Scandal 4x14

Scandal 4x14

Olivia ist einer furchtbaren Sache entkommen und die große Frage ist: wie soll es jetzt weitergehen mit OPA? Kann das Team einfach zu untreuen Senatoren zurückkehren? Die Episode The Lawn Chair zeigt, dass es eine verdammt große Sache braucht, um Olivia wieder in ihre Wirklichkeit zu katapultieren.

Ein ungewohntes Bild: Olivia (Kerry Washington) an einem Tatort in der Serie „Scandal“ / (c) ABC
Ein ungewohntes Bild: Olivia (Kerry Washington) an einem Tatort in der Serie „Scandal“ / (c) ABC

Die Episode The Lawn Chair greift ein aktuell heißes Eisen auf: die Proteste in den USA über schwarze Teenager, die aus Polizeiwaffen erschossen werden als Stellvertreter für die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung durch die Offiziellen. Das Problem trifft Olivia (Kerry Washington) nah an der eigenen Realität, zumindest in gewisser Hinsicht.

Olivia protestiert

Denn im Verlauf der Episode wird deutlich, dass Olivia mit den Menschen aus dieser Nachbarschaft nicht viel gemein hat. Sie geht im Weißen Haus ein und aus, lebt mit ihrer strahlend weißen Couch in einem schicken Wohnkomplex und ihre Eltern sind zwar alles Mögliche, aber nicht arm und ungebildet. Ihr Vater hat sich eine zweite Scheinidentität als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Smithsonian aufgebaut, eine Aufgabe, die für den erschossenen Jungen wohl auch als erste Wahl schon kaum erreichbar gewesen wäre.

Dennoch ist der Protest etwas, mit dem sie sich identifizieren kann. Und zwar, als sie feststellt, dass das Leben für Schwarze mit weniger Geld als sie auch andere Konsequenzen hat. Ihre tollen Problemlösungsfähigkeiten bringen sie nicht weit. Und das nicht nur, weil die Menschen ihr nicht zuhören und schon gar nicht auf sie hören wollen. Ihre übliche Herangehensweise funktioniert nicht, weil die Regeln auf dieser Straße anders sind als im Weißen Haus. Den Schlüsselsatz sagt sie zu David (Joshua Malina): „Nicht alle Menschen haben den gleichen Zugang zu Gerechtigkeit und Gesetzen.

In anderer Umgebung wäre es sicher am schlausten gewesen, die Leiche in die Hände der Offiziellen zu geben und die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen. Doch Olivia versteht erst spät das eigentlich Problem: nämlich, dass nicht alle Menschen Anlass haben, in die Gerechtigkeit der Gesetzeshüter zu vertrauen.

Der Fall um den erschossenen Teenager ist eine große Sache, nicht nur, weil er der Realität so nahekommt. Es geht nicht um eine fehlgeleitete Senatorentochter, nicht um die Moral in der Politik, es geht um ein grundlegendes, soziales Problem. Es betrifft die gesamte Gesellschaft. Nur ein Fall dieses Kalibers kann Olivia aus der Erinnerung an die jüngsten Ereignisse holen. Sie hat Traumatisches durchgemacht, nur das Trauma eines ganzen Teils der Gesellschaft kann rechtfertigen, dass sie sich wieder in die Arbeit stürzt. Sie trägt die Verantwortung für Veränderungen historischen Ausmaßes auf ihren Schultern.

Doch der Protest fordert alle Scandal-Figuren heraus, die damit in Berührung kommen. Fitz (Tony Goldwyn) schätzt wohl richtig ein, dass er für den Moment nichts zu den Vorfällen sagen kann, auch wenn er vermutlich nur Mitfühlendes zu sagen hätte.

David darf man ebenfalls keinen versteckten Rassismus unterstellen, nur eine schlechte Einschätzungsgabe. Als er erkennt, was Olivia ebenfalls erst kurz zuvor erkannt hat, rückt er mit allem heraus, was sie will.

Auch mit dem Polizisten machen die Scandal-Autoren es sich nicht so einfach, wie sie es sich machen könnten. Auch er bekommt die Zeit, sich zu erklären. Beim ersten Treffen wirkt er wie der nette Polizist, der junge Nachwuchscop, mit dem man es gerne zu tun hätte, wenn es denn schon sein müsste.

Doch die Jahre auf der Straße haben ihn entzaubert. Vielleicht war er mal der Mann, den er im ersten Gespräch mit Olivia vorspielt, der glaubt, seinen Job gut und gewissenhaft zu machen. Doch der ist er nicht mehr, er ist enttäuscht vom Undank, der ihm entgegenschlägt.

Das Herz der Scandal-Autoren schlägt ganz eindeutig für die Protestierenden, zumindest diejenigen, die ihrem Unmut friedlich Ausdruck verleihen. O-Ton Olivia zu dem Polizeiverantwortlichen: „Der Umstand, dass sie in Gruppen zusammenstehen und Dinge sagen, die dir nicht gefallen, macht sie nicht zum Mob, das macht sie zu Amerikanern.“ Den Polizisten machen sie nicht nur zum Mörder, sondern auch zum Betrüger. Er hat dem Jungen die Waffe untergejubelt. Doch er hat auch einen, wenn auch kleinen Punkt. Er setzt als Polizist sein Leben aufs Spiel, um rechtschaffene Bürger zu schützen und es ist schade, wenn er dafür verachtet wird.

Fazit

Scandal bezieht in der Episode The Lawn Chair mal wieder Stellung zu einem aktuellen Thema. Das ist einerseits ein passender Weg, um Olivia nicht an einer posttraumatischen Störung verkümmern zu lassen, andererseits auch eine sehr spannende Story.

Ach ja, und Fitz' und Mellies Idee als Vizepräsidentin, die unterhaltsame Neusenatorin Susan Ross (Artemis Pebdani; It's Always Sunny In Philadelphia, Masters of Sex) einzusetzen, ist so vielversprechend wie schon lange kein Neuzugang mehr in der Serie.

Promo zur Episode „The Testimony of Diego Muñoz“ (4x15) der US-Serie „Scandal“:

Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 6. März 2015

Scandal 4x14 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 14
(Scandal 4x14)
Deutscher Titel der Episode
Totenwache
Titel der Episode im Original
The Lawn Chair
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. März 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. Oktober 2015
Autor
Zahir McGhee
Regisseur
Tom Verica

Schauspieler in der Episode Scandal 4x14

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?