheidung treffen und in Olivias Augen hat er sich in die falsche Richtung gewendet.

Problemlösung aus zweiter Hand

Die Entführung hat Fitz wieder in den Außenseiterstatus gebracht, den er im Weißen Haus oft innehat. Cyrus und die CIA sind nicht bereit, für das Leben eines Menschen alles andere zu opfern, selbst wenn es sich dabei um die Patin der eigenen Tochter handelt. Cyrus ist schon oft an der Affäre zwischen seinen Freunden verzweifelt, doch der Tagtraum vom Kündigen, den er zu Beginn dieser Scandal-Episode hat, ist neu. Fitz' Liebe zu Olivia bringt seinen engsten Freund an seine Belastungsgrenzen. Besonders weil Cyrus nun diese schwierige Entscheidung bevorsteht und er im Grunde schon weiß, was er tun muss. Fitz hat sich mit seiner Entscheidung aus der Verantwortung gezogen und nun fällt es Cyrus zu, das unausweichliche Kommando zu geben. Es geht also zurück zu ganz alten Zuständen: Fitz ist eine Marionette, die die Realität um sich herum nicht erkennt. Er verbucht den Verdienst für Olivias Rettung ihr gegenüber für sich selbst, er hat weder Cyrus' Plan noch Abbys Eingreifen mitbekommen.

Mellie (Bellamy Young) sorgt unterdessen selbst für eine Lösung ihres Problems. Dabei geht sie im Endeffekt ähnlich vor wie Fitz, auch wenn sie es wissend tut, während er im Dunkeln tappt: Sie delegiert die Lösung weiter an jemand anderen, der dann die schwierige Entscheidung treffen kann. Und schwierige Entscheidung bedeutet in der Scandal-Welt in der Regel, dass man sich die Hände schmutzig machen muss.

Mellie setzt Elizabeth (Portia De Rossi) darauf an, das Problem Andrew (Jon Tenney) zu klären, was sie davor bewahrt, selbst zu Huck gehen zu müssen. Der hat kurz zuvor eine emotionale Rede von Quinn hinnehmen müssen, die wohl Gehör gefunden hat: Huck bringt keine Menschen mehr um. Ohne es zu wissen, verändert Quinn damit die Strafe, die Andrew für seine Taten zahlen muss. Er liegt offenbar im Wachkoma, unfähig, sich mitzuteilen oder zu bewegen. Mit liebenden Angehörigen wäre das etwas anderes, doch alleine der Moment mit der schadenfrohen Mellie zeigt, dass ein schneller Tod für Andrew gnädiger gewesen wäre.

In Russland unterwegs

Für die Rettung sorgt dann aber weder Fitz noch das OPA-Team, sondern Abby (Darby Stanchfield). Sie ist seit der Entführung von Olivia von allen anderen abgekanzelt worden und hat doch nicht aufgegeben. Die Idee, dass ihre beste Freundin und nicht ihr Liebhaber Olivia das Leben rettet, ist schön. Für den Überraschungsmoment zeigen die Scandal-Macher uns nichts von den Vorbereitungen der Rettungsaktion. Daher fühlt es sich seltsam an, wenn man bedenkt, dass Abby und Stephen alles, was bei OPA und im Weißen Haus außergewöhnliche Anstrengungen erfordert, im Vorbeigehen geschafft haben. An welchem Zeitpunkt ist Stephen im Bilde?

Nach der verlorenen Auktion kommen die Gladiatoren mit Abby zusammen und sie sagt mehr zu sich selbst, dass jetzt der Zeitpunkt ist, den Joker aus dem Ärmel zu ziehen. Das lässt vermuten, dass sie Stephen nun ins Spiel holt. Doch wie kann Stephen diejenigen, die als die Russen firmieren, überzeugen, ihr kostbares Auktionsgut einfach so abzutreten? Immerhin haben wir im Vorfeld im Situationsraum den Eindruck bekommen, hier sei die gesamte US-amerikanische Herrschaft in Gefahr. Er muss also große Gefallen bei den Kriminellen frei haben. Vielleicht sollte Scandal mal eine oder zwei Episoden lang die Abenteuer von Stephen Finch in der russischen Schattenwelt begleiten, statt uns noch einmal mit einem Telefon ohne Worte zwischen Olivia und Fitz zu belästigen.

Fazit

Wenn unter anderem ISIS, Tschetschenien, das Los Zetas-Kartell aus Mexiko, türkische und eine libysche Terrororganisation und natürlich Nordkorea gegen die Gladiatorenvereinigung von OPA antreten, dann wird es ernst.

Olivia Pope wird befreit und es sind diejenigen involviert, mit denen man am wenigsten gerechnet hätte: ihre beste Freundin, die von allen Seiten abgekanzelt wurde, und der seit drei Staffeln nicht anwesende Stephen. Es sind diejenigen, auf die sie sich in der ersten Staffel am meisten verlassen hat, die sie nun retten. Das ist eine wunderbare Lösung.

Unterdessen arbeitet Fitz sich wieder in die undankbare Rolle des Mannes ein, der mit dem Kopf in den Wolken ist, und Cyrus hat wieder ein mörderisches Geheimnis. Vieles erinnert in der Episode No More Blood an die erste Staffel - auf positive Art.

Promo zur Episode „The Lawn Chair“ (4x14) der US-Serie „Scandal“:

Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 23. Februar 2015

Scandal 4x13 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 13
(Scandal 4x13)
Deutscher Titel der Episode
Retter in der Not
Titel der Episode im Original
No More Blood
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. Februar 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. Oktober 2015
Autor
Heather Mitchell
Regisseur
Randall Zisk

Schauspieler in der Episode Scandal 4x13

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