Revolution 1x20

Das passiert im Finale der ersten Staffel von Revolution:
Da wollten sich Miles (Billy Burke) und Monroe (David Lyons) gerade erst gegenseitig umbringen, da müssen sie sich unerwartet zusammentun: Gemeinsam mit Nora (Daniella Alonso) flüchten sie vor den unbekannten Angreifern. Miles und Monroe geraten dabei in einen unterirdischen Wassersog, durch den sie aus dem Turm herausgespült werden. Nora gelingt es, im Turm zu bleiben. Draußen gehen die beiden ehemaligen besten Freunde wieder aufeinander los. Da wird auf einmal auf Monroe geschossen. Bestürzt muss der Tyrann feststellen, dass sich seine Soldaten gegen ihn gewandt haben. Und zwar unter der Führung von Neville (Giancarlo Esposito).
Im Turm sind Dan (Glenn Morshower) und Grace (Maria Howell) strikt dagegen, dass Rachel (Elizabeth Mitchell) den Strom wieder einschaltet. Sie argumentieren, dass die Naniten, die schon beim Einschalten fehlerhaft reagiert haben, auch beim Ausschalten eine gefährliche Reaktion zeigen könnten. Dan verbietet jeden Versuch - und droht jedem, der sich Ebene 12 nähert. Rachel, Aaron (Zak Orth) und Charlie (Tracy Spiridakos) versuchen es trotzdem. Sie bemächtigen sich der Codekarte von Grace. Doch wie sollen sie die zahlenmäßig weit überlegenen Wachen überwinden?
Weniger Reden, mehr Ballern!
Das war sie also, die erste Staffel von Revolution. Eine Serie, in der ausgehend von der Grundidee - eine Welt ohne Strom - so viel Potential gesteckt hätte, welches ungenutzt blieb. Immerhin verlagerte sich die Serie im letzten Drittel der Staffel so sehr auf die Action, dass die Science Fiction darüber sehr weit in den Hintergrund geriet. Und auch die von argen postpubertären Stimmungsschwankungen geplagte Charlie stand nicht mehr so sehr im Fokus, wodurch das Ganze - zumindest für den Rezensenten - am Ende nicht mehr so schmerzhaft war. Gerade mit der vorletzten Folge der Staffel, Children of Men, hat die Serie den endgültigen Kategoriewechsel vollzogen: von der vermeintlich ambitionierten Sci-Fi-Serie hin zu einem reinen Ballerspektakel.
In The Dark Tower wurde natürlich auch wieder reichlich geschossen. Aber nicht ganz so viel. Wodurch mit brachialer Gewalt wieder all die erzählerischen Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten an die Oberfläche vordrangen.
Die wundersame Machtübernahme
Beginnen wir bei Neville, der am Ende der letzten Folge befreit worden ist. Und gleich zu Beginn von The Dark Tower bereits den ganzen Laden schmeißt und den ehemaligen Kommandanten mal eben so nebenbei exekutiert. Ohne einen Kampf oder sonst irgendwelche größeren Schwierigkeiten sind alle Milizionäre (bis eben auf den einen) zu Neville übergelaufen - und sind jetzt, genau so wie sie vorher für Monroe gekämpft haben, nun blindlings auf dessen Blut aus. Das sind recht radikale Veränderungen in sehr kurzer Zeit, was das Ganze nicht sonderlich plausibel erscheinen lässt, ja am Anfang, als Neville mit seinem Amtsvorgänger spricht, sogar für regelrechte Irritationen sorgt („Moment mal! War Neville nicht gerade eben noch der Gefangene? Wie? Wo? Was? Hab ich was verpasst?“).
Get a Room, Boys!
Miles und Monroe prügeln immer mal wieder auf einander ein, ohne dass das irgendwo hinführen würde. Denn er kann ihn nicht töten. Und umgekehrt. Und Monroes Statements bezüglich seiner Motivation („Ich hab das doch alles nur für Dich getan!“) werden von Episode zu Episode seltsamer. Fast würde man sich wünschen, dass Neville Recht behielte und es tatsächlich unterdrückte homosexuelle Gefühle sind, die zwischen Miles und Monroe am Werke sind. Das wäre auf jeden Fall schon mal um ein Vielfaches interessanter als alles, was sich zwischen den beiden aktuell abspielt.
Vorsicht Falle
Die Falle. Nein. Nein. Darüber will ich eigentlich gar nichts schreiben, weil das Fremdschämen mit den Machern zu groß ist. Aber ich muss ja wohl...
Also, Rachel und Co. bauen in direkter Sichtlinie, so sieht es jedenfalls von der Inszenierung her aus, eine Stolperdraht-Falle für Dan und seine Leute auf, was von denen natürlich nicht bemerkt wird. Und natürlich ziehen sie, als sie ein Geräusch hören, geschlossen als Rudel los. Es bleibt niemand zurück, um die ach so wichtige Tür zu Ebene 12 zu bewachen. Nein, trotz eklatant überlegener Bewaffnung ziehen alle im Pulk los, um dann auch auf einen Schlag ausgelöscht zu werden.
So blöde haben sich Antagonisten seit den frühen 60er Jahren nicht mehr im US-Fernsehen verhalten.
Ausstieg aus der Energiewende
Und dann der Strom. Es ist ja schön, dass es Aaron gelingt, die Naniten abzuschalten, ohne dass die Welt in Brand gerät. Lediglich ein paar heftige Gewitter gehen nieder. Visuell ist das alles sehr schön umgesetzt. Auch ist es ein netter Zug der Folge, dass man nicht nur Statisten über die Wiederkehr des Stroms staunen lässt, sondern dafür vertraute Gesichter genommen hat. Auch wenn das bedeutet, dass Kim Raver hier nicht mehr zu tun hat, als etwas vergriffsstutzig einen Ventilator anzuglotzen.
Doch da ist noch etwas anderes: Gleich in dem Moment, wo wir auf dem Globus die Lichter der Vereinigten Staaten wieder angehen sehen, da stellt sich so ein merkwürdiges Gefühl ein, als hätten wir noch etwas vergessen. Ja, richtig. Es ist ja toll, dass die Naniten abgeschaltet sind, aber das heißt doch noch lange nicht, dass der Strom wieder da ist. Der ein oder andere mag ja denken, dass Strom einfach aus der Steckdose kommt.
Die Wahrheit ist aber, dass Strom erzeugt werden muss. Sollen wir wirklich glauben, dass die Kraftwerke einfach mal so auf Verdacht 15 Jahre lang in Betrieb geblieben sind? Oder dass sie über all die Jahre so tipptopp gewartet worden sind (und natürlich nicht auseinandergenommen und ausgeschlacht wie so vieles andere), dass sie jetzt auf einen Knopfdruck hin wieder hochgefahren werden können?
Bestimmt gibt es für dieses Problem eine Lösung. Irgendwas, das „man“ sich denken kann. Das ist nicht der Kritikpunkt. Der Kritikpunkt ist, dass es die Autoren nicht für nötig halten, ein solch fundamentales Problem überhaupt zu thematisieren. Es zeigt, mit welcher Nachlässigkeit sie ihren Stoff - und auch das Publikum - behandeln. So als ob uns dieses Problem nicht auffallen würde - oder genau so egal wäre wie ihnen. Das ist die Kritik.
Gefühle
Ja, es gibt auch ein paar gute Momente in der Folge. Dass Miles bei Nora bleibt, obwohl sie felsenfest davon überzeugt ist, dass er in Wahrheit (nur?) Gefühle für Rachel hat, und Nora, die zum zweiten Mal eine schwere Bauchverletzung erleidet, dadurch in dem Wissen stirbt, dass sie sich geirrt hat, zumindest so weit, dass sie Miles mindestens genau so wichtig gewesen ist wie Rachel, das ist ein sehr berührender Augenblick. Ohnehin ist es traurig, Nora sterben zu sehen, war sie doch mit Ausnahme ihres blödsinnigen Flaggen-Tattoos doch eine der weniger nervenden Figuren der Serie.
Der Patriot
Noch eine zweite Figur segnet in The Dark Tower das Zeitliche: Randall (Colm Feore) jagt sich eine Kugel in den Kopf, nachdem er sich als Patriot geoutet, ach ja, und außerdem zwei Atomraketen Richtung Atlanta und Philadelphia abgefeuert hat. An seinem Plot ergibt wirklich nichts einen Sinn. Monroe zu unterstützen, ja, ihn sogar mit Nuklearwaffen auszurüsten - inwiefern sollte das bitteschön dabei helfen, die Vereinigten Staaten zurückzubringen?
Und dann der Selbstmord: Häh? Wieso schießt der sich jetzt ein Loch in den Kopf? Vor allem: auch noch bevor er sich mit letzter Gewissheit sicher sein kann, dass sein Plan funktioniert hat. Das ist doch schlicht Unfug. Ihn wird ja wohl nicht plötzlich die Erkenntnis übermannt haben, dass der größte Dienst, den er seinem Vaterland erweisen kann, der ist, mitsamt seinem Patriotismus zur Hölle zu fahren.
Immerhin beschert uns der Plot am Ende einen wahrhaft brillanten Einfall der Autor: die Exil-Regierung der Vereinigten Staaten hat sich also nach Guantanamo zurückgezogen! Das ist so voll köstlicher Ironie, dass es einen fast - ich sage: fast! - die Fehler und Wirrnisse der 45 Minuten davor vergessen lässt.
Fazit
Das war's. Ich bin raus. Dass der Blackout absichtlich herbeigeführt wurde, ist zwar eine nicht ganz unspannende Enthüllung. Aber so, wie die Autoren den Stoff bislang gehandhabt haben, habe ich persönlich das Vertrauen verloren, dass sie diesen Plot zu einem befriedigenden Ende führen werden. Ob es weiterhin Reviews zu Revolution bei SERIENJUNKIES.DE® geben wird, wird sich im Herbst zeigen. Mit Sicherheit jedoch nicht mehr von mir. Es ist einfach nicht die Serie, die ich mir am Anfang - wie wohl die meisten - erhofft hatte. Und ich sehe keinen Sinn darin, darüber noch länger in Reviewform zu grübeln und zu klagen. Eine Staffel - das war für mich genug.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 5. Juni 2013(Revolution 1x20)
Schauspieler in der Episode Revolution 1x20
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?