Revolution 1x07

Revolution 1x07

Kinder bedeuten nur Ärger. Ständig werden sie entführt. Und dann wird man auch noch durch sie erpressbar. Das ist eine der Lehren, die man aus The Children's Crusade mitnehmen könnte. Eine Folge, die erstmals mit ein paar Antworten zum großen Blackout aufwartet.

So ein Landspaziergang ist doch etwas Schönes... / (c) NBC
So ein Landspaziergang ist doch etwas Schönes... / (c) NBC

Das passiert in der Revolution-Folge The Children's Crusade:

Auf dem Weg nach Philadelphia beobachten Charlie (Tracy Spiridakos), Miles (Billy Burke), Aaron (Zak Orth) und Nora (Daniella Alonso), wie ein Trupp Milizionäre einen Jungen etwa in Dannys Alter abtransportieren. Charlie will dem Jungen helfen, doch Miles hält sie auf: Sie können nicht allen unterwegs helfen, wenn sie weiterhin Danny (Graham Rogers) auf der Spur bleiben wollen. Miles ändert seine Meinung jedoch, als sie auf ein ganzes Camp elternloser Kinder stoßen. Ihm wird klar, dass die Kinder erst durch ihn und die von ihm damals befehligte Miliz elternlos geworden sind. Peter (Griffin Freeman), der Junge, den sie unterwegs gesehen haben, war der Älteste von den Kindern und so etwas wie ihr Behüter. Charlie und Miles beschließen, dass sie ihn aus den Händen der Miliz befreien müssen. Diese will Peter nämlich zwangsrekrutieren.

Monroe (David Lyons) ist derweil recht enttäuscht von den Informationen, die Rachel (Elizabeth Mitchell) ihm bislang gegeben hat. Keinen ihrer ehemaligen Kollegen, die jeweils eines der magischen Strom-Medaillons besitzen sollen, hat er dort angetroffen, wo Rachel sie hingeschickt hat. Das heißt, ein ehemaliger Kollege (Conor O'Farrell) ist ihnen doch ins Netz gegangen. Er will jedoch partout selbst unter der größten Folter nicht sprechen. Rachel bietet sich an, ihn auszuhorchen...

Die alten Probleme

The Children's Crusade ist die seit der Pilotfolge wahrscheinlich beste Episode von Revolution. Das heißt nicht, dass es nicht auch hier noch genug Momente gibt, die einen mit dem Kopf schütteln lassen. Als hätten wir nicht schon mit Charlie genug, gibt es in The Children's Crusade gleich noch ein Kid, bei dem die Suche nach dem eigenen Bruder jeden Funken gesunden Menschenverstands auszuschalten scheint. Natürlich muss sich der Junge (Colin Ford) blindlings in die Gefahr stürzen. Das erwartet man ja schon gar nicht mehr anders. Immerhin eröffnet es Miles die Gelegenheit, gegenüber Charlie den wohl besten, weil treffendsten Satz der ganzen Folge anzubringen: „It's irritating to have a dumb kid tell you what to do, isn't it?“ Dem kann man nur beipflichten!

Auch der Ablauf der Folge ist mal wieder sehr bezeichnend: Wie schon in der vergangenen Woche in Sex and Drugs wird Charlie allein auf eine gefährliche Undercover-Mission geschickt, weil es angeblich keinen anderen Weg gibt, auf das Rekrutierungsschiff zu gelangen. Nur damit sich am Ende herausstellt, dass dem eigentlich nicht so gewesen ist. Miles und Nora gelingt es, scheinbar mühelos bei Nacht und Nebel an Bord zu klettern - und nicht nur Peter, sondern auch die mittlerweile gebrandmarkte Charlie zu befreien. Und wäre nicht der jugendliche Blödie (siehe oben) gewesen, dann hätten sie es wohl auch genau so problemlos von Bord geschafft.

Es ist ja vollkommen legitim, wenn die Autoren nach Wegen suchen, um Spannung zu erzeugen. Das ist sogar sehr begrüßenswert. Problematisch ist es nur, wenn die Strategien dabei so durchsichtig sind - und sich der Anlass für die spannende Situation als vollkommen fadenscheinig erweist.

Eine fragwürdige Entscheidung

The Children's Crusade hat aber auch dezidiert gute Seiten. Elizabeth Mitchell bekommt endlich mal etwas mehr zu tun, als nur mit stoischer Ruhe die Verhöre von Sebastian über sich ergehen zu lassen. Der Konflikt, den Rachel mit sich austrägt zwischen dem Wohl des eigenen Kindes und dem Allgemeinwohl, ist zwar wahrlich nicht neu. Im Actiongenre hat vor allem 24 dieses Thema bereits hinlänglich durchdekliniert. Bemerkenswert ist jedoch die Konsequenz, mit der Rachel allein ihrem Mutterinstinkt folgt. Sie versucht gar nicht erst irgendeinen Trick oder ein doppeltes Spiel, nein, sie steigt voll auf die Erpressung ein - und versucht, ihren Ex-Kollegen durch Lug und Betrug das Geheimnis um das Medaillon-Versteck zu entlocken. Nicht ahnend, welche gravierenden Konsequenzen ihr Verrat für ihn hat.

Endlich kommt damit mal etwas Leben, etwas Drama in die Serie. Wie wir den Rückblenden in die Zeit vor dem Blackout entnehmen, hat Rachel vor der Entscheidung zwischen ihren Prinzipien und ihrem Sohn schon einmal gestanden. Und hat sich - in dem klaren Bewusstsein, dass sie mit dem Angebot der medizinischen Behandlung gekauft werden soll - gegen ihre Prinzipien entschieden.

Das ist durchaus bemerkenswert: Denn häufig versuchen (Network-) Serien ja, ihre Protagonisten von allem Fehl und Tadel reinzuwaschen. Sie tun nicht wirklich absichtsvoll etwas Böses, sondern werden allenfalls gezwungen oder hereingelegt. Interessant an The Children's Crusade ist, dass sowohl Rachel als auch ihr Mann Ben (Tim Guinee) sich mit dem Wissen über die möglichen Konsequenzen für die „böse“ Option entscheiden. Um die Finanzierung für sein Projekt sicherzustellen, ist Ben auch bereit in Kauf zu nehmen, dass das Verteidigungsministerium - hier repräsentiert durch den neuen Big Bad Colm Feore - die Technologie als Waffe einsetzen könnte. Ben und Rachel werden damit beide in ein - für die Serie erfrischendes - Zwielicht gerückt.

Energiewende mit Nebenwirkungen

Erfreulich ist auch, dass wir durch die Rückblenden erstmals zumindest eine rudimentäre Antwort darauf erhalten, was hinter dem Blackout steckt. Ben und Rachel haben also gemeinsam mit ihrem Team an einer Technologie geforscht, welche billige und umweltfreundliche Energie erzeugen sollte. Nur dass ihre Versuche fehlgeschlagen sind - und sie auf eine Technologie gestoßen sind, die das genaue Gegenteil erreicht. Die Unterbindung von elekrischem Strom. Womit von den unter den Zuschauern kursierenden Überlegungen die Dämpfungsfeld-Theorie der Sache wohl am nächsten kommt.

Aaron steht seinen Mann

Ebenfalls positiv für die Episode zu Buche schlägt, dass Aaron, der anfangs so nutzlos wie nur sonst was schien, langsam - als Figur - an Statur gewinnt. Sein Subplot, in dem er, der Kinder eigentlich meidet, eine Gruppe von Kids vor den Milizionären rettet, gerät sehr spannend. Gerade weil wir als Zuschauer Aaron für den denkbar ungeeignetsten Beschützer halten. Doch, als es brenzlig wird, steht er seinen Mann. Und er stellt sich sogar offen gegen Miles, als dieser das Medaillon zerstören will, und geht aus der Herausforderung definitiv gestärkt hervor. Sollte an Aaron am Ende gar ein Hurley verloren gegangen sein?

Fazit

The Children's Crusade ändert nichts an den vielen grundsätzlichen Problemen von Revolution, die hier in den letzten Wochen schon ad infinitam erörtert und diskutiert worden sind. Gleichzeitig muss man jedoch anerkennen, dass die Folge gegenüber den Episoden seit dem Piloten ganz klar positiv heraussticht. Ob das zum Trend wird, muss sich allerdings noch zeigen.

Trailer zu Folge 1x08 „Ties That Bind“

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 7. November 2012
Episode
Staffel 1, Episode 7
(Revolution 1x07)
Deutscher Titel der Episode
Ein allzu vertrautes Schicksal
Titel der Episode im Original
The Children's Crusade
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 5. November 2012 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Dezember 2014
Autor
Matt Pitts
Regisseur
Charles Beeson

Schauspieler in der Episode Revolution 1x07

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?