Revolution 1x10

Das passiert in der Revolution-Folge Nobody's Fault But Mine:
Charlie (Tracy Spiridakos) ist von dem Streifschuss, der sie in Kashmir am Kopf erwischt hat, immer noch ganz schön mitgenommen. Miles (Billy Burke) quartiert sie samt Nora (Daniella Alonso) und Aaron (Zak Orth) bei Kip (Glynn Turman, House of Lies) ein, dem einzigen verbliebenen Freund, dem er in Philadelphia trauen kann. Er selbst macht sich unterdessen auf die Suche nach dem Ort, wo Monroe (David Lyons) Danny (Graham Rogers) gefangen hält.
Unglücklicherweise weiß auch Neville (Giancarlo Esposito) von Kip. Und so sind Charlie, Nora und Aaron schon bald Gefangene der Miliz. Miles schafft es zwar, die beiden letzteren aus der Gefangenschaft freizupressen, indem er Nevilles Frau (Kim Raver) als Geisel nimmt. Bei Charlie gelingt das nicht, weil sie inzwischen in ein altes Kraftwerk gebracht worden ist. Dort trifft sie nicht nur auf Danny, sondern auch auf ihre Mutter Rachel (Elizabeth Mitchell). Diese soll - angespornt dadurch, dass nun ihre beiden Kinder als Geiseln festgehalten werden - den Verstärker fertigstellen, ohne irgendwelche Dummheiten zu begehen.
Ein wohlgeformtes Finale
Kommen wir zuerst zum Positiven: Vom Aufbau her ist an Nobody's Fault But Mine nichts auszusetzen. Es ist ein würdiges Herbstfinale, welches gleich in verschiedener Hinsicht einen Einschnitt und Wendepunkt im bisherigen Seriengeschehen markiert: Charlie erfährt, dass ihre Mutter noch lebt. Die ehemals besten Freunde Miles und Sebastian stehen sich zum ersten Mal persönlich als Kontrahenten gegenüber. Es gelingt Charlie & Co. Danny aus der Gefangenschaft zu befreien (was ja schließlich seit der Pilotfolge - zumindest nominell - stets das Hauptziel der Protagonisten gewesen ist). Gleichzeitig erreicht aber auch Sebastian sein Ziel: Der Verstärker, den Rachel ihm bauen sollte, funktioniert. Er hat wieder Strom und kann seine Kampf-Hubschrauber starten lassen, was der Flucht unserer Helden - so der Cliffhanger - ein frühes und blutiges Ende zu setzen droht.
Dramaturgisch gesehen ist das ein sehr gutes Mittel, um die Zuschauer in die dreimonatige Winterpause zu entlassen. Ein wichtiges Zwischenziel wird erreicht. Gleichzeitig tut sich jedoch ein neues großes Problem auf. Man lässt die Figuren - und mit ihnen das Publikum - den Triumpf erfahren, etwas Bedeutendes geschafft zu haben. Zugleich steigt aber auch das Level an Gefahr, dem sie sich gegenübersehen. Das ist ein bereits in vielen Serien - meist am Staffelende - bewährtes Verfahren, welches die Befriedigung über die Auflösung einer Handlung mit der Spannung über eine neue Plot-Entwicklung kombiniert. Und in Revolution lehrbuchmäßig zum Einsatz kommt.
Neville
Dabei macht Nobody's Fault But Mine über weite Strecken sogar einen recht stimmigen Eindruck. Dass Miles anfangs allein loszieht, ist natürlich für die Zwecke des späteren Plots sehr praktisch, weil so nur die anderen Neville ins Netz gehen. Zugleich ist es aber auch durchaus nachvollziehbar: Zwar ist die Gefahr, dass man ihn erkennt, bei Miles am größten. Er kennt sich aber auch am besten in der Stadt aus - und ist als einsamer Späher unauffällig und beweglich.
Neville hat eine sehr gute Szene mit Aaron, in der er ihn genüsslich den Tausch der sozialen Rollen spüren lässt: In der elektrischen Welt mag Aaron einer der Größten gewesen sein. Doch in der post-elektrischen Welt ist er ein Niemand. Deutlich tritt hier noch mal Nevilles Motivation zu Tage: Der Underdog, der endlich die Oberhand hat - oder zumindest zu haben glaubt. Denn tief in ihm drin steckt durchaus immer noch der kleine Angestellte aus dem cubicle, der, als es um seine (eigentlich viel zu schöne) Frau geht, mit deutlichen Spuren der Einschüchterung genau das tut, was Miles ihm sagt, und gar nicht erst irgendwelche linken Touren probiert. Das ist aus der Figur heraus absolut plausibel.
Charlie: Auf dem Weg der Besserung?
Wie gesagt: Über weite Strecken macht Revolution hier einen recht stimmigen Eindruck. Und sogar Charlie nervt zur Abwechslung mal nicht. Dem unerwarteten Auftauchen ihrer Mutter begegnet sie mit Vorsicht und Verwirrung: Sie weiß nicht genau, was sie davon zu halten hat. Doch konzentriert sie sich - hat sie vielleicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? - auf das Wichtige. Sie sind hier, um Danny zu befreien. Alle Diskussionen und Erklärungen haben Zeit bis danach.
Damit macht sie einen für ihre Verhältnisse geradezu besonnenen Eindruck, welchen sie sogar noch zu verbessern versteht, als sie sich als erste Figur gegen die bis dahin unumstößliche „Die-Familie-geht-über-alles-und-rechtfertigt-auch-Mord“-Doktrin ausspricht: „Some things are more important than family.“ Sie will nicht, dass sich ihre Mutter erpressen lässt, und wäre bereit, sich dafür auch erschießen zu lassen. Und zum ersten Mal seit längerer Zeit wünscht man sich, dass es nicht passiert.
Nicht zielsicher
Revolution wäre aber nicht Revolution, wenn nicht doch noch ein großer, dicker Wermutstropfen hinterher käme. Und der betrifft vor allem Miles. Über das Actionfilm-Klischee, dass bei ihm nahezu jeder Schuss ein Treffer ist, während er durch den Kugelhagel von einem halben Dutzend Milizionäre laufen kann, ohne einen Kratzer abzubekommen, könnte man ja vielleicht noch hinwegsehen. Nicht aber über die Szene mit Sebastian. Dabei ist das Set-up bis zu diesem Moment hin wirklich gut gewesen: Durch die Rückblenden erfahren wir, dass die beiden eine jahrzehntelange, tiefe Freundschaft verbindet, welche bis in ihre Kindheit zurückgeht - und zumindest in den Augen Sebastians sogar eine Art Familienbande begründet.
Im Grunde ist die Konfrontation zwischen den beiden eine richtig starke Szene. Sebastian verunsichert Miles, indem er die Pistole fallen lässt und sich ihm unbewaffnet nähert, während er gleichzeitig um seine Gunst wirbt und genau das tut, was Miles schon in seiner Halluzination in Kashmir vorausgeahnt hat: Er bietet ihm an, in die Miliz zurückzukehren. In ungemein brutaler, verletzender Art weist Miles ihn jedoch zurück. Sebastian könnte einem in diesem Moment fast leid tun. Zugleich zeichnet sich ab, wie er auf diese Provokation reagieren wird.
Aber was macht Miles? Schlimm genug, dass er den Gewehrlauf abgesenkt hat. Er lässt ihn auch unten! Er wirft seinem früheren Freund diese furchtbaren Dinge an den Kopf, auf die schon ein normaler Mensch ungehalten reagieren würde, geschweige denn ein gemeingefährlicher Militär-Diktator. Doch Miles tut nichts anderes als seelenruhig abzuwarten, bis Sebastian ihm das Gewehr zu entreißen versucht. Dem dramatischen Effekt (nämlich dem kurzen Moment, in dem wir als Zuschauer glauben könnten, dass Sebastians Worte bei Miles auf fruchtbaren Boden gefallen sind) opfert die Folge hier leider jede Plausibilität.
Es ist klar, dass Miles Sebastian hier nicht so ohne Weiteres in Folge Zehn umlegen kann. Das wäre ja quasi das Ende der Serie. Er hätte abdrücken können, aber das Magazin wäre schon leer gewesen. Oder irgendetwas anderes, das ihn nicht gar so schlecht und amateurhaft hätte aussehen lassen. So ist es nämlich wirklich „Nobody's Fault But Miles'“.
Fazit
Elizabeth Mitchells body count in der Serie steigt und steigt. Und Revolution liefert mit Nobody's Fault But Mine ein actiongeladenes Herbstfinale ab, welches eindeutig zu den besseren Folgen der Serie zählt, auch wenn es natürlich trotzdem einige Kopfschüttel-Momente gibt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 28. November 2012Revolution 1x10 Trailer
(Revolution 1x10)
Schauspieler in der Episode Revolution 1x10
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