Revolution 1x08

Das passiert in der Revolution-Folge Ties That Bind:
Miles (Billy Burke), Charlie (Tracy Spiridakos), Aaron (Zak Orth) und Nora (Daniella Alonso) müssen auf ihrem Weg nach Philadelphia einen reissenden Fluss überqueren. Die einzige Brücke, die es im Umkreis von hundert Meilen noch gibt, erweist sich jedoch als eine Falle. Sergeant Strausser (David Meunier), der von Monroe (David Lyons) mit der Beschaffung des Medaillons beauftraft wurde, lauert ihnen mit seinen Männern dort auf, was Miles jedoch noch rechtzeitig bemerkt, so dass ihnen die Flucht gelingt. Doch Strausser hat noch eine Trumpfkarte: Noras Schwester Mia (Alyssa Diaz, The Nine Lives of Chloe King), die er im Austausch gegen das Medaillon und Miles freilassen will.
Captain Neville (Giancarlo Esposito) muss unterdessen feststellen, dass sein Sohn (J.D. Pardo) auf Anweisung von General Monroe inhaftiert wurde - und gefoltert wird, weil er sich bei einem Stallburschen danach erkundigt hat, wohin Strausser geritten ist. Monroe sieht darin einen Verrat. Er stellt Neville vor die Wahl: Entweder er schickt den Jungen ins ferne Kalifornien, oder Monroe lässt ihn hinrichten. Gut, dass Nevilles Frau Julia (Kim Raver, 24) von einer Hausangestellte hört, dass der Sprösslings eines anderen Offiziers noch viel mehr „Dreck am Stecken“ hat...
Ein bisschen Wissenschaft
Die Medienwissenschaftlerin Saskia Böcking hat eine so genannte Toleranztheorie der Filmrezeption aufgestellt, derzufolge es drei verschiedene Verarbeitungsmodi von (fiktionalen) Filminhalten gibt: Erstens, die unkritische Verarbeitung. Das ist für die meisten Zuschauer der Standardmodus: Wir glauben das, was wir da erzählt bekommen, zunächst unhinterfragt. Wir wissen, dass es Fiktion ist. Aber so lange wir eine Wirklichkeitsnähe erkennen und etwaige Fehler in Sachen Realitätsgehalt und Handlungslogik unsere Wahrnehmungsgrenze nicht überschreiten, befinden wir uns in der Illusion.
Zweitens, die tolerante Verarbeitung. Uns fallen in einer Filmhandlung Dinge auf, die entweder unrealistisch und/oder unlogisch sind, aber wir sind in der Lage diese Verletzungen von Wirklichkeitsnähe und Handlungslogik zu ignorieren beziehungsweise wegzuinterpretieren und können dadurch weiterhin in der Illusion bleiben. Drittens, die kritische Verarbeitung. Die Reizintensität durch unrealistische oder unlogische Handlungselemente ist so groß, dass der Zuschauer sie nicht länger hinnehmen kann - und deshalb in einen kritischen und ablehnenden Rezeptionsmodus überwechselt. Er ist nicht länger in der Illusion, sondern sucht nun regelrecht nach weiteren Fehlern, die seine Hypothese bestätigen, dass sich die Handlung nicht zu einem wirklichkeitsnahen und logisch geschlossenem Ganzen zusammensetzen lässt.
Der kritische Zuschauer
Viele Leser, die in den vergangenen Wochen die Revolution-Reviews kommentiert haben, haben dabei ganz klar durchscheinen lassen, dass sie die Serie nur noch in diesem dritten Rezeptionsmodus schauen. Die häufig gestellte Frage, warum sie dann nicht einfach aufhören, die Serie zu sehen, lässt sich wohl so beantworten, dass auch die negative Annahme, dass eine Serienhandlung unrealistisch (vor allem bezogen auf das Verhalten der Protagonisten) und/oder unlogisch ist, eine so starke Faszination ausüben kann, dass man dranbleibt, obwohl einen die Serie in der ursprünglich intendierten Weise nicht (mehr) unterhält. Zusätzlich steht dem Zuschauer offen, sich dadurch, dass er sich beispielsweise über die Serie lustig macht, ein ganz eigenes Unterhaltungspotenzial zu eröffnen.
Die vorliegenden Reviews entstehen auf der Grundlage des zweiten oben beschriebenen Rezeptionsmodus: der toleranten Verarbeitung. Ja, Fehler fallen auf und werden auch benannt, aber der Rezensent versucht, sich den Rezeptionsgenuss der „guten“ Passagen dadurch nicht verderben zu lassen. Wie lange das allerdings noch gelingt, ist nach Ties That Bind in der Tat die Frage. Sollte es irgendwann nicht mehr gehen, dann müsste ich wohl die Reviews zu Revolution einstellen oder an einen anderen Kollegen übergeben, da Reviews, die nicht mehr aus dem Eintauchen in die Serien-Illusion heraus geschrieben werden, in meinen Augen nur noch wenig Sinn ergeben. „Ach, was war das wieder schlecht“ ist für mich keine gute Grundlage, um daraus jede Woche einen Text zu verfassen.
Wasserscheu?
Doch zur eigentlichen Folge: Die macht es einem von der ersten Minute an nicht leicht, in der Illusion zu bleiben. Als Miles davon berichtet, dass die nächste Brücke hundert Meilen entfernt ist, da schreit es geradezu im Kopf des Rezipienten: „Warum schwimmt Ihr nicht auf die andere Seite???“ Und natürlich ist es genau so wie schon in den Episoden der vergangenen Wochen: Etwas wird als unmöglich hingestellt, nur damit es etwa eine halbe Stunde später genau so eintritt.
Mit Straussers Leuten im Nacken springen unsere Helden einfach in den reissenden Strom - und kommen eine Werbepause später völlig wohlbehalten am anderen Ufer an. Mit anderen Worten: Das große Problem, das die Serie am Anfang behauptet hat, war also gar keines. Und dem Zuschauer muss es so vorkommen, als hätten sich alle Schwierigkeiten, in welche unsere Helden dadurch in den letzten 30 Minuten geraten sind, also ganz einfach umschwimmen lassen. Das sind wahrlich Gedanken, die einen sehr leicht aus dem Konzept und aus der Illusion herausreißen könnten.
Lady Macbeth
Positiv schlägt für die Folge zu Buche, dass der Verrat Mias tatsächlich ziemlich überraschend kommt, schließlich ist sie durch die Rückblenden eigentlich als süßes, unschuldiges Ding eingeführt worden. Das Ganze ist trotzdem nicht unplausibel: sie will ihre Schwester um jeden Preis bei sich haben - und greift deshalb zu diesem extremen Mittel. Auch der Plot um Nevilles Frau, die ihren Gatten zum Umsturz aufzustacheln versucht, ist zumindest vielversprechend.
Am Schluss betreibt Ties That Bind partielles Cliffhanger-Recycling: Dass Randall (Colm Feore) zu Grace (Maria Howell) in die Zelle kommt, war schließlich schon in der letzten Woche das Finale. Ergänzt wird dies in dieser Woche nur noch durch die Enthüllung, dass Randall eine Übersicht über den Standort aller Medaillons hat - und in einer Anlage residiert, die einen an einen Teilchenbeschleuniger denken lässt.
Fazit
Charlie hat wenig zu melden, dafür darf sich Aaron erneut gegen Miles behaupten. Ties That Bind hat gute Seiten, die jedoch unter den inzwischen schon alt bekannten Plot-Problemen verschüttet zu werden drohen.
Trailer zu Folge 1x09 „Kashmir“
[videosj=revolution-2x09-trailer]
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 14. November 2012(Revolution 1x08)
Schauspieler in der Episode Revolution 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?