Scandal 4x11

In der Serie Scandal gibt es die politischen Tiere in den schicken Klamotten und mit den geföhnten Haaren. Und es gibt die Agenten, die sich in Jeans und Lederjacken in den Schatten verstecken. Olivia (Kerry Washington) ist das Verbindungsstück der positiven Art, ihr Vater war ihr negatives Gegenstück. Doch der spielt ja im Moment seltsamerweise keine Rolle mehr. Immerhin diejenigen, die in beiden Lagern übrig geblieben sind, arbeiten zusammen, um Olivia zu befreien.
Das unterschiedliche Liebespaar
Es kann nur eine Finte sein. Wir treffen Olivia wieder, und sie scheint gebrochen. Doch sobald sie das Glas während der Aufzeichnung an den Mund führt, ist klar, dass sie einen Plan verfolgt. Und so kommt es dann auch. Olivia ist nicht so einfach unterzukriegen. Sie kämpft bis zum bitteren Ende und nutzt jede kleine Gelegenheit, ihre Feinde zu manipulieren und ihren Freunden Hinweise zukommen zu lassen.
Olivia hat zwar wenig Gelegenheit zu glänzen, zeigt sich aber in der Episode Where's the Black Lady? gewohnt souverän.
Ebenfalls vorhersehbar, aber viel enttäuschender schneidet Fitz (Tony Goldwyn) ab. Die Szenen, in denen er wie in einer Wolke durchs Weiße Haus wandelt, zeigen, was für eine verschenkte Figur er eigentlich seit Beginn der Serie ist. Zum ersten Mal erleben wir seine Abgeschnittenheit und seine Passivität aus seiner Sicht, doch im Grunde verhält er sich seit der ersten Episode nicht anders. Erst lässt er sich von seinem Vater herumschubsen, dann wird er von einer Verschwörertruppe ins Amt gehievt, wo er dann in erster Linie Cyrus (Jeff Perry) entscheiden lässt, was passiert.
Die einzigen zwei Dinge, die er aus eigenem Antrieb getan hat, sind eine außereheliche Affäre anzufangen und Verna Thornton (Debra Mooney) zu ermorden. Beides macht ihn nicht sonderlich sympathisch. Und jetzt braucht er auch noch Tom, damit er das einzig Logische erkennt: Er kann die Situation nicht einfach aussitzen, oder in seinem Fall durchleiden.
Das ist doch so etwas wie die erste Lektion, die Olivia Pope uns mit auf den Weg gegeben hat: Manchmal braucht man einen Problemlöser von außen, und zwar je früher desto besser, jede vergebene Minute kann dramatische Konsequenzen haben.
Foltern für das Gute
Erst als Fitz also schließlich Jake einweiht, kann man aufatmen. Doch auch bis dahin sind die Gladiatoren nicht untätig geblieben. Bei OPI hat sich über den Verlauf der letzten Staffel eine bemerkenswerte Veränderung zugetragen. Alle Strategen und Diplomaten - wie Abby (Darby Stanchfield), Stephen Finch (Henry Ian Cusick) und Harrison (Columbus Short) - sind aus verschiedenen Gründen ausgestiegen oder direkt ins richtige Lager für sie gewechselt. Zurückgeblieben sind die ehemaligen B-613-Mitglieder, die Agenten mit dem undurchsichtigen Repertoire und den zerstörten Psychen.
Etwas seltsam ist es schon, dass Papa Pope (Joe Morton) nicht auftaucht, obwohl seine Tochter in Lebensgefahr schwebt. Doch die Konstellation ist sehr amüsant: Diejenigen, die an Olivias Befreiung arbeiten, sind allesamt von Rowan ausgebildet worden.
Nachdem also nun Huck (Guillermo Diaz), Jake (Scott Foley) und Quinn (Katie Lowes) im Bilde sind, geht es bergauf. Sie schrecken vor nichts zurück, um Olivia zurückzubekommen. Und auch wenn sie schwierige Voraussetzungen haben, kommen sie schnell voran. Sie erkennen den Glashinweis, den Olivia ihnen liefert, sie haben auch ein Ohr und das Kombinationsgeschick für unwichtig scheinende Hinweise. Und entgegen ihrer Ausbildung sind sie fähig, Allianzen zu schließen, wie die mit David Rosen.
Bessere Befreier kann Olivia sich eigentlich nicht wünschen. Schade, dass sie selbst ihrem Entführer den Hinweis darauf gibt, was noch möglich ist, und sie dadurch das Gefängnis verlassen. Wie schön, aber auch klischeehaft wäre es gewesen, wenn Jake wie in Olivias Traum reinstürmt und sie befreit hätte. Aber die Scandal-Autoren haben das Gefühl, den Spannungsbogen noch nicht ausgereizt zu haben. Und damit haben sie Recht.
Im Lager des Bösen
Der echte Badass in der Episode Where's the Black Lady? ist nicht die B-613-Clique, sondern Mellie (Bellamy Young). Die erste Szene mit Mellie führt zunächst zu einem Wutanfall gegenüber Fitz. Sie geht auf ihn zu. Sie versucht einen Umgang zu finden, mit dem beide glücklich werden können, gesteht ihm ihre erneute Affäre, und was bekommt sie dafür? Wieder einmal nur einen genervten Ehemann, der nicht einmal erkennt, dass sie diejenige ist, die ihm mit ihrem Problem helfen kann. Sie hat einen besonderen Zugang zu Andrew (Jon Tenney) und zeigt ganz deutlich, dass die Affäre mit Olivia kein Tabuthema mehr ist. Sie ist seine beste Chance auf Rettung, doch er stößt sie wieder einmal vor den Kopf.
Später überlegt er sich das nochmal und nutzt eine Gelegenheit, sich ihr anzuvertrauen. Es braucht noch einen blutigen Rücken und Mellie geht los, um das Problem mal wieder im Alleingang zu lösen. Sie klaut Andrews Handys und präsentiert damit die heißeste Spur zu den Entführern.
Doch das war wohl das einzige Kunststück, das sie in dieser Sache fürs Erste einbringen kann. Denn im Team der Bösen ergeben sich in der Episode Where's the Black Lady? große Veränderungen. Aus der undurchsichtigen Verschwörung wird ein Alleingang von Andrew, der die eingeschüchterte Lizzie (Portia De Rossi) abhängt. Das neue Gesicht ihres Lovers als Entführer sollte Mellie wohl von einer Fortsetzung der Affäre abschrecken, doch es kommt noch schlimmer. Statt sich immerhin an der Spitze der Gegner zu beweisen, wird Andres von seinem Handlanger angegangen und darf demnächst sein Dasein wohl in der Nichtigkeit fristen.
Damit entscheiden die Scandal-Macher sich richtig. Ian hat einfach zu viel Charisma, um als Handlanger einer zum Scheitern verurteilten Operation zu versauern. Er übernimmt die Regie und seine erste Amtshandlung ist es, Olivia ein Glätteisen vorbeizubringen.
Lizzie bleibt in einem seltsamen Status zwischen Gegner und gezwungener OPI-Verbündeter zurück, auch aus dieser Figur könnte man sicher noch mehr herausholen.
Fazit
Die Episode Where's the Black Lady? bringt, was zu erwarten war: Alle packen mit an, um Olivia zurückzubringen. Ob das in einer starken Episode mündet, liegt vor allem daran, wie die Scandal-Madcher die Charakterkarten ausspielen. Fitz zeigt sich weiterhin nervig, hat aber dank Mellie einige starke Szenen. Mellie ist wie gewohnt die Beste, und die versprengten Überreste von OPI arbeiten zusammen, um uns das heimelige Gefühl zu geben, dass Olivia nicht verloren ist und Freundschaft auch in einer so verkommenen Welt noch etwas zählt.
Promo zur Episode „Full Circle“ (4x12) der Serie „Scandal“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 6. Februar 2015Scandal 4x11 Trailer
(Scandal 4x11)
Schauspieler in der Episode Scandal 4x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?