Scandal 4x12

Die Gefahr in der Serie Scandal verändert im Moment ständig ihre Richtung. In der Episode Full Circle schwingt sich jemand zum Oberbösewicht auf, den man eher nicht auf dem Plan hatte. Und der führt einen Gegner ein, der den Kampf auf ein völlig neues Level hebt.
Beste Freundin von wegen
Wer arbeitet eigentlich mit wem zusammen, um Olivia (Kerry Washington) zurückzuholen? Fast alle uns vertrauten Figuren haben gute Gründe, sich um die Sicherheit der Frau in Weiß zu bemühen. Entweder aus Liebe, Freundschaft, Verwandtschaft oder aus Angst - irgendwie arbeiten alle zusammen.
Außer eine: Abby (Darby Stanchfield) wird wieder einmal ausgeschlossen. Huck (Guillermo Diaz) und Quinn (Katie Lowes) weisen sie eiskalt ab, weil sie für sie zum Weißen Haus gehört. Damit sind die beiden verbliebenen Gladiatoren wohl die einzigen, die Abbys Tagesjob überhaupt ernst nehmen. Niemand, der die letzten Wochen verfolgt hat, kann annehmen, dass Abby bereit ist, ihre beste Freundin zugunsten des Weißen Hauses zu gefährden oder gar zu verraten.
Doch noch seltsamer werden die Zusammenhänge, wenn man bedenkt, dass Quinn und Huck mit Jake (Scott Foley) arbeiten, der seinerseits wohl die engsten Kontakte ins Oval Office unterhält. Auch haben sie kein Problem, David Rosen (Joshua Malina) ins Boot zu holen.
Vielleicht lassen die Abby aber auch einfach deswegen außen vor, weil sie noch nie irgendwelche nennenswerten Fähigkeiten gezeigt hat, abgesehen davon, dass sie sich manchmal aufrafft, Olivia die Meinung zu sagen. Sie ist das letzte Überbleibsel aus einer Zeit, als die Zugehörigkeit zu OPA noch nicht zwingend mehrere Morde und unglaubliche Spionagefähigkeiten erfordert hatte. Sie steht auf einer Stufe mit Harrison (Columbus Short) und Stephen (Henry Ian Cusick), die lange fort sind, wie interessanterweise erwähnt wird.
Die Anforderungen und die Gefahren sind an Abby vorbeigezogen und sie konnte nicht Schritt halten. Die Scandal-Autoren wissen dann auch nicht so richtig, wohin mit ihr und reduzieren sie immer wieder auf Davids Exfreundin. Die meisten ihrer Plots sind unmittelbar mit ihm verbunden. Ein bisschen traurig ist es also schon, dass er ihr sagt, Olivia sei nicht ihre einzige Freundin, denn nach David hört es dann aber wirklich schon wieder auf.
Außerdem ist es seltsam und verdächtig, dass Abby, nachdem sie so seltsam von ihren ehemaligen Kollegen abgewiesen wurde, nichts Besseres zu tun hat, als nach Hause zu gehen, sich mehr Volumen in ihr Haar zu föhnen und weiter ihrem Job nachzugehen. Sie ist zwar keine Olivia, aber ein bisschen mehr Durchhaltewille war auch ihr zuzutrauen. Es hätte ihrer Figur besser getan, wenn die Autoren sie direkt ignoriert hätten.
Große Pläne
Doch das Thema der Episode Stay scheinen die emotionalen Auswirkungen von Olivias Entführung auf die anderen Figuren zu sein. Die Umsetzung dieser Idee gestaltet sich zunächst schwierig. Hucks Rückfall in dunkle Zeiten funktioniert nicht so richtig. Man kann da Verständnis für Quinn aufbringen, wenn sie sagt, dass dieser barbarische Mehrfachmord jetzt nicht so ganz ungewöhnlich für ihn ist. Auch im Weißen Haus scheint es mehr um die Beziehungen, als um das große Drama zu gehen. Doch die fühlen sich leer an, wenn Olivia nicht dabei ist. Wen interessiert eigentlich, was noch mit Lizzie (Portia De Rossi) oder Andrew (Jon Tenney) passiert? Stark wird die Story erst, wenn Mellie (Bellamy Young) eingreift.
Die Balkonszene mit dem Ehepaar Grant lässt einen aufhorchen. Mellie hat in ihrer Beziehung mit Fitz (Tony Goldwyn) zu neuer Ehrlichkeit gefunden, die Affären werden nicht länger unter den Tisch gekehrt und nun teilt sie auch noch ihren großen Traum mit ihm. Sie will US-Präsidentin werden. Mellie hat also noch einiges vor. Das kommt zwar nicht überraschend, aber die Umstände dieser Offenbarung sind dann doch bemerkenswert.
Sie sagt es Fitz, weil sie ihren Plan durch Andrew bedroht sieht. Der reagiert zum ersten Mal wie ein wohlmeinender Freund und nicht wie die verzerrte Fratze eines Ehemannes. Die Ehrlichkeit war ein erstes Zeichen, nun sehen wir, dass Mellie und Fitz kein Ehepaar mehr sind. Sie sind zwei Menschen, die eine gemeinsame Organisation leiten, in der man sich zwar mal wehgetan hat, aber dem anderen immer noch das Beste wünscht. Zumindest, solange es nicht den eigenen Bedürfnissen im Weg steht. Mellie hat einiges für das Unterfangen Grant gegeben und jetzt ist sie an der Reihe, etwas zurückzubekommen. Die neue Ehrlichkeit zwischen den beiden macht es möglich, dass sie wieder als Team auftreten. Das ist wunderbar und wertet auch den immer nervigeren Fitz gehörig auf.
Die Plots in OPA und im Oval Office laufen zusammen, wenn die Reden von Huck und Fitz hintereinander gezeigt werden. Auch, wenn er während des Mords kaum anders wirkt als gewöhnlich, bedeutet seine Rede eine neue Ebene. Er liebt Olivia wie kaum jemand, er will sie auf jeden Fall retten. Seine Rede ist keine mutwillig furchtbare Horrorvision, es ist ein furchterregender Blick in seine zerstörte Seele.
Während man sich bei OPA darum sorgt, dass Fitz aufgeben könnte, wandert der mit seinen Gedanken wo ganz anders hin. Für Cyrus hält er seine erste Rede seit langem, die eher Gänsehaut als Augenrollen hervorruft. Das hat auch mit Mellies Beitrag zu tun. Sie empfängt die Leichen derer, die ihr Leben gelassen haben, weil in der großen Politik hinter verschlossenen Türen eine Affäre wichtiger sein kann als der Frieden.
Mellie richtet ihren Mann nicht dafür, dass er einen Krieg angefangen hat, um seine Geliebte zu retten. Sie versucht trotzdem, dem Tod dieser Menschen so viel Gewicht wie möglich zu verleihen. Auch hier ist sie mit ihrem Mann wieder auf einer Linie. Statt hinzuschmeißen, weil es sich nicht mehr lohnt, unter diesen Bedingungen einen Menschen zu retten, geht er genau den anderen Weg. Auch er will dem Tod der Unbeteiligten Sinn verleihen - und Olivias Sicherheit ist eben dieser Sinn. Bezeichnend für die neue Einheit zwischen Fitz und Mellie ist auch, dass es ausgerechnet Mellie ist, die ihrem Mann diesen Weg weist.
Ein Gegner von neuem Format
Doch all das wird schon wenige Minuten darauf wieder überflüssig. Olivia fällt niemand anderem in die Hände als dem aktuellen Intimfeind der USA, dem Iran. Das Regime in Teheran, zusammengesetzt aus religiösen Fanatikern und oft skrupellosen Machtmenschen, kann Fitz nicht nur erpressen, es kann auch versuchen, über die gut informierte Olivia an Staatsgeheimnisse zu kommen. Und wir wissen ja, dass kaum jemand so viele Geheimnisse kennt wie die Problemlöserin Nummer eins in Washington.
Interessant wird es, ob die Scandal-Autoren den Iran als leere Floskel für einen angeblichen Schurkenstaat gewählt haben oder ob sie sich die Mühe machen, die aktuelle Lage einzubeziehen. Der Iran gehört neben dem Irak und Nordkorea zu den drei Ländern, die 2002 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush zur „Achse des Bösen“ erklärt worden waren. Nicht nur dadurch sind sie im kollektiven Gedächtnis der Amerikaner ein Name, der sie zusammenzucken lässt.
Doch seit 2013 laufen auch intensive Verhandlungen zwischen dem Westen und dem Regime in Teheran über das umstrittene iranische Atomprogramm, die für viele Beobachter ein Hoffnungsschimmer auf ein Ende der Sanktionen und der Feindschaft sind. Das Thema ist tagesaktuell, gerade im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos im Januar 2015 haben die Außenminister beider Länder, John Kerry und Mohammed Dschawad Sarif, sich für eine Beschleunigung der Verhandlungen ausgesprochen.
Bald wird sich zeigen, ob die Scandal-Macher ein umfassendes Bild von dem Staat im Nahen Osten zeichnen oder im Grunde das Wort Iran nur als Bezeichnung für die schlimmste Bedrohung der freien Welt und des Weltfriedens missbrauchen wollen.
Vielleicht steht dem Iran in der Serie Scandal aber auch einfach dasselbe Schicksal bevor wie Ian (Jason Butler Harner) in der Episode Full Circle. Er hat sich als vielversprechende Figur in Stellung gebracht und dann, zu Beginn der Episode, geht ein anderer (Chad Donella), der kein Charisma und keine Wichtigkeit hat, hin und schießt ihm in den Kopf. Statt einer echten Storyline war Ian nur ein kurzer Augenblick in der Geschichte vergönnt.
Fazit
Die Episode Full Circle hat mit zahlreichen fragwürdigen Szenen zu kämpfen, die oft Logik vermissen lassen. Wieso fällt Fitz erst jetzt ein, dass er an der Auktion teilnehmen will? Das hätte doch im Grunde seine erste Reaktion sein müssen, wenn er von der Auktion erfährt. Moral hin oder her, er hat ja nun schon einen Krieg für Olivia gestartet, da macht er doch kaum vor einer illegalen Auktion halt.
Einige andere Szenen funktionieren dagegen wunderbar und es ist bezeichnend, dass die entweder mit Mellie oder mit Olivia zu tun haben.
Promo zur Episode „The Lawn Chair“ (4x13) der US-Serie „Scandal“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 13. Februar 2015Scandal 4x12 Trailer
(Scandal 4x12)
Schauspieler in der Episode Scandal 4x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?