Revolution 1x09

Das passiert in der Revolution-Folge Kashmir:
Charlie (Tracy Spiridakos), Miles (Billy Burke), Nora (Daniella Alonso) und Aaron (Zak Orth) sind nur noch zwanzig Meilen von Philadelphia entfernt. Um in die Stadt zu gelangen und Danny (Graham Rogers) zu befreien, sind sie auf die Unterstützung der Widerstandsbewegung angewiesen. Die US-Rebellen stehen ihrem Ansinnen zunächst allerdings sehr skeptisch gegenüber. Vor allem Miles, den sie ja noch als befehlshabenden General von Monroes (David Lyons) Miliz kennen, weckt ihr Misstrauen. Dabei ist das Angebot, dass er ihnen unterbreitet, durchaus verlockend: Wenn die Widerstandsbewegung ihm hilft, Danny zu retten, will er ihnen im Gegenzug Monroes Kopf auf dem Silbertablett servieren.
Tatsächlich entsendet die Bewegung schließlich einen kleinen Trupp, angeführt von Sergeant Wheatley (Reed Diamond, Franklin & Bash), der Miles und den anderen bei ihrer Mission helfen soll. Durch einen unterirdischen Eisenbahntunnel versuchen sie, unbemerkt in die Stadt zu kommen. Dabei haben sie mit einigen Hindernissen zu kämpfen. Der Weg ist nicht nur vermint. Nach einer Explosion mit anschließendem Deckeneinsturz wird auch der Sauerstoff im Tunnel knapp...
Tunnelblick
Die Produzenten von Revolution sind ja ausgemachte Sparfüchse. Weil sich post-elektrische Städte überwiegend nur mittels CGI realisieren ließen, laufen Charlie & Co. die meiste Zeit über durch Wald und Wiese. Da das bei ihrem Ziel Philadelphia nicht länger möglich wäre, behelfen sich die Macher in Kashmir mit dem Kniff, die Gruppe einfach durch einen unterirdischen Tunnel latschen zu lassen. Weil das, selbst man sich eine Explosion und Wasserschäden gönnt, wohl immer noch billiger kommt, als müsste man im Grunde sämtliche Hintergründe am Computer schaffen. Dass das keine so gute Idee ist, wenn dafür nicht die nötige Zeit und das nötige Geld vorhanden sind, zeigt ja das - ansonsten brillante - Once Upon a Time immer mal wieder.
Anerkennen muss man auf jeden Fall, dass die Macher von Revolution das Geldspar-Setting aber auch für einen netten Einfall zu nutzen verstehen. Erst wird das Publikum geschickt in die Irre geführt, da wir - sowohl im Fall von Miles' „Milizionär“ als auch von Noras „Alligator-Attacke“ - zunächst das Gleiche sehen wie die Protagonisten. Hier gibt sich die Serie mal wirklich unvorhersehbar - und zwingt den Zuschauer in schneller Folge, seine Hypothesen darüber, was da eigentlich vor sich geht, anzupassen.
In den Kopf geschaut
Nachdem schließlich klar ist, dass es sich um durch Sauerstoffmangel induzierte Halluzinationen handelt, öffnet die Serie durch eben diese ein Fenster in die inneren Befindlichkeiten der Figuren, was zu durchaus interessanten Einblicken in die inneren Konflikte der Charaktere führt: Miles fürchtet, dass er immer noch Sympathien für Monroe hegt - und sich deshalb möglicherweise erneut nicht in der Lage sehen wird, ihn tatsächlich zu töten. In Aarons Kopf schwirrt derweil die Frage, warum er nicht schon genau so stark gewesen ist, als es darum ging, seine Frau zu beschützen. Hat er sie etwa, wie ihr halluziniertes Abbild (Maureen Sebastian) ihm entgegenwirft, gar nicht wirklich geliebt?
Die Figuren müssen sich schwierigen Fragen stellen, was sie für den Zuschauer auf jeden Fall schon mal ein ganzes Stück weit interessanter macht. Die Ausnahme ist hier leider mal wieder Charlie, deren Halluzination/Nahtoderfahrung darin besteht, dass sie sich wieder ein Leben als Daddys Little Girl erträumt. Es liegt mir ja normalerweise fern, einer Figur gegenüber gehässig zu sein. Aber zur Ehrlichkeit des Rezensenten gehört, dass sich irgendwo inmitten dieser Szene bei mir der Gedanke eingeschlichen hat: „Ach Charlie, lass doch die Augen lieber zu...“
Bestechend
Keiner Halluzinationen bedarf es, um die dunklen Aspekte von Rachels (Elizabeth Mitchell) Charakter zu erkennen: Um sich und ihren Sohn zu retten, geht sie sogar so weit, dass sie ihren ehemaligen Kollegen (Conor O'Farrell) mit einem Stich ins Herz ermordet. Wie schon in Chained Heat (als sie hinterrücks den Plünderer erschossen hat), stellt sie hier unter Beweis, dass es nichts gibt, was sie aus purem Selbsterhalt nicht tun würde. Was die Szene am Ende von Kashmir so spannend macht, ist dabei nicht zuletzt die Ambiguität, die in ihr liegt: So kommt Dr. Jaffe bemerkenswert schnell zu der Einschätzung, dass es sich bei dem Amulett-Verstärker in Wahrheit um eine Bombe handelt. So schnell, dass man sich als Zuschauer fragen muss, ob er nicht lügt - und Rachel nicht ganz einfach nur in die Pfanne hauen will, weil diese ihn in The Children's Crusade verraten hat.
Eine andere Frage ist: Wenn es wirklich eine Bombe war, wäre es dann nicht im Interesse von Dr. Jaffe gewesen, mit Rachel zu koopieren statt sie zu verraten? Ganz offensichtlich hat Monroe (was ein Problem für sich ist: Wo sind eigentlich all die anderen Wissenschaftler und Ingenieure hin? Aber gut...) ja niemanden sonst, um die Natur und Funktion des Geräts einzuschätzen. Noch nicht einmal jemanden, der hinterher mit Gewissheit hätte sagen können, dass es eine Bombe und nicht nur eine Fehlfunktion des Verstärkers gewesen ist.
Dass man sich als Zuschauer überhaupt solche Fragen stellt, ist schon mal für die Verhältnisse von Revolution sehr gut, weil es heißt, dass das Netz aus Verrat und Gegenverrat, das sich hier offenbart, zumindest genug Interesse weckt, um sich damit gedanklich zu beschäftigen.
Nichts ist unmöglich
In einer anderen Hinsicht bleibt sich Revolution allerdings erschreckend treu: Schon, als es zu Anfang heißt, dass Charlie & Co. es nur mit dem Widerstand schaffen werden, nach Philadelphia reinzukommen und Danny zu befreien, ist im Grunde schon klar, wie es kommen muss: Vom Widerstand ist am Ende der Folge niemand mehr übrig. Und unsere Protagonisten schaffen es letztlich auch so hinein - und sind wieder auf sich gestellt. Das Grundmuster „Wir behaupten, etwas ist unmöglich - und dann ist es das am Ende doch irgendwie nicht“ wird konsequent durchgehalten.
Fazit
Altbekannte (Logik-) Schwächen, aber auch einige recht gute Ansätze. Die Idee mit den Halluzinationen erweist sich als günstige Gelegenheit, das Interesse an den Figuren zu verstärken.
Trailer zu Folge 1x10 „Nobody's Fault But Mine“
[videosj=revolution-1x10-trailer]
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 21. November 2012(Revolution 1x09)
Schauspieler in der Episode Revolution 1x09
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